WeltwirtschaftGewinner von gestern
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Exportflaute bleibt wohl keine vorübergehende Erscheinung

Andernorts hat das Schnellsparen dazu geführt, dass die Notenbanken in die Bresche sprangen und sich genötigt sahen, durch lockere Geldpolitik dem staatlichen Nachfrageausfall entgegenzuwirken oder durch den Aufkauf von Staats- und Unternehmenspapieren Zusammenbrüche von Finanzinstitutionen zu verhindern. Auf Dauer aber gefährdet das ihr Ansehen und ihre Unabhängigkeit von der Politik. Eine Gefahr, vor der auch Leute wie der Bundesbankchef Jens Weidmann – selber ein überzeugter Stabilitätspolitiker – neuerdings warnen. Vertrauen in die Zukunft hat auch das nicht geschaffen.

Allerdings geht die Debatte eigentlich längst über den schlichten Gegensatz von Schnellsparen und Langsamsparen hinaus. Es gibt einfach Volkswirtschaften, die für die kommenden Jahrzehnte neue Geschäftsmodelle brauchen – neue Ideen, wo künftig neuer Wohlstand erwirtschaftet werden soll, wenn die Globalisierung und das Weltwachstum nicht mehr so rasant voranschreiten wie bisher. Am Binnenmarkt? In einer entfesselten Dienstleistungswirtschaft? In einer futuristischen Öko-Ökonomie?

Deutschland ist dafür ein gutes Beispiel. Bisher exportierte die hiesige Wirtschaft mit großem Erfolg Geräte für moderne Produktionsanlagen, Hightech, Autos, Luxusartikel und dergleichen nach China und in die ganze Welt. Es war und ist ein großer Erfolgsbeweis für die deutsche Wettbewerbsfähigkeit und die Umtriebigkeit der deutschen Unternehmer, Verbände und Wirtschaftsförderer. Bloß läuft dieses Geschäft nicht mehr so gut wie früher. Seit Mitte 2011 berichtet das IfW davon, dass alles »auf eine abnehmende Nachfrage nach deutschen Investitionsgütern« hindeute, »auch für das Gesamtjahr 2013«.

Und leider weist auch viel darauf hin, dass die Exportflaute keine vorübergehende Erscheinung bleibt in einer Welt, in der sich auch andere Länder neue Geschäftsmodelle suchen. Vielleicht brauchen sie künftig einfach weniger deutsche Werkzeugmaschinen. Die USA wollen sich gerade neu erfinden, ihren alten Traum von der Unabhängigkeit vom Öl und von Energieimporten umsetzen und einen großen Teil der abgewanderten Industrie in ihr eigenes Land zurückholen. In China hat man begriffen: Die Sache mit der Werkbank für die Welt, bestückt mit ausländischen Werkzeugen, war eine sensationelle Abkürzung auf dem Weg zum Wohlstand, aber viel weiter kann man ihn nicht mehr gehen. In Zukunft geht es den Chinesen eher darum, ihren Binnenmarkt auszubauen, eigene Innovationen und höherwertige Produkte statt Billigware zu produzieren, und all das im Einklang mit sozialen Herausforderungen und deutlich mehr Wasser-, Luft- und Umweltschutz. Auch in höhere Bildung soll massiv investiert werden.

Es kann also sein, dass am Ende der Aufräumarbeiten nach der Weltwirtschaftskrise eine große Überraschung steht: Das Land, das allen andern die Sparpolitik vorgelebt und dank seiner Wettbewerbsfähigkeit überragende Exporterfolge eingefahren hat – das muss sich besonders dringend etwas Neues einfallen lassen. Das ist wohl die Wahrheit, die sich hinter der lustlosen Arithmetik der aktuellen Konjunkturberichte verbirgt.

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Leserkommentare
    • keox
    • 31. Januar 2013 16:06 Uhr

    niemand voraussehen, gelle?

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    • bernjul
    • 01. Februar 2013 21:04 Uhr

    ...die an Wachstum in Deutschland glauben (http://www.zeit.de/wirtsc...?) und auch die Finanz-, die Banken-, die Euro- und die allgemeine Währungskrise nicht vorhergesehen haben

    irgendein FritzeIn hat doch gesagt es sei "alternativlos...

    Und die gleiche(n) FritzeIn(nen) streben doch eher eine "marktkonforme Demokratie" an, nicht so was dumm altmodisch wie "eine allen (oder wenigstens vielen) DIENENDE Demokratie"!

    • jboese2
    • 01. Februar 2013 19:49 Uhr

    Es heisst mit Recht "Erstens kommt es anders als man zweitens denkt". Natuerlich kann es eine delle geben, der Schluessel zum Erfolg sind wettbewerbsfaehige Produkte. Deutsche Invetsitionsgueter werden zu deutliche hoeheren Preisen als viele Konkurrenzprodukte gekauft, weil sie entsprechendes know how enthalten. Wenn man sich diesen Vorteil erhaelt muss man nicht bange sein, den Krise hin, Krise her, insgesamt waechst der Wohlstand auf diesem Planeten. Auch in Zukunft.

    3 Leserempfehlungen
  1. Die zweite Denkschule hat immer noch nicht verstanden wie Geld entsteht und wozu Kürzungen führen. Dabei gab es in den letzten hundert Jahren genügend Beispiele. Kürzungen verschärfen die ökonomischen Krisen nur, treiben die Arbeitslosigkeit und die Staatsverschuldung nach oben. Wir konnten das Anfang der dreissiger Jahre in Deutschland sehen und wir sehen es heute in Südeuropa. Da wir ja auch immer so stolz darauf sind, dass wir Exportweltmeister sind, hätten wir uns vielleicht mal Gedanken machen müssen, wer diese Produkte abkaufen soll? Die meisten Güter aus Deutschland gehen in die EU-Staaten, wir sind auch wettbewerbsfähiger als sie, da wir die Arbeitskarft und Kaufkraft verbilligt hatten. Die anderen EU-Staaten konnten dieser Abwärtsspirale nichts entgegensetzen und ihre Wirtschaft schrumpfte und schrumpft weiterhin. Dass dann über kurz oder lang auch die Nachfrage nach deutschen Gütern zurückgeht ist die logische Konsequenz unserer außenwirtschaftlichen Ausrichtung bzw. des Ungleichgewichts bei der Handelsbilanz. Nun rächt sich diese fatale Politik und schlägt mit aller Wucht auf sie zurück.

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    Die Schildbürger kurbelten den Export jahrelang in die höhe, indem Deutschland die Kredite vergab, mit denen die Produkte bezahlt werden. Ist ja klar dass man nicht ewig weiter Kredite vergeben kann, ohne dass die alten Kredite abgezahlt werden. Beispiel Panzer für Griechenland.

    Die Schwierigkeit der ganzen Wirtschaftslage erschliesst sich einem nur, wenn man bedenkt, dass eben ein großer Teil des deutschen BIP, der Steuereinnahmen und Ausgaben, noch gar nicht bezahlt ist, und die Kredite dafür bei unseren eigenen Banken liegen.

  2. auf den Rücken der "Kleinen" -

    Reallohnverlust - Niedrigstlöhne - Altersarmut ....

    aber WIR malochen wie die Blöden - für ANDERE....

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    das sehe ich im wesentlich ähnlich, zumindest so wie die sache gerade läuft..
    allerdings besteht hier eine große chance, wenn wir die kreditrückforderungen geschickt anstellen,
    unsere rentensysteme abzusichern.
    Prinzip: wir gehen jetzt so stark wie möglich in vorleistung, geben sozusagen produkte gegen spätere zahlungsverpflichtungen aus und langfristig, wenn, selbst verschuldet durch unsere etwas naive bevölkerung, die jahrelang glaubte es braucht ja keine kinder um die rente abzusichern, sichern wir eben genau damit unsere rente.
    Das zu organisieren stelle ich mir aber äußerst schwer vor

    @ # 4 Compaktor:
    Exportweltmeister war einmal. Heute liegen wir an dritter Stelle hinter China und USA.

  3. 5. [...]

    Entfernt, da Doppelposting. Die Redaktion/cv

  4. Konsum zu Lasten der Geldgeber, egal ob jetzt oder später, wird immer deren Konsummöglichkeit einschränken. Investition muß immer einen Rückfluß plus Zusatz aus der zeitlichen Verzögerung ermöglichen - ansonsten geht es zu Lasten der Geldgeber.

    Was ist daran nun unklar?

    Schudner sind immer die, die anderen gegenüber eine Verpflichtung eingegangen sind. Dafür müssen sie alles tun, um sich aus ihrer Schuld zu befreien. Ansonsten sind sie Betrüger.

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    Sie behaupten:
    Schudner sind immer die, die anderen gegenüber eine Verpflichtung eingegangen sind. Dafür müssen sie alles tun, um sich aus ihrer Schuld zu befreien. Ansonsten sind sie Betrüger.

    Und was ist z.B. mit einer Familie die sich ein Haus gekauft hat und durch plötzliche Arbeitslosigkeit ihre Schulden nicht mehr bezahlen kann??
    Man sollte nicht so schnell Betrüger schreien. Es gibt viele Schicksale, die man einfach nicht vorhersehen kann.

  5. Die Schildbürger kurbelten den Export jahrelang in die höhe, indem Deutschland die Kredite vergab, mit denen die Produkte bezahlt werden. Ist ja klar dass man nicht ewig weiter Kredite vergeben kann, ohne dass die alten Kredite abgezahlt werden. Beispiel Panzer für Griechenland.

    Die Schwierigkeit der ganzen Wirtschaftslage erschliesst sich einem nur, wenn man bedenkt, dass eben ein großer Teil des deutschen BIP, der Steuereinnahmen und Ausgaben, noch gar nicht bezahlt ist, und die Kredite dafür bei unseren eigenen Banken liegen.

    7 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Mein Gott!!!"
    • bernjul
    • 01. Februar 2013 21:04 Uhr

    ...die an Wachstum in Deutschland glauben (http://www.zeit.de/wirtsc...?) und auch die Finanz-, die Banken-, die Euro- und die allgemeine Währungskrise nicht vorhergesehen haben

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    Antwort auf "Das konnte doch aber"

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