NachhaltigkeitIch muss mein Leben ändern
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Urlaub in Deutschland: Regenschirm und Kuschelpulli

Um herauszufinden, wie man einen reduzierten Lebensstil ohne Flüge und ohne Auslandsreisen durchhält, treffe ich mich mit dem Wirtschaftsprofessor Niko Paech, der in kein Auto steigt und mit seinen 52 Jahren erst ein Mal geflogen ist. Er glaubt, dass bald alle so leben werden wie er, weil das Öl ausgeht und die Wirtschaft nicht so weiterwächst wie bisher. Paech wohnt im niedersächsischen Oldenburg, aber er ist gerade in Berlin, so muss ich mein CO₂-Konto nicht weiter belasten. Ich frage ihn, ob er sich nicht manchmal nach südlichen Ländern sehne, zumindest nach der Sonne Italiens. »Italien? Was soll ich denn da?«, fragt Niko Paech zurück. Außerdem halte er das Konzept Urlaub für überschätzt. Paechs Ideal ist es, nur 20 Stunden die Woche zu arbeiten und die restliche Zeit mit sinnvoller Freizeitgestaltung zu verbringen: Brot backen, Fahrräder und kaputte Computer reparieren. So spart er Geld, muss weniger konsumieren und arbeitet sich auch nicht urlaubsreif. Und wenn er es doch ist, entspannt er zu Hause oder fährt mit dem Fahrrad an die Ostsee. Aber was ist mit dem Regen, der einem die kostbaren zwei Wochen Sommerurlaub vermiesen kann? »Warum glauben Sie, dass Sie Anspruch auf regenfreie Tage haben?«, fragt Paech.

Ich ahne, dass Niko Paech ein anderer Typ ist als ich. Diesen Sommer versuche ich dennoch, mich an seine Ratschläge zu halten. Also fahren wir mit Freunden für ein paar Tage nach Mecklenburg (von Berlin aus eine kurze Autofahrt zu dritt, in Hinblick auf die CO₂-Belastung also fast unbedenklich) und wohnen in einem Holzhaus. Kilometerweit nur Wald und Seen. Unsere Tochter spielt in der Scheune und läuft über die Wiesen. Wir genießen die Ruhe – so sieht ein Leben abseits der Zivilisation aus. Leider müssen wir bald feststellen, dass wir die kältesten Tage des Sommers erwischt haben. Der altmodische Ausdruck »Sommerfrische« bekommt eine ganz neue Bedeutung. Es wird nicht wärmer als 18 Grad, wir gehen trotzdem an den See, was soll man sonst tun in dieser Abgeschiedenheit? Die Männer nutzen die Abstände zwischen den Regenschauern, um zu angeln. Ansonsten sitzen wir eng aneinandergedrückt, in Decken gehüllt in einer sogenannten Strandmuschel, einem kleinen Zelt, an das einer von uns glücklicherweise gedacht hat. Es wird neben dem Regenschirm das wichtigste Utensil dieses Urlaubs. Jeder von uns hat nur einen warmen Pulli dabei, zumindest um unsere Garderobe müssen wir uns also keine Gedanken machen: Wir tragen jeden Tag dasselbe.

In den ersten Monaten meines Experiments kommt es mir oft so vor, als wäre ich in meine Pubertät zurückversetzt. Damals war mein Umweltbewusstsein sehr ausgeprägt. Vielleicht ist man in diesem Alter besonders sensibel, weil noch so viele Jahrzehnte vor einem liegen. Mit 13 wurde ich für ein paar Jahre Vegetarierin und stellte mit einer Freundin Eimer in der Landschaft auf, damit Spaziergänger ihren Abfall nicht auf den Boden werfen. Allerdings war es damals auch eine Zeit existenzieller Angst – vor Atomwaffen, saurem Regen, und dann kam 1986 auch noch Tschernobyl.

Zwar ist die Bedrohung in den Jahren danach nicht geringer geworden, aber irgendwie schien ich mich damit abgefunden zu haben. Während ich als Teenager Löcher in meine Hosen riss, um meinem Protest Ausdruck zu verleihen, riss ich als Erwachsene Löcher in mein Bankkonto, um mir eine Tasche von Chloé zu kaufen (allerdings im Schlussverkauf) und Lackpumps von Marc Jacobs. Ich erinnere mich noch, wie ich an der Kasse stand und der Verkäuferin sagte, dass ich die teuren Schuhe einmal an meine Tochter vererben würde. Leider gingen sie kurz darauf kaputt, der Lack riss ein.

Nach dieser Erfahrung beginne ich im Sommer bei Einkäufen darauf zu achten, wo die Kleidungsstücke produziert werden, und stelle fest, dass auch Designerkleider »made in China« oder »made in India« sein können. Daraufhin beschließe ich, erst mal gar nichts mehr zu kaufen. Meine Konsumverweigerung hält einige Monate an.

Zuvor hat es mir Spaß gemacht, mit meinem Freund am Wochenende durch Berlins Mitte zu spazieren, einzukaufen und zum Abschluss ein oder zwei Gläser Wein zu trinken. Jetzt kann ich darin – abgesehen vom Wein – keinen Sinn mehr sehen und nerve meinen Freund mit Vorträgen über die Gewinnspannen der Unternehmen und deren teure Marketingkampagnen, die ich mit meinen Einkäufen nicht mehr mitfinanzieren will. Wir führen Diskussionen, ob ein Shirt von Zara für 15 Euro besser ist als eins von H&M für fünf (nein, sage ich) und ob »made in Bulgaria« besser ist als »made in Bangladesh« (nicht unbedingt). Mein Freund geht seitdem lieber alleine einkaufen. Nach einiger Zeit findet er allerdings, dass es auch für mich an der Zeit sei, mal wieder was Neues zum Anziehen zu erstehen.

Ich bin ratlos, wo ich hingehen soll. Ein Kollege empfiehlt mir, mich an Kirsten Brodde zu wenden, die für Greenpeace arbeitet und Spezialistin ist für ökologisch und fair produzierte Mode. Auf ihrer Website www.kirstenbrodde.de hat sie »grüne Listen« erstellt mit bundesweit knapp 40 auf Ökomode spezialisierten Läden und über 100 deutschen Labels und Designern. Sollte ich mir also am besten nur noch Mode »made in Germany« kaufen? »Das allein sagt nichts darüber aus, ob die Kleidung sauber produziert ist«, sagt Brodde, »denn der Stoff kommt ja nicht unbedingt aus Deutschland.« Ein erster Schritt sei, auf Biobaumwolle zu achten. Dann müsse der Stoff ja aber auch noch gewebt und gefärbt, bedruckt und beschichtet werden – und dabei wird die Umwelt besonders belastet. »Die Textilindustrie ist zu einem Großteil verantwortlich dafür, dass in China rund 70 Prozent der Flüsse verschmutzt sind«, sagt sie. Immerhin haben sich in der »Detox-Kampagne« von Greenpeace auch einige der großen Ketten verpflichtet, bis 2020 alle giftigen Chemikalien aus der gesamten Produktion zu verbannen.

Weil es mir aber auch um soziale Standards geht und ich keine Kleidung kaufen will, für deren Herstellung die Näherin in Bangladesch nur etwas mehr als einen Euro am Tag bekommt, empfiehlt mir Kirsten Brodde, auf das GOTS-Siegel (Global Organic Textile Standard) zu achten oder eine Mitgliedschaft der Modefirma in der Fair Wear Foundation. Einen höheren Standard gibt es derzeit nicht, also suche ich nach Kleidung, die so ausgewiesen ist. Ich merke schnell, dass ich um Bestellungen im Internet nicht herumkomme, weil sich die kleinen Labels den teuren Vertrieb in Läden nicht leisten können. Onlinehandel, das klingt so modern, dabei ist es im Prinzip das Gleiche, was unsere Mütter taten, als sie sich ihre Kleidung vom Otto-Versand kommen ließen. Ich finde eine bezahlbare Marke für Umstandsmode mit dem unglücklichen Namen boob, was auf Deutsch so viel wie »Busen« heißt. Ich bestelle dort trotzdem zwei Teile und außerdem Wäsche bei einem Ökoversandhandel. Gespannt warte ich auf die Päckchen. Beim Auspacken erlebe ich dann eine kleine Überraschung: Ich habe mich beim Anklicken der Größe offensichtlich vertan, sodass die eine Unterhose eher etwas für meine Tochter wäre. Die andere passt mir zwar, sieht aber nach der ersten Wäsche so labbrig aus, als habe der Prozess der Selbstkompostierung schon eingesetzt. Ich werde das Bestellen im Internet noch üben müssen.

Wenn man einmal angefangen hat mit dem ethisch korrekten Leben, gibt es kein Zurück mehr. Es ist, als habe man eine Parallelwelt der Gutmenschen betreten, in der hinter jeder Tür, die man öffnet, eine weitere liegt. Der Ökoversand Hessnatur hat das erkannt und steckt in seine Pakete ein halbes Dutzend Prospekte anderer ökologisch-ethischer Unternehmen. So stoße ich auf den Anlageberater Cordt Würdemann. Auf seiner Website www.nachhaltige-beratung.de wirbt er für »grüne« Bankkonten, Investmentfonds, Versicherungen. Ich mache mir schon lange Gedanken darüber, dass meine private Lebensversicherung über ein Versorgungswerk läuft, das zu fast 80 Prozent der Allianz gehört. Die Allianz soll unter anderem auch in Rüstungsfirmen investieren.

Ich vereinbare einen Termin mit Cordt Würdemann bei mir zu Hause. Ein Mann mit akkurat geschnittenen Haaren, Jackett und Lederschuhen steht vor meiner Tür. Im Gespräch wird schnell klar, dass ich meine seit vielen Jahren bestehende private Renten- und Lebensversicherung besser nicht kündigen sollte, da ich sonst viel Geld verlieren würde. Zum ersten Mal stoße ich an eine Grenze: So weit geht mein Engagement dann doch nicht, dass ich dafür meine Altersversorgung antasten möchte.

Aber was die Bank anbelangt, könne ich noch einiges tun, meint Würdemann. Er empfiehlt mir eine Nachhaltigkeitsbank, die ausschließlich in Umwelt, Soziales und Kultur investiert. Den Namen kann ich nicht nennen, weil Herr Würdemann von Provisionen lebt, und die bekommt er nur, wenn man das Konto über ihn abschließt. Nachdem ich mehrere Angebote verglichen habe, beschließe ich, ein Tagesgeldkonto bei »seiner« Bank zu eröffnen, sie zahlt mir derzeit 1,05 Prozent Zinsen.

Am Ende, sozusagen als Gratisservice, errechnet Cordt Würdemann noch, wie hoch meine Rente mit 67 sein müsste, damit ich meinen heutigen Lebensstandard halten kann. Dabei deckt er eine Versorgungslücke auf: Mir fehlt eine halbe Million Euro, anzusparen in den nächsten 26 Jahren.

Leserkommentare
  1. Sollen wir jetzt mit so subtilen Artikeln darauf vorbereitet werden, dass "das CO2-Konto" demnächst Pflicht wird? So wie Rauchverbot, Fleischessen und Kinderbuchkontrolle?

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    Fleischessen und Alkoholtrinken wird natürlich auch reglementiert, nicht dass da was falsch ankommt.

    Zitat: "Sollen wir jetzt mit so subtilen Artikeln darauf vorbereitet werden, dass "das CO2-Konto" demnächst Pflicht wird? ..."

    Komisch, genau so ähnlich habe ich auch am Ende des Artikels gedacht, als noch die Geschichte vom Zehnten an Bedürftige spenden kam.
    Das ganze kommt einem fast vor, als sollten irgendwelche Pilotprojekte gestartet werden, welche die Umerziehungsmethoden von Diktaturen auf Demokratie erproben (vor kurzem war schon mal irgendwo so ein Artikel über CO2-Konto).

    Und ob die Windel jetzt 300 Jahre zum verrotten braucht ist doch egal, wenn diese verbrannt wird.
    Es wäre vermutlich am hilfreichesten, dem Kind die Windel so früh wie möglich abzugewöhnen, dann freut sich nicht nur die Umwelt, sondern auch der Kindergarten...

    Ich glaube eher, die Autorin möchte verdeutlichen, dass jeder persönlich dazu beiträgt, welche Erde wir unseren Kindern überlassen. Die Einsicht dazu kann man nicht erzwingen, da muss sich jeder selber fragen.

    Die Klimaforscher haben die CO2-Grenze zwar im Auftrag der Bundesregierung ermittelt, aber keine Angst, verpflichtend wird das noch lange nicht. Wir können schon froh sein, wenn sie den Bericht nicht in der Versenkung verschwinden lässt, wie seinerzeit Reagan den "Global 2000"-Bericht.

    Die Politik das CO2-Ziel wirklich erreichen wollte, gäbe es eine viel wirksame Methode, als Vorschriften für den persönlichen Bereich, Verbrauchssteuern oder den komplizierten Handel mit Emissionsrechten. Das wäre etwa die Rationierung der fossilen Brennstoffe. Keine Angst, keine politische Partei will das, es wird nur viel über das CO2 geschwätzt.

    Die Politik tut nur das, was ihre Wähler wollen. Die Gefahr des CO2-Anstiegs haben die meisten erkannt, deshalb wünschen die meisten eine Begrenzung. Aber "Wollen" bedeutet im Gegensatz zum Wünschen, auch bereit zu sein, die Konsequenzen der Begrenzung auf sich zu nehmen. Möglich wäre sie schon. An diesem Wählerwillen fehlt es, deshalb tut die Politik nichts. Kein Politiker kann sich zu solcher Führungsstärke aufschwingen, denn es wäre das Ende der Demokratie.

    Ihre Reaktion bestätigt das. Sie könnten einen solchen persönlichen Bericht so wie die allermeisten ignorieren. Sie könnten sich auch zu den Klimawandel-Leugnern gesellen oder den fast religiösen Glauben an eine Erlösung durch neue Erkenntnisse der Wissenschaft hegen. Annabel Wahba will bestimmt niemandem etwas tun. Aber dass Sie darin einen subtilen Angriff spüren, ist ein gutes Zeichen

  2. Fleischessen und Alkoholtrinken wird natürlich auch reglementiert, nicht dass da was falsch ankommt.

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    Wer verantwortlich lebt, wird seinen Fleischkonsum auf jeden Fall reduzieren und sehen, dass er Fleisch von Bauernhöfen kauft, auf welchen Tiere wirklich artgerecht gehalten werden. Wer sich nämlich einmal auseinander setzt mit unserer Fleischindustrie, wird eines Tages feststellen, dass unser Fleischkonsum nicht nur erheblich zur Umweltverschmutzung beiträgt sondern zudem auch nachhaltig die Kleinbauern beispielsweise in Afrika schädigt. Die billigen Fleischreste, die wir nicht essen würden, werden exportiert und dort auf den Märkten billiger verkauft, als ein Kleinbauer seine Hühner aufziehen kann.

    Ich erwarte von keinem Menschen, dass er meinem Beispiel folgt. Jahrzehntelang vegetarisch ernährt, mittlerweile vegan – und das, was ich koche und backe schmeckt sehr gut! Ich halte mich auch nicht für einen besseren Menschen, als andere es sind. Aber wenn ich so etwas lese, denke ich immer, dass da jemand Angst hat, dass ihm die Billigschnitzel oder Burger vom Teller genommen werden. Billigfleisch, vollgepumpt mit Antibiotika. Denken Sie doch wenigstens mal darüber nach, ob es immer Fleisch und Wurst sein müssen. Es gibt so viele schmackhafte Lebensmittel, die einfach so in oder auf der Erde wachsen.

  3. Was sollen solche tendenziellen Tatarenmeldungen? Hierzulande werden Pampers wie anderer Müll wohl kaum noch deponiert, sondern in MVA verbrannt oder in MHKW thermisch nutzbar gemacht (Fernwärme) ...

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    Denken Sie doch mal darüber nach, mit welchem Aufwand Wegwerfwindeln hergestellt werden (wie auch alle anderen einmal-benutzen-und-dann-wegwerfen-Artikel):

    Holz für die Zellstoffgewinnung (in vielen Fällen nach wie vor aus Urwäldern!),
    Wasserverbrauch bei der Zellstoffgewinnung und in der Chemieindustrie,
    Erdöl für die chemischen Bestandteile, wie Superabsorber, Folien, Vliese, Kleber, Farben…
    Erdöl für Gleit- und Trennmittel, Schmierstoffe und sonstige Hilfsstoffe für die Produktion,
    Erdöl und fossile Brennstoffe für Treibstoffe für Herstellung und Transport,
    Erdöl und fossile Brennstoffe für Heizenergie in allen Produktionsstufen,
    Aufwand insgesamt für den Transport, um…
    die Rohstoffe zu den Grundstoffproduzenten,
    die Grundstoffe zu den Halberzeugnisherstellern,
    die Halberzeugnisse zur Endproduktion und die fertigen Wegwerfwindeln dann
    vom Hersteller zum Großhandel,
    vom Großhandel zum Einzelhandel,
    vom Einzelhandel zum Endverbraucher und
    von diesem dann noch zur Entsorgung
    zu bringen…!

    Und diesen ganzen Aufwand damit das Baby EINMAL in die Windel macht und die Windel dann weggeworfen wird!

    Davon ab auch noch der längere Gebrauch von Windeln (»Wegwerfwindel ca. 2–3,5 Jahre, 1,5–2,5 Jahre in Stoffwindeln. )
    und die Chemie, orthopädische Aspekte, Überhitzung (Temperatur ca. 1–3 °C höher als bei Stoffwindeln-->Fruchtbarkeit), Feuchtigkeit (Wärme+Plastik->Pilzinfektionen)

    [@ 3. Mycroft S. Holmes]

    ... dürfte kaum funktionieren, weil volle Windeln per definitionem vor allem aus Wasser bestehen :( Da gibt es thermisch nicht viel zu nutzen. Ich fürchte, dass man da noch mehr Energie reinstecken muss, um die per Verbrennung wieder los zu werden.

  4. Dieser Rubrikentitel lässt mich wieder mal Mark Twain zitieren:
    "Gut sein ist vornehm. Aber anderen beibringen, wie man gut ist, ist noch vornehmer - und strengt weniger an."

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  5. 5. [...]

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich nur, wenn Sie einen konstruktiven Beitrag zur Diskussion leisten möchten. Danke, die Redaktion/jk

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  6. Ich finde den Artikel und das Bemühen der Autorin super.
    Wer da was von Gutmenschentun stänkert und mit Kartoffelsäcken in Ruhe gelassen werden will (by the way, es gibt super schicke Öko-Klamotten - und auch Second Hand ist umweltfreundlich), soll sich mal fragen, welche Erde er/sie unseren Nachfahren mal überlassen will.
    Welche Müllberge zB die Plastikwindeln von nur einem Kind produzieren (die "thermische Verwertung" ist umwelttechnisch ein Witz).
    Wieviel Schuld mensch auf sich lädt mit einem T-Shirt, das in Asien unter unmenschlichen Bedingungen genäht wurde, mit Pestiziden beim Baumwollanbau, Gift beim Färben und Todesfeuer in den Fabiken.
    Wieviel Tierleid mensch verschuldet mit seinem Bestehen auf Fleischkonsum und Billigschnitzel.
    Wieviel Regenwald vernichtet wird, nur weil mensch hierzulande billiges Tierfleisch, Milch und Eier haben will, für die mehr als 3/4 der weltweiten Anbaufläche zur Futtermittelerzeugung genutzt werden müssen.
    Für wieviel Gülle im Boden, Wasserverbrauch, Ressourenverschwendung und Klimaschäden mensch mit seinem Konsum verantwortlich ist.
    Wen das alles nicht kümmert, der hat kein Hirn. Oder kein Herz. Oder keins von beiden.

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    Ich hab kein Auto, produziere sehr wenig Müll und hab mich schon um Biosachen gekümmert, als die Autorin des Artikels selbst noch in die Windeln gemacht hat. Aber ich bin bis heute nicht auf die Idee gekommen, mit deshalb für einen guten Menschen zu halten. Ich denke aber auch nicht dran, mich bei jedem einzelnen Schritt, den ich tue, in Schuldgefühlen zu wälzen. Und über IHR Hirn möchte ich jetzt gar nicht spekulieren.

    Ja, um als "Gutmensch" diffamiert zu werden, reicht es offensichtlich jetzt schon, bei sich selbst anzufangen und als guten Beispiel zu dienen. Zu Bremsen, wenn ein Kind über die Straße läuft ist das eigentlich noch erlaubt? Oder tun das auch nur "Gutmenschen"?

    • P229
    • 26. Januar 2013 23:38 Uhr

    Sie führen viele Beispiele für die Umweltunverträglichkeit des Menschen an.
    Einzige Lösung: Menschen abschaffen

    fyi:
    http://www.zeit.de/digita...
    Das Problem hat einen Namen:
    Kapitalismus:
    Und jeder Fortschritt der kapitalistischen Landwirtschaft ist nicht nur ein Fortschritt in der Kunst, den Arbeiter, sondern zugleich in der Kunst, den Boden zu berauben, jeder Fortschritt in Steigerung seiner Fruchtbarkeit für eine gegebene Zeitfrist zugleich ein Fortschritt im Ruin der dauernden Quellen dieser Fruchtbarkeit. ...

    Die kapitalistische Produktion entwickelt daher nur die Technik und Kombination des gesellschaftlichen Produktionsprozesses, indem sie zugleich die Springquellen alles Reichtums untergräbt: die Erde und den Arbeiter. K. Marx, Kapital I

    Vom Standpunkt einer höheren ökonomischen Gesellschaftsformation wird das Privateigentum einzelner Individuen am Erdball ganz so unmöglich erscheinen wie das Privateigentum eines Menschen an einem anderen Menschen. Selbst eine ganze Gesellschaft, eine Nation, ja alle gleichzeitigen Gesellschaften zusammengenommen, sind nicht Eigentümer der Erde. Sie sind nur ihre Besitzer, ihre Nutznießer, und haben sie als gute Familienväter den nachfolgenden Generationen verbessert zu hinterlassen. K. Marx, Kapital II

    Das betrifft auch andere Bereiche. Wenn man davon berichtet daß man vegan lebt u. das nicht als Einschränkung empfindet kommen auch gleich Kommentare von Leuten die ihre Gewissensbisse mit dämlichen Aussagen verdrängen wollen.
    Vor allem kommen sie dann immer gleich ins Jämmerliche u. klagen "alles würde reglementiert, Zigaretten, Alkohol" u. was weiß ich.
    Diese armseligen Jammerlappen sollten sich mal klarmachen wieviele Mio Menschen sich fragen müssen woher sie Essen bekommen u. ob sie morgen noch leben.
    Ansonsten ist man was Konsum betrifft mit folgendem link auf gutem Weg, man sollte aber jede Firma genauer ansehen.
    http://www.cobajo.de/

  7. Ich hab kein Auto, produziere sehr wenig Müll und hab mich schon um Biosachen gekümmert, als die Autorin des Artikels selbst noch in die Windeln gemacht hat. Aber ich bin bis heute nicht auf die Idee gekommen, mit deshalb für einen guten Menschen zu halten. Ich denke aber auch nicht dran, mich bei jedem einzelnen Schritt, den ich tue, in Schuldgefühlen zu wälzen. Und über IHR Hirn möchte ich jetzt gar nicht spekulieren.

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    Antwort auf "Gute Beispiele nerven?"
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    Sie reagiere nun ja, leicht genervt bis aggressiv auf den Kommentar von Kariane, indem sie das Fazit zieht: "Wen das alles nicht kümmert, der hat kein Hirn. Oder kein Herz. Oder keins von beiden."

    Offenbar kümmern Sie sich ja schon seit Jahren um die Problematik, haben Ihren Lebensstil entsprechend angepaßt...da versteh' ich ehrlich gesagt nicht, wieso Sie sich überhaupt angsprochen fühlen. Und wenn die Zeit-Autorin jetzt erst auf den Trichter kommt und ddarüber schreiben möchte...wen stört's? Lassen sie die jungen Leute doch ihre Gedanken und Erfahrungen machen...
    Es geht auch nicht um Schuldgefühle, sondern darum, die Konsequenzen seines Tuns zu beachten...wollen Sie nicht? Können Sie nicht? Machen Sie sowieso?
    "Das Geheimnis des außerordentlichen Menschen ist in den meisten Fällen nichts als Konsequenz."

    Buddha

    • Salagne
    • 28. Januar 2013 11:28 Uhr

    Erstens finde ich ihren Ton nicht gerade angebracht und zweitens machen sie es sich zu einfach

    Kein Auto zu besitzen, wenig Müll zu produzieren und Biosachen zu kaufen ist zwar löblich, aber trotzdem besteht auch hier noch nachholbedraf.

    Wenn man bedenkt, das der Durchschnittsdeutsche rund 12 tonnen CO2 im Jahr emmitiert und der Weltweite Durschnitt bei 2,5 Tonnen liegen muss um die Klimaerwärmung einzudemmen, glaube ich nciht das es damit getan ist.
    Selbst ich als relativ mitteloser Student komme mit sehr wenig Fleischkonsum, ohne Auto und generell wenig materiellem Konsum etc auf knapp unter 10 Tonnen.

    Und glauben sie mir, ich weiß von was ich spreche, denn ich studiere Umweltmanagement und mich mit solchen Themen zu beschäftigen, ist sozusagen mein täglich Brot.

    Wir haben also alle noch ein gewaltiges Stück Arbeit vor uns und müssen zwangsläufig auf einiges an materiellem "Wohlstand" verzichten.

    • sauce
    • 25. Januar 2013 10:38 Uhr

    Wenn man nicht einkauft um das Wirtschaftswachstum zu stärken sondern weil man gerne mal andere Klamotten haben möchte - gerne so so schadstoffarm und nachhaltig wie möglich - dann empfehle ich Second Hand! Da gibts doch grade in Berlin eine reiche Auswahl an wirklich guten Läden. ebay oder Kleiderkreisel sind auch gute Quellen - natürlich nicht für Unterwäsche ;) . Als meine Kinder klein waren, habe ich viel lieber auf Flohmärkten für sie eingekauft - die Sachen waren mehrfach gewaschen und ganz sicher schadstoffärmer als Neuware. Ich habe da auch ziemlich oft sehr hochwertige Sachen für kleines Geld bekommen. Auch für mich kaufe ich lieber hochwertige gebrauchte Sachen als minderwertige Neuware (mein Budget reicht leider nicht für teuer/neu) - außerdem hat man bei Seond Hand keine unangenehmen Überraschungen nach dem ersten waschen

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