BremenBremischer Minimalismus

Erst verkaufte das Museum Weserburg seine Kunst. Und jetzt auch sein Haus? von Verena Emke

Wo landet eigentlich die Kunst, die jeden Tag in den Galerien und Auktionshäusern von Privatsammlern gekauft wird? Sie landet, wenn die Öffentlichkeit Glück hat, in einem Museum wie der Weserburg in Bremen. In den historischen Räumen einer alten Kaffeefabrik werden dort seit 1991 in Wechselausstellungen die Exponate privater Leihgeber vereint: Werke aus der Sammlung Thomas Olbricht, der Münchnerin Ingvild Goetz oder der Sammlung Lafrenz, präsentiert auf 5.000 Quadratmetern. Das neue Konzept des Sammlermuseums galt bei der Gründung als richtungsweisend. Doch jetzt droht dem Museum das Ende – zumindest am Standort Weserburg. Es soll womöglich aus dem Zentrum wegziehen, in ein kleineres, noch zu bauendes Haus in der neuen Überseestadt, Bremens Äquivalent zur Hamburger HafenCity.

Das verwundert umso mehr, als das Museum Weserburg erst 2010 in einer aufsehenerregenden Aktion eigene Sammlungsbestände verkauft hat (ZEIT Nr. 39/10). Der Verkauf wurde damals, seitens des Museumsdirektors Carsten Ahrens, mit der Notlage begründet, die Weserburg müsse dringend renoviert werden. Die Versteigerung ihrer wertvollsten Gemälde, Gerhard Richters Matrosen und Franz Gertschs Luciano I, brachte dann unverhofft viel Geld – mehr als zehn Millionen Euro flossen nach den Auktionen bei Sotheby’s an das Museum. Doch bis heute hat Ahrens die Bauarbeiten nicht umgesetzt.

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Auch im Ausstellungsprogramm hat sich seitdem nicht viel getan. Und die Zahl der Besucher blieb übersichtlich, im vorigen Jahr kamen 31.000, weniger denn je. Dass dort seit drei Jahren immer noch dieselbe Minimal-Art-Ausstellung gezeigt wird, zeugt auch von einem programmatischen Minimalismus.

Wo ist das Geld aus den Versteigerungen geblieben? Es sollte wohl in den Neubau fließen – der Architekt Arno Brandlhuber hat einen kreisrunden Glas-Beton-Bau entworfen. Der Rest der Bausumme, rund vierzehn Millionen Euro, könnte durch den Verkauf der Weserburg finanziert werden. Aber die endgültige Entscheidung ist bislang nicht gefallen. Fest steht, dass die seit drei Jahren laufende Spendenkampagne eines Mäzens im Umfang von jährlich 500.000 Euro nun endet. Und die Planungen des Ausstellungsprogramms gehen nur bis Oktober 2013. Wie wird also die Zukunft der Weserburg aussehen? Direktor Ahrens mag gegenüber der ZEIT keine konkreten Angaben zu Plänen machen, bevor nicht über den Umzug entschieden ist.

Käme es dazu, so viel scheint sicher, würde es in dem neuen, um 2.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche kleineren Haus auch deutlich weniger Ausstellungen geben. Das klingt zunächst nicht wirklich nach einem innovativen, das Publikum lockenden Konzept – und könnte auch Leihgeber verschrecken. Sollte das Museum Weserburg, das ja ein Gegenwartsmuseum sein will, nicht junge Sammler an sich binden und mit ihnen im alten Bau für frischen Wind sorgen? Zu wünschen wäre das, damit weiterhin möglichst viel Kunst aus Privatsammlungen öffentlich sichtbar bleibt.

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Leserkommentare
    • Ron777
    • 31. Januar 2013 19:45 Uhr

    Ich kenne das Museum von einem Besuch vor wenigen Jahren. Problematisch ist, dass es keinerlei Parkplätze gibt, da der Bau auf einer kleinen Weserinsel liegt. Auch die Innenräume wirken nicht gerade prädestiniert für moderne Kunst, da sie wegen des Altbaus etwas provinziell daherkommen. Ein gt gemachter Neubau im urbanen neuem Weserviertel könnte ein gelungener Sprung nach vorne sein. Dass Bremen mittlerweile gute Museen bauen kann, zeigt das Auswandererhaus und das Universum.

  1. ...und schon kommen 100000 Besucher. Hundertwasser ausstellen! Auch so kann man den guten Ruf eines Museums vernichten. Oder durch 'Nicht-Handeln', wie die Verantwortlichen der Weserburg.

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    • Mari o
    • 02. Februar 2013 21:45 Uhr

    Schuld daran,daß man immer wieder diesen sogenannten Blockbustermist aufgetischt bekommt sind die Museumsfritzen,denen
    die Finanzminister an die Gurgel gehen,wenn sich nicht 100tausende
    Besucher in den tollen teuren Museumsbauten drängeln.Siehe auch
    Giacometti in Hamburg,oder Kling-Klang in Düsseldorf,denen plötzlich eine ungeheure Kunstnähe attestiert wird.obwohl es sich um nichts anderes als Kitsch handelt.
    aber dass die Richter/Gertsch verkauft haben,war gut und das sollten die anderen Museen auch machen,solange der shice heiss ist.

    • Mari o
    • 02. Februar 2013 21:45 Uhr

    Schuld daran,daß man immer wieder diesen sogenannten Blockbustermist aufgetischt bekommt sind die Museumsfritzen,denen
    die Finanzminister an die Gurgel gehen,wenn sich nicht 100tausende
    Besucher in den tollen teuren Museumsbauten drängeln.Siehe auch
    Giacometti in Hamburg,oder Kling-Klang in Düsseldorf,denen plötzlich eine ungeheure Kunstnähe attestiert wird.obwohl es sich um nichts anderes als Kitsch handelt.
    aber dass die Richter/Gertsch verkauft haben,war gut und das sollten die anderen Museen auch machen,solange der shice heiss ist.

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