China muss verschnaufen

Das trifft vor allem diejenigen hart, die es mit Material und Maschinen beliefern

Zuletzt gab es ein paar gute Konjunkturnachrichten aus China: Im dritten Quartal 2012 legte die Wirtschaft bloß um 7,4 Prozent zu, im vierten aber waren es schon wieder 7,9 Prozent. Die schlechte Nachricht ist: An frühere chinesische Wachstumsraten von 10 oder 11 Prozent knüpft das bei Weitem nicht an, und es bleibt wohl auch so. Die Lage ist nicht mal richtig stabil. Es gibt Spekulationsblasen, Finanzprobleme und Zeichen wirtschaftlicher Überhitzung, seit nicht mehr so viele Wanderarbeiter in die Städte ziehen. Einige Beobachter fürchten gar einen Crash. Vor allem Ländern, die stark vom Export nach China profitieren, bereitet das Kopfzerbrechen: Brasilien etwa, dessen Volkswirtschaft durch Erz- und Nahrungsmittellieferungen nach China neu erblüht ist. Australien, dessen Minen im Hochbetrieb laufen. Und Deutschland, das Maschinen, Autos und erlesene Konsumprodukte nach Osten verschifft.

Die USA bleiben zerstritten

Das Land ist kein stabiler Motor der Weltkonjunktur. Nicht mal beim Sparen können sich die Parteien einigen

Zum Jahresbeginn sah es so aus, als gäbe es in den USA etwas zu feiern: Ein drakonisches Spar- und Steuerprogramm (fiscal cliff) konnte in letzter Minute durch die zerstrittenen Demokraten und Republikaner abgewendet werden. Hart gespart wird in den USA jetzt trotzdem, und die richtig schweren Entscheidungen zur künftigen Staatsverschuldung wurden bloß auf Ende März verschoben. Dann geht der Krach also von Neuem los. Kein Wunder, dass die Unsicherheit der Verbraucher (die wenig einkaufen) und der Unternehmer (die wenig investieren) einen neuen Höhepunkt erreicht hat. Das hat Folgen. Der amerikanische Immobilienmarkt, mit dessen Zusammenbruch die Weltwirtschaftskrise begann und an dem bis heute Finanzhäuser im In- und Ausland beteiligt sind, kommt immer noch nicht in Schwung. Exportländer wie China müssen weiterhin auf die früher so euphorischen US-Konsumenten verzichten. Und auch hier ist Deutschland betroffen: Für hiesige Exporteure sind die USA der zweitwichtigste Markt.

Europa spart und leidet

Der Kollaps einzelner Länder lässt sich vermeiden, aber für einen neuen Boom fehlt noch die Grundlage

Der Angriff der Finanzmärkte auf Griechenland, Spanien, Italien und Co. ist erst mal abgeflaut. Im Augenblick müssen staatliche Institutionen und Unternehmen aus diesen Ländern nicht von Monat zu Monat höhere Risikoprämien zahlen, wenn sie sich neues Geld leihen. Das liegt aber nicht so sehr an der Entschlossenheit ihrer Politiker: Ob deren Sparpläne auf Dauer aufgehen und ob danach auch große Strukturreformen folgen, daran kann man zweifeln. Doch die Rettungsschirme der anderen Länder und vor allem die Rettungsversprechen der Europäischen Zentralbank (EZB) haben allen eine Verschnaufpause beschert. Bis auf Irland, das sich klar auf dem Weg der Besserung befindet, stecken die Krisenländer aber nach wie vor in Rezessionen. Die hohe Arbeitslosigkeit und die teilweise besonders hohe Jugendarbeitslosigkeit könnten auch dauerhaft dazu führen, dass sich eine Wachstumsschwäche festsetzt. Und wie schlimm ist die schwache Nachfrage aus dem Euro-Raum für deutsche Exporteure? Deutschlands Ausfuhren in andere europäische Länder machen je nach Berechnung bis zu 69 Prozent aus.

Und Deutschland...

...wird lange kein kräftiges Wirtschaftswachstum mehr erleben

Bisher konnte man den Eindruck haben, dass die ganze Welt eine Krise erlebt – außer Deutschland. Das hat hierzulande auch die Neigung verstärkt, anderen Ratschläge zu erteilen: Deutschland war wettbewerbsfähig und andere nicht, also sollte die Welt es den Deutschen nachtun – so die Logik. Jetzt wird das anders. Im aktuellen Jahreswirtschaftsbericht der Bundesregierung ist für 2012 bloß noch von 0,7 Prozent Wachstum die Rede, und im laufenden Jahr soll es noch weniger werden. Die hierzulande gefertigten Produkte treffen auf eine Welt mit weniger Wachstum und weniger Kaufkraft. Für die nähere Zukunft und vielleicht sogar auf lange Sicht müssen sich die Deutschen also etwas einfallen lassen.