Genossenschaftsbanken Raiffeisen-Wunder
Seite 3/3:

"Die Volks- und Raiffeisenbanken sind keine Heiligen"

Im Gegensatz zur Vergabe von Firmenkrediten sei das Privatkundengeschäft die Schwäche der Genossen, sagt Dirk Schiereck von der TU Darmstadt. Sie verkauften zu wenige Produkte. Im vergangenen Jahr ist deshalb der Provisionsüberschuss um vier Prozent gesunken. »Die meisten der 30 Millionen Kunden sind relativ ertragsschwach«, sagt der Frankfurter Professor Steffens.

Elmar Schmitz kennt das Problem. Zwar hat seine Bank im vergangenen Jahr ein Kreditwachstum von sechs Prozent geschafft, das Neukreditvolumen stieg sogar um 28 Prozent, aber auch seine Bank verdient zu wenig mit Privatkunden. Und wenn, wie in den vergangenen Jahren, die Realeinkommen unterproportional steigen, treffe das die Volksbanken stärker als andere.

Anzeige

Die Bank steckt in einer Zwickmühle, denn der Versuch, mehr Geschäft und Gewinne zu machen, kann Vertrauen kosten. Ein wenig Erfahrung hat man damit bereits gemacht. Bis vor drei Jahren hat auch seine Bank ihren Kunden Schiffsbeteiligungen aufgeschwatzt. Und natürlich Zertifikate.

»Die Volks- und Raiffeisenbanken sind keine Heiligen, sie beraten nicht unabhängiger und besser als die anderen. Die eigenen Produkte haben beim Vertrieb natürlich Vorrang«, sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Er belegt seine Zweifel mit zwei eigens angefertigten Studien. Die zeigen, dass sich die Genossen – wie andere Banken auch – weigern, ihre verdeckten Provisionen offenzulegen. Auch die seit 2010 vorgeschriebenen Beratungsprotokolle würden bei den Volksbanken nur selten den Inhalt eines Beratungsgesprächs wiedergeben. Vielmehr gehe es oft allein darum, sich der Haftung zu entziehen.

Elmar Schmitz ärgert sich über solche Vorwürfe. Mehr noch bringt ihn aber die Regulierungswut auf die Palme. Es gefällt dem Bankchef nicht, dass jeder Bankberater unter Generalverdacht steht. Er würde niemals mit dem neuen Slogan der Deutschen Bank werben, in dem die Mitarbeiter der Großbank bekunden, ihre Kunden so zu beraten, dass sie ihnen auch nach Jahren noch in die Augen schauen könnten. »So etwas ist bei uns doch selbstverständlich«, sagt Schmitz. Anders als die Verbraucherschützer glaubt er nicht, dass ein Beratungsprotokoll die Beratung verbessert.

Internetvertrieb fällt den Genossen schwer. Jetzt gibt es einen Arbeitskreis

Schmitz steuert seine Leute auch nicht über Abschlüsse, sondern über Kontakte. »Vertrauen geht nur über Kontakt«, sagt er. 60 Kundentermine muss jeder Berater pro Monat vereinbaren, zwölf Neukunden pro Jahr akquirieren. »Da liegen wir drüber.« Damit das so bleibt, hat er ein neues Arbeitszeitmodell eingeführt. Zweimal pro Woche muss jeder Berater jetzt bis 19 Uhr bleiben, weil viele Kunden pendeln und vor 16 Uhr keine Zeit haben. Der Bonus der Berater hänge nicht an der Zahl verkaufter Fondssparpläne, sondern am Gesamtergebnis der Bank, sagt er. Es gebe auch keine Ranglisten unter den Mitarbeitern wie bei anderen Banken. Was sagt er dazu, dass einige Mitarbeiter hinter vorgehaltener Hand dennoch über den Leistungsdruck klagen? »Die gibt es immer.«

Elmar Schmitz weiß, dass die Genossen nicht alles richtig machen, dass es vielleicht nur ein flüchtiger Trend ist, der die Kunden zu ihnen treibt. »Wenn wir so gut wären, hätten wir da nicht besser sein müssen als das bisschen Wachstum?« Er ahnt, dass die Genossen bald wieder als die biederen Banken gelten könnten, für die sich keiner mehr so intensiv interessiert.

»Die Regionalität ist heute vielleicht die Stärke der Genossen, aber künftig eine klare Wachstumsbegrenzung«, sagt Wissenschaftler Steffens. Studien des Genossenschaftsbankenverbandes belegen, dass der durchschnittliche Kunde wie Anton Mannheim älter als 50 ist und zu 80 Prozent in ländlichen Regionen zu Hause ist. Verbandschef Fröhlich beklagt das »Klumpenrisiko des demografischen Wandels. Uns sterben insbesondere auf der Privatkundenseite die Kunden weg. Wenn die Jugendlichen das Elternhaus verlassen, haben wir Probleme, die Kundenbeziehung zu halten. Wenn wir uns nicht aktiv mit den modernen Vertriebswegen auseinandersetzen, werden wir irgendwann ziemlich einsam sein.«

Im Westen seines Geschäftsgebietes, in der Vulkaneifel, ist diese Einsamkeit längst spürbar. Die Bevölkerung geht heute schon Jahr für Jahr um drei Prozent zurück. Auf den Verbandstagungen reden die Genossen deshalb immer häufiger von »digitaler Nähe« und »Social Media« und fragen sich, ob man die gewohnte Vertrautheit auch über Facebook herstellen kann. Bei der Volksbank RheinAhrEifel hätten ein paar junge Kollegen jetzt einen Arbeitskreis gebildet, erzählt Elmar Schmitz. Für so was brauche er allerdings noch ein Navi.

 
Leser-Kommentare
  1. Eile mit Weile hat bislang funktioniert. Respekt für die Standhaftigkeit.

    Ich kann mich der Analyse der Experten anschliessen: Irgendjemand hat irgendwas richtig gemacht.

    Jetzt will nun aber die EU auch diese Banken in eine Schablone pressen und kontrollieren. Da habe ich Bedenken.

    Warum was reparieren was nicht kaputt ist?

    Repariert doch die Groß(kotz)banken - da ist viel kaputt, da können Generationen von EU Beamten schrauben bis sich was ändert.

    23 Leser-Empfehlungen
    • Chali
    • 02.02.2013 um 17:25 Uhr

    Das ist doch klar;
    Die wollen an das bei uns angelegte Kapital.

    Kann man sich noch an Ackermann erinnern? Wie er auf uns geschimpft hat? Mangende Risiko-Bereitschaft?

    Es ist doch viel schöer, wenn es zu hohen Gebühren und Zocker-Mentalität keine Alternative gibt.

    11 Leser-Empfehlungen
    • TDU
    • 02.02.2013 um 17:35 Uhr

    Auch wenn sie Basel III unterworfen sind wie alle anderen.

    Mit dem Geld kleiner Leute hochgekommen terten sie dieselben jetzt in den Hintern. Da nützt auch die Werbefigur des Nachrichtenapostels der 1990iger Jahre nichts. Nicht mal 5 Euro überweisen die, wenn es nicht gedeckt ist, trotz jahrzehntelangem Kunde sein.

    Aber natürlich vermögende Mittelständler und Menschen mit festem Einkommen am besten ö/D, da sind sie dabei. Die deutsche Bank aber auch, soiel teurer auch nicht und nicht mit soviel Heuchelei.

  2. "Einnahmen von 500.000 Euro; ...
    für 450.000 Mark eine CNC-Maschine ... auf Pump finanziert Schon nach drei Jahren waren die Schulden getilgt.
    Heute macht er jedes Jahr zwischen vier und fünf Millionen Euro Umsatz."

    Einnahmen mit Umsatz vergleichen?
    Aussagekraft = 0

    2 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Nach meiner Meinung besteht bei einem Unternehmen der Umsatz überwiegend aus Einnahmen; wieso soll man diese Zahlen nicht vergleichen können ?

    Nach meiner Meinung besteht bei einem Unternehmen der Umsatz überwiegend aus Einnahmen; wieso soll man diese Zahlen nicht vergleichen können ?

  3. Auch sie müssen ihre Margen erwirtschaften und die Regulierungs- und Eigenkapitalvorschriften umsetzen. Das kostet Geld. Die Konditionen im gewerblichen Bereich sind daher eher im Mittelfeld, aber dafür stellen die Genobanken wirklich verlässliche Partner dar, wenn mal ein Liquiditätsengpass vorliegt.

    Beim Privatkundengeschäft sind die Genobanken leider keinen Deut besser, als ihre Sparkassen- und Privatbankkollegen:
    Die Devise lautet: "Weg vom Zins- und hin zum Provisionsgeschäft". Auch hier werden üblicherweise Vertriebsziele gesetzt, die mitunter nur schwer zu erreichen sind. Faustformel: Produkte mit mäßiger Rendite für den Kunden bringen die meiste Provision für die Bank. Also werden Privatkunden regelrecht genervt mit neuen Fonds, Unfallversicherungen oder Bausparverträgen der eigenen Institutsgruppe. Das vergrätzt insbesondere die junge Kundschaft in Richtung Internet. Und Rentner, die einfach nur mal reden wollen, werden mit Lebensversicherungen und Nikkei-Index-Trackerzertifikaen "beglückt".

    2 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    habe ich erlebt. Diese "Volks"banken machten auf mich einen schlecht organisierten Eindruck, was von Freunden bei der Konkurrenz (na gut..) bestätigt werden wollte. Ich habe sehr anstrengende Erfahrungen machen müssen mit diesen Banken. Ohne Reklameintention: Sparkassen fand ich sehr gut, von meiner Ausbildung bis zum Studium, ein sehr aufmerksames Personal, das seine Kundschaft kennt. Bei Banken denke ich eben an Banken. Eben an sowas.

    Nach über 20 Jahren bin ich aus hehrem Motiv endlich zur VVB gewechselt, um dann zu erleben:
    "Also werden Privatkunden regelrecht genervt mit neuen"...
    Ein drängend- unsympatisches und darüber hinaus ungewünschtes Beratungsgespräch, wie ich es zuvor nirgends anders erlebt habe. Ich dachte später an Menschen, die wehrlosen Alten Zeitungsabonnements aufschwatzen. Wie ich aus meinem Bekanntenkreis höre, geht es Geschäftskunden ebenso.

    Meine Lösung: Ab zur nächsten Bank, diesmal eine Bank mit Nachhaltigkeitspreis. Gerne wechsel ich das Institut meines Vertrauens ja nicht, aber darum geht ja auch: Um das Vertrauen.

    habe ich erlebt. Diese "Volks"banken machten auf mich einen schlecht organisierten Eindruck, was von Freunden bei der Konkurrenz (na gut..) bestätigt werden wollte. Ich habe sehr anstrengende Erfahrungen machen müssen mit diesen Banken. Ohne Reklameintention: Sparkassen fand ich sehr gut, von meiner Ausbildung bis zum Studium, ein sehr aufmerksames Personal, das seine Kundschaft kennt. Bei Banken denke ich eben an Banken. Eben an sowas.

    Nach über 20 Jahren bin ich aus hehrem Motiv endlich zur VVB gewechselt, um dann zu erleben:
    "Also werden Privatkunden regelrecht genervt mit neuen"...
    Ein drängend- unsympatisches und darüber hinaus ungewünschtes Beratungsgespräch, wie ich es zuvor nirgends anders erlebt habe. Ich dachte später an Menschen, die wehrlosen Alten Zeitungsabonnements aufschwatzen. Wie ich aus meinem Bekanntenkreis höre, geht es Geschäftskunden ebenso.

    Meine Lösung: Ab zur nächsten Bank, diesmal eine Bank mit Nachhaltigkeitspreis. Gerne wechsel ich das Institut meines Vertrauens ja nicht, aber darum geht ja auch: Um das Vertrauen.

    • jagu
    • 02.02.2013 um 18:37 Uhr

    In Hamburg ist der Service grotenschlecht, die Gebühren hoch - da wird es sehr schwer, der genossenschaftlichen Idee treu zu bleiben.

  4. Genau so nur von Geld, Kredit und Gebühren ihrer Kunden, wie die anderen auch.
    Nur dass im Moment das Feeling zu ihren Gunsten läuft, ändert daran nichts.

    Eine Leser-Empfehlung
  5. 8. Naja.

    ich warte immer noch darauf, dass meine 2,8% Zinsen von damals wieder raufgehen. Momentan ist das ja auf 0,25%. Ganz schon günstig für die an geld zu kommen.

    Ansonsten fand ich gut, wie schnell meine Heim-Volksbank auf eine Email geantwortet hat. Kaum dass ich sie abgeschickt habe, bekam ich schon einen Anruf.

    Eine Leser-Empfehlung

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service