Islamismus : Die Köpfe des radikalen Islam
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Der Terrorsponsor

Er wirft die Bomben nicht selbst. Er finanziert sie. Khalil al-Qutub (Name von der Redaktion geändert) sitzt in einem Café in Riad und hat zwischen zwei Gebeten etwas Zeit. Er trägt einen langen, ungeschnittenen Bart, aber kennt sich in westlicher Lebensart bestens aus. Bei einem Brownie und einem Becher amerikanischen Kaffees erklärt er in eloquentem Englisch, warum er die USA hasst: »Die Amerikaner schauen auf unsere arabische Kultur herab, sie attackieren unsere Traditionen.« Sie hätten muslimische Länder wie Afghanistan und den Irak besetzt. Dagegen leisteten die Muslime lediglich »Widerstand«, wie al-Qutub es nennt. Zutreffender nennt man es Terrorismus.

Khalil al-Qutub, ein Sohn wohlhabender saudischer Eltern, hat eine private Stiftung gegründet. Er bezahlt Boten dafür, dass sie Geld in Aktenkoffern aus Saudi-Arabien dorthin bringen, »wo es gebraucht wird« – also nach Somalia, Afghanistan, in den Irak. Dschihadisten kaufen davon Maschinengewehre, Sprengstoff, Panzerfäuste. Natürlich soll das keiner wissen, auch nicht die saudischen Behörden, die solche Aktivitäten seit 2003 bekämpfen, deshalb bleibt der wirkliche Name des Terrorsponsors ungenannt.

Doch warum finanziert ein Sohn aus gutem Hause bewaffnete Gewalt? Al-Qutub hat in den USA studiert und dort auch einen Doktortitel erworben. Seine Eltern bezahlten das amerikanische Studium, er lernte nebenbei den Hass auf Amerika. »Die US-Regierung ist direkt verantwortlich für das Leid im Mittleren Osten. Sie will uns ihr Verständnis von Demokratie aufzwingen, unser Erziehungssystem umkrempeln, die Religionspolizei in Saudi-Arabien abschaffen. Dagegen wehren wir uns.« Al-Qutub hat geschworen, auch seine Kinder zum Hass zu erziehen. Er gibt Geld, damit Amerikaner sterben, aber lebt selbst wie ein Amerikaner: Er fährt einen Geländewagen, hat ein Haus in der Vorstadt von Riad, besitzt drei Computer. Seine Frau ist kein Heimchen am Herd, sondern lehrt an der Universität. Allerdings ohne ihr Gesicht zu zeigen. »Ihre Ganzkörperverhüllung ist Ausdruck von Bescheidenheit«, sagt der Ehemann. »Das verstehe ich unter Modernität.

Khalil al-Qutub saß auch schon im Gefängnis. Die saudischen Justizbehörden sperrten den Studenten fünf Jahre ein wegen »Widerstand gegen staatliche Behörden und Bedrohung der Stabilität des Landes«. Al-Qutub behauptet, er habe nur der Religion zur Geltung verhelfen wollen. Die Religion, sagte er, müsse alle Lebensbereiche durchdringen, jeder habe sich daran zu halten, sie bestimme alles und vor allem ihn persönlich: sein Verhältnis zu seiner Frau, zur Gesellschaft, zum König. »Wir haben keine bloße Sonntagsreligion.« Deshalb höre er keine Musik und sehe keine Spielfilme, die den Islam doch nur verhöhnen würden.

»Gläubige Muslime werden vom Westen ausgegrenzt«, sagt Al-Qutub. »Wissen Sie, was wir wirklich denken? Wir wollen keine Sklaven des Westens sein. Wenn die Amerikaner kommen, um unser Leben zu ändern, töten wir sie im Dschihad

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Kommentare

44 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Zweifelhaft

Was Sie anführen, ist mir durchaus bewusst. Deshalb sprach ich bisher auch explizit vom politischem Christentum bzw. Islam. Es ist eindeutig, dass der von Mohammad gestiftete Urislam in seiner Konzeption politischer war als das Urchristentum. Aber sobald man der Ansicht ist, dass das Christentum bzw. christliche Konzeptionen der Gesellschaft mit politischen Mitteln aufoktroyiert werden sollen, verlässt man die Apolitik Christi und stellt sich auf eine Stufe mit Mohammad. Spätestens seit das Christentum Staatsreligion im römischen Reich wurde ist diese Differenzierung zwischen Islam und Christentum also praktisch obsolet.
Ob die Trennung von Staat/Gesellschaft und Religion im Evangelium begründet liegt, ist zweifelhaft - man könnte sich darauf einigen, dass die Trennung von Staat und Religion kompatibler mit dem Urchristentum ist als mit dem Urislam. Interessanterweise waren es aber gerade die calvinistischen und anabaptistischen "sola scriptura" Christen, die die ersten totalitär-religiösen Diktaturen der Welt etablierten.

@15 Standpunkt

"Jesus dagegen war politisch desinteressiert Die Trennung von Religion und Staat, wie sie sich im Zuge der Aufklärung durchgesetzt hat, liegt im Evangelium begründet.Um dies zu erkennen, genügt im Grunde ein Mindestmaß an religiöser Bildung.."

Was Jesus betrifft, mag das ja richtig sein. Jesus hätte sicherlich auch nicht gewollt, dass in seinem Namen Frauen als Hexen verbrannt wurden. Trotzdem kam es im Verlauf der christlichen Geschichte zu diesen Greultaten. Spätestens in Dreißigjährigen Krieg aber, hat sich die christliche Religion in ein politisches Macht- und Mordinstrument verwandelt.

Was Sie eben leider nicht einfach nur mit einem Verweis auf Jesus und das Evangelium ausblenden können, ist der Umstand, dass Reliogionen politische gebraucht und missbraucht wurden. Was die Religionsgründer ursprünglich einmal wollten, spielt bei den meisten Religionen später kaum noch eine Rolle.

Spannend finde ich vor allem die Frage, warum z.B. der real praktizierte und politisch genutzte Buddhismus oder Hinduismus so viel friedfertiger und toleranter erscheint als Christentum und Islam? Da würden mich wissenschaftliche Erklärungsversuche sehr interessieren.

Ihr Ernst?

"Aber solange in Europa immer noch christliche Parteien ihr Unwesen treiben dürfen und uns über substanzlose moralische Grundsätze indirekt ihren Glauben aufzwingen, sollten wir über Mursi und Konsorten nicht die Nase rümpfen."

Ich empfehle einen Abenteuerurlaub im Zentrum Kairos, damit Sie vielleicht nochmal ins Grübeln kommen, unter welchen "substanzlosen moralischen Grundsätzen" Sie denn lieber leben mögen.

Terroristen

"In Algerien griffen Terroristen ein Gasfeld an und töteten Ausländer. Diese Täter stehen dem Terrornetzwerk Al-Kaida nahe, das sich in den vergangenen Jahren in ganz Nordafrika ausgebreitet hat."

" Für Jeremy Keenan von der School of Oriental Studies der Universität London ist Algerien der denkbar ungeeignetste Partner. Bereits in seinem letzten Buch über Amerikas Krieg gegen Terror in Afrika aus dem Jahr 2007 erklärte er die algerische Regierung und die USA zu Mitverantwortlichen für die Entführungen von Europäern in der Sahara. Heute verfügt Jeremy Keenan, der auch als Vermittler bei AQIM-Geiselnahmen fungierte, über neue Informationen und ist mehr denn je davon überzeugt, dass die Terroristen mit dem algerischen Geheimdienst, dem Département du Renseignement et de la Sécurité (DRS) zusammenarbeiten." (Heise)