Liebeskolumne Bringt heiraten Unglück?

Jede Woche beantwortet der Paartherapeut Wolfgang Schmidbauer eine große Frage der Liebe. Diesmal: Ist von einer Hochzeit abzuraten?

Bringt heiraten Unglück?

Bringt heiraten Unglück?

Die Frage: Michelle und Karl sind neun Jahre zusammen und haben eine fünfjährige Tochter, als Karl vorschlägt, doch noch zu heiraten. Beide lebten in Trennung, als sie sich kennenlernten. Sie erinnerten sich damals viel mehr an Scheidungskämpfe als an Eheglück und fanden eine Zuflucht in ihrer gemeinsamen Abneigung gegen Phrasen, Brautsträuße und Hochzeitsglocken.

Dann liegt Karl mit einer Herzmuskelentzündung auf der Intensivstation, und Michelle wird mit Fragen konfrontiert: Ob sie seine Frau sei? Ob Karl wirklich wolle, dass sie ihn besuche? Ob sie eine Vollmacht vorlegen könne? Nach überstandener Krankheit will Karl heiraten. Dann sei alles einfacher. Michelle zögert. »Wir haben uns vielleicht deshalb so gut verstanden, weil es eine wilde Ehe war und keine gezähmte!«

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Wolfgang Schmidbauer antwortet: Will Karl wirklich heiraten, oder hat sein gegen Hochzeiten gerichteter Zynismus nur eine höhere Stufe erklommen? Der Gang zum Traualtar als erleichterter Schritt in die Intensivstation erinnert an das Karfreitagsritual in katholischen Kirchen, bei dem Glöckchenklang durch das Schnarren hölzerner Ratschen ersetzt wird.

Liebeskolumne
Lesen Sie hier alle bisherigen Ratschläge von unserem Paartherapeuten Wolfgang Schmidbauer

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Ich frage mich, ob Michelle nicht eher angesichts dieses Mangels an Romantik zögert. Magisches Denken (»Die wilde Ehe bringt Glück, das Standesamt Pech«) ist so wenig ein guter Ratgeber wie die Lösung eines bürokratischen Problems ein Heiratsgrund. Karl und Michelle müssen noch eine Weile über die Chancen einer wilden Heirat träumen und denken.

Die Liebeskolumne

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE. Sein aktuelles Buch Partnerschaft und Babykrise ist im Gütersloher Verlag erschienen.

Haben Sie auch eine "große Frage der Liebe"? Schicken Sie eine Mail an liebeskolumne@zeit.de

 
Leser-Kommentare
  1. 1. jaein

    Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass das Heiraten nur dann sich lohnt, wenn es um Kinder geht (emotionale Stabilität und gute Vater/Mutter-Vorbilder) . An sonst ist es (für eine Frau) nur von Nachteil, weil der Mann das Gefühl bekommt, man "gehöre" ihm und hört deswegen auf, für die Beziehung persönlich etwas zu tun.
    Das heißt aber der Anfang vom Ende...

    (Ich nehme an, nicht alle Männer werden nachlässig, unaufmerksam und herrisch, wenn sie die gewünschte Frau "eingeringt" haben. Um aber erneut das Risiko zu vermeiden, kann man auch eine unverbindliche Beziehung haben, die nur so lange hält, bis es den beiden passt).

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    "weil der Mann das Gefühl bekommt, man 'gehöre' ihm" . Vor der Ehe, in der Werbephase, säuselt Frau bei jeder passenden Gelegenheit 'ich gehöre Dir' und hinterher will sie von alledem nichts mehr gewusst haben.

    "weil der Mann das Gefühl bekommt, man 'gehöre' ihm" . Vor der Ehe, in der Werbephase, säuselt Frau bei jeder passenden Gelegenheit 'ich gehöre Dir' und hinterher will sie von alledem nichts mehr gewusst haben.

  2. "weil der Mann das Gefühl bekommt, man 'gehöre' ihm" . Vor der Ehe, in der Werbephase, säuselt Frau bei jeder passenden Gelegenheit 'ich gehöre Dir' und hinterher will sie von alledem nichts mehr gewusst haben.

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    Antwort auf "jaein"
  3. Karl hat in einer lebensbedrohlichen Situation gemerkt, wie intensiv er Michelle braucht. Die bürokratischen Hemmnisse, die ihren Beistand behindert haben, haben ihn stark verunsichert. Er hat Angst, das könnte wieder geschehen. Er hat nicht realisiert, dass Michelle alle diese Hemmnisse überwunden hat, um ihm beizustehen. Er hat nicht realisiert, das gesellschaftliche Kontrakte wie eine Heirat nicht vor Krankheit und Tod schützen. Besiegen beide seine Angst und erkennen beide, wie fest ihre Bindung gerade in der Situation seiner Krankheit war und wie sie sich daher immer wieder bewähren wird, so wird der Heiratswunsch seine Bedeutung verlieren. Heirat ist angesicht der beiderseitigen Nähe unnötig. Und für Herrn Schmidbauer: Angst ist eine primäre Motivation des Menschen, Zynismus ledig eine Ausdrucksform.

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    "Heirat ist angesicht der beiderseitigen Nähe unnötig." Ich denke, Karl hat in seiner lebensbedrohenden Krankheit gemerkt, dass Ehe mehr ist als Phrasen, Brautsträuße und Hochzeitsglocken. Ehe bedeutet, vor der Gemeinschaft seine Beziehung zu bekräftigen. Dies hat zwar zur Konsequenz, in mancher Augen zum Nachteil, dass man sich gewisser Rituale aussetzen muss, dass man sich gewissen Regularien unterwirft, aber eben auch den Vorteil, dass die Gemeinschaft die beiden als zusammengehörig ansieht. Was eben zum Tragen kommt, wenn man sich zum Beispiel ins Krankenhaus begibt. Klaus hat eben erkannt, dass sie sich nicht alleine auf der Welt befinden, dass man eben, manchmal auf die Hilfe anderer angewisen ist. Von daher hat bei Karl ein wichtiger Reflexionsprozess eingesetzt.

    "Heirat ist angesicht der beiderseitigen Nähe unnötig." Ich denke, Karl hat in seiner lebensbedrohenden Krankheit gemerkt, dass Ehe mehr ist als Phrasen, Brautsträuße und Hochzeitsglocken. Ehe bedeutet, vor der Gemeinschaft seine Beziehung zu bekräftigen. Dies hat zwar zur Konsequenz, in mancher Augen zum Nachteil, dass man sich gewisser Rituale aussetzen muss, dass man sich gewissen Regularien unterwirft, aber eben auch den Vorteil, dass die Gemeinschaft die beiden als zusammengehörig ansieht. Was eben zum Tragen kommt, wenn man sich zum Beispiel ins Krankenhaus begibt. Klaus hat eben erkannt, dass sie sich nicht alleine auf der Welt befinden, dass man eben, manchmal auf die Hilfe anderer angewisen ist. Von daher hat bei Karl ein wichtiger Reflexionsprozess eingesetzt.

  4. "Heirat ist angesicht der beiderseitigen Nähe unnötig." Ich denke, Karl hat in seiner lebensbedrohenden Krankheit gemerkt, dass Ehe mehr ist als Phrasen, Brautsträuße und Hochzeitsglocken. Ehe bedeutet, vor der Gemeinschaft seine Beziehung zu bekräftigen. Dies hat zwar zur Konsequenz, in mancher Augen zum Nachteil, dass man sich gewisser Rituale aussetzen muss, dass man sich gewissen Regularien unterwirft, aber eben auch den Vorteil, dass die Gemeinschaft die beiden als zusammengehörig ansieht. Was eben zum Tragen kommt, wenn man sich zum Beispiel ins Krankenhaus begibt. Klaus hat eben erkannt, dass sie sich nicht alleine auf der Welt befinden, dass man eben, manchmal auf die Hilfe anderer angewisen ist. Von daher hat bei Karl ein wichtiger Reflexionsprozess eingesetzt.

  5. mit Klinikpersonal ist nicht zu spaßen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass auch eine Heirat dort nicht immer vor Schwierigkeiten bewahrt. Besonders dann nicht, wenn die Vermählten jeweils ihren Namen behalten haben. So kann es geschehen, dass die Klinik auch in Fällen, in denen um Leben gerungen wird, zunächst belastbare Dokumente sehen will, bevor ein Krankenbesuch möglich wird. Abgesehen davon, was bedeutet denn eine Heirat anderes als ein Versprechen, einander Freund zu sein und einander beizustehen. Auch dann, wenn es mal nicht so richtig rund läuft. Ob man/frau deswegen heiraten muß? Keine Ahnung. Der Punkt ist die Substanz dieses Versprechens, nicht das Papier auf dem das steht ...
    Pragmatisch gesehen wird das Leben in dieser aufgeklärtesten aller Welten in manchen Fällen einfach einfacher ;-)

  6. ... nicht darauf, ob auf dem Pärchen "verheiratet" drauf steht oder nicht. Für´s Krankenhaus sollte man einfach mal eine Vollmacht ausstellen.

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  • Serie Liebeskolumne
  • Quelle ZEITmagazin, 24.1.2013 Nr. 05
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  • Schlagworte Liebe | Heirat | Glück
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