SuchtDer Seelenfresser

Immer mehr Deutsche verfallen der Modedroge Crystal Meth. Ermittler fordern jetzt Taten von der Politik. von Cathrin Gilbert und Ronja von Wurmb-Seibel

Auf den ersten Blick sieht der Stoff aus wie ein Schneekristall, winzig und unschuldig. Crystal Meth heißt die neue Modedroge, abgeleitet von seinem chemischen Namen N-Methylamphetamin. Crystal Meth ist eine synthetische Droge, sie wird nasal eingenommen oder geraucht. Sie ist die ideale Einstiegsdroge: billig, einfach zu konsumieren (durch die Nase oder in Tabak), leicht zu verstecken. Die Droge wirkt ähnlich wie Kokain. Sie putscht auf, hält wach, vertreibt Hunger und hebt die Laune. Und sie wirkt potenziell tödlich. Trotz seiner Gefährlichkeit breitet sich Crystal Meth mit einer Geschwindigkeit über Deutschland aus, der die Polizei kaum etwas entgegensetzen kann.

»Wir beobachten eine Steigerung des Konsums, des Verkaufs und der Produktion, die sich über ganz Deutschland erstreckt«, sagt ein Beamter. »Die Entwicklung ist beängstigend.« Bei einer Fahndungsoffensive, die den Codenamen »Operation Speedway II« trug, haben deutsche und tschechische Polizisten und Zollfahnder soeben knapp 1,2 Kilogramm Crystal Meth sichergestellt. 130 Beamte waren dafür von Juli bis Dezember 2012 im Einsatz. Ein Gramm Crystal Meth (Marktwert etwa 70 Euro) kann laut Zollkriminalamt in bis zu 40 Konsumeinheiten aufgeteilt werden. Die Fahnder haben also 48.000 Trips verhindert.

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Ein Erfolg, sicher, aber keiner, der die Drogenfahnder beruhigt. Bisher gingen die Ermittler davon aus, dass Crystal hauptsächlich in Tschechien produziert und über die Grenze nach Deutschland geschmuggelt wird. Inzwischen wissen sie: Die Route über Tschechien ist nur eine von vielen. Neue Ermittlungen zeigen, dass große Mengen aus Westafrika nach Deutschland geschafft werden. Die Grundstoffe liefern Chinesen nach Nigeria, dort werden die Chemikalien in Untergrundlaboren verarbeitet, die fertige Droge wird per Luftfracht nach Deutschland geliefert.

Die Droge

Im deutschen Grenzgebiet zu Tschechien wird Crystal Meth seit Mitte der neunziger Jahre verkauft. Der Konsum hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Crystal Meth wirkt ähnlich aufputschend wie Kokain, nur deutlich länger, und es macht schneller abhängig, oft schon beim ersten Mal. Es verursacht Zahnausfall, Pickel und starken Gewichtsverlust, kann Depressionen und Wahnvorstellungen hervorrufen.

Etwa 26 Kilo

Crystal Meth haben Ermittler 2012 bundesweit sichergestellt. 2009 waren es noch 600 Gramm.

Transportwege

Die Droge gelangt oft aus Westafrika nach Deutschland. Die Grundstoffe liefern Chinesen nach Nigeria, dort werden die Chemikalien in Untergrund-Laboren verarbeitet. Die fertige Droge wird dann per Luftfracht nach Deutschland geliefert.

Anders als Kokain zerstört Crystal Meth die Nervenzellen, und es macht schneller abhängig, oft schon nach der ersten Nutzung. Der körperliche Entzug dauert ein paar Tage oder Wochen, die psychischen Folgen, Depression oder Verfolgungswahn, können über Jahre anhalten.

»Dem ersten Kick jagt man immer hinterher«, sagt ein Drogenpatient

Was die Droge aus ihren Konsumenten macht, sieht man in der Bezirksklinik Hochstadt bei Bamberg. Sie hat sich auf die Behandlung von Crystal-Abhängigen spezialisiert. Sieben Männer und drei Frauen sitzen in einem Stuhlkreis, eine davon ist die Psychologin Annegret Sievert. Der Reihe nach erzählen die Patienten von ihrem Wochenende, die meisten haben es »draußen« verbracht. Andreas M. (Name geändert, Anm. d. Red.), Mitte 20, ist der Vorletzte in der Runde. Er sei auf einer Party gewesen, sagt er, habe beobachtet, wie Junkies »rumkiefern«, ihre Zähne aufeinanderreiben.

Ob er selbst »Suchtdruck« habe, fragt die Therapeutin.

»Nein. Ich fand das lustig, zu sehen, wie ich mal drauf war«, sagt er. »Und abschreckend.«

Leserkommentare
  1. haben das schon andere vor mir erledigt, ist also noch alles gut in Deutschland.

  2. Das Chrystal Meth eine neue Droge ist, ist Quatsch. In den 70igern und 80zigern bekam man es genauso wie heute. Es ist außerdem falsch, dass man nach dem ersten Gebrauch süchtig wird. Die meisten Anwender werden nicht süchtig, einige leider schon. Und das ist wirklich kein schönes Bild. Aber dies ist ein monatelanger Prozess, passiert bestimmt nicht über Nacht. Und die dritte falsche Information ist, dass man körperlich abhängig wird, was nicht zutrifft. Es ist eine reine psychische Abhängigheit.

    Ich will es nicht verharmlosen, aber man sollte doch mal auf dem Boden bleiben. Vor allem richtig recherchieren ;-).

    3 Leserempfehlungen
  3. in irgendwelchen Hinterhöfen (damals, speziell in den USA) zusammengepanscht. So wie Crack oder viele andere synth. Drogen auch. Wer die genaue Rezeptur haben will, der ist schon in der "Szene" unterwegs. Derjenige würde ohne Internet nicht Lehrer oder Mitschüler fragen. Einfach so auf die Idee "ich will mal schnell Crystal Meth brauen" kommt wohl keiner... Anbei, es gab auch eine Zeit ohne Internet, Google, Wikipedia - und Informationen wurden auch sehr schnell verbreitet und geteilt. Sei es über BBS oder noch weiter zurück über Magazine & Co.

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    Sie wollen aber nicht allen erstes behaupten, dass es heutzutage genauso leicht oder schwer ist, an die Rezeptur zu kommen als früher ohne Internet, oder?
    Ich bin ein Freund des Internets, aber fest steht, dass man darüber viel leichter an Wissen kommt, an das man vor Jahren nicht so einfach gekommen wäre.
    Wer anderes behauptet, den kann ich nicht ernst nehmen.

  4. Ich glaube, es ist für Gespräche über die Verbreitung von Crystal Meth nicht relevant, richtige Begriffe bezüglich der Konsumweise und -dauer zu sprechen.
    Der Begriff 'Trip' ist außerdem gut angewendet, doch enthält er für Drogenbefürworter eine positive Konnotation; glaube, dass sich dies allgemein so behaupten lässt. Abseits davon finde ich es sehr wichtig, die Weise der Beschreibung von Wirkungsmechanismen differenzierter anzugehen; wie mein Vorredner sagte: „Pilze und Hasch sind ja doch nicht so schlecht - also hey! Warum nicht?!“
    Die Möglichkeit besteht immer – aber das Wissen nicht, was man eigentlich will; diese Misere führt, weiter besprochen, eigentlich sogar so weit, dass wir abermals infrage stellen müssen, was Drogen eigentlich sind; denn im Militär nannte man es wahrscheinlich auch nur Medizin. Rationalisieren wir lieber Rausch & Relation

    via ZEIT ONLINE plus App

  5. das Pervertin. also ist das Ganze nicht so neu. Mein Großvater nahm das während des zweiten Weltkriegs. Wie kommt man also darauf, dass das neu sei?

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    Antwort auf "Neue Modedroge...?!?"
  6. Sie wollen aber nicht allen erstes behaupten, dass es heutzutage genauso leicht oder schwer ist, an die Rezeptur zu kommen als früher ohne Internet, oder?
    Ich bin ein Freund des Internets, aber fest steht, dass man darüber viel leichter an Wissen kommt, an das man vor Jahren nicht so einfach gekommen wäre.
    Wer anderes behauptet, den kann ich nicht ernst nehmen.

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    Wenn Sie meinen Kommentar aufmerksam gelesen hätten wäre Ihnen vlt. auch aufgefallen, das ich von Interessierten & "Szene" geschrieben habe. Und da ist es unerheblich ob mit oder ohne Internet, die Info's gab & gibt es dort auf Abruf aus dem Effeff...
    Für Menschen, die sich für egal was interessieren ist die Informationsbeschaffung im Internetzeitalter natürlich um einiges einfacher/schneller.

    ... das zur verfügungstehenede Wissen. Wissen sollte bewertungsneutral gehalten werden. Wissen darf nicht illegal sein. Jedes Wissen ist gut, wenn zugänglich. Auch, wenn es dazu dient, Drogen herzustellen. Insbesondere dann, wenn die Sinnhaftigkeit der Prohibition noch nicht geklärt ist.

    • umbriel
    • 31. Januar 2013 14:20 Uhr

    Jup weil wir sehen wie erfolgreich Verbote sind-wird ein Dealer gepackt ist der nächste da ihn zu ersetzen. Dtl niedrige drogentoten kommen durch Substitution und der Feststellung dass man abhängigen sicher nich hilft indem man síe einknastet. Wozu das führt-überfüllte, privatisierte knäste in den usa 100.000 drogentote in Russland/Jahr etc.
    Verbote helfen hauptsächlich Mafia und anderen Terroristen..

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  • Schlagworte Droge | Drogen | Drogenkonsum | Drogenpolitik | Drogensucht
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