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Contra: Die von der OECD gelobten Länder haben große Probleme beim Berufszugang für Hochschulabsolventen

Contra: Die von der OECD gelobten Länder haben große Probleme beim Berufszugang für Hochschulabsolventen

Nein, denn klangvollere Zertifikate bedeuten keine höhere Qualifikation. Konkurrenzfähigkeit, Strukturwandel, verwissenschaftlichte Arbeitswelt, Chancengleichheit – als Bildungshistoriker fällt mir auf, dass sich solche Begründungsformeln nicht nur wiederholen, sie scheinen seit dem 20. Jahrhundert auch beliebig einsetzbar. Sie wurden früher für die längere gemeinsame Beschulung ins Feld geführt: neun statt nur acht Jahre, dann für Gesamtschulen, dann für ein neues Hochschulsystem und die Aufwertung der Fachhochschulen. Nun hört man sie erneut. Immer scheinen die List und Logik der gesellschaftlichen, ökonomischen, technischen, wissenschaftlichen Entwicklung im Bunde mit den schönsten bildungspolitischen Wünschen. Jetzt also: Studium für alle löst die Berufs- und Beschäftigungsprobleme für alle! Und erneut: Problematische Nebenfolgen sind offenbar nicht zu erwarten, das Ausland – die OECD! – zeigt den richtigen Weg. Wir, mit niedrigen Quoten der Hochschulzugangsberechtigung, geraten in Rückstand, unser Vorsprung schwindet, die Zukunft ist düster!

Da muss man doch daran erinnern, dass die von der OECD so sehr gelobten west- und südeuropäischen Länder nicht erst aktuell sehr hohe Raten an Jugendarbeitslosigkeit für Absolventen der Pflichtschulen haben und sehr große Probleme beim Berufszugang für Hochschulabsolventen. Erinnern muss man auch daran, dass in dem wegen seiner hohen Zugangsquoten gelobten Frankreich das Hochschulsystem vollständigen Schiffbruch erlitten hat. Oder dass es in Italien als System der Qualifizierung für Arbeit und Beruf schon lange nicht mehr funktioniert, sondern nur noch unzufriedene laureati erzeugt.

Auch die Rede vom »Bedarf« weckt schon deswegen Skepsis, weil nicht ganz klar ist, welcher Bedarf eigentlich mit fortschreitender Akademisierung bedient werden soll: Sind es Anforderungen von Arbeitsprozessen, generelle Kompetenzen und Einstellungen, also allgemeine, nicht akademische Bildung, oder ist es die Rechtfertigung eines spezifischen Status und die damit verbundene Besoldung? Lehrer, ein historisches Argument muss erlaubt sein, haben für die »Verwissenschaftlichung« ihrer Ausbildung gekämpft, um Zugang zum höheren Dienst und A-13-Besoldung für alle zu bekommen, ihre Kompetenz wurde dadurch nicht besser. In Tarifverträgen dienen Bildungszertifikate der Zuordnung von Tätigkeiten und ihrer Eingruppierung und Bezahlung – aber das ist Politik, keine objektive Bedarfsfeststellung. Auch gute Bezahlung geht nicht unbedingt mit höherer Bildung einher, wie die Streiks kleiner Spartengewerkschaften zeigen.

Im dualen Ausbildungssystem und der ihm zugeordneten Beschäftigung haben sich entsprechend hierarchisch unterschiedene Berufssegmente herausgebildet, Abiturientenberufe, zum Beispiel für Handel und öffentlichen Dienst, und solche, die zumindest den mittleren Schulabschluss voraussetzen, bilden die beiden oberen Segmente. Für den Rest, und das ist die größte Gruppe, zum Beispiel die Absolventen der Hauptschulen, bleibt damit die Hälfte der Berufe verschlossen – schon über das Zertifikat, nicht wegen ihrer Kompetenzen! Die haben nicht einmal die Chance auf Bewährung.

Heinz-Elmar Tenorth

Heinz-Elmar Tenorth gilt als Deutschlands führender Bildungshistoriker und lehrt an der Berliner Humboldt-Universität.

Und jetzt soll es noch akademischer werden. Aber dass die qualifizierte Arbeit von morgen eine akademische Ausbildung fordert, trifft nicht so einfach und klar zu. Die Fiktionen der Ausbildung und der Tarifverträge kollidieren mit der Praxis gesellschaftlicher Arbeit. Mehr als ein Drittel der beruflich Qualifizierten arbeitet nicht im vermeintlich zugehörigen Revier. Selbst bei Hochschulabsolventen ist der Zusammenhang locker. Der geistes- oder sozialwissenschaftliche Bachelor- oder Masterabsolvent der Universität oder der Architekt sehen sich auf dem Arbeitsmarkt Absolventen des dualen Systems oder der Fachhochschule gegenüber und können keineswegs auf ihr Zertifikat pochen. Das Elend der Juristen, die nicht Prädikatsnoten haben, darf man auch nicht ignorieren. Neben der Hierarchisierung und Segmentierung der Berufe sind also auch Verdrängungseffekte nicht zu übersehen. Für die Nichtakademiker bleibt dann die schlecht bezahlte Arbeit.

Damit sei keiner Bildungsbegrenzung das Wort geredet. Aber Bildungschancen und Bildungsgerechtigkeit kann man nicht allein an der Teilhabe an Zertifikaten messen und als Indikator nur die Hochschulzugangsberechtigung akzeptieren. Akademisierung ist deshalb nicht nur nicht universell notwendig, sie ist auch nicht wünschenswert. Es gibt bessere Alternativen, ein System von schulischen Bildungsgängen und berufsbezogener Qualifizierung zum Beispiel. Das bewährte deutsche duale System. Dessen Zertifikate müssen aber, besser als heute, den Anschluss an weitere Bildungsprozesse eröffnen, akademische und nicht akademische.

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Leserkommentare
  1. Ich gebe Herrn Tenorth tendenziell Recht: als Professor an einer amerikanischen Hochschule kann ich sagen, dass der höhere Prozentsatz von "Hochschulabgängern" z.B. in den USA (41% verglichen mit 25% in Deutschland) nicht viel heisst. Es gibt in den USA zahlreiche Colleges, die im Vergleich zu deutschen Universitäten eher bessere Volkshochschulen sind. Es ist mir deshalb auch nicht klar, was die OECD meint, wenn sie von "Hochschulabsolventen" spricht, denn vergleichbar sind die Abschlüsse eh nicht.

    Quelle: http://www.tagesschau.de/...

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    Das stimmt natürlich, nur weil man ein Zertifikat in der Hand hält, auf dem steht das man studiert hat, wird man gleich gebildeter. Die Frage ist, welche Kompetenz dahintersteht bzw wird der Mensch diesem Dokument auch gerecht?
    Dennoch ihr Link zeigt eindeutig, dass Deutschland zu wenig in Bildung steckt, denn Länder wie Korea oder Japan haben keine Unis mit Volksschulcharakter, zudem investiert ein kleines Land wie Luxemburg soviel in die Grundschule und D so wenig. Nein das Geld wird lieber für unnötige Gesetze verprasst oder ins Auslandseinsätze gepulvert.

    • Mike M.
    • 04. Februar 2013 21:01 Uhr

    Die Duale Ausbildung ist bei uns sehr gut...... deshalb haben wir eine vergleichsweise geringe Akademikerquote. Noch geringer ist sie z.B. in der Schweiz, die doch auch nicht am Hungertuch nagt.

    Während in anderen Ländern man z.B. Nursing studiert, ist die Krankenpflege bei uns ein Ausbildungsberuf. Auch viele Managerposten kann man im deutschsprachigen Raum über nicht-akademische Ausbildungswege erreichen. Dagegen hat in Sizilien jeder "studiert", der im Büro sitzt, auch die Sekretärin.

    Durch Bologna, die politisch propagierte, schleichende Gleichstellung von Fachhochschulen und Universitäten, die verschulung der Promotion etc. führt bei uns der Trend aber auch in die gleiche Richtung.

    Als jemand der selbst in der universitären Lehre tätig ist, in seinem Freundeskreis aber auch viele Nicht-Akademiker hat, beobachte ich immer wieder, dass Studium nicht gleich Qualifikation ist. Viele Studenten sind für ein Studium nicht geeignet und ich treffe immer wieder Menschen mit schlechter bis keiner Qualifikation, die für das Berufsleben viel besser geeignet sind als die meisten Studenten, denen ich begegne. Meine Stichprobe ist natürlich relativ wahllos und mitsamt meiner Schlüsse hoffnungslos gebiast. Dennoch bin ich mit der Einstellung an die Uni gekommen, dass Studenten grundsätzlich schlauer sind als der Schnitt. Das ist Irrtum. Ich denke, dass der umgekehrte Weg möglicherweise der bessere wäre. Junge Menschen ihren Talenten entsprechend auszubilden und nicht per se eine höhere Hochschulquote ausrufen. Das ist Zeit- und Ressourcenverschwendung und frustrierend für alle Beteiligten.

    Ich weiß nicht, wie die Situation in den USA ist, aber ich unterrichte an einer mexikanischen Hochschule. Da meine Studenten oft einen Austausch mit Deutschland machen, muss ich mich auch mit Studieninhalten anderer Fächer auseinandersetzen. Dabei lässt sich folgendes feststellen: bis zum letzten Studienjahr lernen die Studenten Dinge, die ich auf dem Gymnasium gelernt habe. Das heißt, ein Student mit Abschluss weiß quasi 1 Jahr mehr als ein deutscher Abiturient. Soviel zum Thema Vergleichbarkeit. Zudem ist hierzulande das Äquivalent zum Bachelor unabdingbar, um einen mäßig bezahlten Posten in einem Büro zu bekommen, dafür reicht in Deutschland eine kaufmännische Ausbildung. Kleine Randbemerkung: da es sich um eine sehr teure Privatuni handelt, können die Studenten im Prinzip nicht durchfallen, da dies wirtschaftlich nicht vertretbar wäre. Alles in allem: die OECD-Studie interessiert mich herzlich wenig, lieber weniger Absolventen, aber qualitativ hochwertig, als eine Abgängerquote jenseits der 50%, nur um die Leute dann auf anspruchslosen Posten zu verheizen. Zudem ist mir ein deutscher Handwerker mit entsprechendem Abschluss tausendmal lieber, als ein Handwerker, der "mal was studiert hat".

  2. Das stimmt natürlich, nur weil man ein Zertifikat in der Hand hält, auf dem steht das man studiert hat, wird man gleich gebildeter. Die Frage ist, welche Kompetenz dahintersteht bzw wird der Mensch diesem Dokument auch gerecht?
    Dennoch ihr Link zeigt eindeutig, dass Deutschland zu wenig in Bildung steckt, denn Länder wie Korea oder Japan haben keine Unis mit Volksschulcharakter, zudem investiert ein kleines Land wie Luxemburg soviel in die Grundschule und D so wenig. Nein das Geld wird lieber für unnötige Gesetze verprasst oder ins Auslandseinsätze gepulvert.

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    • DonataB
    • 04. Februar 2013 15:17 Uhr

    Ich bin Professorin an einer koreanischen Uni. Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, daß das Studium auch in Fächern wie Volkswirtschaftslehre mit deutschen Standards eher wenig vergleichbar ist. Daneben kann man an koreanischen zweijährigen Unis auch Fächer wie Hundefriseur oder Töpfern studieren. Die koreanische Regierung versucht relativ verzweifelt, von der deutschen Berufsbildung zu lernen und beispielsweise Beschäftigungsmöglichkeiten für Jugendliche nach dem High-School-Abschluß zu schaffen.

    Man sollte außerdem auch wissen, daß Andreas Schleicher, Abteilungsleiter bei der OECD und für die meisten Vergleichsstudien verantwortlich, selbst Deutscher ist und offensichtlich mit dem deutschen Bildungssystem größere Schwierigkeiten als Schüler hatte. Den Groll scheint er nun bei jeder Studie auszulassen. Das soll nun nicht heißen, daß das deutsche Bildungssystem keine Probleme hätte, aber man sollte die Dinge doch etwas in Perspektive setzen und sehen.

  3. 3. nicht*

    nicht gebildeter sollte es heißen.

  4. Absolventen mit einem soliden berufspraktischen Hochschulabschluss, zum Beispiel von einer Fachhochschule, werden, denke ich, tatsächlich noch mehr gebraucht. Im Moment ist es aber so, dass sich viele Leute auf eine wissenschaftliche Universitätsausbildung stürzen und dann nicht wirklich eine Perspektive haben, denn für so viele Wissenschaftler ist erstens kein Geld da (auch nicht unbedingt in der Wirtschaft) und zweitens ist auch nicht jeder geeignet, der sich Hoffnungen macht. So mancher macht dann mit Doktortitel eine Arbeit, die er mit einer normalen Ausbildung im Prinzip schneller und besser hätte erreichen können - der "Dr." dient vielleicht als Eintrittskarte. - Ich denke, es macht mehr Sinn, sich über den Sinn und die Anwendbarkeit der verfügbaren Qualifikationen Gedanken zu machen als über deren "Rangstufe", das würde nämlich nicht nur der Statistik, sondern auch den Absolventen helfen.

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    Fachhochschule, da ist nicht mehr viel mit berufspraktisch und ein Kollege in D hat in seiner gerade Prep-Kurse in Mathe und Deutsch eingeführt, damit die Studenten wenigsten den Dreisatz können und halbwegs fehlerfrei Schreiben können . Der einzige Vorteil in D ist, dass diese Absolventen bedeutend billiger zu haben sind und die Preise besonders im Ing. bereich massivst drücken bis sie 40 sind.
    Fragen sie mal auf ihrem lokalen Arbeitsamt wieviel arbeitslose FH Ing. über 40 dort gemeldet sind und als nicht vermittelbar gelten.

    @Thema
    Die Studie stimmt schon, dass D im Vgl schlecht aussieht, nur wenn ich hier in Nordamerika sehe, dass dort Köche und Konditoren einen Bachelor machen The Culinary Institute of America (http://de.wikipedia.org/w...) der 50k kostet und in D dies eine Ausbildungberuf ist, den man auch mit einem Hauptschulabschluss machen kann, dann zeigt sich, dass durch die OECD Äpfel mit Birnen verglichen werden.
    Gleiches gilt für den Ing bereich, nicht jeder der sich in Asien Ing. nennt und einen Abschluss besitzt, hat nur annähernd eine dem westlichen Standard entsprechende Ing.Ausbildung durchlaufen.
    http://articles.timesofin...

    "So mancher macht dann mit Doktortitel eine Arbeit, die er mit einer normalen Ausbildung im Prinzip schneller und besser hätte erreichen können - der "Dr." dient vielleicht als Eintrittskarte."
    Ich denke, dass diese Aussage ziemlicher "quatsch" ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man mit einem Dr.-Titel einer Tätigkeit nachgeht, die jemand mit einer "einfachen" Berufsausbildung ebenfalls ausführen könnte.

    "Absolventen mit einem soliden berufspraktischen Hochschulabschluss, zum Beispiel von einer Fachhochschule, werden, denke ich, tatsächlich noch mehr gebraucht. Im Moment ist es aber so, dass sich viele Leute auf eine wissenschaftliche Universitätsausbildung stürzen [...]."
    Auch hier kann ich Ihnen nicht zu stimmen. Grade in den Ingenieurswissenschaften und Naturwissenschaften ist eine Ausbildung auf einer Hochschule, ein großer Unterschiede im Vergleich zu der auf einer FH. Durch das Bachelor/Master-System hat man die FHs aufgewertet jedoch ist die Ausbildung in vielen Stätten nicht mit denen, von einer Hochschule vergleichbar.
    Ich stimme Ihnen völlig zu, dass es nicht mehr Studenten geben muss. Dies kann man einfach verhindern in dem man das Niveau der Lehre hebt oder zumindestens nicht die Anforderungen runter schraubt. Doch dies wird meiner Meinung nach von Uni zu Uni bzw. von FH zu FH in Deutschland verschieden gehand habt.

  5. Wir brauchen natürlich noch mehr Studenten! Es gibt ja jetzt schon nicht genug von denen (wahlweise auch: uns). Ich frage mich immer, wo das hinführen soll? Dass das Niveau an den Unis noch weiter absinkt? Ganz ehrlich: Es gibt jetzt schon zu viele Studenten, denen ganz klar die Kompetenzen, die für ein erfolgreiches Studium nötig sind, abhanden gehen.
    Wozu sollen auch mehr Abiturienten studieren? Damit der deutsche Akademikeranteil auf ein Niveau ansteigt, welches der OECD genehm ist? Für viele Sachen braucht man gar kein Studium, eine gute Ausbildung reicht auch aus.

    Aber nachdem man schon diesen Murks von Bachelor/Master eingeführt hat, kann man den Weg zur breiigen Einheitsmasse auch konsequent weitergehen. Traurig!

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    • Xarx
    • 04. Februar 2013 18:03 Uhr

    Ich kann nicht wirklich nachvollziehen worin der Zusammenhang zwischen vielen Studenten und dem Niveau der Universität besteht.Denn in keinster Weise ist natürlich die Rede davon besagtes Niveau soweit abzusenken,dass 50% oder mehr das Studium erfolgreich abschließen können. Somit empfinde ich auch den Vergleich mit den USA als überflüssig.Denn niemanden nützen "Fachkräfte" die im Grunde doch nichts wissen,da man das Studium quasi geschenkt bekommt.Mich würde weiterhin interessieren, welche Kompetenzen sie denn meinen die den Studenten angeblich abhanden kommen.Falls sie hier jetzt auf ein zu schnellen Ablauf des Studiums durch Bologna verweisen bei dem Lebenserfahrung auf der Strecke bleibt so verfehlt dieses Argument mMn das Thema,da es hier nicht direkt um das Bildungssystem geht(und dieses schließlich nicht einheitlich ist).

    Zum 2. Teil des Artikels:es heißt hier, dass systembedingt Hauptschüler von Berufen ausgeschlossen werden wenn sie nicht studieren(was über eine Ausbildung möglich ist).Das mag zutreffen und in einigen Gebieten evtl. negativ sein, trotzdem würde ich behaupten, dass größtenteils ein Studium und das daran gekoppelte Zertifikat sinnvoll ist.Ich studiere Verfahrenstechnik im Master.Und wenn ich da nun z.B. einen Reaktor auslegen möchte dann muss ich eben Grundlagen in der Strömungsdynamik sowie der Thermodynamik besitzen, ich muss die Reaktionskinetik verstehen etc. etc. etc.. Und sowas lernt man eben nicht mal in einer Ausbildung bzw. Weiterbildung.

    Wenn man sich mal die Studienbeginnerquote mit der Studienabsolventenquote vergleicht, dann stellt man unschwer fest, dass ca. 45% eines Jahrgangs ein Studium anfangen, aber nur ca. 25% eines Jahrgangs ein Studium auch abschliessen.
    Woran mag das liegen? Ganz einfach: Es gibt schon jetzt zu viele, die gar nicht fähig sind zu studieren. Ich meine damit, es fehlt an grundlegendem Wissen: Manche beherrschen die deutsche Rechtschreibung und Grammatik nicht (Sie im Übrigen auch nicht so ganz, aber als Naturwissenschaftler ist das ja nicht so schlimm^^), andere haben große Defizite im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich. Ich habe u.a. französische Literatur studiert, und angehende Lehrerinnen für Französisch sind kurz vor dem Examen nicht in der Lage, etwas schwierigere Texte ins Französisch zu übersetzen.
    Und nun sollen noch mehr studieren? Was für Leute sollen das sein? Wer heute die intellektuellen Fähigkeiten besitzt, ein Studium erfolgreich absolvieren zu können, der tut dies i.d.R. auch schon. Und alle anderen, die bis jetzt noch nicht studieren: warum sollten die studieren? Ein Bäcker, Dachdecker, Automechaniker oder eine Krankenschwester braucht offensichtlich nicht zu studieren, weil es bis jetzt auch mit einer Ausbildung sehr gut funktioniert hat.
    Ein abgeschlossenens Studium deutet nicht zwangsläufig auf Hochqualifizierte hin; ein gut ausgebildeter Facharbeiter hingegen kann auf jeden Fall als solcher gelten. Wozu also noch mehr Studenten?

    • Chali
    • 04. Februar 2013 15:06 Uhr

    Lauter halbgare Begriffe werden aneinandergereiht - etwas mehr "Bildung" im Sinne einer "Meinungs-Bildung" wäre notwendig.

    Allein der Spruch "Hoch qualifizierte Experten und Dienstleister schaffen Arbeitsplätze" ist in dieser Plattheit natürlich unsinn.

    Hoch qualifizierte Experten und Dienstleister schaffen keine Arbeitsplätze, sie besetzen bestenfalls Arbeitsplätze. Und wenn - falls! - sie gut bezahlt werden, dann konsumieren sie auch. Gleich den un-Qualifizierten Zockern. Typisches Beispiel sind eben die sozialen Dienstleistungen, da können sie Elite-Krankenschwester sein, Extremst-Altensplgein - schauen sie mal, was Ihnen das bei den Rhön-Kliniken nutzt.
    (Im Erotik-Bereich, so sagt man mir, gibt es Ausnahmen)

    Und dieses gräuliche "Konkurrenzfähigkeit" ...
    Die ganzen "Experten" nützt ihre Qualifikation aber nix, wenn sie Konkurrenzfähig sind wie die deutsche Nationalelf, aber eben über die Vorrunde nicht hinauskommen.

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  6. In heutigen Stellenausschreibungen kann der Hang zum Hochschulabsolventen schön aufgezeigt werden.
    Für einfache Sachbearbeiterstellen werden da Abitur und Hochschulabschluß gefordert. Interessanterweise spiegelt sich darin auch eine Unternehmenskultur wieder.
    Auch die besten der Sachbearbeiter können ihr ganzes Berufsleben lang in der Hirarchie nicht weiter nach oben klettern, weil sie z.B. nur mittlere Reife haben, oder mindestens ein Kollege einen Bachelor in was-weiß-ich vorweist.
    Es wird aber ein Umdenken einsetzen. Bei meinem Arbeitgeber war die Fluktuation seit Bestehen des Unternehmens immer sehr gering. Gerade die jungen Kollegen, meiner Ansicht nach schon bei Einstellung oftmals nominell überqualifiziert, sehen das Unternehmen nur noch als Sprungbrett.
    Woran das liegt? Die Gehaltsstruktur ist auf dem Stand von vor 10 Jahren. Wir verdienen nicht etwa zu Wenig, auch wurde die Entlohnung immer in Tarifverhandlungen angepasst. Nein nein, aber bei uns wird auch der Pförtner anständig entlohnt, dafür verdient die Geschäftsführung in vergleichbaren Unternehmen inzwischen gern auch mal das Doppelte von unserer.
    Unser Unternehmen sollte aber dringlichst nicht mehr die abschlußreichsten einstellen, sondern die geeignesten.
    Aktuell reicht aber bei uns mittlere Reife nicht einmal mehr für eine kaufmännische Ausbildung.

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  • Schlagworte Student | OECD | Hochschule | Bildungschancen
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