Kapitalmarkt : Licht auf dem Graumarkt
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Mehr Transparenz wird Kunden abschrecken

Wenn Vermittler nun im Beratungsprotokoll die Provision und die Risiken des Anlagemodells benennen, wird dies Kunden abschrecken. Einige Verkäufer dürften deshalb davon absehen, riskante Graumarktfonds zu empfehlen und auf andere Anlagekategorien oder Fonds seriöser Graumarktanbieter ausweichen. Bei Banken, für die seit 2010 immer strengere Aufklärungs- und Beratungspflichten gelten, ist dieser Trend bereits zu beobachten.

Ein weiterer Fortschritt für den Anlegerschutz: »Ich schätze, dass rund ein Drittel der Vermittler die neuen Auflagen nicht erfüllen kann«, sagt Anwalt Brinkmöller. Für Kunden ist die Marktbereinigung eine gute Nachricht. »Gerade Teilzeitvermittlern fehlt häufig das Know-how«, sagt Brinkmöller. »Nun könnte die durchschnittliche Beratungsqualität steigen.«

Tatsächlich ist der Zusatzaufwand, den die neue Rechtslage fordert, enorm. So müssen Vermittler nicht nur Beratungsprotokolle verfassen und ihr Wissen nachweisen, in der Regel durch eine erfolgreiche Prüfung bei der IHK. Darüber hinaus müssen sie jährlich einen Wirtschaftsprüfer ins Haus holen und eine Haftpflichtversicherung abschließen, um Kunden im Ernstfall entschädigen zu können.

Kaum Personal für Kontrollen

Allerdings sind es ausgerechnet die Gewerbeämter, die kontrollieren, ob Finanzvermittler die neuen Regeln einhalten. Denen fehlten dafür die Kapazitäten und das spezielle Know-how, sagt der Berliner Anlegeranwalt Timo Gansel. »Wer einen Weihnachtsmarkt beaufsichtigen kann, ist deshalb noch lange nicht fähig, den Finanzmarkt zu kontrollieren.« Der sei ungleich komplizierter.

Zudem sollen die Beamten nur stichprobenartig prüfen – etwa ob Protokolle den formalen Vorgaben entsprechen. Da gehe es dann darum, ob sämtliche Häkchen korrekt gesetzt wurden – und nicht um die Frage, »ob das empfohlene Finanzprodukt geeignet war«, so Gansel. Das zeigt: Die neuen Regeln lassen Schlupflöcher für schwarze Schafe. Aber das gestiegene Haftungsrisiko und die Marktbereinigung dürften dazu führen, dass seltener als früher hochriskante Produkte empfohlen werden.

Ein Indiz dafür, dass die Qualität des Fonds bei der Finanzberatung in den Vordergrund rückt, ist die Tatsache, dass viele Anbieter von Graumarktfonds den Vermittlern neuerdings geringere Provisionen in Aussicht stellen. »Die Anfangsprovisionen liegen oft nur noch bei sechs bis acht Prozent«, berichtet Timo Richter von der Maklerfirma Apella. Stattdessen würden verstärkt jährliche Bestandsprovisionen gezahlt.

Das ist eine erfreuliche Entwicklung. Denn wenn Vermittler ihr Geld nicht auf einen Batzen, sondern peu à peu kassieren, ist es in ihrem Interesse, Angebote mit tragfähigen Konzepten auszuwählen. Schließlich fließen Bestandsprovisionen nicht mehr, wenn der Fonds pleite geht.

Neue Regeln für Fondsanbieter geplant

Mit den neuen Vorschriften für Vermittler hat der Gesetzgeber also Veränderungen in der Branche angeschoben. Und der nächste Schritt hin zu einem effektiven Anlegerschutz steht kurz bevor. Denn nach den Vermittlern, also dem Vertriebsarm für Produkte des grauen Kapitalmarkts, knöpft sich die Bundesregierung nun die Fondsanbieter selbst vor – mit einem weiteren Gesetz, das aber erst im Juli in Kraft tritt. Das Regelwerk, mit dem Deutschland die EU-Richtlinie für Alternative Investment Funds umsetzt, soll dafür sorgen, dass Produkte sicherer sind und nicht mehr an Kleinanleger verkauft werden, die einen Verlust nicht verkraften könnten.

So dürfen sich in Zukunft nur noch solche Anleger beteiligen, die mindestens 20.000 Euro einzahlen. Ausnahmen sollen nur für große Fonds gelten, die in mehrere Objekte investieren und damit das Risiko streuen. Zudem sollen Fonds nur noch maximal 60 Prozent des Kaufpreises von Schiffen oder Immobilien per Kredit finanzieren. Dadurch sinkt die Gefahr, dass Anleger im Fall einer Pleite nicht nur ihr Kapital verlieren, sondern auch noch auf Schulden sitzen bleiben.

Ursprünglich waren noch einschneidendere Änderungen geplant – etwa eine Mindestbeteiligungssumme von 50.000 Euro. Dies hat die Branche jedoch verhindert. Es ist also noch Luft nach oben beim Anlegerschutz in Deutschland, sei es bei den Vorgaben für geschlossene Fonds oder bei den Kontrollen für Finanzvermittler.

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