Islamismus : Die Köpfe des radikalen Islam
Seite 4/7:

 Die Muslimschwester

Unter den ägyptischen Muslimbrüdern gibt es auch ein paar Schwestern. Sie gehören nicht zur Parteispitze und sind an der Basis hoffnungslos in der Minderzahl. Aber wo sie sind, fallen sie auf. Azza al-Gharf wurde im Dezember 2011 zum ersten Mal ins ägyptische Parlament gewählt, als eine von zehn Frauen im 500-Sitze-Unterhaus. Die Zahl der Wählerinnen ist stark zurückgegangen bei der letzten Wahl. Eine Quote für Frauen scheiterte. Wie steht die Islamistin Al-Gharf dazu?

»Eine Quote ist etwas für Schwache«, sagt die 48-Jährige. »Aber wir sind nicht schwach!« Frauen hätten in Ägypten dieselben Probleme wie Männer. Lösungen müssten für alle gleichermaßen gelten. Gleichheit ist der Politikerin Azza al-Gharf wichtig. Sie betont, die Gleichberechtigung gelte auch für Christen und Andersgläubige. Doch genau darüber streiten Ägyptens Islamisten. Wie gleich sind die Christen? Dürfen sie unter einer neutralen Verfassung leben? Oder sind sie nur gleich unter dem islamischen Recht, wenn sie sich diesem unterwerfen? Al-Gharf will staatliche Neutralität, sie ist eine moderate Islamistin.

Das zeigt sich auch an einem zweiten Streitpunkt, der im Urlaubsland Ägypten heikel ist: der Bikinifrage. Radikale Islamisten fordern, dass sich Touristinnen an den heißen Stränden verhüllen müssen, dass Touristen abends an der Bar keinen Alkohol trinken dürfen. Al-Gharf sieht das anders. »Die Touristen kommen ja nicht her, um nackt und betrunken herumzulaufen. Sie wollen Urlaub machen!« Sie will die bestehenden liberalen Gesetze nicht ändern. Unklar ist noch, wie viele der regierenden Muslimbrüder ihre Meinung teilen.

Verlagsangebot

Die Macht der Vorurteile

Vorurteile prägen unseren Alltag. Woher sie kommen. Wem sie nützen. Und warum man sie so schwer loswird. Jetzt in der neuen ZEIT.

Hier lesen

Kommentare

44 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Zweifelhaft

Was Sie anführen, ist mir durchaus bewusst. Deshalb sprach ich bisher auch explizit vom politischem Christentum bzw. Islam. Es ist eindeutig, dass der von Mohammad gestiftete Urislam in seiner Konzeption politischer war als das Urchristentum. Aber sobald man der Ansicht ist, dass das Christentum bzw. christliche Konzeptionen der Gesellschaft mit politischen Mitteln aufoktroyiert werden sollen, verlässt man die Apolitik Christi und stellt sich auf eine Stufe mit Mohammad. Spätestens seit das Christentum Staatsreligion im römischen Reich wurde ist diese Differenzierung zwischen Islam und Christentum also praktisch obsolet.
Ob die Trennung von Staat/Gesellschaft und Religion im Evangelium begründet liegt, ist zweifelhaft - man könnte sich darauf einigen, dass die Trennung von Staat und Religion kompatibler mit dem Urchristentum ist als mit dem Urislam. Interessanterweise waren es aber gerade die calvinistischen und anabaptistischen "sola scriptura" Christen, die die ersten totalitär-religiösen Diktaturen der Welt etablierten.

@15 Standpunkt

"Jesus dagegen war politisch desinteressiert Die Trennung von Religion und Staat, wie sie sich im Zuge der Aufklärung durchgesetzt hat, liegt im Evangelium begründet.Um dies zu erkennen, genügt im Grunde ein Mindestmaß an religiöser Bildung.."

Was Jesus betrifft, mag das ja richtig sein. Jesus hätte sicherlich auch nicht gewollt, dass in seinem Namen Frauen als Hexen verbrannt wurden. Trotzdem kam es im Verlauf der christlichen Geschichte zu diesen Greultaten. Spätestens in Dreißigjährigen Krieg aber, hat sich die christliche Religion in ein politisches Macht- und Mordinstrument verwandelt.

Was Sie eben leider nicht einfach nur mit einem Verweis auf Jesus und das Evangelium ausblenden können, ist der Umstand, dass Reliogionen politische gebraucht und missbraucht wurden. Was die Religionsgründer ursprünglich einmal wollten, spielt bei den meisten Religionen später kaum noch eine Rolle.

Spannend finde ich vor allem die Frage, warum z.B. der real praktizierte und politisch genutzte Buddhismus oder Hinduismus so viel friedfertiger und toleranter erscheint als Christentum und Islam? Da würden mich wissenschaftliche Erklärungsversuche sehr interessieren.

Ihr Ernst?

"Aber solange in Europa immer noch christliche Parteien ihr Unwesen treiben dürfen und uns über substanzlose moralische Grundsätze indirekt ihren Glauben aufzwingen, sollten wir über Mursi und Konsorten nicht die Nase rümpfen."

Ich empfehle einen Abenteuerurlaub im Zentrum Kairos, damit Sie vielleicht nochmal ins Grübeln kommen, unter welchen "substanzlosen moralischen Grundsätzen" Sie denn lieber leben mögen.

Terroristen

"In Algerien griffen Terroristen ein Gasfeld an und töteten Ausländer. Diese Täter stehen dem Terrornetzwerk Al-Kaida nahe, das sich in den vergangenen Jahren in ganz Nordafrika ausgebreitet hat."

" Für Jeremy Keenan von der School of Oriental Studies der Universität London ist Algerien der denkbar ungeeignetste Partner. Bereits in seinem letzten Buch über Amerikas Krieg gegen Terror in Afrika aus dem Jahr 2007 erklärte er die algerische Regierung und die USA zu Mitverantwortlichen für die Entführungen von Europäern in der Sahara. Heute verfügt Jeremy Keenan, der auch als Vermittler bei AQIM-Geiselnahmen fungierte, über neue Informationen und ist mehr denn je davon überzeugt, dass die Terroristen mit dem algerischen Geheimdienst, dem Département du Renseignement et de la Sécurité (DRS) zusammenarbeiten." (Heise)