Initiative gegen "Abzocker" Minders Kampf
Eine Initiative gegen "Abzocker" könnte der Schweiz das schärfste Aktienrecht der Welt bescheren.
© dpa

Börse in Zürich
Eines der berühmtesten Bilder des spanischen Malers Francisco de Goya heißt Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer. In der Schweiz hat der gesunde Menschenverstand bei einigen Firmen ausgesetzt, wenn es um die Bezahlung des obersten Managements ging. Den bekanntesten Auswuchs leistete sich die Großbank Credit Suisse, die ihrem CEO, dem Amerikaner Brady Dougan, im Jahre 2010 einen Bonus von 70 Millionen Franken auszahlte. Dazu kam das reguläre Jahresgehalt von 19,2 Millionen Franken. Aus dem Unwillen und der Wut, den solche und andere Fälle bei den Schweizerinnen und Schweizern auslösten, ist nun ein Monster geboren worden, ein Monster, das die freiheitliche Wirtschaftsordnung des Landes auf den Kopf stellen will.
Thomas Minder, Besitzer einer Firma für Mundwasser und parteiloser Ständerat aus Schaffhausen, hat als Reaktion auf die sagenhaften Verdienstmöglichkeiten der Manager eine Volksinitiative auf die Beine gestellt, die überrissene Managergehälter, Begrüßungsmillionen und goldene Fallschirme für an der Schweizer Börse gehandelte Unternehmen verbieten will. Wer gegen das Verbot verstößt, dem drohen bis zu drei Jahre Gefängnis. Zudem verlangt die sogenannte Abzocker-Initiative, dass die Aktionäre jährlich zu den Gehältern des Aufsichtsrates, des Beirats und der Geschäftsleitung nicht nur, wie in einigen anderen Ländern üblich, konsultativ Stellung nehmen können, nein, ihr Votum soll für das Unternehmen bindend sein. Für Großaktionäre wie die Pensionskassen herrschte überdies Abstimmungszwang, und sie müssten offenlegen, wie sie abgestimmt haben. Tun sie dies nicht, werden sie bestraft. Am 3. März entscheiden die Schweizerinnen und Schweizer, ob sie das strengste Aktionärsrecht der Welt haben wollen. Nirgendwo sonst wäre der Aktionär so mächtig. In Umfragen sagen heute 54 Prozent der Wahlberechtigten, sie wollten ein Ja zur Abzocker-Initiative in die Urne legen.
Minders Ansinnen, das er in einer eigentümlichen Mischung aus Starrsinn und Populismus verficht, bereitet einem großen Teil der Schweizer Wirtschaftsvertreter Angst, weil es ihre Handlungsspielräume stark einschränken würde. Deshalb hat ihr Dachverband Economiesuisse eine große Gegenkampagne im Wert von acht Millionen Franken lanciert, eine Kampagne, die keine Tabus scheut. So hat man Studierende angeheuert, um in Leserbriefen und auf den Social-Media-Kanälen Stimmung gegen die Initiative zu machen. Economiesuisse macht sich für den indirekten Gegenvorschlag stark, den das Parlament in einem jahrelangen politischen Hickhack ausgetüftelt hat. Er geht weniger weit, insbesondere verzichtet er auf die härtesten Sanktionsmaßnahmen. Aber auch er will die Abzocker härter anfassen. Wird das Volksbegehren von Minder abgelehnt, tritt automatisch der Gegenvorschlag in Kraft. Die Schweizer Unternehmen können sich also auf jeden Fall auf rigidere Zeiten einstellen.
Der Dachverband der Wirtschaft setzt aber auch deswegen so viel Geld gegen die Minder-Initiative ein, weil andere Volksbegehren drohen, die noch mehr in die Freiheit der Unternehmen eingreifen wollen. So kommt wohl im Herbst die 1:12-Initiative der Jungsozialisten zur Abstimmung. Sie will gesetzlich festlegen, dass sich die Bandbreite der Gehälter in einem Unternehmen im Verhältnis von 1:12 bewegen muss – dies wäre in der Schweiz, wo Aufsichtsräte oder CEOs auch mal das 200-Fache eines normalen Angestellten verdienen können, eine eigentliche Revolution. Des Weiteren werden die Schweizerinnen und Schweizer darüber befinden müssen, ob sie einen gesetzlichen Mindestlohn von 4.000 Franken wollen.
In der Schweiz, die im Ausland oft als Insel einer wahrhaft liberalen Marktordnung gilt, steht die Frage an: Wollen wir wieder mehr Staatskapitalismus? Dass diese Frage überhaupt gestellt wird, haben sich manche Manager mit ihrem unverschämten Verhalten aber selbst zuzuschreiben.
- Datum 02.02.2013 - 09:59 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 24.1.2013 Nr. 05
- Kommentare 30
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:






Die ersten Firmen haben bereits mit Wegzug gedroht.
http://www.aargauerzeitun...
Am Rande des WEF
http://www.aargauerzeitun...
Man sollte der EU nicht immer gefallen wollen!
http://www.aargauerzeitun...
Dann gibt es immer noch diese komischen Deutschen!
http://www.aargauerzeitun...
Der Herr Schulz der Angst hat vor der Schweiz
http://www.aargauerzeitun...
Alles Dinge die der gewöhnliche Deutsche nicht erfährt.
Die Initiative hat je nach Umfrage eine Zustimmungsrate bis zu 75%, es ist davon auszugehen das Sie angenommen werden wird.
dem Kapital stellen. Deshalb ist es unwichtig ob irgendjemand mit seinem Weggang droht.
Im übrigen hat schon Ludwig Erhard gewusst, das es eine freie Wirtschaft nur innerhalb sehr strenger Regeln geben kann.
Hat ja auch 2 Jahrzehnte funktioniert, bis Kohl die Tür der Globalisierung meilenweit aufgestoßen und somit der sozialen Marktwirtschaft ihre Grundlage genommen hat.
Hut ab vor den Schweizern wenn sie diesen Weg wirklich gehen, Zeit wäre es allemal. Ein Folgen von Deutschland und dem Rest der EU könnte tatsächlich einen Wandel herbeiführen.
dem Kapital stellen. Deshalb ist es unwichtig ob irgendjemand mit seinem Weggang droht.
Im übrigen hat schon Ludwig Erhard gewusst, das es eine freie Wirtschaft nur innerhalb sehr strenger Regeln geben kann.
Hat ja auch 2 Jahrzehnte funktioniert, bis Kohl die Tür der Globalisierung meilenweit aufgestoßen und somit der sozialen Marktwirtschaft ihre Grundlage genommen hat.
Hut ab vor den Schweizern wenn sie diesen Weg wirklich gehen, Zeit wäre es allemal. Ein Folgen von Deutschland und dem Rest der EU könnte tatsächlich einen Wandel herbeiführen.
"...Bei uns sehe ich schwarz."
Ich weiß net-ich habe das Gefühl,dass es auch bei uns in vielen Bevölkerungsschichten brodelt.Das steht natürlich im Missverhältnis zu der Zustimmungsrate für Merkel,die uns jede Woche mit irgendeiner Statistik um die Ohren geschmissen wird.Aber ich kenne im Bekannten-,Freundes- und Kommilitonenenkreis kaum jemanden, der/die mit derzeitigen Situation zufrieden ist und niemand findet den Neoliberalismus,der demnächst mit einer Freihandelszone zwischen USA und Europa erweitert werden soll (Monsanto wellcome),auch nur ansatzweise gerecht.
Es brodelt - und bei einer guten, lohnenden Gelegenheit, in der die Menschen wissen, dass sie keine Minderheit mehr sind, werden sie sich beteiligen. Schade, dass alternative Parteien zu SPD/CDU nicht in der Lage sind, diese Stimmung aufzugreifen.
Es ist wie: stellen Sie sich vor, wir hätten in diesem Jahr Bundestagswahl, und alle Parteien würden das selbe wollen - eine große Koalition. Aber vielleicht brauchen wir das noch einmal, damit die Daumenschrauben noch einmal angezogen werden können, vielleicht mit einem Hartz 2.0 oder mit einem Mindestlohn, auf dem dann alle gewerkschaftslosen Betriebe ihre Löhne einpendeln können oder mit der weiteren Aufweichung der Mitbestimmung inden Betrieben -alles zum Wohle der Wettbewerbsfähigkeit gegenüber asiatischen Sklavenhändlern.Vielleicht müssen die Bürger wirklich noch mehr ausgequetscht werden bevor sich etwas bewegt. Aber dann haben sie es auch nicht anders verdient!
Zwei Volksrechte auf Bundesebene machen den Unterschied - das Referendum und die Volksinitiative.
Der gesunde Menschenverstand besteht auch in Deutschland, man traut ihn den Bürgern nur nicht zu. Ein grösseres Misstrauensvotum gibt es gar nicht. Ausser ein paar wenigen (aus allen Parteien) wären für mich die meisten Parlamentarier unwählbar.
Zum Glück habe ich mich nicht zu entscheiden, sondern entscheide hier Sachpolitik mit.
Tja, was dann? Genau, dann gibts Schelte: http://www.sueddeutsche.d...
Verrückte Welt...
Wieso nennen Sie es radikal, wenn ein CEO 12mal mehr verdienen darf, als ein einfacher Angestellter des Unternehmens? Weniger tuts auch...
nicht den Angestellten, sondern denjenigen in der Firma, der den geringsten Stundensatz erhält. 12x einen Stundensatz von neun Euro, dass wäre ein Stundensatz von 108 Euro. Das ist in vielen Bereichen etwas unterbezahlt. Als Stundensatz eines hoch qulifizierten Technikers stellen solche Firmen leicht mal 200 Euro in der Stunde in Rechnung. Ich finde die Grenze sollte in etwa bei 30 Mal liegen, und dann ist auch gut.
nicht den Angestellten, sondern denjenigen in der Firma, der den geringsten Stundensatz erhält. 12x einen Stundensatz von neun Euro, dass wäre ein Stundensatz von 108 Euro. Das ist in vielen Bereichen etwas unterbezahlt. Als Stundensatz eines hoch qulifizierten Technikers stellen solche Firmen leicht mal 200 Euro in der Stunde in Rechnung. Ich finde die Grenze sollte in etwa bei 30 Mal liegen, und dann ist auch gut.
Schön wäre es ja. Denn hier werden Unternehmen ihres Kapitals beraubt. Menschen, die als Angestellte an höchster Stelle sitzen, aber am Risiko des Unternehmens nicht im geringsten beteiligt sind, kassieren Gelder dafür, dass sie Unternehmen mit kurzfrisitigen Bilanz- und Marktmanipulationen langfristig ins Verderben schicken, durch Verkäufe an Immbobilien und Abbau von Mitarbeiten dem Unternehmen das Kapital absaugen und die eigentlichen Unternehmenswerte vernichten. In Verträgen sichern sie sich für diesen Fall des Ruins der selbst geleiteten Firmen auch noch hohe Abschläge zu.
Das entspricht weniger unternehmerischen Handeln, ausgenommen wir sehen als Geschäftszweck dieser Managementnomaden das Ausräubern der ihnen verantwortlich zu administieren überlassenen Unternehmen zu.
Für die sogenannten Hedgfonds und Investbanken ist dieses Auplündern ja Geschäftsprinzip. Wem also als Managernomade diene ich?
Die kleinen Aktionäre aber sind mit einer solchen Politik irgendwann alle geplündert und es bleiben nur noch die Raubritter übrig, die sich zu recht misstrauen.
Ist das nicht die wirkliche Geschichte der Finanz- und Eurokrise?
Naja, auf den ersten Blick scheint diese Initiative für mehr Gerechtigkeit zu sorgen. Schaut man genauer hin wird allerdings nur die Macht der Aktionäre gestärkt. Die Interessen der restlichen Stakeholder bleiben nach wie vor irrelavant. Shareholder Value at its best.
dem Kapital stellen. Deshalb ist es unwichtig ob irgendjemand mit seinem Weggang droht.
Im übrigen hat schon Ludwig Erhard gewusst, das es eine freie Wirtschaft nur innerhalb sehr strenger Regeln geben kann.
Hat ja auch 2 Jahrzehnte funktioniert, bis Kohl die Tür der Globalisierung meilenweit aufgestoßen und somit der sozialen Marktwirtschaft ihre Grundlage genommen hat.
Hut ab vor den Schweizern wenn sie diesen Weg wirklich gehen, Zeit wäre es allemal. Ein Folgen von Deutschland und dem Rest der EU könnte tatsächlich einen Wandel herbeiführen.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren