Weltwirtschaft Daran hängt die Konjunktur
Die größten Gefahrenherde des Jahres 2013 im Überblick
China muss verschnaufen
Das trifft vor allem diejenigen hart, die es mit Material und Maschinen beliefern
Zuletzt gab es ein paar gute Konjunkturnachrichten aus China: Im dritten Quartal 2012 legte die Wirtschaft bloß um 7,4 Prozent zu, im vierten aber waren es schon wieder 7,9 Prozent. Die schlechte Nachricht ist: An frühere chinesische Wachstumsraten von 10 oder 11 Prozent knüpft das bei Weitem nicht an, und es bleibt wohl auch so. Die Lage ist nicht mal richtig stabil. Es gibt Spekulationsblasen, Finanzprobleme und Zeichen wirtschaftlicher Überhitzung, seit nicht mehr so viele Wanderarbeiter in die Städte ziehen. Einige Beobachter fürchten gar einen Crash. Vor allem Ländern, die stark vom Export nach China profitieren, bereitet das Kopfzerbrechen: Brasilien etwa, dessen Volkswirtschaft durch Erz- und Nahrungsmittellieferungen nach China neu erblüht ist. Australien, dessen Minen im Hochbetrieb laufen. Und Deutschland, das Maschinen, Autos und erlesene Konsumprodukte nach Osten verschifft.
Die USA bleiben zerstritten
Das Land ist kein stabiler Motor der Weltkonjunktur. Nicht mal beim Sparen können sich die Parteien einigen
Zum Jahresbeginn sah es so aus, als gäbe es in den USA etwas zu feiern: Ein drakonisches Spar- und Steuerprogramm (fiscal cliff) konnte in letzter Minute durch die zerstrittenen Demokraten und Republikaner abgewendet werden. Hart gespart wird in den USA jetzt trotzdem, und die richtig schweren Entscheidungen zur künftigen Staatsverschuldung wurden bloß auf Ende März verschoben. Dann geht der Krach also von Neuem los. Kein Wunder, dass die Unsicherheit der Verbraucher (die wenig einkaufen) und der Unternehmer (die wenig investieren) einen neuen Höhepunkt erreicht hat. Das hat Folgen. Der amerikanische Immobilienmarkt, mit dessen Zusammenbruch die Weltwirtschaftskrise begann und an dem bis heute Finanzhäuser im In- und Ausland beteiligt sind, kommt immer noch nicht in Schwung. Exportländer wie China müssen weiterhin auf die früher so euphorischen US-Konsumenten verzichten. Und auch hier ist Deutschland betroffen: Für hiesige Exporteure sind die USA der zweitwichtigste Markt.
Europa spart und leidet
Der Kollaps einzelner Länder lässt sich vermeiden, aber für einen neuen Boom fehlt noch die Grundlage
Der Angriff der Finanzmärkte auf Griechenland, Spanien, Italien und Co. ist erst mal abgeflaut. Im Augenblick müssen staatliche Institutionen und Unternehmen aus diesen Ländern nicht von Monat zu Monat höhere Risikoprämien zahlen, wenn sie sich neues Geld leihen. Das liegt aber nicht so sehr an der Entschlossenheit ihrer Politiker: Ob deren Sparpläne auf Dauer aufgehen und ob danach auch große Strukturreformen folgen, daran kann man zweifeln. Doch die Rettungsschirme der anderen Länder und vor allem die Rettungsversprechen der Europäischen Zentralbank (EZB) haben allen eine Verschnaufpause beschert. Bis auf Irland, das sich klar auf dem Weg der Besserung befindet, stecken die Krisenländer aber nach wie vor in Rezessionen. Die hohe Arbeitslosigkeit und die teilweise besonders hohe Jugendarbeitslosigkeit könnten auch dauerhaft dazu führen, dass sich eine Wachstumsschwäche festsetzt. Und wie schlimm ist die schwache Nachfrage aus dem Euro-Raum für deutsche Exporteure? Deutschlands Ausfuhren in andere europäische Länder machen je nach Berechnung bis zu 69 Prozent aus.
Und Deutschland...
...wird lange kein kräftiges Wirtschaftswachstum mehr erleben
Bisher konnte man den Eindruck haben, dass die ganze Welt eine Krise erlebt – außer Deutschland. Das hat hierzulande auch die Neigung verstärkt, anderen Ratschläge zu erteilen: Deutschland war wettbewerbsfähig und andere nicht, also sollte die Welt es den Deutschen nachtun – so die Logik. Jetzt wird das anders. Im aktuellen Jahreswirtschaftsbericht der Bundesregierung ist für 2012 bloß noch von 0,7 Prozent Wachstum die Rede, und im laufenden Jahr soll es noch weniger werden. Die hierzulande gefertigten Produkte treffen auf eine Welt mit weniger Wachstum und weniger Kaufkraft. Für die nähere Zukunft und vielleicht sogar auf lange Sicht müssen sich die Deutschen also etwas einfallen lassen.
- Datum 02.02.2013 - 13:38 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 24.1.2013 Nr. 05
- Kommentare 14
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Zeitungen angekündigt, in bunten Farben ausgemalt, dann wär die Welt schon ein paar Mal untergegangen und wieder auferstanden.
Wer von Risiken spricht ohne Wahrscheinlichkeiten in seine Überlegungen einzubeziehen hat meine Zeit verschwendet.
In dem Artikel ist das Glas nicht halbleer sondern gar nicht vorhanden. Das reicht mir nicht.
und schmerzliche Reformen durchgeführt (nicht für alle, aber doch für einen größeren Teil der Bevölkerung). Der Aufschwung der letzten drei Jahre hatte daher auch nichts mit der Weltwirschaft zu tun, sondern war der verdiente Lohn für Hartz 1,2,3,4. Und weil die Reformen ja weiterwirken, kann uns die Weltwirschaft völlig egal sein. Bei uns läuft es rund - es muss rundlaufen, weil doch jetzt alle "Verkrustungen" im unteren Arbeitsmarktsegment aufgebrochen sind.
Der Redaktion scheint aber ihre Leser verwirren zu wollen oder selbst ein bischen verwirrt zu sein. Vielleicht sollten die Redakteure tatsächlich mal die eigene Zeitung lesen. Ich kann mich noch sehr gut an Artikel erinnern, in welchen der Redakteur (vermutlich mit schmerzverzehrtem Gesicht) die Notwendigkeit der "Reformen" betonte und deren Erfolg herausstelle.
...ist das richtig, denn Ausgabekürzungen der einen sind die Einnahmekürzungen der anderen. Wenn die Einkommen und damit die Einnahmen sinken, können auch weniger Einnahmeüberschüsse (Geldvermögensaufbau) gebildet werden. Irgendwo bei einer Einkommensschrumpfung auf 30-60 % der heutigen Wirtschaftsleistung würden z. B. die Staaten tatsächlich mehr einnehmen als ausgeben. Zuvor sind aber leider das Finanzsystem (wegen massenhaften Kreditausfalls) und ein Großteil der Betriebe insolvent. Auch explodiert die Arbeitslosigkeit, und die Demokratie wird infrage gestellt. Deutschland hat diese Nummer zwischen 1929 und 1932 durchgezogen: Volkseinkommen minus 40 %, gigantische Arbeitslosigkeit, Absturz der Mittelschicht, dann wählte man Hitler und den Krieg …
Man sollte entweder direkt auf die privaten Pläne zur Geldvermögensbildung einwirken oder die Staatsverschuldung “schmerzfrei“ = zinslos stellen. Beispielsweise könnte man Geldvermögensbildung via private Altersvorsorge sanktionieren und die Umlagerente fördern. Oder die Risiken der Geldvermögensbildung nicht mit Staatsgarantien vergesellschaften – hier mehr Optionen:
http://www.pinkepinke.net...
Das schwache Wachstum der deutschen Wirtschaft in 2012 ist die Folge eines geringeren Produktivitätsanstiegs. Vermutlich ist die Kapitalproduktivität sogar gesunken. Das wäre eine strukturell bedenkliche Entwicklung, die nichts mit Konjunktur und Sparen zu tun hat.
Schuld ist also nicht eine Abschwächung der Auslandsnachfrage. Im Gegenteil. Der (positive) Leistungsbilanzsaldo der deutschen Wirtschaft ist in den ersten drei Quartalen 2012 (die Daten für das 4. Quartal fehlen noch) saisonbereinigt um fast 19 Prozent gegenüber denen in 2011 gewachsen. Der vergleichbare Anstieg von 2010 nach 2011 betrug nur gut 5 Prozent. Die Geschäfte mit der Welt haben in 2012 also anders, als der Artikel vermutet, sehr stark zugelegt. Dass es in dem Tempo, so oder so, kaum weiter gehen kann, dürfte niemanden ernsthaft überraschen.
... und steigen und steigen. Mit jeder neuen positiven Meldung steigt die Wall Street abermals. Die Klippe ist längst vergessen, der Allzeitrekord von 14.000 ist bereits überschritten, und gerade liegt der beste Januar seit 20 Jahren hinter uns. Es wird Zeit, an den wortgewaltigen Alan Greenspan zu erinnern, der die Märkte erstmals vor "irrationaler Exuberanz" warnte.
treibt die Aktienmärkte. Und die niedrigen Renditen der Bonds bzw. Staatsanleihen.
Wer Beteiligungen an gesunden Unternehmen aus der Realwirtschaft (Bankaktien kaufe ich nicht) besitzt, ist an dem Realvermögen dieser Unternehmen beteiligt und immer dabei, wenn in der Wirtschaft Geld verdient. Und damit in Zeiten drohender Inflation wesentlich sicherer investiert als bei einer Anlage in Geldwerten.
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