Iran und IsraelKein Anlass für Feindseligkeit

Bahman Nirumands angenehm nüchternes Buch "Iran Israel Krieg". von Alexandra Senfft

"Der Krieg zwischen Iran und Israel ist längst im Gange", sagt Bahman Nirumand. Damit meint der 1936 in Teheran geborene Berliner Publizist die gegenseitigen Dämonisierungen, die israelische Drohung mit einem Angriffskrieg und Cyberangriffe gegen das iranische Atomprogramm. Seit Jahren verbreiten die Politiker und offiziellen Medien im Iran und in Israel Feindbilder, im vergangenen Jahr herrschte Kriegsstimmung. Eine militärische Auseinandersetzung hätte verheerende Folgen weit über die Region hinaus.

Angenehm nüchtern und für manche Leser vielleicht überraschend stellt Nirumand eingangs fest, dass es, objektiv betrachtet, keinerlei Anlass für Feindseligkeiten gebe – keine territorialen Konflikte, keine Grenzstreitigkeiten oder wirtschaftlichen Interessengegensätze, ja noch nicht einmal ideologische und religiöse Differenzen. Beide Staaten hätten früher sogar miteinander kooperiert. Die Wortgefechte dienten also vorrangig dazu, von internen Problemen abzulenken: Sowohl der Iran als auch Israel steckten in einer tiefen Identitätskrise. Israels Regierung wolle ihre Stellung als westlicher "Brückenkopf" in der Region bewahren, während das iranische Regime mit der Hetze gegen Israel die arabischen Massen mobilisieren und seine Vormachtsstellung in der islamischen Welt ausbauen wolle.

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Prägnant und auch für fachliche Laien gut nachvollziehbar beschreibt Nirumand die Entwicklung der islamischen Republik seit der Revolution von 1979, mit all ihren verschiedenen politischen, religiösen und gesellschaftlichen Spaltungen und unauflöslichen Widersprüchen. Er zeigt, dass das iranische Regime nur noch durch einen massiven Militärapparat und mit Gewalt seine Macht erhalten kann.

Im zweiten, kürzeren Teil seines Buches geht er dann auf Israel ein. Die Logik seiner Einführung hätte es geboten, auch hier die schwierige innenpolitische und gesellschaftliche Situation zu beleuchten. Nirumand fokussiert aber nur oberflächlich auf den israelisch-palästinensischen Konflikt, der durch die Irankrise medial und politisch übrigens erfolgreich marginalisiert worden ist. Die Parallelen zwischen beiden Staaten, in denen Nationalismus, Militär und Religion eine immer größere Rolle spielen, kommen in diesem informativen Buch leider zu kurz. Der Ausgang der israelischen Wahlen – Netanjahu geschwächt, die Linken gestärkt – macht einen Angriffskrieg gegen den Iran nun zudem noch unwahrscheinlicher.

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Leserkommentare
  1. und dennoch muß man jederzeit damit rechnen, dass Netanjahu mit freundlicher Genehmigung der USA bei gefahr den Iran angreifen wird. er kann sich ja kaum noch beherrschen und der Onkel Obama kommt daher zu besuch.

    Eine Leserempfehlung
    • 50AE
    • 13. Februar 2013 19:24 Uhr

    Frau Senft, insbesondere wegen unsachlicher Einlassungen wie Die Parallelen zwischen beiden Staaten, in denen Nationalismus, Militär und Religion eine immer größere Rolle spielen, kommen in diesem informativen Buch leider zu kurz. ,gekrönt jedoch mit der Fehleinschätzung Netanjahu geschwächt, die Linken gestärkt .
    Hier ist wohl ein tiefer Wunsch Stichwortgeber gewesen, die Realität schlicht auszublenden?

    2 Leserempfehlungen
    • owie
    • 15. Februar 2013 18:13 Uhr

    Die paar Klischees als Lesefrüchte zu präsentieren, rechtfertigt keine Rezension. Finde ich.
    Vielleicht empfiehlt sich der Autor Shlomo Sand (Erfindung des Staates Israel) von der Gegenseite, um etwas Brisanz zu generieren. Dort ist nämlich sehr Konkretes und Historisches über die Rolle der Juden im Staat Israel zusammengetragen. Was Ahmadinedschads Rhetorik in ganz anderem Licht erscheinen lässt.
    Und es wird außerdem verstehbar, warum die Eliten des Staates Israel es vorziehen, den Iran zu dämonisieren als die sozialen Spannungen im Inneren abzubauen.

    2 Leserempfehlungen
  2. Parteinahme in mittelöstlichen Konflikten zwischen Regionalen Kontrahenten - so, oder so: islamischen Kontrahenten wohlgemerkt - zu vermeiden, was man zuletzt in Syrien sehen konnte.

    Den Eindruck - so würde ich mir erlauben zu ergänzen: - einer kostenlosen Parteinahme.

    Die Saudis könnten es wohl bereits in Bälde als recht nötig empfinden.

    Eine Leserempfehlung
    • dacapo
    • 27. Februar 2013 0:39 Uhr
    5. [....]

    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion/ls

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  • Schlagworte Sachbuch | Buch | Literatur | Iran | Israel | Krieg
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