Georg Baselitz : Wir sehen schwarz für Baselitz

Seine Bilder stehen auf dem Kopf, das war bislang das Markenzeichen von Georg Baselitz. Jetzt will der Künstler nur noch schwarzmalen.
Georg Baselitz © John MacDougall/Getty Images

Was ist denn das schon wieder? Georg Baselitz will nicht mehr malen. Jedenfalls nicht mehr die Bilder, die wir von ihm kennen und die auf dem Kunstmarkt Hunderttausende, als Hauptwerke aus den Sechzigern mittlerweile sogar schon Millionen erzielen. Keine Helden mehr, keine Waldburschen und onanierenden Kerle, keine Kühe und Adler, keine romantischen Figuren oder mythisch aufgeladenen Wälder, auch keine sozialistischen Zukunftsmenschen, wie er sie in den Jahren um 2000 als späte Rache an der verhassten DDR malte?

Nein, der Meister will jetzt am liebsten nur noch vollkommen schwarze Gemälde fertigen. »Ich träume davon, ein Bild unsichtbar zu malen«, sagte Baselitz dem Focus. Er experimentiere schon damit, die Leinwand vollständig unter schwarzen Farbschichten verschwinden zu lassen. Die Referenz, die er nennt, hätte man von ihm nicht erwartet: »Joseph Beuys hat einfach das Bild mit dem Rücken zum Betrachter aufgestellt und so das Geheimnis bewahrt. So ungefähr stelle ich mir das vor.«

Auf seine alten Tage – 75 ist er gerade geworden – will er also noch zum Konzeptkünstler werden. Herrlich für die, die einen großen typischen Baselitz besitzen; der wird jetzt noch kostbarer. Und ein Albtraum für die Händler, die derzeit so gut wie nie an ihm verdienen: Jetzt droht der Nachschub der charakteristischen und in aller Welt begehrten Baselitz-Werke zu versiegen. »Baselitz« ist ja längst eine Superluxusmarke am Kunstmarkt. Überall erkennbar, dafür hat der Maler gesorgt, als er 1969 begann, seine Figuren und Kompositionen auf dem Kopf darzustellen. Der Bildersturz wurde sprichwörtlich für Baselitz, damit versuchte er, die geschichtlich aufgeladenen »Helden« und »Neuen Typen« wieder loszuwerden, die er in seinen tollen frühen Jahren herbeizitiert hatte.

Jetzt will der Goldesel keine Dukaten mehr ausspucken, sondern nur noch schwarze Brocken. In den Sechzigern hatte Baselitz mit wildem Pinselstrich zur Erneuerung der Malerei beigetragen und sie vom lähmenden Diktat der Abstraktion befreit. Das ist sein Verdienst, und gerade die Bilder aus diesen Jahren sind bis heute großartig geblieben. Jetzt also nur noch schwarze Flächen? Wir werden uns wohl daran gewöhnen müssen.

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Kommentare

10 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Schwarmalerei ist so eine Sache

bei aller Hichachtung für B., aber er sollte schon die Arbeit seines Kollegen Arnuld Rainer kennen, der auch mal so angefangen hat: seine erste Übermalung (der Arbeit eines Kollegen) war schwarz, nur eine kleine Ecke oben links war noch sichtbar. Sicher meint B. etwas anderes - aber wird es dadurch besser?

Trolling oder Kunst?

Meine Ahnung von der Kunstwelt beschränkt sich auf die des durchschnittlichen Laien.

Aber bei so etwas frage ich mich ernsthaft, ob der Mann sich nicht einfach einen Spaß erlaubt. Und gleichzeitig versucht, wie weit er gehen kann.
Wie weit die Szene mitgeht, ob es irgendwann, wie bei den neuen Kleidern des Kaiseres ein Kind der Zeit gibt, dass sagt, was es denkt und sich fragt, warum eine schwarze Fläche Kunst sei? (Ich mag die Farbe sehr, aber ich kann nich erkennen, was daran toll sein soll, ein Gemälde komplett zu übermalen)
Oder entgeht mir hier etwas offensichtiliches, dass dem ganzen Sinn verleiht und es zu etwas künstlerisch wertvollem macht?