Essam El-Erian © Nasser Nuri/Reuters

Issam al-Erian saß unter dem Diktator Hosni Mubarak die meiste Zeit im Gefängnis. Der Arzt und Muslimbruder wurde erst durch die Revolution des Jahres 2011 frei, seine islamistischen Ideen zu verbreiten. Heute ist Issam al-Erian einer der vier wichtigsten Politiker in der Partei der Muslimbrüder und Vorsitzender der Schura, des parlamentarischen Oberhauses in Kairo. Dort prägt er die Außenpolitik und auch das Verhältnis zu Israel.

Ihn darüber zu befragen ist jedoch schwierig. Denn die Muslimbrüder sprechen ungern über Ägyptens diplomatische Beziehungen zu Israel. Sie sind mit dem Herzen dagegen und mit dem Kopf dafür. Und an der Regierung zählt der Kopf. »Wir brechen keine völkerrechtlichen Verträge«, sagt Al-Erian, »aber Palästina ist und bleibt arabisches Land.« Diplomatische Beziehungen zu Israel: ja, aber volle Akzeptanz des jüdischen Staats: nein. »Seine Gründung war ein Verbrechen des Westens.« Darf man also wie Hamas Israel mit Raketen terrorisieren? »Wir Muslimbrüder haben seit Langem jeder Art von Gewalt abgeschworen«, sagt Al-Erian. »Das unterscheidet uns von gewalttätigen Dschihadisten. Doch Widerstand in Palästina ist keine Gewalt, sondern Kampf für die Freiheit.« Gewaltsamer Widerstand ist in seinen Augen also keine Gewalt. Gilt das auch für Bomben gegen arabische Herrscher oder die Anschläge des 11. September? Auf keinen Fall, meint Al-Erian, Terrorangriffe seien ein Verbrechen.

Gewalt ist also nicht gleich Gewalt. Al-Erian behauptet, da sei ein großer Unterschied zwischen Dschihadisten und Muslimbrüdern. Die Muslimbrüder seien gegen Gewalt, nur im Falle Israels gelte eine Ausnahme. Trotzdem konnte, als Israel im vorigen November auf die Raketen von Hamas mit Bomben gegen Gaza reagierte, ausgerechnet der islamistische Präsident Mohammed Mursi eine friedliche Lösung herbeiführen. Ganz realpolitisch vermittelte er zwischen Amerika, Israel und Hamas. Und er hatte Erfolg. Heute herrscht ein Waffenstillstand. Al-Erian sagt: »Darauf sind wir stolz.«