IslamismusDie Köpfe des radikalen Islam

Mali ist nur einer der Brennpunkte auf der Weltkarte des neuen religiösen Fanatismus im Namen Allahs. Was eint und was unterscheidet die Vordenker des Islamismus? Eine Typologie von 

Ein Islamist kann vieles sein: Bombenwerfer oder Suppenkoch, Terrorsponsor oder Hausarzt, Abgeordneter oder Selbstmordattentäter. Für gewalttätige ebenso wie für politische Überzeugungstäter im Namen des Islams kennen wir nur ein einziges Wort – Islamisten. Das wirkt heute, 84 Jahre nach der Gründung der Muslimbruderschaft im ägyptischen Ismailia, jedoch überholt. Die Brüder waren die Urzelle aller islamistischen Bewegungen. Heute haben sie sich aufgefächert wie die Sozialisten zu Zeiten des Klassenkampfes. Wie einst Sozialisten, so werden auch Islamisten eingesperrt und verfolgt. Ihr Weltbild festigt sich oft erst im Gefängnis. Manche werden zu Politikern, andere aber auch zu Terroristen.

In Mali haben jetzt dschihadistische Gruppen weite Teile des Landes unter ihre Kontrolle gebracht. In Algerien griffen Terroristen ein Gasfeld an und töteten Ausländer. Diese Täter stehen dem Terrornetzwerk Al-Kaida nahe, das sich in den vergangenen Jahren in ganz Nordafrika ausgebreitet hat. Die Gruppen werden nicht zentral gelenkt, sondern handeln oft auf eigene Faust und passen sich ihrem politisch-kulturellen Umfeld an. Momentan sind Mali, Algerien, Tunesien, Libyen, Mauretanien und Marokko besonders bedroht.

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Militante Islamisten sind nicht zu verwechseln mit islamistischen Politikern, die gewaltfrei in Wahlen an die Macht gekommen sind. Der ägyptische Präsident Mursi, der in der kommenden Woche Berlin besucht, ist zunächst einmal ein bloßer Vertreter des politischen Islams. Es waren die arabischen Aufstände, es war eine Revolution, die seine Wahl erst ermöglicht hat.

Was ist ein Islamist? Der Islamist setzt seine Religion absolut und behauptet die Wahrheit seines Glaubens auch in der Sphäre der Politik. Wie der »wahre« Glaube aber von seinen fundamentalistischen Vertretern verteidigt wird, das ist höchst unterschiedlich. Islamismus gibt es nur im Plural. Wir stellen einige typische Vertreter vor.

Leserkommentare
    • bayert
    • 01. Februar 2013 12:41 Uhr

    die christlichen Parteien (zumindest in Deutschland) bekennen sich zu den Menschenrechten. In islamischen Staaten werden tw. Homosexuelle hingerichtet. Daher können wir sehr wohl die Nase rümpfen.

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    Antwort auf "Religion und Politik."
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    Ich sehe keinerlei Evidenz - sowohl historisch als auch theologisch [die überaus liberale Botschaft Christi hin oder her] -, dass die Verquickung von Politik und Islam ein grundsätzlich mehr oder weniger totalitäres System induziert als die Verquickung von Politik mit Christen- oder Judentum. Der Totalitarismus ist dem politischen Arm der abrahamtischen Religionen (und nicht nur dem!) von jeher immanent. Dass in Deutschland im Namen der Religion keine Sodomisten mehr hingerichtet und gefoltert werden, ist nicht das Resultat eines per se weniger totalitären Christentums, sonder des aus der Aufklärung resultierenden politischen Liberalismus und Individualismus. Wir haben dem religiösen Wolf in den letzten 200 Jahren durch konsequenten liberalen Säkularismus die Beine gebrochen. Das politische Christentum in Deutschland ist keine Gefahr mehr, weil wir es verkrüppelt haben. Und das gleiche muss mit dem politischen Islam geschehen.

    Und kommen Sie nun bitte nicht mit Stalin oder Mao. Es steht ausser Zweifel, dass die Verquickung von Politik mit Religion nicht die einzige Quelle des Totalitarismus' auf der Welt ist.

    Diese "killt die Homos"-Spinner gibt's nicht nur bei Islamisten.
    http://www.focus.de/kultu...
    Die Vorgänge liegen nur wenige Jahrzehnte zurück.

    Wer sich die Plakate bei den Anti-Obama-Demos in Amerika angesehen hat, muss erkennen, dass dieses Menschenhasserpotential, das sich mal auf Schwule konzentriert, mal auf Schwarze, mal auf alles, was anders aussieht oder andere Ideale hat, überall lauert. Mal mehr mal weniger im Verborgenen.

    "Uganda droht Schwulen und Lesben mit der Todesstrafe. Die Spuren des Skandals führen bis nach Washington – und bringen dort religiöse Netzwerke und hochrangige US-Politiker in Erklärungsnot."

    http://www.zeit.de/politi...

  1. Die monotheistischen Religionen haben aber ganz entschieden die Toleranz gegenüber anderen Göttern und deren Anhänger reduziert. Es ist ja nicht so, dass sich das Christentum nicht bereits auch ziemlich exzessive Anfeindungen gegenüber anderen Religionsangehörigen geleistet hätte. Ich sehe den seit dem Kampf gegen den Terror aufflammenden Anti-Islamismus genau in dieser Tradition. Mehr, der Krieg gegen den Terror baute und baut auf dem Misstrauen Monotheistischer, hier zufällig die Christen, gegenüber anderen Religionen.

    Die luxuriöse Hochnäsigkeit gegenüber den Islamisten können wir uns heute nur leisten, weil wir in einer kulturell-wirtschaftlichen Besserposition sind. Diese Position haben wir in erster Linie der Aufklärung zu verdanken, die den Menschenrechte an die Stelle der religiösen Maßstäbe half. Im Mittelalter war das zivilisatorische Verhältnis Christen-Muslime gerade andersrum. Damals waren die Araber die Gelehrten und die Christen in Europa die engstirnig Verblendeten, die im religiösen Sumpf festsaßen. Die Religionen waren immer die gleichen.

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    Antwort auf "Religion und Politik."
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    Danke für diesen Beitrag. Ich gebe Ihnen insofern recht, als dass ich mit Ihnen übereinstimme, dass die abrahamitische Religionen aufgrund ihrer monotheistischen Ausrichtung grundsätzlich eine größere Tendenz zur Gewalt, zur Intoleranz und zum Totalitarismus haben (denn was ist das Konzept eines allmächtigen, allwissenden, strafenden Gottes mehr als theologisierter Totalitarismus). Polytheistische Systeme sind in den meisten Fällen zweifellos empfänglicher und durchlässiger für andere Glaubenskonzepte. Wobei religiös-motivierte Gewalt auch in polytheistischen System möglich ist - siehe z.B. den Hindunationalismus in Indien. Dass die meiste religiöse Gewalt grundsätzlich eine politische Seite und Motivation hat, ist dabei eine absolute Binsenweisheit - durch das Einbringen des Glaubens in den politischen Diskurs bekommt jede politische Frage eine religiöse Dimension and vice versa.

    der aufflammende Anti-Islamismus ist keineswegs nur Ausdruck eines billigen Misstrauens des Christenstums gegenüber anderen Religionen.

    Ein wesentlicher Anteil des Protests dürfte eher von aufgeklärten, für die Menschenrechte eintretenden Agnostikern und Atheisten kommen. Ich weiß, dass diese in der Diskussion oft übergangen werden, weil sie nicht das dreiste Auftreten vieler Religiösen haben.

    Mir dreht sich zum Beispiel bei dem Gedanken der Magen um, die Uhr um 500 Jahre zurückzudrehen, und all die in harten Kämpfen erreichten Errungenschaften wie Demokratie, Emanzipation, Rechte von Homosexuellen, ohne Widerstand aufzugeben.
    Wahrscheinlich mehr als einem konservativen Katholiken, dessen Weltbild da ja eher Überschneidungen mit dem Islam aufweist.

    Und was die Bildung der Araber im Mittelalter angeht: Ja, dieses Pferdchen wird immer geritten, um die Gleichwertigkeit der Kulturen zu belegen, wahrscheinlich noch in 5000 Jahren.
    Um präzise zu sein, sollte man aber hinzufügen, dass diese Hochzeit erheblich kürzer andauerte als das Mittelalter, und ein Großteil der Gelehrten zwangsarabisierte Perser waren.

  2. Diese "killt die Homos"-Spinner gibt's nicht nur bei Islamisten.
    http://www.focus.de/kultu...
    Die Vorgänge liegen nur wenige Jahrzehnte zurück.

    Wer sich die Plakate bei den Anti-Obama-Demos in Amerika angesehen hat, muss erkennen, dass dieses Menschenhasserpotential, das sich mal auf Schwule konzentriert, mal auf Schwarze, mal auf alles, was anders aussieht oder andere Ideale hat, überall lauert. Mal mehr mal weniger im Verborgenen.

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  3. "Uganda droht Schwulen und Lesben mit der Todesstrafe. Die Spuren des Skandals führen bis nach Washington – und bringen dort religiöse Netzwerke und hochrangige US-Politiker in Erklärungsnot."

    http://www.zeit.de/politi...

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  4. Ich bitte Sie eindringlich, hier nicht alle monotheistischen Religionen über einen Kamm zu scheren. Zwischen Christentum und Islam gibt es mindestens einen GEWALTIGEN Unterschied:

    - Der Islam war von Beginn an politisch und strebt eine Verbindung von Religion und Politik an. Mohammed selbst, der ja nicht nur Religionsstifter (wie ich dies an anderer Stelle schon erwähnt habe), sondern auch Politiker und Militärführer war, ist hierfür der beste Beweis.
    Der Islam streb ein Gesellschaftsmodell an, das von den Werten des Korans durchdrungen ist (und zu seiner zeit durchaus fortschrittlich war).

    - Jesus dagegen war politisch desinteressiert (weshalb ihn die Juden auch nicht als "Messias" anerkennen konnten): Gebt dem Kaiser was des Kaisers und Gott was Gottes. Die Trennung von Religion und Staat, wie sie sich im Zuge der Aufklärung durchgesetzt hat, liegt im Evangelium begründet.

    Um dies zu erkennen, genügt im Grunde ein Mindestmaß an religiöser Bildung..

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    Antwort auf "Totalitarismus "
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    Was Sie anführen, ist mir durchaus bewusst. Deshalb sprach ich bisher auch explizit vom politischem Christentum bzw. Islam. Es ist eindeutig, dass der von Mohammad gestiftete Urislam in seiner Konzeption politischer war als das Urchristentum. Aber sobald man der Ansicht ist, dass das Christentum bzw. christliche Konzeptionen der Gesellschaft mit politischen Mitteln aufoktroyiert werden sollen, verlässt man die Apolitik Christi und stellt sich auf eine Stufe mit Mohammad. Spätestens seit das Christentum Staatsreligion im römischen Reich wurde ist diese Differenzierung zwischen Islam und Christentum also praktisch obsolet.
    Ob die Trennung von Staat/Gesellschaft und Religion im Evangelium begründet liegt, ist zweifelhaft - man könnte sich darauf einigen, dass die Trennung von Staat und Religion kompatibler mit dem Urchristentum ist als mit dem Urislam. Interessanterweise waren es aber gerade die calvinistischen und anabaptistischen "sola scriptura" Christen, die die ersten totalitär-religiösen Diktaturen der Welt etablierten.

    "Jesus dagegen war politisch desinteressiert Die Trennung von Religion und Staat, wie sie sich im Zuge der Aufklärung durchgesetzt hat, liegt im Evangelium begründet.Um dies zu erkennen, genügt im Grunde ein Mindestmaß an religiöser Bildung.."

    Was Jesus betrifft, mag das ja richtig sein. Jesus hätte sicherlich auch nicht gewollt, dass in seinem Namen Frauen als Hexen verbrannt wurden. Trotzdem kam es im Verlauf der christlichen Geschichte zu diesen Greultaten. Spätestens in Dreißigjährigen Krieg aber, hat sich die christliche Religion in ein politisches Macht- und Mordinstrument verwandelt.

    Was Sie eben leider nicht einfach nur mit einem Verweis auf Jesus und das Evangelium ausblenden können, ist der Umstand, dass Reliogionen politische gebraucht und missbraucht wurden. Was die Religionsgründer ursprünglich einmal wollten, spielt bei den meisten Religionen später kaum noch eine Rolle.

    Spannend finde ich vor allem die Frage, warum z.B. der real praktizierte und politisch genutzte Buddhismus oder Hinduismus so viel friedfertiger und toleranter erscheint als Christentum und Islam? Da würden mich wissenschaftliche Erklärungsversuche sehr interessieren.

    • Herr-M
    • 01. Februar 2013 13:20 Uhr

    "Der ägyptische Präsident Mursi, der in der kommenden Woche Berlin besucht..."

    ähem..ist er nicht schon diese Woche da (gewesen)?
    Artikel ist ja von heute...

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  • Schlagworte Islamismus | Muslimbruderschaft | Islam
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