WeltwirtschaftDaran hängt die Konjunktur

Die größten Gefahrenherde des Jahres 2013 im Überblick von  und Stephanie Lichtenberg

China muss verschnaufen

Das trifft vor allem diejenigen hart, die es mit Material und Maschinen beliefern

Zuletzt gab es ein paar gute Konjunkturnachrichten aus China: Im dritten Quartal 2012 legte die Wirtschaft bloß um 7,4 Prozent zu, im vierten aber waren es schon wieder 7,9 Prozent. Die schlechte Nachricht ist: An frühere chinesische Wachstumsraten von 10 oder 11 Prozent knüpft das bei Weitem nicht an, und es bleibt wohl auch so. Die Lage ist nicht mal richtig stabil. Es gibt Spekulationsblasen, Finanzprobleme und Zeichen wirtschaftlicher Überhitzung, seit nicht mehr so viele Wanderarbeiter in die Städte ziehen. Einige Beobachter fürchten gar einen Crash. Vor allem Ländern, die stark vom Export nach China profitieren, bereitet das Kopfzerbrechen: Brasilien etwa, dessen Volkswirtschaft durch Erz- und Nahrungsmittellieferungen nach China neu erblüht ist. Australien, dessen Minen im Hochbetrieb laufen. Und Deutschland, das Maschinen, Autos und erlesene Konsumprodukte nach Osten verschifft.

Anzeige

Die USA bleiben zerstritten

Das Land ist kein stabiler Motor der Weltkonjunktur. Nicht mal beim Sparen können sich die Parteien einigen

Zum Jahresbeginn sah es so aus, als gäbe es in den USA etwas zu feiern: Ein drakonisches Spar- und Steuerprogramm (fiscal cliff) konnte in letzter Minute durch die zerstrittenen Demokraten und Republikaner abgewendet werden. Hart gespart wird in den USA jetzt trotzdem, und die richtig schweren Entscheidungen zur künftigen Staatsverschuldung wurden bloß auf Ende März verschoben. Dann geht der Krach also von Neuem los. Kein Wunder, dass die Unsicherheit der Verbraucher (die wenig einkaufen) und der Unternehmer (die wenig investieren) einen neuen Höhepunkt erreicht hat. Das hat Folgen. Der amerikanische Immobilienmarkt, mit dessen Zusammenbruch die Weltwirtschaftskrise begann und an dem bis heute Finanzhäuser im In- und Ausland beteiligt sind, kommt immer noch nicht in Schwung. Exportländer wie China müssen weiterhin auf die früher so euphorischen US-Konsumenten verzichten. Und auch hier ist Deutschland betroffen: Für hiesige Exporteure sind die USA der zweitwichtigste Markt.

Europa spart und leidet

Der Kollaps einzelner Länder lässt sich vermeiden, aber für einen neuen Boom fehlt noch die Grundlage

Der Angriff der Finanzmärkte auf Griechenland, Spanien, Italien und Co. ist erst mal abgeflaut. Im Augenblick müssen staatliche Institutionen und Unternehmen aus diesen Ländern nicht von Monat zu Monat höhere Risikoprämien zahlen, wenn sie sich neues Geld leihen. Das liegt aber nicht so sehr an der Entschlossenheit ihrer Politiker: Ob deren Sparpläne auf Dauer aufgehen und ob danach auch große Strukturreformen folgen, daran kann man zweifeln. Doch die Rettungsschirme der anderen Länder und vor allem die Rettungsversprechen der Europäischen Zentralbank (EZB) haben allen eine Verschnaufpause beschert. Bis auf Irland, das sich klar auf dem Weg der Besserung befindet, stecken die Krisenländer aber nach wie vor in Rezessionen. Die hohe Arbeitslosigkeit und die teilweise besonders hohe Jugendarbeitslosigkeit könnten auch dauerhaft dazu führen, dass sich eine Wachstumsschwäche festsetzt. Und wie schlimm ist die schwache Nachfrage aus dem Euro-Raum für deutsche Exporteure? Deutschlands Ausfuhren in andere europäische Länder machen je nach Berechnung bis zu 69 Prozent aus.

Und Deutschland...

...wird lange kein kräftiges Wirtschaftswachstum mehr erleben

Bisher konnte man den Eindruck haben, dass die ganze Welt eine Krise erlebt – außer Deutschland. Das hat hierzulande auch die Neigung verstärkt, anderen Ratschläge zu erteilen: Deutschland war wettbewerbsfähig und andere nicht, also sollte die Welt es den Deutschen nachtun – so die Logik. Jetzt wird das anders. Im aktuellen Jahreswirtschaftsbericht der Bundesregierung ist für 2012 bloß noch von 0,7 Prozent Wachstum die Rede, und im laufenden Jahr soll es noch weniger werden. Die hierzulande gefertigten Produkte treffen auf eine Welt mit weniger Wachstum und weniger Kaufkraft. Für die nähere Zukunft und vielleicht sogar auf lange Sicht müssen sich die Deutschen also etwas einfallen lassen.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
    • Chali
    • 02. Februar 2013 15:13 Uhr

    Dann würden Sie auch nicht so niesmacherische Artikel verfassen, sondern Optimismus verbreiten, und gute Stimmung! (Karneval, Fasching)

    Denn:
    http://www.zeit.de/wirtschaft/2013-01/konsum-verbraucher-gfk-konjunktur
    >>> Datum 29.01.2013 - 10:32 Uhr <<<<

    Und was lesen wir da, von Herrn Professor Sinn, Deutschlands klügstem Ökonomen persönlich vorgetragen?

    >>>Konsumklima Deutsche kaufen wieder mehr<<<

    "Die Aussicht auf eine rasche Erholung der Konjunktur weckt die Kauflaune der Verbraucher"
    Da sind derartige Meldungen natürlich Gift. So wird das nix!

  1. Wozu brauchen wir eigentlich Wirtschaftswachstum? Warum verschulden sich Staaten bei Privatbanken? Warum haben wir Inflation? Warum müssen mache Menschen nicht arbeiten und "verdienen" trotzdem genug zum Leben allein mit Zinsen? Warum arbeiten andere Menschen ihr Leben lang hart und fleissig und kommen dennoch auf keinen grünen Zweig? Warum brauchen wir Vollbeschäftigung und drangsalieren all die, die keine Stelle haben, obwohl es nachweislich weniger Stellen als Arbeitssuchende gibt?

    DAS sind die Fragen, die sich jeder stellen sollte!

    Kurzer Aufriss einer Antwort: ALLE oben gestellten Fragen haben Ihre Antwort im GELDSYSTEM. Banken schaffen Geld aus dem Nichts und verleihen es gegen Zins weiter. Das Geld für die Zinsen schafft aber keiner. So ist unser Geldsystem nichts weiter als ein mieses Pyramidenspiel, das in regelmäßigen Abständen kollabiert.

    Mehr dazu findet der Leser <a href="http://bettercentury.blogspot.com/2011/12/geldschopfung-ein-unvollkommer... target="_blank">HIER</a>

    5 Leserempfehlungen
  2. Manchmal hägt es einem zum Halse heraus: diese ewige Kaffeesatzleserei bis hin zur Besserwisserei. Merke: erstens kommt es anders, fünftens als man denkt. Beweise: alle bisherigen Prognosen zu welchem Thema auch immer.

    2 Leserempfehlungen
  3. Im aktuellen 12. Fünf-Jahresplan ist eine Wachstumsrate von 7.6 % festgeschrieben

    • tokos
    • 02. Februar 2013 15:59 Uhr

    In einem Land können der Staat, die Bevölkerung und die Unternehmen Schulden machen. Natürlich werden auch die Handelspartner eines Landes Schuldner, wenn sie in Summe mehr Güter des Landes einführen als verkaufen. Nun sparen inzwischen in Deutschland alle drei Sektoren. Bravo! Das Ausland allein hat den Part des Schuldners übernommen, und sorgt damit dafür, dass die deutschen Ersparnisse nicht sofort zu einem Kollaps der deutschen Wirtschaft mangels Nachfrage führen. Auch für die Zukunft hatte man hierzulande auf eine solche 'Arbeitsteilung' gehofft.

    Denn am schönsten wäre es natürlich, wenn die Bevölkerung spart, der Staat keine Schulden macht und auch die Unternehmen ihre Investitionen aus ihren Gewinnen bestreiten. Es gibt nur einen Haken: Wenn die Spargelder der Bürger auf ihren Konten anwachsen und sie dafür eine Verzinsung erwarten, brauchen sie Schuldner, die ihnen Zinsen bezahlen. Und jetzt fallen auch die im Ausland aus.

    Pech? Nein, volkswirtschaftliches Unvermögen. Denn wenn mit Sparen Geldvermögensbildung gemeint ist, dann muss der Versuch aller Wirtschaftssubjekte, vermehrt Geldvermögen zu bilden, zwangsläufig zu einem Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Aktivität führen. Genau in diese verkehrte Richtung weist nun auch noch die maßgeblich durch die deutsche Bundesregierung vorangetriebene europaweite Einführung der "Schuldenbremse". Wer Schuldenbremsen in Verfassungen schreibt, muss auch Geldvermögensbremsen hineinschreiben.

    http://tinyurl.com/bezh5ax

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    braucht man nicht extra in die Regeln zu schreiben, sie ergeben sich mit den "Schuldenbremsen" von selbst.
    Denn wie Sie selbst richtig sagen: Wenn weniger "Schulden", also weniger Geld gemacht wird, dann kann es auch nicht mehr Guthaben geben. Jedenfalls nicht auf mittelfristige Sicht.

  4. China und die USA werden das Ding schon schaukeln; aber in Europa ist meiner Meinung nach der größte Gefahrenherd die anstehenden Wahlen in Italien; sollte diese ein gewisser S.B. gewinnen, dann besteht die sehr realistische Möglichkeit, das die Europäische Gemeinschaft, wenn es schon 2012 finanziell/wirtschaftlich nicht geklappt hat; dann politisch zerbricht....

    Wobei die USA seit geschlagenen 35 Jahren den S.B. praktisch ununterbrochen massiv unterstützen; auch dieses Mal; obwohl die Kommunisten schon alle dann mehr oder weniger mittlerweile tot sind....aber dabei verfolgen die USA eigene Interessen, das sich die Europäer, dann einen unzurechnungsfähigen Staat im Süden haben, namens Italien, welcher auf Selbstzerstörungskurs Segel gesetzt hat....

    Nur ist das Problem mittlerweile so groß, das mit dieser us-amerikanischen Unterstützung der wirtschaftlichen und politischen Selbstzerstörung Italiens, mittels ihres Mannes namens S.B.; das jenes Problem so groß ist, das es auf die USA zurückfallen wird....

    Und wollen die US-Amerikaner jenen politisch/wirtschaftlich selbstzerstörerischen Kurs Italiens für ihr eigenes Land....unter unbezahlbaren Systemschulden zur lächerlichen Operette....das sollten sich die US-Amerikaner noch einmal gut überlegen, ob sie auch jenen selbstzerstörerischen politischen und wirtschaflichen Kurs Italiens nicht nur mittragen, denn auch auf ihr eigenes Land dann übertragen, denn das sollte man dann doch verhindern....

    • iboo
    • 02. Februar 2013 16:31 Uhr

    um genug Wählern den Eindruck eines neuen Wirtschaftswunders zu verschaffen, damit sie weiter am Ruder bleibt? Mal sehen ob es wieder eine Art Verschrottungsprämie - äh Umweltprämie - wird oder was ihre Leute noch so auf Lager haben.
    So ganz kampflos wird die Regierung jedenfalls den Mythos vom Ewigen Wachstum ganz bestimmt nicht aufgeben.

  5. braucht man nicht extra in die Regeln zu schreiben, sie ergeben sich mit den "Schuldenbremsen" von selbst.
    Denn wie Sie selbst richtig sagen: Wenn weniger "Schulden", also weniger Geld gemacht wird, dann kann es auch nicht mehr Guthaben geben. Jedenfalls nicht auf mittelfristige Sicht.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • tokos
    • 02. Februar 2013 22:49 Uhr

    ...ist das richtig, denn Ausgabekürzungen der einen sind die Einnahmekürzungen der anderen. Wenn die Einkommen und damit die Einnahmen sinken, können auch weniger Einnahmeüberschüsse (Geldvermögensaufbau) gebildet werden. Irgendwo bei einer Einkommensschrumpfung auf 30-60 % der heutigen Wirtschaftsleistung würden z. B. die Staaten tatsächlich mehr einnehmen als ausgeben. Zuvor sind aber leider das Finanzsystem (wegen massenhaften Kreditausfalls) und ein Großteil der Betriebe insolvent. Auch explodiert die Arbeitslosigkeit, und die Demokratie wird infrage gestellt. Deutschland hat diese Nummer zwischen 1929 und 1932 durchgezogen: Volkseinkommen minus 40 %, gigantische Arbeitslosigkeit, Absturz der Mittelschicht, dann wählte man Hitler und den Krieg …

    Man sollte entweder direkt auf die privaten Pläne zur Geldvermögensbildung einwirken oder die Staatsverschuldung “schmerzfrei“ = zinslos stellen. Beispielsweise könnte man Geldvermögensbildung via private Altersvorsorge sanktionieren und die Umlagerente fördern. Oder die Risiken der Geldvermögensbildung nicht mit Staatsgarantien vergesellschaften – hier mehr Optionen:

    http://www.pinkepinke.net/aussicht/die_reform_der_marktwirtschaft/index....

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Schlagworte Wirtschaftskrise | Konjunktur | China | USA | Europa
Service