Im vergangenen Jahr wollte der islamische Prediger Hasem Abu Ismail Präsident Ägyptens werden, und er hatte nach den Umfragen allerbeste Chancen. Doch seine Mutter besaß neben der ägyptischen auch die US-Staatsangehörigkeit. Das war gegen das Gesetz. Ägyptens oberste Richter disqualifizierten den charismatischen Mann kurz vor der Abstimmung. Jetzt will er bei der kommenden Wahl Parlamentsabgeordneter werden. Wie gefährlich ist Hasem Abu Ismail? Seine Vision des Zusammenlebens von Muslimen und Christen lautet: Nichtmuslime sollen die gleichen Rechte haben wie Muslime, aber auch die gleichen Pflichten.

»Der Islam verpflichtet alle, rein zu sein«, sagte Ismail. Das heißt, der Christ trinkt sein Bier gefälligst zu Hause. »Alkohol in Restaurants und Bars kann der Islam nicht akzeptieren.« Keine Freiheitsrechte also jenseits der islamischen Vorschriften. Und auch keine gleichen Rechte. Koptische Christen dürften nach Ismails Meinung im islamischen Ägypten keine hohen Staatsämter bekleiden. Christliche Frauen müssten Kopftuch tragen. »Der Islam will, dass alle Menschen das Konzept des Kopftuchs ehren, und schützt so die Frauen aller Konfessionen.« Und wenn manche Frauen diesen Schutz nicht wollen? »Auch Männer müssen geschützt werden. Wir wissen, dass im Westen Vergewaltigungen und Ehebruch geschehen, weil weibliche Schönheit überall ausgestellt wird«, behauptet Hasem Abu Ismail, der beinahe Präsident geworden wäre.