IslamismusDie Köpfe des radikalen Islam
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Der Militante

So bürgerlich, wie viele Islamisten in Mali aufwuchsen, hätten sie auch irgendwann an einem langweiligen Schreibtisch in einer nordafrikanischen Behörde arbeiten können. Stattdessen schießen und morden sie als fanatische Dschihadisten in der Terrorgruppe Ansar Dine im Norden Malis. Ihre Karriere ähnelt der von radikalisierten Kindern bürgerlicher Eltern in Ägypten und Saudi-Arabien. Auch der Al-Kaida-Chef Aiman al-Sawahiri kam aus wohlhabender Familie. Leute wie er verfielen in der Jugend radikalen Predigern, später zogen sie in den »Heiligen Krieg« in Pakistan, Afghanistan, Irak und nun also auch in Mali. Die Terrorgruppe Ansar Dine sieht sich als »Verteidiger des Islams«, ist aber vor allem Zerstörer des Landes und seiner kulturellen Traditionen. Ihre Mitglieder töten nicht nur, sie sprengen auch Mausoleen und Denkmäler, weil der Islam angeblich keine Bilder dulde, nie und nirgendwo.

Diese ins Absurde radikalisierte Interpretation des Korans hat sich von ihren historischen Ursprüngen in Ägypten und Saudi-Arabien weit entfernt. Fundamentalistischer Islam – das war vor achtzig Jahren eine soziale Bewegung, die die Rückkehr zu den Fundamenten des Islams suchte. Die Ideologie des Dschihadismus heute ist meist sehr individuell, eine moderne Erfindung extremistischer Prediger, die man genauso gut bei den Internetscheichs als Video herunterladen kann. Al-Sawahiri ist heute so ein Scheich. Er fordert einen Gottesstaat, der keine Christen und Juden duldet. Alkoholverbot. Musikverbot. Vollkommene Verhüllung der Frauen. Todesstrafe für Diebe. Das Kalifat für alle und den globalen Heiligen Krieg gegen die Christen, bis die ganze Welt in Flammen steht. Das alles steht nicht im Koran, aber es brodelt umso heftiger im Hirn des typischen Dschihadisten. Dafür stirbt er freiwillig, weil dem Märtyrer ein Platz im Paradies gewiss ist.

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Was kriegerische Dschihadisten und politische Islamisten teilen, ist die Ablehnung westlicher Werte. Was sie trennt, ist ihr Verhältnis zur Gewalt. Die Islamisten in den Regierungen Tunesiens und Ägyptens bestehen auf dem Gewaltmonopol des Staates. Wenn sich der religiöse Terror aber ausweitet, wie zuletzt in Mali, könnten irgendwann Dschihadisten gegen gewählte islamistische Regierungen kämpfen.

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Leserkommentare
  1. "Und wenn manche Frauen diesen Schutz nicht wollen? Auch Männer müssen geschützt werden. Wir wissen, dass im Westen Vergewaltigungen und Ehebruch geschehen, weil weibliche Schönheit überall ausgestellt wird"

    Klingt wie von einem anderen Stern.

    4 Leserempfehlungen
  2. Wenn Amis wollten, gäbe es bis zum Nachmittag keine sunnitischen Terroristen mehr.
    Man nehme den Saudis das, was sie am meisten lieben. Das Geld. Schon ist die Sache mit den Islamisten erledigt.

    Man will aber nicht. Statt dessen müssen wir jeden Tag propagandistische Artikel lesen.

    13 Leserempfehlungen
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    Die Saudis sind nicht der einzige Geldgeber, aber Sie haben schon Recht, es liegt nicht im Interesse der USA, das Terrorismusproblem zu lösen. Die 574.000.000.000 Dollar (Wiki), die dort jährlich für Rüstung ausgegeben werden, müssen auch irgendwie begründet werden.

  3. Danke für diesen interessanten Überblick, der eindeutig zeigt wie heterogen der Islamismus bzw. der politische Islam in Wirklichkeit ist. Der Islamismus ist in der Tat vor allem eines – die Ansicht, dass aus der Autorität einer imaginären Gottheit absolute moralische Regeln für das gesellschaftliche Zusammenleben abzuleiten sind. Diese Ansicht ist nichts spezifisch muslimisches, nicht mal etwas spezifisches abrahamitisches – und sie ist weiterhin auch in Europa stark verbreitet. Rechtfertigt dieser Umstand den Islamismus in irgendeiner Form? Keineswegs! Ist die Ansicht, dass religiöse Regeln gesellschaftspolitisch imperativ sind, bekämpfenswert? Ohne Zweifel! Aber solange in Europa immer noch christliche Parteien ihr Unwesen treiben dürfen und uns über substanzlose moralische Grundsätze indirekt ihren Glauben aufzwingen, sollten wir über Mursi und Konsorten nicht die Nase rümpfen.

    14 Leserempfehlungen
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    • bayert
    • 01. Februar 2013 12:41 Uhr

    die christlichen Parteien (zumindest in Deutschland) bekennen sich zu den Menschenrechten. In islamischen Staaten werden tw. Homosexuelle hingerichtet. Daher können wir sehr wohl die Nase rümpfen.

    Die monotheistischen Religionen haben aber ganz entschieden die Toleranz gegenüber anderen Göttern und deren Anhänger reduziert. Es ist ja nicht so, dass sich das Christentum nicht bereits auch ziemlich exzessive Anfeindungen gegenüber anderen Religionsangehörigen geleistet hätte. Ich sehe den seit dem Kampf gegen den Terror aufflammenden Anti-Islamismus genau in dieser Tradition. Mehr, der Krieg gegen den Terror baute und baut auf dem Misstrauen Monotheistischer, hier zufällig die Christen, gegenüber anderen Religionen.

    Die luxuriöse Hochnäsigkeit gegenüber den Islamisten können wir uns heute nur leisten, weil wir in einer kulturell-wirtschaftlichen Besserposition sind. Diese Position haben wir in erster Linie der Aufklärung zu verdanken, die den Menschenrechte an die Stelle der religiösen Maßstäbe half. Im Mittelalter war das zivilisatorische Verhältnis Christen-Muslime gerade andersrum. Damals waren die Araber die Gelehrten und die Christen in Europa die engstirnig Verblendeten, die im religiösen Sumpf festsaßen. Die Religionen waren immer die gleichen.

    "Aber solange in Europa immer noch christliche Parteien ihr Unwesen treiben dürfen und uns über substanzlose moralische Grundsätze indirekt ihren Glauben aufzwingen, sollten wir über Mursi und Konsorten nicht die Nase rümpfen."

    Ich empfehle einen Abenteuerurlaub im Zentrum Kairos, damit Sie vielleicht nochmal ins Grübeln kommen, unter welchen "substanzlosen moralischen Grundsätzen" Sie denn lieber leben mögen.

  4. "In Algerien griffen Terroristen ein Gasfeld an und töteten Ausländer. Diese Täter stehen dem Terrornetzwerk Al-Kaida nahe, das sich in den vergangenen Jahren in ganz Nordafrika ausgebreitet hat."

    " Für Jeremy Keenan von der School of Oriental Studies der Universität London ist Algerien der denkbar ungeeignetste Partner. Bereits in seinem letzten Buch über Amerikas Krieg gegen Terror in Afrika aus dem Jahr 2007 erklärte er die algerische Regierung und die USA zu Mitverantwortlichen für die Entführungen von Europäern in der Sahara. Heute verfügt Jeremy Keenan, der auch als Vermittler bei AQIM-Geiselnahmen fungierte, über neue Informationen und ist mehr denn je davon überzeugt, dass die Terroristen mit dem algerischen Geheimdienst, dem Département du Renseignement et de la Sécurité (DRS) zusammenarbeiten." (Heise)

  5. "Much publicity has recently been given by Western intelligence services and the media to the assumed link between trans-Saharan trafficking of cocaine, flown into Sahel states, especially Mali, from South America, and AQIS. While a complex network does exist between the drugs traffickers and AQIS, Western intelligence services have failed to point out in their briefings, reports and 'leaks' to the media that the leaders of both AQIS and the drug trafficking operations are either agents of or closely linked to the highest levels of state security in the countries concerned, namely Algeria's DRS and Mali's state security. American, British and other Western intelligence services are all aware of the way in which the DRS has effectively constructed the AQIM/AQIS in the Sahara-Sahel, but have failed to take action against it. This is because AQIS, far from being a threat to the West, is more of an adjunct to the West's overall strategies in the region. It provides the US with further justification for AFRICOM while providing European powers, notably France whose nuclear industry is powered by the Sahel's uranium, with the justification to intervene militarily in the resource-rich corridor of the Sahel. And, of course, the 'threat' of al-Qaeda so close to Europe, provides European countries, such as the UK, Spain, Germany, Italy and the Netherlands, with justification for their immigration, security and 'counter-terrorism' policies." Al Jazeera

  6. Welche westlichen Werte sind gemeint ? Das Führen von Kriegen aus wirtschaftlichen/geostrategischen Interessen? Folter,Verschleppung,Geheimgefängnisse,Schattenkriege,gezielteTötungen,Militärtribunale ?

    Die Ursachen für das Gedeihen des islamischen Fundamentalismus blendet dieser Artikel leider aus.Die finanzielle Unterstützung vieler Dschihadisten durch westliche Geheimdienste bzw. ihre despotischen Partner in Saudi Arabien bleibt unerwähnt.Stattdessen stimmen uns die Medien auf eine erweiterte Kriegsbeteiligung in Afrika ein,da unsere Sicherheit mal wieder bedroht ist von wahlweise Islamisten,Dschihadisten,Terroristen,Rebellen...

    “Ich bin überzeugt, dass es eine direkte Verbindung zwischen zumindest einigen der Terroristen, die die Anschläge vom 11. September verübten und der Regierung von Saudi-Arabien gab”, sagte der ehemalige Senator Bob Graham, ein Demokrat aus Florida, in einer eidesstattlichen Erklärung, als Teil einer von den Familien der Opfer 11. September und Anderen eingereichten Klage gegen die saudische Regierung und Dutzende von Institutionen des Landes. Graham leitete 2002 eine Kongressuntersuchung der Anschläge vom 11.September.(New York Times)

    So this new, brewing mega-Afghanistan in Africa will be good for French neoloconial interests good for AFRICOM; a boost for those Jihadis Formerly Known as NATO Rebels; and certainly good for the never-ending Global War on Terror (GWOT), duly renamed "kinetic military operations". Pepe Escobar

    5 Leserempfehlungen
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    Sie - und in meinen Augen auch die Quelle die Sie zitieren - verdrehen hier aber einige Tatsachen. Es waren die Malis und die malischen Regierungsvertreter - ja selbst die Tuareg, die sich ursprünglich mithilfe der Islamisten mehr Einfluss erhofften, die Frankreich und Europa um Hilfe baten.

    Es waren nicht die Franzosen, die einfach so einspaziert sind, um wirtschaftsinteressen durchzusetzen - auch wenn sie sicherlich wirtschaftliche Interessen in Mali haben. Das allein rechtfertigt aber noch keine Verschwörungstheorien, wie Sie sie hier aufstellen oder widergeben.

    Man kann jeder Volkswirtschaft grundsätzlich vorwerfen, sie würde Wirtschaftskriege führen und ich bin sicher auch kein Freund des Neokapitalismus und erst recht nicht der Atomwirtschaft.

    Aber zur Realität gehört auch, dass die Mehrzahl der Malis einschließlich der gemäßigten Muslime eine Gewaltherrschaft der radikalen Islamisten ablehnen. Andernfalls könnten sich die Franzosen wohl kaum im Land so offen bewegen wie sie das tun.

    Haben Sie die Quellen überhaupt gelesen ?

    Sie beziehen sich lediglich auf die geheimdienstliche/staatliche Unterstützung des islamischen Fundamentalismus und nicht auf den Beginn der kriegerischen Intervention der Franzosen in Mali.

    Ja, ich habe ihre Quellen gelesen. Allerdings liegt Mali in der Sahelzone, besitzt die bei Ihnen erwähnten Uranrohstoffe und Frankreich ist involviert. Daher denke ich, dass ihre Quellen sehr wohl den Konflikt in Mali einschließen.

    Sie schreiben dann "Der Westen" mit seinen Geheimdiensten sponsort Terroristen, die er laut ihren Quellen wiederum als Vorwand benutzt, um geostrategische Interessen durchzusetzen. Mir erscheint das sehr einseitig und es erschließt sich mir nicht, weshalb der Westen oder Frankreich, das mit Mali bereits vor dem Einfall der Islamisten Beziehungen unterhielt, Terroristen sponsorn sollte, um die dann aus Mali wieder zu vertreiben.

    Viel realistischer erscheint mir das Szenario, dass in Mali seit dem Umsturz in Lybien und im Schatten der arabischen Revolutionen und des syrischen Konflikts um das Uran gekämpft wird, was der Iran sicher gern für die eigenen nuklearen Ambitionen unter seiner Kontrolle hätte.

    Während Frankreich die Zivilbevölkerung aber weitestgehend verschont, zielen die Islamisten vor allem auf den Machterhalt durch Unterdrückung der Zivilbevölkerung ab und rechtfertigen das mit ihrer Religion, die in Wahrheit nur zur Durchsetzung politischer Interessen dient - also zu dem was man dem Westen vorhält.

    Angesichts der Reaktionen der Malis, sieht es für mich jedenfalls so aus, dass Frankreich in der Lage ist, seine wirtschaftlichen Interessen eher im Sinne der malischen Bevölkerung auszuhandeln.

    "Die Ursachen für das Gedeihen des islamischen Fundamentalismus blendet dieser Artikel leider aus."

    Warum muß auf einer Seite der Print-ZEIT, auf der im Wechsel unter der Überschrift "Glauben und Zweifeln" Artikel von und über Menschen zu genau diesem Thema stehen, nun die gesamte Welt erklärt werden!?

    Die Überschrift lautet: "Die Köpfe des radikalen Islam" und genau von diesen werden 6 portraitiert, von einem Redakteur, Michael Thumann, der - im Gegensatz zu Ihnen, vermute ich - Gelegenheit hatte, diese zu treffen und mit ihnen zu sprechen.
    Das scheint Sie aber überhaupt nicht zu interessieren.

  7. Entfernt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Polemik. Danke. Die Redaktion/kvk

    2 Leserempfehlungen
  8. 8. [...]

    Der Kommentar, auf den Sie Bezug nehmen, wurde mittlerweile entfernt. Die Redaktion/au

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