Pep GuardiolaDer Glasperlenspieler

Pep Guardiola, der neue Trainer des FC Bayern, liebt Immanuel Kant, Hermann Hesse und den Fußball als Schachspiel auf grünem Rasen. von Cathrin Gilbert

Bayerns neuer Trainer Josep Guardiola

Bayerns neuer Trainer Josep Guardiola  |  © Olivier Morin/AFP/Getty Images

Der Mann schweigt und füllt trotzdem die Titelseiten aller europäischen Zeitungen. Der Spanier Pep Guardiola wird von der nächsten Saison an den FC Bayern München trainieren. Er hat einen Dreijahresvertrag unterschrieben, in der vergangenen Woche wurde der Deal verkündet. Seitdem beherrscht Guardiola die Gespräche an vielen Abendbrottischen. Die Väter und Söhne können die Ankunft des Messias kaum erwarten, weil er innerhalb von vier Jahren mit dem FC Barcelona 14 Titel gewonnen hat und der Fußball, den er lehrt, auch noch schön anzusehen ist. Frauen finden den 42-Jährigen mit den Rehaugen einfach nur attraktiv und charmant. Der Deutsche Fußball-Bund träumt öffentlich davon, dass Guardiola den Deutschen diesen effektiven Stil beibringen könnte, mit dem die spanische Nationalmannschaft die letzten beiden Europameisterschaften und die Weltmeisterschaft gewonnen hat. Wie »Marsmenschen« würde die Vereinsführung bestaunt, sagt Uli Hoeneß, der Präsident des FC Bayern, und er staunt mit.

Seitdem er den Job als Trainer des FC Barcelona im Sommer 2012 aufgegeben hat, lebt Guardiola mit seiner Familie an der Upper West Side von Manhattan. Von ihrem Apartment aus schauen sie auf den Central Park. Der Vater bringt seine Kinder Maria, Valentina und Marius mit der U-Bahn zur Schule, anschließend besucht er Vorlesungen über Ökonomie, die sein Freund Xavier Sala-i-Martin, der ehemalige Leiter des Wirtschaftsrates des FC Barcelona, an der Columbia-Universität hält. Bei schönem Wetter segelt Guardiola mit seiner Frau Cristina Serra auf dem East und Hudson River. Mit der Auszeit hat er sich einen Traum erfüllt – nur wenige Trainer gönnen sich das auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs.

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Es könnte der Eindruck entstehen, dass Guardiola menschenscheu ist. Aber das täuscht. Er hasst nur die Show. Es war gerade diese künstliche Blase, geschaffen von Medien, Sponsoren und Managern, die den Spanier nach Amerika trieb.

Wenn man sich mit ihm unterhält, dann lernt man einen Menschen kennen, der von zwei Sehnsüchten getrieben ist: Seine Berufung sieht er darin, eine Mannschaft taktisch zu perfektionieren.

Allerdings spricht Guardiola nicht öffentlich über sein Ziel und den Weg dahin. Er meidet es, sich selbst unter Druck zu setzen.

Das Leben, findet er, darf nicht nur aus Fußball bestehen

Philosophie ist Guardiolas zweite große Liebe. Ihn faszinieren Immanuel Kant und die Texte Hermann Hesses, und irgendwie gelang es dem Spanier bisher, diese beiden Deutschen in die tägliche Arbeit mit seiner Mannschaft einzuspannen.

Verbessern können sich die Spieler nur, das ist Guardiolas Maxime, wenn sie sich jenseits des Fußballs für die wahren Fragen des Lebens interessieren. Sie sollen sich bilden, und sie sollen verstehen, dass das Leben eine Aufgabe ist, der man mit Demut begegnen muss.

Er diskutiert mit den einen über Texte, mit anderen über Musik oder Mode. So sollen die Athleten in der fremdbestimmten Fußballwelt die Fähigkeit entwickeln, selbstständig zu denken. Wenige Spieler haben heute ausgeprägte Biografien, sie werden in Internaten identisch geformt. Ihnen zu helfen, einen eigenen Willen und eigenen Geschmack zu entdecken, das sei eine der größten Aufgaben für den Trainer, meint Guardiola.

Leserkommentare
  1. 17. Exakt

    Marx is claiming it was offside
    musste auch daran denken :D

  2. 18. [...]

    Gekürzt, da unsachlich. Die Redaktion/ls

    Antwort auf "Kant; Hesse, Guardiola"
  3. ...eines sicherlich sehr interessanten Menschen, der vermutlich nicht nur als Trainer sonder auch als Persönlichkeit eine Bereicherung für den FC Bayern und womöglich die ganze Bundesliga sein kann.

    Wohlgemerkt: Sein *kann*.

    In der derzeitigen "Guardiolamania" wird mit Überhöhungen und Glorifizierungen ja nun wahrlich nicht gerade gespart. Auch dieser Artikel trägt zumindest dazu bei, trotz des kritischen Einschubs am Ende.

    Ich vermute allerdings, Pep Guardiola selbst würde es durchaus nicht als Beleidigung verstehen, wenn man mal kurz erwähnte, dass er letztlich einfach ein über den Tellerand hinaus interessierter, intelligenter und offenkundig kompetenter Trainer ist.

    Ihn zu einer fast schon übermenschlichen Lichtgestalt zu verklären, wird weder ihm selbst noch vielen anderen, ebenfalls sehr guten Trainern gerecht.

    Eine Leserempfehlung
  4. Ich finde das auch ganz schön und ganz toll, dass so ein großartiger Trainer nach Deutschland kommt. Was dieser alles mag, weiß und kann, ist auch eventuell interessant zu wissen und staunen kann man auch noch dazu.

    Allerdings ist das Leben jenseits des Fußballs bei deutschen Trainer wenig bekannt. Wer weiß, vielleicht liest auch ein Jupp den Hesse :D, oder der Klopp begeistert sich für Platon oder Heraklit...?

    OK, ein Guardiola ist was ganz besonderes und ein Wunder ist geschehen, dass er doch nicht nach England, sondern nach Deutschland kommt. Aber es wäre zumindest für mich auch interessant was z.B. ein Slomka/Tuschel/Klopp etc. in seiner Freizeit liest, alleine schon aus NeuGIER und Sensationsgeilheit, so wie viele unter uns ;-). Dann kann man allesamt besser lästern.

  5. Dem Artikel nach bin ich anscheinend Vater, Sohn und Frau in einer Person. Dass man als Frau ihn attraktiv finden und sich gleichzeitig aus sportlicher Sicht auf ihn freuen könnte, kommt der Autorin nicht in den Sinn. Komisch, so was hätte ich eher von einem Mann erwartet. Ansonsten kann man gespannt sein, wie dieser zurückhaltende Mensch in München so klar kommt.

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    > Dass man als Frau ihn attraktiv finden und sich gleichzeitig aus
    > sportlicher Sicht auf ihn freuen könnte, kommt der Autorin nicht
    > in den Sinn. Komisch, so was hätte ich eher von einem Mann erwartet

    Sie werfen - zu Recht, wie ich finde - der Autorin eine vorurteilsbehaftete Sichtweise vor und schieben sofort im Anschluss ein eigenes Vorurteil hinterher. Dabei widerlegen Sie beide als fußballinteressierte Frauen ja schon selbst genau diese Vorurteile.

    Überhaupt würde ich mal behaupten:

    Die unübersehbar voranschreitende Emanzipation der Frauen im Bereich der ehemaligen Männerbastion Fußball ist zwar sicher nicht das wichtigste, womöglich aber das deutlichste Argument wider jegliche Berechtigung einer Ungleichbehandlung der Geschlechter. :-)

  6. > Dass man als Frau ihn attraktiv finden und sich gleichzeitig aus
    > sportlicher Sicht auf ihn freuen könnte, kommt der Autorin nicht
    > in den Sinn. Komisch, so was hätte ich eher von einem Mann erwartet

    Sie werfen - zu Recht, wie ich finde - der Autorin eine vorurteilsbehaftete Sichtweise vor und schieben sofort im Anschluss ein eigenes Vorurteil hinterher. Dabei widerlegen Sie beide als fußballinteressierte Frauen ja schon selbst genau diese Vorurteile.

    Überhaupt würde ich mal behaupten:

    Die unübersehbar voranschreitende Emanzipation der Frauen im Bereich der ehemaligen Männerbastion Fußball ist zwar sicher nicht das wichtigste, womöglich aber das deutlichste Argument wider jegliche Berechtigung einer Ungleichbehandlung der Geschlechter. :-)

    Antwort auf "Komische Sicht..."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...ich damit zum Ausdruck bringen wollte, war: Ich musste mich, als ich diesen Satz gelesen habe, erstmal vergewissern,ob es sich um eine Autorin oder einen Autor handelt. Und dann habe ich mich gewundert, wieso eine Frau im Sportteil ihrem eigenen Geschlecht lediglich zutraut, auf das Äußere zu achten. Kann schon sein, dass in ihrem Freundeskreis die Mehrheit das so sieht. Ich freu mich übrigens auch auf ihn, weil er ein interessanter Mensch zu sein scheint. Und ich kann mich nicht daran erinnern, mich überhaupt schon mal auf einen Trianer der Bayern gefreut zu haben. Aber in diesem Fall gibt es ja genug gute Gründe :-)

  7. 23. Was...

    ...ich damit zum Ausdruck bringen wollte, war: Ich musste mich, als ich diesen Satz gelesen habe, erstmal vergewissern,ob es sich um eine Autorin oder einen Autor handelt. Und dann habe ich mich gewundert, wieso eine Frau im Sportteil ihrem eigenen Geschlecht lediglich zutraut, auf das Äußere zu achten. Kann schon sein, dass in ihrem Freundeskreis die Mehrheit das so sieht. Ich freu mich übrigens auch auf ihn, weil er ein interessanter Mensch zu sein scheint. Und ich kann mich nicht daran erinnern, mich überhaupt schon mal auf einen Trianer der Bayern gefreut zu haben. Aber in diesem Fall gibt es ja genug gute Gründe :-)

    Antwort auf "Ist das nicht hübsch?"
  8. Hört der Autor dieses Artikels sich eigentlich noch selbst? Liest er scih seine Artikel noch einmal mit ein wenig Abstand durch? Es geht hier um einen Fussballtrainer, keinen Universitätsprofessor, der nach Harvard berufen wurde. Bei Bayern sollten angesichts der unkritischen Lobhudelei und des vorauseilenden Gehorsams der Medien alle Alarmglocken schrillen. Das erinnert - es tut mir leid - an die Anfangszeit von Klinsmann. Herr Guardiola - die Zeit nennt ihn ja bereits freundschaftlich PEP - ist sicher kein schlechter Trainer. Indessen ist es keineswegs ausgemacht, dass er bei Bayern ein sofortiger Erfolgsgarant werden kann. Fremde Umgebung, fremde Sprache, verrückte Medienvertreter. Daran sind schon die Besten gescheitert. Das größte Problem dürfte aber der mediale Druck werden. Je mehr die Medien im Vorfeld von der Ankunft eines Messias schreiben, desto intensiver und gnadenloser hauen sie dann drauf, wenn es nicht läuft. Ein bekannter Mechanismus. Um diesen Sturm zu entfachen, können in München bekanntlich bereits zwei Unentschieden ausreichen ("Krise"). Ich möchte nicht wissen, was die dortigen Medien vom Zaun brechen, wenn in der "Krise" dann bekannt wird, dass "der PEP" dem Boateng in der Kabine Hegel vorliest...

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