KarriereplanungDas Zitat … und Ihr Gewinn

Leonardo da Vinci sagt: Wer nicht kann, was er will, muss wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht.

Im Straßenbau ist das üblich: Man bessert den Asphalt dort aus, wo die Schlaglöcher am größten sind. Es wird gefüllt, begradigt, geflickt. Genau nach diesem Prinzip gehen viele Menschen bei ihren Fortbildungen vor. Sie fragen sich, wo sie die größten Wissenslücken und Schwächen haben. Und wie Straßenlöcher mit Kies gefüllt werden, so füllen sie ihre Defizite mit neuem Wissen, mit Training auf.

Das Problem ist nur: Geflickte Straßen bleiben holprig. Wenn jemand, der kein Talent für Fremdsprachen hat, dauernd an diesen Fremdsprachen herumflickt, dann wird er zwar etwas besser, aber niemals richtig gut. Dafür gibt’s keinen Applaus. Und den Sprachtalenten wird er das Wasser nie reichen können. Wenn jemand ein geborener Chaot ist, kann er zwar den fünften Kurs in Zeitmanagement belegen, aber mit seinem Ordnungstalent wird er dennoch keinen Blumentopf gewinnen.

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Warum Straßen begradigen, auf denen es holpert? Sorgen Sie besser dafür, dass Ihre persönlichen Rennstrecken schneller werden – indem Sie das wollen, was Sie können, statt zu wollen, was Sie nicht können (wie Leonardo da Vinci das auf den Punkt bringt).

Martin Wehrle
Martin Wehrle

Der Coach Martin Wehrle ist Autor mehrerer Karrierebücher und gibt jede Woche Karrieretipps in der Kolumne "Das Zitat und Ihr Gewinn".

Wer Stärken ausbaut, statt an Schwächen herumzuflicken, kommt besser vorwärts. Ist der oben genannte Chaot vielleicht ein kreativer Kopf, dessen Einfälle immer wieder verblüffen? Dann wäre ihm ein Seminar in Kreativitätstechniken zu empfehlen. Dort lernt er, die Zahl seiner Geistesblitze zu erhöhen und sie in nutzbare Ideen umzuwandeln. Auf dem Feld, auf dem er schon stark ist, brillant zu werden – das ist entscheidend. Auf der Richterskala des Berufs werden Sie an den Ausschlägen nach oben gemessen. Was in der Mitte der Skala passiert, interessiert niemanden. Auch werden kleine Schwächen durch große Stärken mehr als kompensiert. Wer stört sich daran, dass ein Marketing-Mitarbeiter chaotisch ist, wenn seine Ideen den Markt aufrollen? Je erfolgreicher er ist, desto größer die Chance, dass man ihm eine Assistentin an die Seite stellt, die Talent fürs Organisieren mitbringt.

Auf dieser Idee basieren Firmen: dass jeder das tut, was er am besten kann. Bauen Sie Ihre Stärken so lange aus, bis Sie auf Ihrem Feld eine Kapazität, die Nummer eins sind. Dann kommt Ihre Karriere auf der Schnellstraße vorwärts – statt immer wieder in den Schlaglöchern alter Schwächen festzustecken.

 
Leser-Kommentare
    • TPBS
    • 03.03.2013 um 10:57 Uhr

    Zitat: "Je erfolgreicher er ist, desto größer die Chance, dass man ihm eine Assistentin an die Seite stellt, die Talent fürs Organisieren mitbringt."

    Es sind meiner Meinung nach genau diese Aussagen, die den alltäglichen Sexismus symbolisieren. Natürlich ist er der kreative aber chaotische Macher, und um seine Schwäche auszugleichen, bekommt er eine ordentliche, organisierte Frau an die Seite gestellt, die ihm zuarbeitet. So viel zum Thema stereotype Rollenbilder….

    12 Leser-Empfehlungen
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    Wann kapiert man/frau endlich, dass es auch genauso umgekehrt geht: Chefin mit Stärken und fähigem Sekretär? Nur sind es statistisch eben nicht so viele Fälle. Jede(r) soll das machen können, was er/sie am besten kann, am liebsten mag, ohne gleich dafür kritisiert zu werden...Die Aussage von Leonardo sehe ich als geschlechtsneutral - aber bei allem Fortschritt ist menschheit dazu noch nicht in der Lage.

    • raflix
    • 03.03.2013 um 12:36 Uhr

    Wie ich sehe, wurde das jetzt im Text korrigiert. Eine gute Entscheidung.

    Wann kapiert man/frau endlich, dass es auch genauso umgekehrt geht: Chefin mit Stärken und fähigem Sekretär? Nur sind es statistisch eben nicht so viele Fälle. Jede(r) soll das machen können, was er/sie am besten kann, am liebsten mag, ohne gleich dafür kritisiert zu werden...Die Aussage von Leonardo sehe ich als geschlechtsneutral - aber bei allem Fortschritt ist menschheit dazu noch nicht in der Lage.

    • raflix
    • 03.03.2013 um 12:36 Uhr

    Wie ich sehe, wurde das jetzt im Text korrigiert. Eine gute Entscheidung.

  1. Wann kapiert man/frau endlich, dass es auch genauso umgekehrt geht: Chefin mit Stärken und fähigem Sekretär? Nur sind es statistisch eben nicht so viele Fälle. Jede(r) soll das machen können, was er/sie am besten kann, am liebsten mag, ohne gleich dafür kritisiert zu werden...Die Aussage von Leonardo sehe ich als geschlechtsneutral - aber bei allem Fortschritt ist menschheit dazu noch nicht in der Lage.

    2 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "Rollenbilder"
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    Genau Ihre Kritik wurde von dem/der Kommentator(in) impliziert. ;-)

    @ Topic
    > Viele Mitarbeiter scheitern auf dem Weg nach oben – weil sie sich
    > nicht auf ihre Stärken konzentrieren.

    Viele Mitarbeiter scheitern auf dem Weg nach oben, weil die soziale Herkunft massiv darüber entscheidet, wer "nach oben" kommt bzw. "oben bleibt". Das ist empirisch gut belegt und zählt, auch wenn sie "rational" die bessere Wahl wären.

    Wenn es nur danach ginge, wer am besten "in seine Fähigkeiten" investiert hat, dann würden nicht so viele relativ unfähige Vorgesetzte existieren, d.h. entweder sind diese nicht so unfähig wie es scheint, oder es zählen tatsälich noch etliche andere Faktoren (Herkunft, Glück, Sympathie, das richtige Timing etc.). Darüber hinaus kann eben rein quantitativ nicht jeder "Chef" sein bzw. Karriere machen. Als angestellter KANN man durch Selbstoptimierung und Förderung gewinnen, als Unternehmer gewinnt man mehr oder weniger immer, unabhängig davon, ob der einzelne Mitarbeiter enttäuscht wird oder nicht, denn der Pool aus dem man wählt ist ohnehin daran interessiert sich möglichst interessant zu machen und sich anzubieten.

    Genau Ihre Kritik wurde von dem/der Kommentator(in) impliziert. ;-)

    @ Topic
    > Viele Mitarbeiter scheitern auf dem Weg nach oben – weil sie sich
    > nicht auf ihre Stärken konzentrieren.

    Viele Mitarbeiter scheitern auf dem Weg nach oben, weil die soziale Herkunft massiv darüber entscheidet, wer "nach oben" kommt bzw. "oben bleibt". Das ist empirisch gut belegt und zählt, auch wenn sie "rational" die bessere Wahl wären.

    Wenn es nur danach ginge, wer am besten "in seine Fähigkeiten" investiert hat, dann würden nicht so viele relativ unfähige Vorgesetzte existieren, d.h. entweder sind diese nicht so unfähig wie es scheint, oder es zählen tatsälich noch etliche andere Faktoren (Herkunft, Glück, Sympathie, das richtige Timing etc.). Darüber hinaus kann eben rein quantitativ nicht jeder "Chef" sein bzw. Karriere machen. Als angestellter KANN man durch Selbstoptimierung und Förderung gewinnen, als Unternehmer gewinnt man mehr oder weniger immer, unabhängig davon, ob der einzelne Mitarbeiter enttäuscht wird oder nicht, denn der Pool aus dem man wählt ist ohnehin daran interessiert sich möglichst interessant zu machen und sich anzubieten.

  2. Erst Kprzlich hat eine Studie den so genannten "generalist bias" untersucht. D.h. Unternehmen haben eine Präferenz für die Allrounder, selbst, wenn hoch spezialisierte Mitarbeiter besser geeignet wären und dem Unternehmen mehr brächten.

    Die Moral aus der Gesichte: einen Vorteil auf dem Job-Markt haben die, die ihre Lücken stopfen.

    4 Leser-Empfehlungen
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    ...mit den Erfahrungen die ich in mehreren Unternehmen gemacht habe. Allrounder werden behalten und gefördert, Experten und deren Know-How kurzfristig und bei Bedarf durch Freelancer, oder Externe dazugekauft.
    So kommt man flexibel durch das Tagesgeschäft, weil ein personeller Ausfall relativ gut ausgeglichen werden kann und spart kosten, die Experten, die langfristig gehalten werden, mit sich bringen.

    ...mit den Erfahrungen die ich in mehreren Unternehmen gemacht habe. Allrounder werden behalten und gefördert, Experten und deren Know-How kurzfristig und bei Bedarf durch Freelancer, oder Externe dazugekauft.
    So kommt man flexibel durch das Tagesgeschäft, weil ein personeller Ausfall relativ gut ausgeglichen werden kann und spart kosten, die Experten, die langfristig gehalten werden, mit sich bringen.

    • raflix
    • 03.03.2013 um 12:36 Uhr

    Wie ich sehe, wurde das jetzt im Text korrigiert. Eine gute Entscheidung.

    Eine Leser-Empfehlung
    Antwort auf "Rollenbilder"
  3. Genau Ihre Kritik wurde von dem/der Kommentator(in) impliziert. ;-)

    @ Topic
    > Viele Mitarbeiter scheitern auf dem Weg nach oben – weil sie sich
    > nicht auf ihre Stärken konzentrieren.

    Viele Mitarbeiter scheitern auf dem Weg nach oben, weil die soziale Herkunft massiv darüber entscheidet, wer "nach oben" kommt bzw. "oben bleibt". Das ist empirisch gut belegt und zählt, auch wenn sie "rational" die bessere Wahl wären.

    Wenn es nur danach ginge, wer am besten "in seine Fähigkeiten" investiert hat, dann würden nicht so viele relativ unfähige Vorgesetzte existieren, d.h. entweder sind diese nicht so unfähig wie es scheint, oder es zählen tatsälich noch etliche andere Faktoren (Herkunft, Glück, Sympathie, das richtige Timing etc.). Darüber hinaus kann eben rein quantitativ nicht jeder "Chef" sein bzw. Karriere machen. Als angestellter KANN man durch Selbstoptimierung und Förderung gewinnen, als Unternehmer gewinnt man mehr oder weniger immer, unabhängig davon, ob der einzelne Mitarbeiter enttäuscht wird oder nicht, denn der Pool aus dem man wählt ist ohnehin daran interessiert sich möglichst interessant zu machen und sich anzubieten.

    Antwort auf "Rollenbilder?"
    • NEUMON
    • 03.03.2013 um 13:57 Uhr

    Danke, Herr Wehrle, für diesen Artikel.
    Wer jahrelang Projekte geleitet hat, wird diesen Ansatz bestätigen. Man setzt Mitarbeiter für die Aufgaben ein, die sie am besten können. Kein Projektleiter wird es sich und seinen Mitarbeitern antun, sie mit den Aufgaben zu betrauen, in denen sie schwach sind, nur um ihnen die Chance zu geben, persönliche Defizite zu verringern. Z. B. würde ein exzellenter Entwickler, der aber leider Legastheniker ist, sinnvollerweise wohl nicht zur Erstellung von Projekt- oder Produktbeschreibungen eingesetzt werden.
    Stärken zu stärken führt zu Exzellenz, Schwächen ausgleichen zu wollen führt allenfalls zu Mittelmaß!

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  4. ...mit den Erfahrungen die ich in mehreren Unternehmen gemacht habe. Allrounder werden behalten und gefördert, Experten und deren Know-How kurzfristig und bei Bedarf durch Freelancer, oder Externe dazugekauft.
    So kommt man flexibel durch das Tagesgeschäft, weil ein personeller Ausfall relativ gut ausgeglichen werden kann und spart kosten, die Experten, die langfristig gehalten werden, mit sich bringen.

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    Antwort auf "Leider falsch"
    • missjh
    • 03.03.2013 um 14:37 Uhr

    Zum Glück bin ich nicht die einzige der es auffällt. Der geniale (männlich) Mitarbeiter kriegt eine (weibliche) Assistentin, die ihm dann helfen kann seine Schwächen auszugleichen. Na vielen Dank!

    3 Leser-Empfehlungen

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