IslamismusDie Köpfe des radikalen Islam

Mali ist nur einer der Brennpunkte auf der Weltkarte des neuen religiösen Fanatismus im Namen Allahs. Was eint und was unterscheidet die Vordenker des Islamismus? Eine Typologie von 

Ein Islamist kann vieles sein: Bombenwerfer oder Suppenkoch, Terrorsponsor oder Hausarzt, Abgeordneter oder Selbstmordattentäter. Für gewalttätige ebenso wie für politische Überzeugungstäter im Namen des Islams kennen wir nur ein einziges Wort – Islamisten. Das wirkt heute, 84 Jahre nach der Gründung der Muslimbruderschaft im ägyptischen Ismailia, jedoch überholt. Die Brüder waren die Urzelle aller islamistischen Bewegungen. Heute haben sie sich aufgefächert wie die Sozialisten zu Zeiten des Klassenkampfes. Wie einst Sozialisten, so werden auch Islamisten eingesperrt und verfolgt. Ihr Weltbild festigt sich oft erst im Gefängnis. Manche werden zu Politikern, andere aber auch zu Terroristen.

In Mali haben jetzt dschihadistische Gruppen weite Teile des Landes unter ihre Kontrolle gebracht. In Algerien griffen Terroristen ein Gasfeld an und töteten Ausländer. Diese Täter stehen dem Terrornetzwerk Al-Kaida nahe, das sich in den vergangenen Jahren in ganz Nordafrika ausgebreitet hat. Die Gruppen werden nicht zentral gelenkt, sondern handeln oft auf eigene Faust und passen sich ihrem politisch-kulturellen Umfeld an. Momentan sind Mali, Algerien, Tunesien, Libyen, Mauretanien und Marokko besonders bedroht.

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Militante Islamisten sind nicht zu verwechseln mit islamistischen Politikern, die gewaltfrei in Wahlen an die Macht gekommen sind. Der ägyptische Präsident Mursi, der in der kommenden Woche Berlin besucht, ist zunächst einmal ein bloßer Vertreter des politischen Islams. Es waren die arabischen Aufstände, es war eine Revolution, die seine Wahl erst ermöglicht hat.

Was ist ein Islamist? Der Islamist setzt seine Religion absolut und behauptet die Wahrheit seines Glaubens auch in der Sphäre der Politik. Wie der »wahre« Glaube aber von seinen fundamentalistischen Vertretern verteidigt wird, das ist höchst unterschiedlich. Islamismus gibt es nur im Plural. Wir stellen einige typische Vertreter vor.

Er wirft die Bomben nicht selbst. Er finanziert sie. Khalil al-Qutub (Name von der Redaktion geändert) sitzt in einem Café in Riad und hat zwischen zwei Gebeten etwas Zeit. Er trägt einen langen, ungeschnittenen Bart, aber kennt sich in westlicher Lebensart bestens aus. Bei einem Brownie und einem Becher amerikanischen Kaffees erklärt er in eloquentem Englisch, warum er die USA hasst: »Die Amerikaner schauen auf unsere arabische Kultur herab, sie attackieren unsere Traditionen.« Sie hätten muslimische Länder wie Afghanistan und den Irak besetzt. Dagegen leisteten die Muslime lediglich »Widerstand«, wie al-Qutub es nennt. Zutreffender nennt man es Terrorismus.

Khalil al-Qutub, ein Sohn wohlhabender saudischer Eltern, hat eine private Stiftung gegründet. Er bezahlt Boten dafür, dass sie Geld in Aktenkoffern aus Saudi-Arabien dorthin bringen, »wo es gebraucht wird« – also nach Somalia, Afghanistan, in den Irak. Dschihadisten kaufen davon Maschinengewehre, Sprengstoff, Panzerfäuste. Natürlich soll das keiner wissen, auch nicht die saudischen Behörden, die solche Aktivitäten seit 2003 bekämpfen, deshalb bleibt der wirkliche Name des Terrorsponsors ungenannt.

Doch warum finanziert ein Sohn aus gutem Hause bewaffnete Gewalt? Al-Qutub hat in den USA studiert und dort auch einen Doktortitel erworben. Seine Eltern bezahlten das amerikanische Studium, er lernte nebenbei den Hass auf Amerika. »Die US-Regierung ist direkt verantwortlich für das Leid im Mittleren Osten. Sie will uns ihr Verständnis von Demokratie aufzwingen, unser Erziehungssystem umkrempeln, die Religionspolizei in Saudi-Arabien abschaffen. Dagegen wehren wir uns.« Al-Qutub hat geschworen, auch seine Kinder zum Hass zu erziehen. Er gibt Geld, damit Amerikaner sterben, aber lebt selbst wie ein Amerikaner: Er fährt einen Geländewagen, hat ein Haus in der Vorstadt von Riad, besitzt drei Computer. Seine Frau ist kein Heimchen am Herd, sondern lehrt an der Universität. Allerdings ohne ihr Gesicht zu zeigen. »Ihre Ganzkörperverhüllung ist Ausdruck von Bescheidenheit«, sagt der Ehemann. »Das verstehe ich unter Modernität.

Khalil al-Qutub saß auch schon im Gefängnis. Die saudischen Justizbehörden sperrten den Studenten fünf Jahre ein wegen »Widerstand gegen staatliche Behörden und Bedrohung der Stabilität des Landes«. Al-Qutub behauptet, er habe nur der Religion zur Geltung verhelfen wollen. Die Religion, sagte er, müsse alle Lebensbereiche durchdringen, jeder habe sich daran zu halten, sie bestimme alles und vor allem ihn persönlich: sein Verhältnis zu seiner Frau, zur Gesellschaft, zum König. »Wir haben keine bloße Sonntagsreligion.« Deshalb höre er keine Musik und sehe keine Spielfilme, die den Islam doch nur verhöhnen würden.

»Gläubige Muslime werden vom Westen ausgegrenzt«, sagt Al-Qutub. »Wissen Sie, was wir wirklich denken? Wir wollen keine Sklaven des Westens sein. Wenn die Amerikaner kommen, um unser Leben zu ändern, töten wir sie im Dschihad

In einem schmuddeligen Neubauviertel der marokkanischen Stadt Salé öffnet eine Islamistin die Tür. Gegen die Mittfünfzigerin läuft ein Prozess, weil sie zum Sturz des Königs und zur Abschaffung der Monarchie aufgerufen hat. Nadia Yassine trägt braune Jacke, braune Hose, ein locker ums Haar geschlungenes Kopftuch. Sie galt lange als eine, die es nach ganz oben schafft. Ihr Vater, Scheich Abdessalam Yassine, führte die mächtigste islamistische Bewegung des Landes. Die scharfzüngige, kluge Tochter Nadia wurde als Nachfolgerin gehandelt. Eine Frau als Oberislamistin?

Als ihr Vater 2012 starb, wurde ein blasser Mann sein Nachfolger. Warum? »Frauen sind in unserer Bewegung stark vertreten, an der Basis sind es 50 Prozent«, sagt Nadia Yassine. Und an der Spitze? »Eine Frau sollte nicht gleich nach den Sternen greifen.« Sie lächelt so diplomatisch, wie sie nur kann. Innerlich wird sie wohl kochen, dass sie hinter einen Mann zurücktreten musste, der ihr intellektuell nicht das Wasser reichen kann. Beherrscht erklärt sie: »Jede Veränderung beginnt langsam.«

Nadia Yassine ist eine islamistische Aktivistin, die ihrer Heimat Marokko das »revolutionäre« Modell des iranischen Gottesstaats empfiehlt, aber selber keine Revolution machen darf, weil ihre Bewegung dafür zu konservativ ist. Islamismus bedeutet für Yassine »keinen Rückfall in vormoderne Zeiten, sondern eine gerechte Gesellschaft für alle Menschen«. Nur der Islam schaffe Gerechtigkeit. Um die Ungerechtigkeit zu beseitigen, brauche es aber eine Revolution. Ihre Augen glänzen, und man kann sich gut vorstellen, wie sie Menschenmengen in ihren Bann schlägt.

Doch die islamistische Realität sieht anders aus. Polygamie zum Beispiel, von Islamisten hartnäckig verteidigt, ist das Gegenteil von Geschlechtergerechtigkeit. »Ein Nebenproblem«, behauptet Yassine, »denn es steht nun mal im Koran, dass ein Mann bis zu vier Frauen haben kann.« Das dürfe keiner abschaffen. Aber Frauen müssten die Erlaubnis für die Mehrehe geben, wenn ihr Mann etwa eine zweite Frau nehmen will. »Der Koran ist kein Freifahrtschein für Machos.« Sie schießt natürlich auch gegen die Gleichberechtigung im Westen. Dort könne man doch nicht mehr unterscheiden, wer Mann und wer Frau sei. »Wir wollen im Islam keine Familien, wo der Mann die Frau spielt und umgekehrt. Der Mann steht für Disziplin und Kraft, er muss das Auskommen der Familie sichern. Die Frau steht für das Gefühl und den Zusammenhalt der Familie.« Wenn eine Frau zu Hause bleibe, dann solle sie aber vom Mann dafür auch ein Gehalt bekommen.

Die Idee klingt ein bisschen zu revolutionär für islamistische Männer. Will sie das zum Gesetz machen? Nein, das sei ein westlicher Gedanke. »Wir wollen die Leute nicht zwingen, sondern überzeugen. Wir werden sie erziehen!«

Unter den ägyptischen Muslimbrüdern gibt es auch ein paar Schwestern. Sie gehören nicht zur Parteispitze und sind an der Basis hoffnungslos in der Minderzahl. Aber wo sie sind, fallen sie auf. Azza al-Gharf wurde im Dezember 2011 zum ersten Mal ins ägyptische Parlament gewählt, als eine von zehn Frauen im 500-Sitze-Unterhaus. Die Zahl der Wählerinnen ist stark zurückgegangen bei der letzten Wahl. Eine Quote für Frauen scheiterte. Wie steht die Islamistin Al-Gharf dazu?

»Eine Quote ist etwas für Schwache«, sagt die 48-Jährige. »Aber wir sind nicht schwach!« Frauen hätten in Ägypten dieselben Probleme wie Männer. Lösungen müssten für alle gleichermaßen gelten. Gleichheit ist der Politikerin Azza al-Gharf wichtig. Sie betont, die Gleichberechtigung gelte auch für Christen und Andersgläubige. Doch genau darüber streiten Ägyptens Islamisten. Wie gleich sind die Christen? Dürfen sie unter einer neutralen Verfassung leben? Oder sind sie nur gleich unter dem islamischen Recht, wenn sie sich diesem unterwerfen? Al-Gharf will staatliche Neutralität, sie ist eine moderate Islamistin.

Das zeigt sich auch an einem zweiten Streitpunkt, der im Urlaubsland Ägypten heikel ist: der Bikinifrage. Radikale Islamisten fordern, dass sich Touristinnen an den heißen Stränden verhüllen müssen, dass Touristen abends an der Bar keinen Alkohol trinken dürfen. Al-Gharf sieht das anders. »Die Touristen kommen ja nicht her, um nackt und betrunken herumzulaufen. Sie wollen Urlaub machen!« Sie will die bestehenden liberalen Gesetze nicht ändern. Unklar ist noch, wie viele der regierenden Muslimbrüder ihre Meinung teilen.

Im vergangenen Jahr wollte der islamische Prediger Hasem Abu Ismail Präsident Ägyptens werden, und er hatte nach den Umfragen allerbeste Chancen. Doch seine Mutter besaß neben der ägyptischen auch die US-Staatsangehörigkeit. Das war gegen das Gesetz. Ägyptens oberste Richter disqualifizierten den charismatischen Mann kurz vor der Abstimmung. Jetzt will er bei der kommenden Wahl Parlamentsabgeordneter werden. Wie gefährlich ist Hasem Abu Ismail? Seine Vision des Zusammenlebens von Muslimen und Christen lautet: Nichtmuslime sollen die gleichen Rechte haben wie Muslime, aber auch die gleichen Pflichten.

»Der Islam verpflichtet alle, rein zu sein«, sagte Ismail. Das heißt, der Christ trinkt sein Bier gefälligst zu Hause. »Alkohol in Restaurants und Bars kann der Islam nicht akzeptieren.« Keine Freiheitsrechte also jenseits der islamischen Vorschriften. Und auch keine gleichen Rechte. Koptische Christen dürften nach Ismails Meinung im islamischen Ägypten keine hohen Staatsämter bekleiden. Christliche Frauen müssten Kopftuch tragen. »Der Islam will, dass alle Menschen das Konzept des Kopftuchs ehren, und schützt so die Frauen aller Konfessionen.« Und wenn manche Frauen diesen Schutz nicht wollen? »Auch Männer müssen geschützt werden. Wir wissen, dass im Westen Vergewaltigungen und Ehebruch geschehen, weil weibliche Schönheit überall ausgestellt wird«, behauptet Hasem Abu Ismail, der beinahe Präsident geworden wäre.

Issam al-Erian
Essam El-Erian

Essam El-Erian  |  © Nasser Nuri/Reuters

Issam al-Erian saß unter dem Diktator Hosni Mubarak die meiste Zeit im Gefängnis. Der Arzt und Muslimbruder wurde erst durch die Revolution des Jahres 2011 frei, seine islamistischen Ideen zu verbreiten. Heute ist Issam al-Erian einer der vier wichtigsten Politiker in der Partei der Muslimbrüder und Vorsitzender der Schura, des parlamentarischen Oberhauses in Kairo. Dort prägt er die Außenpolitik und auch das Verhältnis zu Israel.

Ihn darüber zu befragen ist jedoch schwierig. Denn die Muslimbrüder sprechen ungern über Ägyptens diplomatische Beziehungen zu Israel. Sie sind mit dem Herzen dagegen und mit dem Kopf dafür. Und an der Regierung zählt der Kopf. »Wir brechen keine völkerrechtlichen Verträge«, sagt Al-Erian, »aber Palästina ist und bleibt arabisches Land.« Diplomatische Beziehungen zu Israel: ja, aber volle Akzeptanz des jüdischen Staats: nein. »Seine Gründung war ein Verbrechen des Westens.« Darf man also wie Hamas Israel mit Raketen terrorisieren? »Wir Muslimbrüder haben seit Langem jeder Art von Gewalt abgeschworen«, sagt Al-Erian. »Das unterscheidet uns von gewalttätigen Dschihadisten. Doch Widerstand in Palästina ist keine Gewalt, sondern Kampf für die Freiheit.« Gewaltsamer Widerstand ist in seinen Augen also keine Gewalt. Gilt das auch für Bomben gegen arabische Herrscher oder die Anschläge des 11. September? Auf keinen Fall, meint Al-Erian, Terrorangriffe seien ein Verbrechen.

Gewalt ist also nicht gleich Gewalt. Al-Erian behauptet, da sei ein großer Unterschied zwischen Dschihadisten und Muslimbrüdern. Die Muslimbrüder seien gegen Gewalt, nur im Falle Israels gelte eine Ausnahme. Trotzdem konnte, als Israel im vorigen November auf die Raketen von Hamas mit Bomben gegen Gaza reagierte, ausgerechnet der islamistische Präsident Mohammed Mursi eine friedliche Lösung herbeiführen. Ganz realpolitisch vermittelte er zwischen Amerika, Israel und Hamas. Und er hatte Erfolg. Heute herrscht ein Waffenstillstand. Al-Erian sagt: »Darauf sind wir stolz.«

So bürgerlich, wie viele Islamisten in Mali aufwuchsen, hätten sie auch irgendwann an einem langweiligen Schreibtisch in einer nordafrikanischen Behörde arbeiten können. Stattdessen schießen und morden sie als fanatische Dschihadisten in der Terrorgruppe Ansar Dine im Norden Malis. Ihre Karriere ähnelt der von radikalisierten Kindern bürgerlicher Eltern in Ägypten und Saudi-Arabien. Auch der Al-Kaida-Chef Aiman al-Sawahiri kam aus wohlhabender Familie. Leute wie er verfielen in der Jugend radikalen Predigern, später zogen sie in den »Heiligen Krieg« in Pakistan, Afghanistan, Irak und nun also auch in Mali. Die Terrorgruppe Ansar Dine sieht sich als »Verteidiger des Islams«, ist aber vor allem Zerstörer des Landes und seiner kulturellen Traditionen. Ihre Mitglieder töten nicht nur, sie sprengen auch Mausoleen und Denkmäler, weil der Islam angeblich keine Bilder dulde, nie und nirgendwo.

Diese ins Absurde radikalisierte Interpretation des Korans hat sich von ihren historischen Ursprüngen in Ägypten und Saudi-Arabien weit entfernt. Fundamentalistischer Islam – das war vor achtzig Jahren eine soziale Bewegung, die die Rückkehr zu den Fundamenten des Islams suchte. Die Ideologie des Dschihadismus heute ist meist sehr individuell, eine moderne Erfindung extremistischer Prediger, die man genauso gut bei den Internetscheichs als Video herunterladen kann. Al-Sawahiri ist heute so ein Scheich. Er fordert einen Gottesstaat, der keine Christen und Juden duldet. Alkoholverbot. Musikverbot. Vollkommene Verhüllung der Frauen. Todesstrafe für Diebe. Das Kalifat für alle und den globalen Heiligen Krieg gegen die Christen, bis die ganze Welt in Flammen steht. Das alles steht nicht im Koran, aber es brodelt umso heftiger im Hirn des typischen Dschihadisten. Dafür stirbt er freiwillig, weil dem Märtyrer ein Platz im Paradies gewiss ist.

Was kriegerische Dschihadisten und politische Islamisten teilen, ist die Ablehnung westlicher Werte. Was sie trennt, ist ihr Verhältnis zur Gewalt. Die Islamisten in den Regierungen Tunesiens und Ägyptens bestehen auf dem Gewaltmonopol des Staates. Wenn sich der religiöse Terror aber ausweitet, wie zuletzt in Mali, könnten irgendwann Dschihadisten gegen gewählte islamistische Regierungen kämpfen.

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Leserkommentare
  1. "Und wenn manche Frauen diesen Schutz nicht wollen? Auch Männer müssen geschützt werden. Wir wissen, dass im Westen Vergewaltigungen und Ehebruch geschehen, weil weibliche Schönheit überall ausgestellt wird"

    Klingt wie von einem anderen Stern.

    4 Leserempfehlungen
  2. Wenn Amis wollten, gäbe es bis zum Nachmittag keine sunnitischen Terroristen mehr.
    Man nehme den Saudis das, was sie am meisten lieben. Das Geld. Schon ist die Sache mit den Islamisten erledigt.

    Man will aber nicht. Statt dessen müssen wir jeden Tag propagandistische Artikel lesen.

    13 Leserempfehlungen
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    Die Saudis sind nicht der einzige Geldgeber, aber Sie haben schon Recht, es liegt nicht im Interesse der USA, das Terrorismusproblem zu lösen. Die 574.000.000.000 Dollar (Wiki), die dort jährlich für Rüstung ausgegeben werden, müssen auch irgendwie begründet werden.

  3. Danke für diesen interessanten Überblick, der eindeutig zeigt wie heterogen der Islamismus bzw. der politische Islam in Wirklichkeit ist. Der Islamismus ist in der Tat vor allem eines – die Ansicht, dass aus der Autorität einer imaginären Gottheit absolute moralische Regeln für das gesellschaftliche Zusammenleben abzuleiten sind. Diese Ansicht ist nichts spezifisch muslimisches, nicht mal etwas spezifisches abrahamitisches – und sie ist weiterhin auch in Europa stark verbreitet. Rechtfertigt dieser Umstand den Islamismus in irgendeiner Form? Keineswegs! Ist die Ansicht, dass religiöse Regeln gesellschaftspolitisch imperativ sind, bekämpfenswert? Ohne Zweifel! Aber solange in Europa immer noch christliche Parteien ihr Unwesen treiben dürfen und uns über substanzlose moralische Grundsätze indirekt ihren Glauben aufzwingen, sollten wir über Mursi und Konsorten nicht die Nase rümpfen.

    14 Leserempfehlungen
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    • bayert
    • 01. Februar 2013 12:41 Uhr

    die christlichen Parteien (zumindest in Deutschland) bekennen sich zu den Menschenrechten. In islamischen Staaten werden tw. Homosexuelle hingerichtet. Daher können wir sehr wohl die Nase rümpfen.

    Die monotheistischen Religionen haben aber ganz entschieden die Toleranz gegenüber anderen Göttern und deren Anhänger reduziert. Es ist ja nicht so, dass sich das Christentum nicht bereits auch ziemlich exzessive Anfeindungen gegenüber anderen Religionsangehörigen geleistet hätte. Ich sehe den seit dem Kampf gegen den Terror aufflammenden Anti-Islamismus genau in dieser Tradition. Mehr, der Krieg gegen den Terror baute und baut auf dem Misstrauen Monotheistischer, hier zufällig die Christen, gegenüber anderen Religionen.

    Die luxuriöse Hochnäsigkeit gegenüber den Islamisten können wir uns heute nur leisten, weil wir in einer kulturell-wirtschaftlichen Besserposition sind. Diese Position haben wir in erster Linie der Aufklärung zu verdanken, die den Menschenrechte an die Stelle der religiösen Maßstäbe half. Im Mittelalter war das zivilisatorische Verhältnis Christen-Muslime gerade andersrum. Damals waren die Araber die Gelehrten und die Christen in Europa die engstirnig Verblendeten, die im religiösen Sumpf festsaßen. Die Religionen waren immer die gleichen.

    "Aber solange in Europa immer noch christliche Parteien ihr Unwesen treiben dürfen und uns über substanzlose moralische Grundsätze indirekt ihren Glauben aufzwingen, sollten wir über Mursi und Konsorten nicht die Nase rümpfen."

    Ich empfehle einen Abenteuerurlaub im Zentrum Kairos, damit Sie vielleicht nochmal ins Grübeln kommen, unter welchen "substanzlosen moralischen Grundsätzen" Sie denn lieber leben mögen.

  4. "In Algerien griffen Terroristen ein Gasfeld an und töteten Ausländer. Diese Täter stehen dem Terrornetzwerk Al-Kaida nahe, das sich in den vergangenen Jahren in ganz Nordafrika ausgebreitet hat."

    " Für Jeremy Keenan von der School of Oriental Studies der Universität London ist Algerien der denkbar ungeeignetste Partner. Bereits in seinem letzten Buch über Amerikas Krieg gegen Terror in Afrika aus dem Jahr 2007 erklärte er die algerische Regierung und die USA zu Mitverantwortlichen für die Entführungen von Europäern in der Sahara. Heute verfügt Jeremy Keenan, der auch als Vermittler bei AQIM-Geiselnahmen fungierte, über neue Informationen und ist mehr denn je davon überzeugt, dass die Terroristen mit dem algerischen Geheimdienst, dem Département du Renseignement et de la Sécurité (DRS) zusammenarbeiten." (Heise)

  5. "Much publicity has recently been given by Western intelligence services and the media to the assumed link between trans-Saharan trafficking of cocaine, flown into Sahel states, especially Mali, from South America, and AQIS. While a complex network does exist between the drugs traffickers and AQIS, Western intelligence services have failed to point out in their briefings, reports and 'leaks' to the media that the leaders of both AQIS and the drug trafficking operations are either agents of or closely linked to the highest levels of state security in the countries concerned, namely Algeria's DRS and Mali's state security. American, British and other Western intelligence services are all aware of the way in which the DRS has effectively constructed the AQIM/AQIS in the Sahara-Sahel, but have failed to take action against it. This is because AQIS, far from being a threat to the West, is more of an adjunct to the West's overall strategies in the region. It provides the US with further justification for AFRICOM while providing European powers, notably France whose nuclear industry is powered by the Sahel's uranium, with the justification to intervene militarily in the resource-rich corridor of the Sahel. And, of course, the 'threat' of al-Qaeda so close to Europe, provides European countries, such as the UK, Spain, Germany, Italy and the Netherlands, with justification for their immigration, security and 'counter-terrorism' policies." Al Jazeera

  6. Welche westlichen Werte sind gemeint ? Das Führen von Kriegen aus wirtschaftlichen/geostrategischen Interessen? Folter,Verschleppung,Geheimgefängnisse,Schattenkriege,gezielteTötungen,Militärtribunale ?

    Die Ursachen für das Gedeihen des islamischen Fundamentalismus blendet dieser Artikel leider aus.Die finanzielle Unterstützung vieler Dschihadisten durch westliche Geheimdienste bzw. ihre despotischen Partner in Saudi Arabien bleibt unerwähnt.Stattdessen stimmen uns die Medien auf eine erweiterte Kriegsbeteiligung in Afrika ein,da unsere Sicherheit mal wieder bedroht ist von wahlweise Islamisten,Dschihadisten,Terroristen,Rebellen...

    “Ich bin überzeugt, dass es eine direkte Verbindung zwischen zumindest einigen der Terroristen, die die Anschläge vom 11. September verübten und der Regierung von Saudi-Arabien gab”, sagte der ehemalige Senator Bob Graham, ein Demokrat aus Florida, in einer eidesstattlichen Erklärung, als Teil einer von den Familien der Opfer 11. September und Anderen eingereichten Klage gegen die saudische Regierung und Dutzende von Institutionen des Landes. Graham leitete 2002 eine Kongressuntersuchung der Anschläge vom 11.September.(New York Times)

    So this new, brewing mega-Afghanistan in Africa will be good for French neoloconial interests good for AFRICOM; a boost for those Jihadis Formerly Known as NATO Rebels; and certainly good for the never-ending Global War on Terror (GWOT), duly renamed "kinetic military operations". Pepe Escobar

    5 Leserempfehlungen
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    Sie - und in meinen Augen auch die Quelle die Sie zitieren - verdrehen hier aber einige Tatsachen. Es waren die Malis und die malischen Regierungsvertreter - ja selbst die Tuareg, die sich ursprünglich mithilfe der Islamisten mehr Einfluss erhofften, die Frankreich und Europa um Hilfe baten.

    Es waren nicht die Franzosen, die einfach so einspaziert sind, um wirtschaftsinteressen durchzusetzen - auch wenn sie sicherlich wirtschaftliche Interessen in Mali haben. Das allein rechtfertigt aber noch keine Verschwörungstheorien, wie Sie sie hier aufstellen oder widergeben.

    Man kann jeder Volkswirtschaft grundsätzlich vorwerfen, sie würde Wirtschaftskriege führen und ich bin sicher auch kein Freund des Neokapitalismus und erst recht nicht der Atomwirtschaft.

    Aber zur Realität gehört auch, dass die Mehrzahl der Malis einschließlich der gemäßigten Muslime eine Gewaltherrschaft der radikalen Islamisten ablehnen. Andernfalls könnten sich die Franzosen wohl kaum im Land so offen bewegen wie sie das tun.

    Haben Sie die Quellen überhaupt gelesen ?

    Sie beziehen sich lediglich auf die geheimdienstliche/staatliche Unterstützung des islamischen Fundamentalismus und nicht auf den Beginn der kriegerischen Intervention der Franzosen in Mali.

    Ja, ich habe ihre Quellen gelesen. Allerdings liegt Mali in der Sahelzone, besitzt die bei Ihnen erwähnten Uranrohstoffe und Frankreich ist involviert. Daher denke ich, dass ihre Quellen sehr wohl den Konflikt in Mali einschließen.

    Sie schreiben dann "Der Westen" mit seinen Geheimdiensten sponsort Terroristen, die er laut ihren Quellen wiederum als Vorwand benutzt, um geostrategische Interessen durchzusetzen. Mir erscheint das sehr einseitig und es erschließt sich mir nicht, weshalb der Westen oder Frankreich, das mit Mali bereits vor dem Einfall der Islamisten Beziehungen unterhielt, Terroristen sponsorn sollte, um die dann aus Mali wieder zu vertreiben.

    Viel realistischer erscheint mir das Szenario, dass in Mali seit dem Umsturz in Lybien und im Schatten der arabischen Revolutionen und des syrischen Konflikts um das Uran gekämpft wird, was der Iran sicher gern für die eigenen nuklearen Ambitionen unter seiner Kontrolle hätte.

    Während Frankreich die Zivilbevölkerung aber weitestgehend verschont, zielen die Islamisten vor allem auf den Machterhalt durch Unterdrückung der Zivilbevölkerung ab und rechtfertigen das mit ihrer Religion, die in Wahrheit nur zur Durchsetzung politischer Interessen dient - also zu dem was man dem Westen vorhält.

    Angesichts der Reaktionen der Malis, sieht es für mich jedenfalls so aus, dass Frankreich in der Lage ist, seine wirtschaftlichen Interessen eher im Sinne der malischen Bevölkerung auszuhandeln.

    "Die Ursachen für das Gedeihen des islamischen Fundamentalismus blendet dieser Artikel leider aus."

    Warum muß auf einer Seite der Print-ZEIT, auf der im Wechsel unter der Überschrift "Glauben und Zweifeln" Artikel von und über Menschen zu genau diesem Thema stehen, nun die gesamte Welt erklärt werden!?

    Die Überschrift lautet: "Die Köpfe des radikalen Islam" und genau von diesen werden 6 portraitiert, von einem Redakteur, Michael Thumann, der - im Gegensatz zu Ihnen, vermute ich - Gelegenheit hatte, diese zu treffen und mit ihnen zu sprechen.
    Das scheint Sie aber überhaupt nicht zu interessieren.

  7. Entfernt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Polemik. Danke. Die Redaktion/kvk

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  8. 8. [...]

    Der Kommentar, auf den Sie Bezug nehmen, wurde mittlerweile entfernt. Die Redaktion/au

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