Finanzaufsicht : Die Frau für die Sicherheit

Banken dichtmachen? Elke König kann das. Als Präsidentin der Aufsicht wacht sie über Deutschlands Finanzbranche.

Am Ende findet Theodor Weimer fast beschwörende Worte. Der Vorstandsvorsitzende der HypoVereinsbank hat in seiner Rede gerade erklärt, dass seine Branche der deutschen Wirtschaft ein Partner sein wolle. Dass sie deshalb auch weiter Investmentbanking betreiben müsse, jenes riskante Geschäft mit Anleihen, Fusionen und Derivaten. Bayerns Banken haben geladen, im Saal sitzen viele alte graue Herren, doch nicht sie sind die Adressaten seiner Worte, sondern der Gast des Tages. "Liebe Frau Doktor König", sagt Weimer, "bleiben Sie so scharf, wie Sie sind." Kurz bevor man dem Irrtum verfallen kann, dass hier ein Banker ein Lob verteilt, schiebt Weimer einen weiteren Satz nach: "Schärfer brauchen Sie nicht zu werden." Die alten grauen Herren lachen.

Seit einem Jahr ist "Frau Doktor" Elke König die Präsidentin der deutschen Finanzaufsicht, in der Branche stets BaFin genannt. Das klingt eher nach drögem Beamtentum, doch in den Banken und Versicherungen der Republik wird König respektiert, auch gefürchtet. Wenn sie kommt, scharen sich die Manager um sie, fragend, hofierend, wie an jenem Novembertag in München. Alle wissen: Sollte es einmal so weit kommen, dass ihr Haus dichtgemacht werden muss, dann hätte Elke König das letzte Wort. Gilt es, die Finanzwelt im Zaum zu halten und globale Regelwerke für Finanzinstitute auszuhandeln, vertritt sie Deutschlands Interessen.

Am Dienstag dieser Woche nun hat König auf einem Neujahrsempfang Schwerpunkte ihrer Arbeit für 2013 abgesteckt, etwa die Regulierung von Schattenbanken oder die Folgen des niedrigen Zinsniveaus. Zudem prüft die BaFin derzeit, ob große Versicherer – wie Banken – Sanierungspläne für den Notfall entwickeln sollen. Aufmerksam sezierte die Presse jedes ihrer Worte. Auf der Straße kennt kaum jemand ihr Gesicht, doch ein Satz von König kann reichen, um Medien und Finanzhäuser in Aufregung zu versetzen.

Auf den ersten Blick fällt es schwer, sich dies vorzustellen. Elke König, die in ein paar Tagen 59 Jahre alt wird, ist das, was auch mal "ein Persönchen" genannt wird. Klein ist sie, schmal, sie trägt kurze Haare und eine randlose Brille, die im Gesicht fast verschwindet. Farbtupfer setzt sie noch am ehesten, wenn sie wie in München ein Tuch in Rosa über das dunkle Kostüm wirft. Doch wenn sie spricht, wird klar, dass da eine weiß, was sie will. Dass jene recht haben, die sagen, dass König stets sorgfältig abwägt, dann aber immer eine Entscheidung fällt und diese auch konsequent durchzieht. Sie wirkt nicht hart, aber sie kann es sein, wenn nötig – das ist zu spüren. Es liegt keine Unsicherheit in ihrer Stimme.

»Wenn Sie Angst haben, Entscheidungen zu treffen, dann sind Sie in solchen Positionen an der falschen Stelle«, sagt König. Sie redet nicht gern über sich selbst, nimmt sich kurz nach dem Jahreswechsel aber viel Zeit für ein Gespräch in der BaFin in Bonn.

Königs Job ist es, anderen Grenzen aufzuzeigen. Ihre Behörde verschickt Mahnbriefe, wenn das Vergütungssystem einer Bank nicht den Anforderungen genügt. Ihre Behörde lädt Vorstandschefs vor, wie Anshu Jain von der Deutschen Bank, der sich derzeit Fragen zu Manipulationen des internationalen Zinssatzes Libor stellen muss und am Montag erzählte, nachmittags erst bei der BaFin gewesen zu sein.

Gefragt, nach welchen Maßstäben sie selbst sich denn richte, nennt König den gesunden Menschenverstand und betriebswirtschaftliche Grundsätze. Die Person Elke König ist dahinter schwer zu erkennen. Erst auf Nachfragen hin gewährt sie kleine Einblicke, die verraten, worauf sie Wert legt, die auch erklären, wie sie zu einer der wenigen mächtigen Frauen in der internationalen Finanzwelt werden konnte.

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