Im Internet finden sich immer mehr Anleitungen, wie sich Crystal Meth daheim in der Küche produzieren lässt. In Online-Foren wird beschrieben, dass eine Zweiliterflasche, ein Erkältungsmittel wie Wick MediNait und ein Sofort-Kältepack ausreichten, um die Droge herzustellen.

Fachleute mahnen, es seien dringend Studien darüber erforderlich, wie viele Leute in Deutschland Crystal konsumierten. »Erst wenn wir ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass der Konsum von Crystal Meth ein überregionales Problem ist, können wir die Sucht erfolgreich bekämpfen«, sagt Roland Härtel-Petri, der leitende Arzt der Suchtklinik Hochstadt. »Das, was ich hier mache, ist nur Kaffeesatzleserei.«

Denn nur auf Grundlage verlässlicher Zahlen könne man die Prävention entsprechend abstimmen. Sei nur ein kleiner Teil der Gesellschaft betroffen, bestünde die Gefahr, dass Prävention genau das Gegenteil bewirke: Mehr Menschen erfahren von Crystal, probieren es aus und werden abhängig. Die Zahlen, die bekannt sind, sprechen allerdings eher dafür, dass die Droge schon breitflächig verteilt ist und ihre eigene Propagandawirkung entfaltet.

In den letzten Monaten haben Zollbeamte an den Flughäfen Düsseldorf, Frankfurt am Main, München und Köln/Bonn mehrere Kilogramm Crystal Meth sichergestellt. Und immer häufiger, berichten Fahnder, werde Crystal in deutschen Hinterhoflaboren produziert. Vor allem im Raum Frankfurt am Main entdeckten die Ermittler Crystal-Labore.

Fahnder der Bundespolizei verhafteten vor Kurzem einen 42-Jährigen, der auf der Autobahn in Richtung München unterwegs war und ein Kilogramm Crystal Meth in zwei Dosen versteckt hatte. In Kiel nahmen sie einen Kurier mit 400 Gramm fest, im rheinland-pfälzischen Bad Kreuznach fanden sie Crystal in einer Postsendung.

Dealer aus dem Ausland werden laut Polizei immer raffinierter. Sie benutzen unbeteiligte Urlauber für den Schmuggel, indem sie den Stoff zusammen mit einem GPS-Sender an die Unterseite ihrer Autos kleben. Sobald die Urlauber wieder daheim sind, orten die Käufer den Wagen und holen sich den Stoff. Als politischen Schritt fordern Ermittler, dass Chemikalien, aus denen Crystal Meth hergestellt werden kann, in Deutschland einer Kontrollpflicht unterstellt werden. Auf diese Art habe sich auch die Ausbreitung von Ecstasy eindämmen lassen.

Nach dem vierten Rückfall hätten seine Eltern ihn abgeschrieben, erzählt Andreas M. in Therapie der Klinik in Hochstadt. »Du schaffst das nicht«, hätten sie gesagt. »Das war ein derber Schlag«, sagt er. Damals habe er beschlossen, eine Langzeittherapie zu machen.

Seit fünfeinhalb Monaten ist Andreas nun clean. Er darf die Klinik trotzdem nur in Ausnahmefällen verlassen. Alkohol ist tabu. Er versucht, sich mit Sport abzulenken, und hat gelernt, über seine Probleme zu sprechen. Manchmal, sagt er, vermisse er für einen kurzen Moment dieses Gefühl, dass er so schlecht beschreiben kann. Vor allem morgens, wenn er durchhängt. »Aber nach zwei, drei Minuten ist es wieder weg.« Andreas M. ist einer, der Glück hatte. Er fand nach dem Einstieg einen Ausweg.

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