AntikorruptionsakademieWo die Korruptionsjäger büffeln

Wie kommt man bestechlichen Politikern auf die Schliche? Eine Akademie in Laxenburg soll das Rüstzeug dazu liefern. von Moritz Gottsauner-Wolf und Christoph Zotter

Martin Kreutner arbeitet in der Provinz, versinkt aber täglich in der Welt der Diplomatie. Vier mannshohe Glasvitrinen hat er mit übergroßen Medaillen, dick geprägten Metallplaketten, lackierten Holztafeln, bemalten Gipsabdrücken und Statuetten vollgestellt. Kreutner kneift die Augen zusammen. »Ein Gastgeschenk aus einem östlichen Mitgliedsland«, sagt er und zeigt auf ein goldenes Wappenschild mit breiten Buchstaben in Kyrillisch.

Die Polizeischule Wiesbaden ist vertreten, eine Truppe aus China, eine andere aus Taiwan, aus Indien oder aus Indonesien: Souvenirs aus aller Welt. Unzählige Delegationen sind in den vergangenen zwei Jahren die zehn Minuten vom Flughafen Wien-Schwechat nach Süden, in die kleine niederösterreichische Gemeinde Laxenburg gefahren. Ein paar Hundert Meter von Rathaus und Kirche entfernt hat die Republik ein ursprünglich fürstliches Palais herausputzen lassen. »International Anti-Corruption Academy« steht nun in goldenen Lettern unter dem Dachstuhl. Martin Kreutner ist hier der Chef. Am 16. Februar öffnen sich für 25 internationale Studenten die frisch gestrichenen Seminarräume für den ersten postgradualen »Master in Anti-Corruption Studies«.

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Ausgerechnet in Österreich, wo seit Jahren ein politischer Skandal den nächsten jagt, ist ein Prestigeprojekt in Sachen Korruptionsbekämpfung entstanden. Erst vor ein paar Wochen wurde mit Ernst Strasser sogar ein ehemaliger ÖVP-Innenminister wegen Bestechlichkeit in erster Instanz zu vier Jahren unbedingter Haft verurteilt. Ausgerechnet hier trommelt die neue Akademie IACA Staatsanwälte, Richter, Journalisten, Polizisten oder Politikwissenschafter zum Korruptionshalali zusammen. An der Höhe der Budgets wird man ablesen können, wie ernst es der Staatengemeinschaft damit wirklich ist.

»Es war ungewöhnlich, dass gerade Österreich so etwas macht«, sagt der Politologe und Korruptionsexperte Hubert Sickinger. »Zuvor waren wir nicht immer ganz vorne dabei, wenn es international um Korruptionsbekämpfung ging.« Die Idee zu der Kaderschmiede für weiße Westen entstand bereits 2005 in einer kleinen Arbeitsgruppe der Polizeiorganisation Interpol, die sich am Rande eines UN-Gipfels in Bangkok traf. Mit dabei: Martin Kreutner, damals als Leiter des Büros für interne Angelegenheiten (BIA) ein Korruptionsbekämpfer innerhalb des Innenministeriums. Zurück in Wien, ging er schnurstracks zur damaligen Hausherrin Liese Prokop (ÖVP) und erzählte ihr von der geplanten Akademie für Korruptionsjäger. »Kreutner, mach«, soll die nur gesagt haben.

Sieben Jahre lang strudelte der spätere Akademieleiter sich ab, überzeugte in ganz Europa Beamte und Minister, holte Diplomaten ins Boot. »Kreutner war die treibende Kraft«, meint Sickinger. »Es geht hier nicht um mich«, sagt Martin Kreutner, wenn er nach seiner Rolle gefragt wird. In Anzug und Krawatte führt er durch den Prachtbau. Zwölf Millionen Euro haben das Land Niederösterreich und das Innenministerium hingeblättert, um das Palais Kaunitz in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Die Akademie mietet es um einen symbolischen Euro im Jahr. Ein durchaus übliches Geschenk, wenn man eine internationale Institution ins Land holen will.

Kreutner bleibt vor einem Glassturz stehen. Darin glänzt ein goldener Schlüssel. Den hat UN-Generalsekretär Ban Ki Moon bei der Gründungskonferenz im Jahr 2010 übergeben. Seither ist das Gebäude bis zum weiß lackierten Metallzaun vor dem Gehsteig, analog zu einer Botschaft, nicht mehr österreichisches Hoheitsgebiet. Die Polizei darf hier nur herein, wenn Kreutner es ihr erlaubt. »Das ist hier keine rein österreichische Sache«, sagt der Tiroler. Er wird es an diesem Tag noch öfter sagen. Er weiß, dass die IACA vor zwei Jahren auf typisch österreichische Weise Schlagzeilen machte. Denn als eine der ersten Mitarbeiterinnen hatte das von der ÖVP geführte Justizministerium die kurz zuvor unter öffentlichen Schmähungen ausrangierte Justizministerin Claudia Bandion-Ortner entsandt. Ausgerechnet. »Als Leiter der Akademie ist das für mich eine weitere Arbeitskraft, die von einem Mitgliedsstaat bezahlt wurde«, sagt Kreutner. »Sie konnte als ehemalige Justizministerin viele wertvolle Kontakte einbringen.« Bandion-Ortner blieb knapp ein Jahr, dann machte sie das Außenministerium zur stellvertretenden Leiterin des Interreligiösen Dialogzentrums in Wien, für das der saudische König Abdullah viel Geld ausgeben will.

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