Flughafen "Den Ärger hätte es bei uns nicht gegeben"
Der Airport Finow sollte mal Drehkreuz werden – verlor aber gegen BER. Ein Interview mit dem Chef
© Patrick Pleul/dpa

Blick aus einem Kleinflugzeug auf den Flugplatz Finow im brandenburgischen Landkreis Barnim
DIE ZEIT: Herr Knoll, sind Sie eigentlich froh, dass bei Ihnen in Finow, 60 Kilometer vor Berlin, kein Flughafen gebaut wurde?
Martin Knoll: Nein, wieso soll ich darüber froh sein?
ZEIT: Weil sie sich dadurch all den Ärger erspart haben, den die Flughafenbetreiber in Schönefeld jetzt haben.
Knoll: Den Ärger hätte es bei uns nicht gegeben. Wir wären längst fertig mit dem neuen Flughafen und hätten vielleicht sogar schon weiter ausgebaut.
ZEIT: Ein Großflughafen Finow wäre kein Debakel geworden?
Knoll: Ich denke nicht. Obwohl, das muss man fairerweise sagen, das Konzept für unseren Flughafen nicht mit dem zu vergleichen war, was da jetzt in Schönefeld entstehen soll. Als wir noch im Rennen waren, plante das Land Brandenburg, Finow als Entlastung für die Berliner Flughäfen auszubauen; also nicht alles über nur einen Airport abzuwickeln. Unser Flughafen sollte einen großen Teil der nationalen und kontinentalen Flüge abwickeln, dadurch hätte es auch den Ärger mit den Flugrouten nicht gegeben, den die Berliner jetzt haben. Und die Nachtflüge hätten wir komplett übernommen. Die sind in Schönefeld ja verboten.
ZEIT: Und warum wurde aus diesem Konzept nichts?
Martin Knoll, 32, leitet den Flughafen in Finow, nordöstlich von Berlin.
Knoll: Weil das Land Brandenburg 2009 plötzlich lediglich einen einzigen Großflughafen haben wollte – BER. Linienverkehr mit Maschinen über 14 Tonnen war fortan nur noch dort erlaubt. Dahinter steckt auch das Wunschdenken, BER als internationales Luftfahrtdrehkreuz zu etablieren. Mit Nachtflugverbot ist das natürlich schwer. Außerdem gibt es fast nirgendwo auf der Welt Großstädte mit nur einem Flughafen. London hat sogar fünf. Das war also keine gute Idee.
ZEIT: Wenn Sie sagen, dass es mit Finow kein solches Debakel gegeben hätte – was wäre bei Ihnen denn anders gelaufen?
Knoll: In unserer damaligen Mannschaft waren Leute, die wirklich Ahnung vom Flughafenbau haben, die auch schon lange in dem Bereich tätig waren. Solcher Sachverstand ist wichtig.
ZEIT: Und den gab es in Schönefeld nicht?
Knoll: Sieht ganz danach aus.
ZEIT: Wie viel hätte denn der Ausbau von Finow zu einem Drehkreuz gekostet? Bei dem neuen Flughafen in Schönefeld ist mittlerweile die Rede von 4,5 Milliarden Euro.
Knoll: Wir hätten 0,5 Prozent davon gebraucht – und zwar von einem Investor bezahlt, ohne öffentliches Geld. Für den Ausbau von Finow wurden 25 Millionen Euro kalkuliert. Zugegeben, so ein repräsentativer Bau wie in Schönefeld wäre es bei uns dann natürlich nicht geworden. Aber 4,5 Milliarden Euro – niemals.
- Datum 29.01.2013 - 07:40 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 24.1.2013 Nr. 05
- Kommentare 12
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





Ein paar Sachen wären anders gekommen. Z.B. würden wir
heute in der Zeit ein Interview mit dem Flughafenchef
von Schönefeld lesen. Und seit Jahren würden sich alle
Bürger aufregen, wieso die Politik so blöd war und nicht
in Schönefeld gebaut hat :-)
Was ich auf dem Bild vor Allem sehe, sind Fotovoltaik-Felder. Für diese unstetige Strom-Produktion zahlen wir alle. Verschwendung pur - und das auf Dauer. Man könnte verzweifeln über so viel staatlich sanktionierte Dummheit!
unter 1 Stunde Fahrt mit dem ICE Sprinter von Berlin Hauptbahnhof, so sehr viel schneller geht es von/nach BER auch nicht, der Airport-Express braucht ne halbe Stunde.
Den Berliner Nahverkehr kann man mit Fernverkehr nun wirklich nicht vergleichen.
Im Kreis Kleve in Weeze(Airport Weeze) ist zu besichtigen wie es gehen kann.
Ca. 35 Mio Investition vom einem sogenannten Investor, der dann die Summe als Kredit vom Kreis Kleve erhält und noch nicht mal die Zinsen zurückzahlen kann.
So hat der Steuerzahler jetzt kostenlos den Fluglärm und die über Abgaben die Zinszahlungen dafür an der Backe.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren