Ulla Unseld-Berkéwicz"Das gehört sich nicht!"
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"Wir sind wirtschaftlich gesund und praktisch schuldenfrei"

ZEIT: Hätten Sie nicht trotzdem frühzeitig auf einen Kompromiss zusteuern können?

Unseld-Berkéwicz: Es gab zwei Vergleiche, um die Verhältnisse zu befrieden. Die Familienstiftung hat Herrn Barlach auch zusätzliche Gesellschafterrechte eingeräumt. So kann er beispielsweise einen Geschäftsführer in den Verlag entsenden. Die Familienstiftung hat sich auf vieles eingelassen, um mit dem Gesellschafter konstruktiv zusammenzuarbeiten. Wie man jetzt sieht, hat das aber alles nichts genützt.

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ZEIT: Wie stellt sich aus Ihrer Sicht – nach Ihren langjährigen Erfahrungen mit ihm – Hans Barlachs Motivlage dar?

Unseld-Berkéwicz: Nach seinen Motiven müssen Sie Herrn Barlach selber fragen.

ZEIT: Hans Barlach beklagt, dass Sie nicht bereit waren und sind, Informationen auszutauschen, Bilanzen vorzulegen oder Gesellschafterversammlungen einzuberufen. Hat die Kompromisslosigkeit, mit der man ihm gegenüber offenbar vorgegangen ist, die Fronten nicht unnötig verhärtet?

Unseld-Berkéwicz: Es gibt eine solche Kompromisslosigkeit nicht. Sämtliche Gesellschafterversammlungen haben stattgefunden, und der Verlag hat der Medienholding alle Bilanzen immer ordnungsgemäß vorgelegt. Auch hat Herr Barlach ja seit 2010 das ihm von der Familienstiftung eingeräumte Recht wahrgenommen, einen Abgesandten im Verlag mit eigenem Büro zu haben, der jederzeit sämtliche Unterlagen einsehen konnte.

ZEIT: Wann haben Sie zuletzt persönlich mit Hans Barlach gesprochen?

Unseld-Berkéwicz: 2011 im Rahmen einer Gesellschafterversammlung.

ZEIT: Im Februar steht in Frankfurt ein weiteres Gerichtsurteil an. Beide Gesellschafter wollen den Ausschluss der Gegenseite. Der vorsitzende Richter stellte im Prozess fest: »Beide Gesellschafter sehen sich offenbar wechselseitig als Inkarnation des Bösen.« Er befürchtete: »Einer der namhaftesten Teilnehmer am Literaturbetrieb der Nachkriegszeit droht zu verschwinden.« Kann der drohende Untergang des Hauses Suhrkamp noch verhindert werden? Kann es etwa gelingen, aus eigener Kraft die Anteile Barlachs aufzukaufen?

Unseld-Berkéwicz: Ich bin der festen Überzeugung, dass es keine ausreichende Rechtsgrundlage für die Auflösung des Verlags gibt, allein schon deshalb, weil die Familienstiftung als Mehrheitsgesellschafter die Fortführung des Verlags wünscht und der Medienholding auch wiederholt entsprechende Kaufangebote gemacht hat. Herrn Barlach steht es doch frei, diese Angebote anzunehmen oder zumindest einer neutralen Bewertung des Verlags zuzustimmen, auf deren Basis die Anteile veräußert werden könnten, anstatt dem Verlag, den Autoren und der Öffentlichkeit mit einer Auflösung des Verlags zu drohen. Bisher hat er eine neutrale Bewertung des Verlags aber strikt abgelehnt.

ZEIT: Melden sich bei Ihnen andere Investoren, die anbieten, seine Verlagsanteile zu übernehmen?

Unseld-Berkéwicz: Ja, es melden sich jetzt viele, erstaunlich viele Leute, die daran interessiert sind, die Anteile der Medienholding zu kaufen, Mäzene und Investoren oder einfach nur solche, die mithelfen wollen, den Verlag zu erhalten. Fantasiepreise aber, wie sie Herrn Barlach vorschweben, wird keiner zahlen.

ZEIT: Hat die Siegfried und Ulla Unseld Familienstiftung das Vorkaufsrecht für die Anteile der Medienholding AG, die Barlach vertritt, wie die FAZ schreibt? Inwiefern hat das eine Bedeutung im weiteren Verlauf des Konflikts?

Unseld-Berkéwicz: Eine Bedeutung hat dies insofern, als es die Medienholding bisher vermieden hat, trotz der wiederholten Angebote unsererseits überhaupt mit uns zu verhandeln. Mehr werde ich hier nicht sagen – das sind Interna des Gesellschaftervertrags.

ZEIT: Können Sie sich auch einen Vermittlungsweg vorstellen, bei dem sich an den Eigentumsverhältnissen nichts ändert?

Unseld-Berkéwicz: Ja, das kann ich. Wir sind für Vermittlungsversuche offen, und wir werden Herrn Barlach auch weiterhin Vorschläge unterbreiten.

ZEIT: Wie könnte konkret ein derartiger Kompromiss aussehen?

Unseld-Berkéwicz: An einem Kompromiss muss gemeinsam gearbeitet werden, und deshalb haben die Gesellschafter nun auch gemeinsam vermittelnde Gespräche ins Auge gefasst. Wir haben auch vorgeschlagen, die Gerichtsverfahren vorerst auszusetzen, um diesen Gesprächen den nötigen Raum zu geben.

ZEIT: Wenn Sie auf den Gesellschafterstreit zurückblicken – gibt es Verfehlungen Ihrerseits, die Sie heute bereuen?

Unseld-Berkéwicz: Im Nachhinein gibt es immer Dinge, deren Verlauf man sich anders gewünscht hätte, auch in Bezug auf die Anmietung der Räumlichkeiten in meinem Haus. Aber wenn es einem um das Wohl des Unternehmens geht, setzt man sich doch zusammen, um dafür Lösungen zu finden. Mir tut es insbesondere leid, dass diese Auseinandersetzung so viele Personen direkt oder indirekt in Mitleidenschaft zieht, nicht zuletzt meine beiden Kollegen in der Geschäftsführung, die mit einem Großteil der Themen eigentlich gar nichts zu tun haben und nun mit mir unter den diversen Klagen der Medienholding auch persönlich leiden müssen.

ZEIT: Barlach verweist immer wieder auf die finanzielle Lage des Verlages, er mache sich Sorgen. Hat der Verlag in den letzten Jahren Verluste im operativen Geschäft gemacht?

Unseld-Berkéwicz: Wir sind wirtschaftlich gesund und praktisch schuldenfrei. In den Jahren 2010 und 2011 haben wir erhebliche Gewinne erzielen können, und dies auch, anders als behauptet wird, aus dem operativen Geschäft. Und 2012 war der Verlag einer der wenigen Verlage, die ihren Umsatz in einem wirklich schwierigen Marktumfeld nahezu konstant halten konnten, beim Insel Verlag haben wir sogar zweistellige Zuwachsraten. Wenn Sie den Umsatzrückgang vergleichbarer Verlage anschauen, haben wir allen Grund, auf unsere Ergebnisse stolz zu sein. Natürlich aber werden wir daran arbeiten, unsere Umsätze weiter zu steigern. Dass die Medienholding öffentlich die finanzielle Situation des Verlags schlechtredet und ihn in der ZEIT als »wirtschaftlich gefährdet« bezeichnet, ist in hohem Maße geschäftsschädigend. Umso mehr, als solche Aussagen natürlich eine schon viele Jahre währende Berichterstattung über den Verlag und meine Person bestätigen, die mir wirtschaftlich vernünftiges Handeln abspricht.

Leserkommentare
  1. Frau Unseld-Berkéwicz scheint eine kluge und couragierteFrau zu sein. Es ist ihr zu wünschen, dass ihrem Anliegen Erfolg beschieden ist. Die andere Seite scheint typisch für M&A zu sein.
    Dem Verlag und den Autoren ist jedenfalls zu wünschen, dass der Geist, die Idee die Führung vor dem Kapital behält.

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    • gast007
    • 24. Januar 2013 18:52 Uhr

    ... Mediator auszurufen. Nicht, dass es von Nachteil wäre, dass Herr Naumann schon alles gemacht hat, was es gibt, vom Wohnen über dem Kanzler bis zum Durchfaller in der Bürgermeisterwahl, von der Zeit-Redaktion bis zum Kulturverbieger.

    Nein, dieser gute Herr Naumann muss wohl im Vorfeld schon den Barlach-Enkel restlos zur Schnecke gemacht haben; Fahrradklingel gegen Orgel und so weiter. Da fragt man sich natürlich, was so ein Mediator als neutrale Instanz schaffen soll. Das Angebot der Dienste des Herrn Naumann war eine bodenlose Frechheit, mit der man einen Geschäftsmann natürlich nicht kulturell aufpeppen kann. Darum scheint es doch zu gehen.

  2. Die Lady soll sich an die gegen sie gesprochenen Gerichtsurteile halten und ihr künftiges Geschäftsgebahren an dem ausrichten, was deutsches Recht und Gesetz ihr vorschreiben. Jedes weitere Wort hierzu wäre überflüssig.

    2 Leserempfehlungen
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    ... sollten sich in Ihrem sprachlichen Gebaren an die Regeln der Orthographie halten, falls Sie sie beherrschen. Oder Sie sympathisieren deshalb mit Herrn Barlach, weil Sie die Sprache sowieso geringachten und mit dem Geistvollen nichts anfangen können. Aber warum fühlen Sie sich dann berufen,ausgerechnet zu diesem Thema ihre Plattitüden loszuwerden?

    • Yeti-1
    • 24. Januar 2013 20:56 Uhr

    Ist das die bezahlte Verlagsbeilage des Suhrkam Verlags, oder erleben wir bei der "Zeit" die Geburt einer neuen Interviewtechnik? Die beklagenswerte Witwe, eine große Künstlerin mit einem tief erfühlten jüdischen Stammbaum, darf ihr Herz vor uns ausschütten. Begleitet von den warmen und mitfühlenden Worten des Zeit-Feuilletons. Und die böse Welt von Kommerz, Intrigue und Unterstellungen, die ganzern Lügen in der Süddeutschen, der Welt und dem Hamburger Abendblatt bleibt endlich mal außen vor. Tatsachen können ja so lästig sein. Nur Frank Schirrmacher, der gute Ritter, darf diemal nicht fehlen. Seine innere Unabhängigkeit vom Frankfurter Kulturklüngel macht sein Urteil doppelt wertvoll. Journalismus kann doch so aufschlußreich sein. Danke dafür!

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  3. Wer hat ein Interesse daran den Suhrkamp abzuwickeln?

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  4. sonst ist dem Kommentar von Yeti nichts hinzuzufuegen.

  5. Ein sehr gutes Interview von Frau Ulla Unseld-Berkéwicz. Auch wenn es Richard Kämmerling und einige Zeit-Kommentarschreiber (noch) nicht verstehen können,
    Form und Argumente überzeugen. Sachlich und Kompetent. Super....

  6. ... sollten sich in Ihrem sprachlichen Gebaren an die Regeln der Orthographie halten, falls Sie sie beherrschen. Oder Sie sympathisieren deshalb mit Herrn Barlach, weil Sie die Sprache sowieso geringachten und mit dem Geistvollen nichts anfangen können. Aber warum fühlen Sie sich dann berufen,ausgerechnet zu diesem Thema ihre Plattitüden loszuwerden?

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    Antwort auf "Geschwurbel"

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