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Schauspieler Matthias Schweighöfer alias "Schweigi" sieht unschuldig aus. Doch mit seinen großväterlichen Ansichten redet er sich derzeit um Kopf und Kragen. von 

Schauspieler Matthias Schweighöfer

Schauspieler Matthias Schweighöfer  |  © Andreas Rentz/Getty Images

Der Schauspieler Matthias Schweighöfer hat dieser Tage in einem Interview gesagt, es sei »eine Katastrophe«, wenn »Karrierefrauen« so spät Kinder bekämen, »mit 38 Mutter werden finde ich schon komisch«. Wir sind überrascht – denn mit seinem Schelmengrinsen hat der 31-Jährige es geschafft, in der Beliebtheitsskala junger Frauen zum Schweigi neben dem Schweini aufzusteigen. Und dieser Schweigi quasselt nun also daher, als sei er dem Rollenbild seines eigenen Großvaters entsprungen.

Weitere Bemerkungen Schweighöfers zum Zusammenleben mit Frauen lesen sich zum Beispiel so: »Wenn man nach drei Wochen nach Hause kommt, braucht man mal einen Abend für sich, um anzukommen. Wenn dann dort Kinderwuselzeug und Frauenalarm ist, explodiert es sofort.« Oder auch so: Eine Frau, die behauptet, sie sei nicht cholerisch – »wie scheiße ist das denn«. Ungefähr so scheiße, halten wir mal dagegen, wie ein Typ, der behauptet, über »Brüste, Ärsche und Bumsen reden nur die Frauen«.

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Frauen, die spätestens mit Mitte 20 Mutter werden; Frauen, die weder Kinderwuselzeug rumliegen lassen noch Alarm schlagen, wenn der Ernährer erschöpft nach Hause kommt; eine Frau, die sagt: Ich bin doch nicht emanzipiert – wie geil ist das denn. Ungefähr so geil wie das Vorgestern im eigenen Kopf.

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Klicken Sie auf das Bild, um weitere Artikel der Serie "Gesellschaftskritik" zu lesen.  |  © Frazer Harrison/Getty Images

Was soll das also? Schweighöfers geistige Schweigereien könnte man als ambitionierten Selbstversuch deuten, sich in Rekordzeit um Kopf und Kragen zu reden. Doch das verkennt das Motiv. Vor knapp einem Jahr hat sich Schweighöfers Freundin Ani, die Mutter seiner dreijährigen Tochter Greta, von ihm getrennt. Darunter leidet Schweigi wie ein moderner Mann: Er kommt damit überhaupt nicht klar.

Also legt er offen, woran seine Beziehung gescheitert ist – nämlich an dem Typen, der, wenn er schon mal zu Hause sein muss, nicht auch noch über das Wuselzeug seines Kindes stolpern will.

In der Ära kollektiver Selbstentblößung handelt Schweighöfer ganz auf der Höhe der Zeit, indem er öffentlich macht, wie sehr er aus ihr gefallen ist. Nicht, was Schweighöfer hinter seinem Schweigi-Sein entblößt, zählt – sondern dass er nichts bedeckt hält.

Und außerdem: Wenn, wie bei Schweighöfer, im eigenen Nachnamen schon ein Imperativ steckt, muss man sich ja nicht auch noch daran halten.

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    • Schlagworte Beziehung | Katastrophe | Schauspieler | Oder
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