Popsängerin Alicia Keys"Ich treffe Martin Luther King und stehe mit Bob Marley auf der Bühne"

Alicia Keys kommt aus Hell's Kitchen, einst New Yorker Problemstadtteil. Ihre Flucht vor dem Alltag: Sie träumte vom Soul der Sechziger und einer Begegnung mit Malcolm X. von Jörg Böckem

Sängerin Alicia Keys

Sängerin Alicia Keys  |  © Peter Neusser

An meine nächtlichen Träume erinnere ich mich selten. Eigentlich nur in Lebensphasen, in denen ich mich mir große Sorgen mache oder irgendetwas in meinem Leben spürbar falsch läuft. Dann sind meine Träume sehr intensiv – aber auch ziemlich abstrakt und schwer fassbar für mich. Ich bewege mich in ihnen durch fremde Orte, andere Welten, unter Wasser zum Beispiel. Menschen tauchen plötzlich auf und verschwinden ebenso unerwartet. In diesen Träumen spiegelt sich mein Grundgefühl der Unruhe und Unsicherheit. Im schlimmsten Fall kann ich nicht atmen oder komme nicht vom Fleck, als würde ich in Treibsand stecken. In Zeiten, in denen ich entspannt und ausgeglichen bin, verschwinden die Träume mit dem Aufwachen. So gesehen, ist es wohl ein gutes Zeichen, dass ich mich zurzeit nicht an meine Träume erinnern kann.

Umso wichtiger sind Wachträume für mich. Solange wir träumen, haben wir Hoffnung. Die Träume und damit die Hoffnung zu verlieren ist das Schlimmste, was uns Menschen geschehen kann.

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Ich wurde von meiner Mutter großgezogen, einer kreativen Frau, die viele ihrer Träume aufgegeben hat, um mir die Möglichkeit zu geben, meine zu verwirklichen. Ich bin in Hell’s Kitchen aufgewachsen, einem Teil New Yorks, der lange von Armut und Kriminalität geprägt war. Träume waren da enorm wichtig für mich. Meine handelten schon früh von der Musik. Ich träumte davon, einen Song zu schreiben, der die Menschen begeistert und der sie durch ihr Leben begleitet. Dieser Traum treibt mich noch heute an.

ALICIA KEYS

32, wurde im Januar 1981 als Alicia Joseph Augello-Cook in Manhattan geboren. Schon mit 16 Jahren unterzeichnete die Soul- und R&B-Sängerin ihren ersten Plattenvertrag. Ihr Debütalbum »Songs in A Minor«, das 2001 erschien, verkaufte sich weltweit mehr als zwölf Millionen Mal. Sie ist mit dem Produzenten und Rapper Swizz Beats verheiratet, im Oktober 2010 kam ihr Sohn zur Welt. Ende 2012 erschien Alicia Keys’ aktuelles Album unter dem Titel »Girl On Fire«

Ich male mir gerne aus, wie es wohl wäre, in den sechziger und den siebziger Jahren gelebt zu haben. In diesem Tagtraum bin ich Anfang der Fünfziger geboren und erlebe diese extrem aufregende und coole Zeit als junge Frau. Eine fantastische Vorstellung! Eine Ära, die geprägt ist von Kreativität, Experimentierfreude, großen Träumen und wegweisenden Veränderungen. Eine Zeit, in der viele Menschen mutig für ihre Überzeugungen einstanden. Ich stelle mir vor, Martin Luther King oder Malcolm X zu treffen und mit Nina Simone oder Bob Marley auf der Bühne zu stehen.

Voriges Jahr war mein sehnlichster Wunsch, dass Barack Obama wiedergewählt wird. Und ich habe sehr dafür gekämpft, dass dieser Traum wahr wird. Ich habe Obamas Wahlkampf nach Kräften unterstützt, in Interviews und auf Veranstaltungen versucht, die Leute zu überzeugen und zu motivieren, auch wirklich wählen zu gehen.

Ich habe einen Traum
Alle bisherigen Träume zum Nachlesen

Alle bisherigen Träume zum Nachlesen  |  © Miss Jones/Photocase

Am Wahlabend saß ich dann im Flugzeug, ich flog von New York nach München. Es war der schlimmste Flug meines Lebens. Ich konnte kaum still sitzen vor Anspannung. Ich malte mir aus, was in Amerika passieren würde, wenn die Republikaner gewinnen – für mich eine Horrorvorstellung. Ich habe gehofft und gebetet: Bitte, Gott, lass das nicht geschehen!

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

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Leserkommentare
  1. Wann erleben wir mal einen Star, der davon träumt, selbst so originär zu sein, dass er sich vom Wunsch emanzipieren kann, mit exhumierten Legenden gemeinsam auf der Bühne zu stehen?

    Ob sich jene Legenden seinerzeit jemals über solche Dinge Gedanken gemacht haben? Ich glaube eher, dass sie nicht zuletzt deshalb Legenden wurden, weil sie an diesem Punkt in Sachen Vorbilder (die sie möglicherweise auch hatten) einen mentalen Strich gezogen und gesagt haben: Ab hier kann ich allein laufen, die Bühne gehört mir, mir ganz allein.

    Das erfordert aber Mut, Selbstbewusstsein und - nicht zuletzt - vor allem auch Abstinenz vom allzu großen Wunsch, Kasse zu machen.

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    • grandma
    • 26. Januar 2013 22:09 Uhr

    war auch mit spirits auf der Bühne, und er musste sich immer Sorgen um seine Kasse machen. Bob Marley ging nie ohne jemandens spirit auf die Bühne und trug gut zum Bruttosozialprodukt seines Landes bei.

    Also ist es für A Keys legitim, von spirits zu träumen, und wünschenswert sie auf die Bühne zu bringen.Und sie tut es, das hört man.

    • grandma
    • 26. Januar 2013 22:09 Uhr

    war auch mit spirits auf der Bühne, und er musste sich immer Sorgen um seine Kasse machen. Bob Marley ging nie ohne jemandens spirit auf die Bühne und trug gut zum Bruttosozialprodukt seines Landes bei.

    Also ist es für A Keys legitim, von spirits zu träumen, und wünschenswert sie auf die Bühne zu bringen.Und sie tut es, das hört man.

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  • Serie Ich habe einen Traum
  • Schlagworte Barack Obama | Musik | Alicia Keys | Armut | Bob Marley | Bühne
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