Unter den ägyptischen Muslimbrüdern gibt es auch ein paar Schwestern. Sie gehören nicht zur Parteispitze und sind an der Basis hoffnungslos in der Minderzahl. Aber wo sie sind, fallen sie auf. Azza al-Gharf wurde im Dezember 2011 zum ersten Mal ins ägyptische Parlament gewählt, als eine von zehn Frauen im 500-Sitze-Unterhaus. Die Zahl der Wählerinnen ist stark zurückgegangen bei der letzten Wahl. Eine Quote für Frauen scheiterte. Wie steht die Islamistin Al-Gharf dazu?

»Eine Quote ist etwas für Schwache«, sagt die 48-Jährige. »Aber wir sind nicht schwach!« Frauen hätten in Ägypten dieselben Probleme wie Männer. Lösungen müssten für alle gleichermaßen gelten. Gleichheit ist der Politikerin Azza al-Gharf wichtig. Sie betont, die Gleichberechtigung gelte auch für Christen und Andersgläubige. Doch genau darüber streiten Ägyptens Islamisten. Wie gleich sind die Christen? Dürfen sie unter einer neutralen Verfassung leben? Oder sind sie nur gleich unter dem islamischen Recht, wenn sie sich diesem unterwerfen? Al-Gharf will staatliche Neutralität, sie ist eine moderate Islamistin.

Das zeigt sich auch an einem zweiten Streitpunkt, der im Urlaubsland Ägypten heikel ist: der Bikinifrage. Radikale Islamisten fordern, dass sich Touristinnen an den heißen Stränden verhüllen müssen, dass Touristen abends an der Bar keinen Alkohol trinken dürfen. Al-Gharf sieht das anders. »Die Touristen kommen ja nicht her, um nackt und betrunken herumzulaufen. Sie wollen Urlaub machen!« Sie will die bestehenden liberalen Gesetze nicht ändern. Unklar ist noch, wie viele der regierenden Muslimbrüder ihre Meinung teilen.