US-Serie "Homeland" : So was haben Sie noch nicht gesehen!

Die manisch-depressive CIA-Agentin Carrie Mathison glaubt, der als Held aus dem Irak heimgekehrte Kriegsgefangene Nicholas Brody sei zu Al-Kaida übergelaufen. Ist er das wirklich? Oder hat die Agentin den Verstand verloren? Davon erzählt die Serie "Homeland", die am 3. Februar auf Sat.1 anläuft. Wir liefern 22 Hinweise, warum es sich bei ihr um die derzeit beste Serie der Welt handeln könnte.
Claire Danes und Damian Lewis vor einem Plakat von "Homeland" © Frederick M. Brown/Getty Images

  1. Es gibt keine Helden. Nicht einen. Jeder in dieser Serie ist zutiefst gestört.

  2. Der US-Präsident kommt kein einziges Mal vor. Er hat noch nicht einmal einen Namen. Sich einen US-Präsidenten auszudenken, halten die Macher nach David Palmer aus 24 und Jed Bartlet aus West Wing richtigerweise für überflüssig.

  3. Barack Obama ist ein großer Fan von Homeland.

  4. Diese Serie ist nicht lustig. Kein Stück. Es fehlt das, was der Bayerische Rundfunk einmal bei einem Polizeiruf vermisst hat, weshalb die Ausstrahlung auf 22 Uhr angesetzt wurde: die Lachinseln. Das Fehlen jeglicher Lachinseln kann im Fernsehen nur begrüßt werden.

  5. Claire Danes? Spielte die nicht mal irgendwann in den neunziger Jahren neben Leonardo DiCaprio in Romeo und Julia? Und hat man nicht danach nie wieder was von ihr gehört? Wo hat die denn die ganze Zeit gesteckt? Oder anders: Wer hatte denn die Idee, der die Hauptrolle der CIA-Agentin Carrie Mathison zu geben? Und zeigt ihr Spiel nicht, dass sie viel zu lange weg war?

  6. Dabei war sie während des Drehs zur zweiten Staffel auch noch schwanger, und sie muss ziemlich viel rennen und brüllen. Der Babybauch wurde später retuschiert.

  7. Claire Danes bringt uns auf die Idee, ihre tolle Serie My So-Called Life von 1994 mal wieder zu gucken. Sie spielt darin die Hauptrolle, einen schlauen, melancholischen Teenager.

  8. Man kann so tun, als müsste man lange darüber nachdenken, warum dieser undurchsichtige Nicholas Brody so sexy ist: gebrochener Held, neuer Typus Mann und so weiter. Aber ganz ehrlich: Er redet nicht viel, ist nett zu Kindern und kann gut schießen. Traummann.

  9. Die Macher von Homeland waren auch verantwortlich für die Serie 24, und die war von 2001 bis 2010 die beste Fernsehserie. Und obwohl es auch da um Terror und das, was er den USA antut, ging, war sie ganz anders und passte damit aber in die Zeit. Und das wiederum ist ein Beweis, dass auch Fernsehserien, wenn sie gut sein wollen, immer das Abbild einer Zeitströmung sein müssen. Und das ist nebenbei auch der Grund, warum Mad Men in Wahrheit so grauenhaft war und ist und bleibt.

10. Ach, es gibt so viele kleine Szenen, die einen vor dem Fernseher fassungslos zurücklassen. Eine darf man erzählen: Als Saul Berenson, der Vorgesetzte von Carrie, herausfindet, dass sie unerlaubt Nicholas Brody ausspioniert, bietet sie ihm, ihrem loyalen Mentor, für sein Schweigen Sex an. Verzweifelter, hilfloser, verstörter hat man so etwas im Fernsehen noch nie gesehen.

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Kommentare

80 Kommentare Seite 1 von 13 Kommentieren

Merkwürdiger Hype

Wieso wird die Serie Homeland so gelobt? Schreibt da einer vom anderen ab, ohne die Folgen wirklich genau angeschaut zu haben? Also, zwei positive Punkte: Carries Vorgesetzer ist m.E. die einzige halbwegs glaubhafte und gute Figur. Die große Linie der Story zeigt die Verheerungen des Patriotismus. Alles Andre nervt, allen voran Carrie und Brodie. Ein Emotionaljunkie und bipolar gestörte Frau als Top-CIA-Agentin? Das ist Groschenroman-Ninveau. In meinen Augen völlig unglaubwürdig. Die Handlung? Unglaubwürdig und über weite Strecken gähnend langweilig. Wenn das dem Zeitgeist entsprechen sollte, na dann gute Nacht. Ich habe jede Folge gesehen und dachte, na dann wird wohl den nächste Folge besser. Fehlanzeige. Wie man es besser macht? 24, Breaking Bad, Borgen (Gefährliche Seilschaften), Die Brücke, Kommissarin Lund, Protectors - allesamt um Längen besser: unterhaltsamer, spannender, glaubhafter, realistischer, bessere Drehbücher, Darsteller, Soundtracks. Homeland ist m.E. eine der schlechtesten Serien der letzten Jahre.

@israel

Das Original aus Israel hätte man sicher erwähnen sollen. Gibt es leider nur mit Original-Ton ist also auch für Fans kaum zu sehen - sofern man nicht Hebräisch kann.
Die Grundidee (Heimkehrer mit zweifelhaften Motiven) ist natürlich schon zig mal verarbeitet worden.

In Homeland ist es so, dass der Vize-Präsident eine tragende Rolle spielt - insofern fällt es schon auf, dass der Präsident selbst nei erwähnt wird

Obwohl großer Fan der Serie: Mit unser Lebenswirklichkeit hat das überhaupt nichts zu tun. Das ist auch keine Serie übers realistische Agentenhandwerk - wenn überhaupt hat das was mit diffusen Bedrohungsängsten (so wie: der Feind ist unter uns) zu tun

@ 4 maxideimeno

ZUmindest Reihenkrimis gibts. Ein starkes Team, Mord mit Aussicht, (die Hauptdarstellerin hat sogar mehr als 1 Gesichtsausdruck, Wilsberg sind zuminest etwas abgekoppelt vom Mainstream.

Dann weiss ich auch nicht. Vorabends bin ich meist auf Heimreise. Den Sokos mit ihren neurotischen Selbstfindern, den Kommissarinnen, Duo usw. kann ich nichts abgewinnen. Zu humorlos und zu betroffen jederzeit.

Alles natürlich keine Serien. Im Angesicht des Verberechens war schon eine positive Überraschung. Es fehlt wohl die Kreativität und die Riskobereitschaft ausser bei Lindenstrasse.

Und die politische Abstimmung darüber, wer sich jetzt wieder auf den Schlips getreten fühlen könnte, dauert vermutlich zu lang.

Es sind ja auch immer Wahlen, die zu berücksichtigen sind. Man stelle sich vor, in der 30igsten Folge isst einer ein Stück Fleisch mitten im grünen Wahlkampf. "Auf der Flucht", eine jahrelange Serie in den USA, wäre gar nicht möglich.

Oder Karin Lund. Völlig undenkbar in Deutschland, diese Mischung aus Politk und Kriminalität ohne belehrende Attituden. Einfach parallell stellen und die Wirkung dem Zuschauer überlassen geht hierzulande nun gar nicht.

Vielleicht kann der Deutsche aber auch nur eine begrenzte Zeit Spannung aushalten. Da muss dann schnell wieder Harmonie herrschen. 6 Folgen Schattenmann, König von Sankt Pauli oder eben im Angesicht des Verbrechens sind gerade genug.

@15 Unmögliche Sendezeit ist oft schuld

Leider wurde "Im Angesicht des Verbrechens" zu einer Zeit gesendet, Freitags ab 22Uhr !, in der man kein Massenpublikum erreicht. Davor lief sie auf Arte - wer schaut Arte? Eben. Großartige beworben wurde die Serie leider auch nicht.

Gute deutsche Serien gab es in der guten alten Fernsehzeit:
Kir Royal
Liebling Kreuzberg
Ein Mann will nach oben

um nur einige zu nennen. Es gab auch experimentelles Fernsehen, ich erinnere an "Smog" von Wolfgang Menge. Weshalb uns heutzutage vornehmlich seichte Billigproduktionen vorgesetzt werden, erschließt sich mir nicht.
"Borgen" war auch nur auf Arte zu sehen.

Ich werde mir Homeland jedenfalls nicht ansehen, da ich keine Lust auf regelmäßige Werbeunterbrechungen habe. Außerdem stört es mich zunehmend, dass die amerikanischen Serien keine abgeschlossenen Geschichten erzählen. Es wird zunächst eine Staffel produziert, erreicht diese gute Quoten, wird die nächste Staffel produziert. Jede Staffel endet mit einem Cliffhanger, der die Möglichkeit zur Fortsetzung bietet, bis dann schließlich ein Absinken der Quote zur Einstellung der Serie führt.
Im Vordergrund steht immer die Vermarktung, nicht der Wunsch eine Geschichte zu erzählen, die eben auch nach 13 Folgen zuende sein kann!
Nicht mein Ding.

Sie liefern aber keine Erklärungen, sondern nur Arroganz..

... wenn Sie schon auf dem hohen Ross reiten (können Sie Kunst?), dann bitte auch detaillierter und nicht mit irgendwelchen angeblichen Besucherwünschen und .

Die guten Serien werden, wenn sie überhaupt auf den ÖR ausgestrahlt werden, zu Uhrzeiten, zu denen sie kein Massenpublikum erreichen können. Und das soll nun der Grund sein, warum hier in Deutschland keine guten Serien entstehen.

Es geht hier nicht um Gewohnheiten, sondern um Gründe, warum unsere Gewohnheiten so sind, oder meinen Sie oberflächlich daher zu debattieren wäre eine Auseinandersetzung?

Auch wenn es Ihnen schwer fällt zu glauben, wir haben nicht die Kreativen, die andere haben, und das liegt an unserer Vergangenheit. Wenn Sie wirklich präsentieren könnten, was wir für ein angebliches kreatives Potential haben, dann liefern Sie hier doch die Serien und Filme aus Deutschland, die international mithalten können... vom Niveau her, Sie wissen schon.

Mich würden dennoch Ihre Erklärungen interessieren...

... warum wir (ja, wir Deutschen... das nennt man Polemik) nicht mithalten können und bei uns die Nachfrage nach US-Serien ob deren Qualität so hoch ist. Das Fass haben Sie aufgemacht und meine (und nicht nur meine) Erklärung vom Tisch gewischt. Wenn Sie also eine bessere parat haben, dann nur zu.

Mir ist das Thema nämlich wichtig, nicht nur, weil ich leidenschaftlicher Glotzer bin und mir den Luxus gönne FOX, TNT und die anderen Kanäle zu beziehen, sondern auch, weil ich Texter bin.

Es wäre doch einfacher solche Serien selbst zu machen, als sie teuer einzukaufen und dann zu unmöglichen Sendezeiten zu bringen oder sie auf die Spartenkanäle oder auf 3sat und arte zu legen.

Es muss ja Gründe geben, warum das so ist. Ich jedenfalls bedaure das. Noch viel mehr bedaure ich das, weil ich gerne mit meiner GEZ-Abgabe solche Meisterleistungen wie Mad Men hier in Deutschland finanzieren würde, aber wir hier solche Meisterleistungen nicht hinkriegen und deren Niveau nicht erreichen.

Und wenn Sie sich jetzt noch anschauen, wer dafür verantwortlich zeichnete, für Mad Men oder Gilmore Girls, dann werden Sie immer wieder auf ähnliche Biografien stoßen, von Leuten, die zur Nazizeit vertrieben oder deren Eltern ermordet wurden.

Ich für meinen Teil bedaure das, nicht nur menschlich, sondern auch, weil wir uns damit einen großen Teil des eigenen Potentials amputiert haben, welches nicht mehr nachwächst.

Ähnliches gilt für den deutschen Film.

Eine Frage von Moral

deutsche Serien kreieren gerne Helden und Schemata. Es wird eher oft schwarz-weiß gedacht und wenig Platz gelassen für eine eigene Interpretation von Gut und Böse und das ist der Unterschied zu einigen amerikanischen Serien. Man stelle sich zum Beispiel eine Serie in Hamburg spielend vor über die Banditos, die mit Waffen handeln und allerlei kriminelle Machenschaften tätigen (quasi Sons of Anarchy). Wie würde wohl das Publikum reagieren?
Zwischen Soaps, scripted Reality, Pseudokrimis, dem TrashTV, den Serien der öffentlich rechtlichen fehlt mir persönlich auch eine Serie, in der man nicht gleich von der ersten Minute weiß, wie die Rollen verteilt sind und die nächste Frage wäre, welche Schauspieler spielen sollen, denn auch das ist etwas, was bei einigen amerikanischen Serien besser läuft. Die Schauspieler wirken nicht schauspielernd.
Es gibt sicher viele Konzepte und Gedankengänge auch von dt. Drehbuchautoren, aber am Ende entscheiden leider immer die "werberelevanten Zielgruppen" welche Serien realisiert werden.

Anteil funzt nur bei Pay

Was soll das Rumstreiten? Mad Men First Viewers North America In Mio
July 19 – October 18, 2007 0.90
July 27 – October 26, 2008 2.00
August 16 – November 8, 2009 2.80
July 25 – October 17, 2010 2.92
March 25 – June 10, 2012 3.54
Grundmarkt bei etwas 300 Mio Leuten, jetzt kann sich das jeder auf Deutschland runterechnen. Meiner Meinung nach geht das in den USA plus Paymarkt - aber in Deutschland? Ich will es Ihnen nicht ausreden, kann ich mir aber nicht vorstellen. Und klar es gibt auch gute Serien, die im Heimatmarkt 5 bis 10 Mio erreichen. Und sicher sind die Serien auch sehr kreativ - aber sie sind auch sehr teuer. Auch die Kreativität mir einem Pool an Leuten für das Drehbuch ist schon teuer als bei einer deutschen Produktion. Naja wie dem auch sei, die Quote ist so niederig, die würde in Deutschland im Freee TV nicht für einen Hauptsender und guten Sendeplatz ausreichen. Homeland lag übrigens auch zwischen 1 Mio und 2,7 Mio Zuschauer - bare bei Pay stimmt die Kasse trotzdem

Gibt's doch

Kir Royal, zum Beispiel. Oder Monaco Franze - Der ewige Stenz. Oder Berlin Alexanderplatz von R.W. Faßbinder. :)

Aber dass das mal klar ist: Wir leben spätestens seit dem Kollaps der Sowjetunion und der Herbeiführung der Großen Deutschen Widervereinigung in einer Mediokratie. Und bisher gibt's halt und leider noch keinen, der un-medioker ist UND es schafft, seine Ideen in Film oder Fernsehen verwirklicht sehen zu können.