Genossenschaftsbanken Raiffeisen-Wunder
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Kein Investmentbanking, lieber klassisches Bankgeschäft

Häufig hört man inzwischen den Satz: »Jahrelang wurden wir als biedere Bank belächelt, jetzt sind wir wieder wer.« Auch von Elmar Schmitz, dem Chef der Volksbank RheinAhrEifel, nicht verwandt mit Rudolf Schmitz. In seinem Büro prangen Fotos mit den Wahrzeichen der Region an der Wand: der Nürburg, der Ahr und der Benediktinerabtei Maria Laach, davor der Claim »Wir sind Heimat«. Der sperrige Name deutet darauf hin, dass die Bank seit ihrer Gründung 1866 bereits öfter fusioniert hat, genau genommen mehr als 60-mal. »Ich brauche hier trotzdem keinen Navi. Wir machen nur Geschäfte, die wir können, mit Menschen, die wir kennen«, sagt Schmitz.

Dazu zählt Anton Mannheim. Der Rentner trägt eine beigefarbene Anglerweste, früher war er selbstständiger Elektroinstallateur. Mannheim gehört zu jenen Kunden, denen die Volks- und Raiffeisenbanken ihr Kartoffelbankenimage verdanken. Bis heute hat der 67-Jährige keine EC-Karte, zahlt nur bar, und seine Überweisungen erledigt er am Schalter. Anton Mannheim ist seit 40 Jahren Genosse bei der Volksbank RheinAhrEifel. Die Bank hat sein Haus finanziert. Und als Eigentümer kam er früher immer zu den Mitgliederversammlungen – bis die immer »glatter abgelaufen sind«. Früher sei man am Abend noch gemütlich beisammengesessen, sagt Mannheim. »Der persönliche Bezug schwindet.«

In letzter Zeit hat sich Anton Mannheim immer öfter über seine Bank geärgert: Weil in Brohl, in seiner Filiale, das Personal wechselte, aber auch, weil er findet, die Spanne zwischen Überziehungs- und Einlagenzinsen sei zu hoch. »Kein Unterschied mehr zu den Großbanken«, sagt er. Er habe Angst um den genossenschaftlichen Gedanken. Und deshalb schrieb er der Bank einen dreiseitigen Brief. Zwei Tage später hat ihn Elmar Schmitz angerufen, sie haben sich persönlich getroffen und zwei Stunden miteinander geredet. Schmitz sagt, er mache das immer so, wenn sich ein Kunde beschwert. Anton Mannheim sagt, Schmitz sei ein feiner Mann.

Unternehmer Rosenbaum kennt seinen Bankberater seit der Kindheit

Als Elmar Schmitz 1981 bei der Bank angestellt wurde, gab es noch 50 Filialen mehr. »Die Pfarrer in den Dörfern waren damals schon weg«, sagt er heute. Und er fragt sich, wie verwurzelt die Genossenschaftsbanken nach den unzähligen Fusionen überhaupt noch sein können. Kann die Idee der sozialen Kontrolle, bei der diejenigen, die Geld einzahlen, jene kontrollieren, die Geld bekommen, noch funktionieren? Die Nähe zum Kunden koste Geld. »Und weil wir immer noch stärker in der Fläche sind als alle anderen Banken, haben wir auch höhere Kosten«, sagt der 56-Jährige. Deshalb die Fusionen, deshalb die Konditionen, über die sich Mannheim beschwert.

Das Geschäftsmodell der Genossen ist nun mal das klassische Bankgeschäft: Sie zahlen niedrige Zinsen an Privatkunden wie Mannheim und verleihen deren Geld teurer an Mittelständler wie Lothar Rosenbaum. Der 51-Jährige restauriert mit seinen 40 Mitarbeitern Kirchtürme, baut Holzhäuser und konstruiert Dachstühle. Rosenbaum ist seit seiner Kindheit Kunde der Volksbank, also seit mehr als 20 Jahren. Sein Vater beschäftigte fünf Mitarbeiter und erwirtschaftete Einnahmen von 500.000 Euro; einen Kredit brauchte er nie. Lothar Rosenbaum hat für 450.000 Mark eine CNC-Maschine für den Holzabbund auf Pump finanziert – trotz väterlicher Bedenken. Schon nach drei Jahren waren die Schulden getilgt. Heute macht er jedes Jahr zwischen vier und fünf Millionen Euro Umsatz.

Rosenbaum hat den Geländewagen vor dem Haus abgestellt. Er sitzt in seiner Küche, die er aus Douglasie gezimmert hat, und erzählt davon, dass die besten Geschäfte, die er gemacht habe, jene ohne Vertrag gewesen seien. Er brauche Nähe, gerade in Gelddingen. Zu Zeiten des Neuen Marktes sei er mal auf die Nase gefallen, weil ihm eine Großbank einen Fonds wärmstens empfohlen habe. Schon damals habe es ihn geärgert, dass er den Berater nicht persönlich kannte, dass ihn keiner angerufen habe, um sich zu entschuldigen. Deshalb mag er die Volksbank, weil er sich wie auf seiner Baustelle auf Leute verlassen will. So wie auf seinen Berater Peter Schäfer. Ihn kennt er seit der Kindheit, die Väter gingen schon zusammen zur Kirche, der eine war Kirchenrechner, der andere Messdiener. Jedes Quartal reden Schäfer und Rosenbaum über das zyklische Geschäft. Er brauche einen strengen Begleiter, sagt Rosenbaum, und einen, »der den Bauch treffe«.

»Das können die Genossen wegen ihrer Nähe zu den Kunden besser als andere«, sagt Udo Steffens, Präsident der Frankfurt School of Finance & Management. Zwar entscheiden auch bei den Genossen Scoringverfahren, ob Menschen wie Rosenbaum einen Kredit bekommen, aber eben nicht allein. Im Zweifel entscheiden Banker wie Schäfer. Das Kreditgeschäft mit Unternehmen und Selbstständigen wächst seit 2008 mit etwa vier Prozent stärker als bei der Konkurrenz, im vergangenen Jahr stieg das Kreditvolumen sogar um sieben Prozent, bei Banken und Sparkassen im Schnitt nur um 2,5 Prozent. Inzwischen kommen 15,5 Prozent aller Unternehmenskredite in Deutschland aus den Reihen der Genossen. Die Großbanken kommen auf 13 Prozent. Die Abschreibungen auf faule Kredite seien im Vergleich zu den Sparkassen mit etwa 700 Millionen Euro im vergangenen Jahr relativ niedrig, sagt Steffens.

Leser-Kommentare
  1. Eile mit Weile hat bislang funktioniert. Respekt für die Standhaftigkeit.

    Ich kann mich der Analyse der Experten anschliessen: Irgendjemand hat irgendwas richtig gemacht.

    Jetzt will nun aber die EU auch diese Banken in eine Schablone pressen und kontrollieren. Da habe ich Bedenken.

    Warum was reparieren was nicht kaputt ist?

    Repariert doch die Groß(kotz)banken - da ist viel kaputt, da können Generationen von EU Beamten schrauben bis sich was ändert.

    23 Leser-Empfehlungen
    • Chali
    • 02.02.2013 um 17:25 Uhr

    Das ist doch klar;
    Die wollen an das bei uns angelegte Kapital.

    Kann man sich noch an Ackermann erinnern? Wie er auf uns geschimpft hat? Mangende Risiko-Bereitschaft?

    Es ist doch viel schöer, wenn es zu hohen Gebühren und Zocker-Mentalität keine Alternative gibt.

    11 Leser-Empfehlungen
    • TDU
    • 02.02.2013 um 17:35 Uhr

    Auch wenn sie Basel III unterworfen sind wie alle anderen.

    Mit dem Geld kleiner Leute hochgekommen terten sie dieselben jetzt in den Hintern. Da nützt auch die Werbefigur des Nachrichtenapostels der 1990iger Jahre nichts. Nicht mal 5 Euro überweisen die, wenn es nicht gedeckt ist, trotz jahrzehntelangem Kunde sein.

    Aber natürlich vermögende Mittelständler und Menschen mit festem Einkommen am besten ö/D, da sind sie dabei. Die deutsche Bank aber auch, soiel teurer auch nicht und nicht mit soviel Heuchelei.

  2. "Einnahmen von 500.000 Euro; ...
    für 450.000 Mark eine CNC-Maschine ... auf Pump finanziert Schon nach drei Jahren waren die Schulden getilgt.
    Heute macht er jedes Jahr zwischen vier und fünf Millionen Euro Umsatz."

    Einnahmen mit Umsatz vergleichen?
    Aussagekraft = 0

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    Nach meiner Meinung besteht bei einem Unternehmen der Umsatz überwiegend aus Einnahmen; wieso soll man diese Zahlen nicht vergleichen können ?

    Nach meiner Meinung besteht bei einem Unternehmen der Umsatz überwiegend aus Einnahmen; wieso soll man diese Zahlen nicht vergleichen können ?

  3. Auch sie müssen ihre Margen erwirtschaften und die Regulierungs- und Eigenkapitalvorschriften umsetzen. Das kostet Geld. Die Konditionen im gewerblichen Bereich sind daher eher im Mittelfeld, aber dafür stellen die Genobanken wirklich verlässliche Partner dar, wenn mal ein Liquiditätsengpass vorliegt.

    Beim Privatkundengeschäft sind die Genobanken leider keinen Deut besser, als ihre Sparkassen- und Privatbankkollegen:
    Die Devise lautet: "Weg vom Zins- und hin zum Provisionsgeschäft". Auch hier werden üblicherweise Vertriebsziele gesetzt, die mitunter nur schwer zu erreichen sind. Faustformel: Produkte mit mäßiger Rendite für den Kunden bringen die meiste Provision für die Bank. Also werden Privatkunden regelrecht genervt mit neuen Fonds, Unfallversicherungen oder Bausparverträgen der eigenen Institutsgruppe. Das vergrätzt insbesondere die junge Kundschaft in Richtung Internet. Und Rentner, die einfach nur mal reden wollen, werden mit Lebensversicherungen und Nikkei-Index-Trackerzertifikaen "beglückt".

    2 Leser-Empfehlungen
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    habe ich erlebt. Diese "Volks"banken machten auf mich einen schlecht organisierten Eindruck, was von Freunden bei der Konkurrenz (na gut..) bestätigt werden wollte. Ich habe sehr anstrengende Erfahrungen machen müssen mit diesen Banken. Ohne Reklameintention: Sparkassen fand ich sehr gut, von meiner Ausbildung bis zum Studium, ein sehr aufmerksames Personal, das seine Kundschaft kennt. Bei Banken denke ich eben an Banken. Eben an sowas.

    Nach über 20 Jahren bin ich aus hehrem Motiv endlich zur VVB gewechselt, um dann zu erleben:
    "Also werden Privatkunden regelrecht genervt mit neuen"...
    Ein drängend- unsympatisches und darüber hinaus ungewünschtes Beratungsgespräch, wie ich es zuvor nirgends anders erlebt habe. Ich dachte später an Menschen, die wehrlosen Alten Zeitungsabonnements aufschwatzen. Wie ich aus meinem Bekanntenkreis höre, geht es Geschäftskunden ebenso.

    Meine Lösung: Ab zur nächsten Bank, diesmal eine Bank mit Nachhaltigkeitspreis. Gerne wechsel ich das Institut meines Vertrauens ja nicht, aber darum geht ja auch: Um das Vertrauen.

    habe ich erlebt. Diese "Volks"banken machten auf mich einen schlecht organisierten Eindruck, was von Freunden bei der Konkurrenz (na gut..) bestätigt werden wollte. Ich habe sehr anstrengende Erfahrungen machen müssen mit diesen Banken. Ohne Reklameintention: Sparkassen fand ich sehr gut, von meiner Ausbildung bis zum Studium, ein sehr aufmerksames Personal, das seine Kundschaft kennt. Bei Banken denke ich eben an Banken. Eben an sowas.

    Nach über 20 Jahren bin ich aus hehrem Motiv endlich zur VVB gewechselt, um dann zu erleben:
    "Also werden Privatkunden regelrecht genervt mit neuen"...
    Ein drängend- unsympatisches und darüber hinaus ungewünschtes Beratungsgespräch, wie ich es zuvor nirgends anders erlebt habe. Ich dachte später an Menschen, die wehrlosen Alten Zeitungsabonnements aufschwatzen. Wie ich aus meinem Bekanntenkreis höre, geht es Geschäftskunden ebenso.

    Meine Lösung: Ab zur nächsten Bank, diesmal eine Bank mit Nachhaltigkeitspreis. Gerne wechsel ich das Institut meines Vertrauens ja nicht, aber darum geht ja auch: Um das Vertrauen.

    • jagu
    • 02.02.2013 um 18:37 Uhr

    In Hamburg ist der Service grotenschlecht, die Gebühren hoch - da wird es sehr schwer, der genossenschaftlichen Idee treu zu bleiben.

  4. Genau so nur von Geld, Kredit und Gebühren ihrer Kunden, wie die anderen auch.
    Nur dass im Moment das Feeling zu ihren Gunsten läuft, ändert daran nichts.

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  5. 8. Naja.

    ich warte immer noch darauf, dass meine 2,8% Zinsen von damals wieder raufgehen. Momentan ist das ja auf 0,25%. Ganz schon günstig für die an geld zu kommen.

    Ansonsten fand ich gut, wie schnell meine Heim-Volksbank auf eine Email geantwortet hat. Kaum dass ich sie abgeschickt habe, bekam ich schon einen Anruf.

    Eine Leser-Empfehlung

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