Hochschulen : "Das System bricht auseinander"
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"Die Exzellenzinitiative ist ein Schritt in die richtige Richtung"

ZEIT: Diese Hochschulen müssen sich dann aber damit abfinden, stets weniger Geld als die Spitzenunis zu erhalten.

Günther: Heute bekommen Universitäten in Deutschland durchschnittlich 8540 Euro pro Student, Fachhochschulen liegen im Durchschnitt bei 3890 Euro. In Zukunft wird sich das wohl noch etwas aufspreizen: Im vierten Cluster reichen vielleicht 2500 bis 3000 Euro pro Student aus, bei Universitäten im ersten Cluster müssten es wenigstens 15.000 bis 20.000 Euro pro Student sein, um im internationalen Wettbewerb zu bestehen. Das ist aber nicht wertend zu verstehen, sondern den jeweiligen Anforderungen angepasst: Natürlich bekommt die Forschungsuniversität mehr Geld – weil sie mehr ausgeben muss, um sich international in der Forschung zu behaupten.

ZEIT: Wenn das Geld neu verteilt werden soll, dürfte das einigen Streit geben.

Günther: Das wird nicht leicht. Aber es ist die große Herausforderung an den Bund und vor allem die Länder. Sie müssen die Hochschulen fair evaluieren. Dann müssen Bund und Länder das Geld, das für die Hochschulen zur Verfügung steht, klug verteilen: Wenn ein Land sich vollständig aus der Spitzenförderung zurückzöge, schiene mir das ebenso problematisch, wie wenn der gesamte Hochschulhaushalt in einige wenige Top-Unis flösse, aber für die breite Ausbildung nicht hinreichend Studienplätze da wären.

ZEIT: Lässt sich so etwas nicht mit einer entsprechenden Rahmengesetzgebung vermeiden?

Günther: Ob es einer gesetzlichen Klassifizierung bedarf, um eine neue Ordnung festzuzurren, muss diskutiert werden. Ich persönlich bin da wie gesagt eher skeptisch, weil es den Rahmen wieder eher starr machen würde, während doch eigentlich Flexibilität gefragt ist. Plötzliche Verschiebungen sind eh nicht zu erwarten.

ZEIT: Worauf kommt es dann an, um den Prozess richtig zu begleiten?

Günther: Der erste Schritt ist, den bereits im Gange befindlichen Wandel als Fakt anzuerkennen, anstatt an vergangene Verhältnisse anzuhängen. Nur so kann die Politik die unterschiedlichen Rollen von Hochschulen in Forschung und Lehre erkennen, einordnen und dann auch finanziell bewerten. Und dazu haben höchste Forschungsorientierte Universitäten in Deutschland immer noch viel zu wenig Geld, um international mithalten zu können. Die Exzellenzinitiative ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, aber er zahlt sich gesellschaftlich nur aus, wenn es gelingt, die Finanzierung im Bereich der Spitzenforschung nachhaltig zu sichern, ohne den Blick für die Balance zwischen den beschriebenen Clustern und insbesondere die wichtige Rolle der tertiären Bildung in der Breite zu verlieren. Das ist die große politische Herausforderung.

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