PersonenrätselLebensgeschichte

von Wolfgang Müller

"Meine Mutter war eine der schönsten Frauen, die ich je gesehen habe", beginnt sie ihre Autobiografie. Dass sie selbst nicht schön war, brauchte sie nicht zu erwähnen. Das war auch nicht mehr von Bedeutung, sie stand für so vieles andere. Doch als hässliches Entlein in einem Clan aufzuwachsen, der seine privilegierte Stellung aus der Schönheit der Frauen und der Durchsetzungskraft der Männer herleitete, hatte ihr einen langen Emanzipationsprozess abgefordert. Zudem war sie früh Waise geworden, ein Kind, das verzweifelte Anstrengungen unternahm, geliebt zu werden. Das Internat im Ausland war der erste Schritt aus den ehernen Konventionen ihrer Altvorderen: erlebte sie in der Direktorin doch eine Frau, die ihr Leben selbst gestaltete. Bald wurde sie ihre Starschülerin, begleitete sie in den Ferien und "lernte, wie man reist". Alles, was einem widerfährt, als Lernerfahrung zu begreifen wurde ihr Lebensmotto. Zurückgekehrt in ihren goldenen Käfig, gab sie, zutiefst erfüllt von humanitären Regungen, unterprivilegierten Kindern karitativ Tanzunterricht. Gesellschaftlich hatte sie keinen Erfolg. Aus dem Schicksal eines Mauerblümchens rettete sie ein entfernter Cousin, dessen Selbstbewusstsein und Leutseligkeit ihre Selbstzweifel und ihre Schüchternheit überstrahlten. Sie heirateten. "Viel zu früh!", jammerte seine Mutter. Ihren Namen musste sie praktischerweise nicht ändern.

In den folgenden zehn Jahren erholte sie sich immer gerade von einer Schwangerschaft oder litt an Schwangerschaftsübelkeit. Ihr Mann machte Karriere, und sie überwand sich, um in der Öffentlichkeit eine gute Figur abzugeben. Ihm Auge und Ohr zu sein wurde wichtiger, je verantwortungsvoller seine Ämter wurden. Sie reiste für ihn, repräsentierte für ihn, entwickelte aber immer stärker eigene Ansichten und ging eigene Wege. Sie unterrichtete, schrieb, zog die Kinder groß. Dabei blieb sie immer seine rechte Hand, vor allem, als eine Krankheit ihn körperlich abhängig machte. Nach seinem Tod verkündete sie, ihre Erfolgsstory sei vorbei. Doch für die vielfache Großmutter fing die eigene Karriere als engagierte Weltbürgerin erst richtig an. Unermüdlich reiste und schrieb sie, um ihre Vision einer besseren Welt zu propagieren. Wer war’s?

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Lösung aus Nr. 4:

Der Schauspieler Matthias Brandt (geb. 7. Oktober 1961) ist der jüngste Sohn des früheren Bundeskanzlers Willy Brandt und seiner Frau Rut. Der preisgekrönte Fernsehdarsteller hatte seine erste große Rolle 2003 im TV-Film "Im Schatten der Macht" – als Kanzlerspion Günter Guillaume

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