Beleuchtungstechnik : Kein Dunkel, nirgends

Leuchtdioden verdrängen nicht nur Glühbirnen und Röhren, sie verändern die gesamte Beleuchtungstechnik.

Allmählich dunkelt es draußen. Immer schwächer werdendes Sonnenlicht dringt durchs Fenster. Doch drinnen bleibt es gleichbleibend hell. Statt der Sonne beginnt das Fenster zu leuchten: Auf dem Glas klebt ein durchsichtiger Film aus organischen Leuchtdioden (Oleds), der elektrische Energie hocheffizient in mattweißes Licht verwandelt.

Noch gibt es das in der Praxis nicht in Fenstergröße. Doch Karl Leo, der für seine Oled-Forschung den Leibniz-Preis und den Deutschen Zukunftspreis bekommen hat, kann immerhin eine Vitrine mit postkartengroßen Scheiben vorführen, die auf Knopfdruck zu leuchten beginnen. »In ein paar Jahren« könnten transparente Oleds auch in Fenstergröße industriell hergestellt werden, sagt der schlaksige Zwei-Meter-Mann vom Dresdener Fraunhofer-Institut für Photonische Mikrosysteme. Das sei »derzeit der wichtigste Schwerpunkt unserer Forschung«.

Philips, Osram, Samsung und einige kleinere Hersteller bieten schon erste transparente Oled-Produkte für Dekorationszwecke an. Philips stellt sie in Aachen her. »Quadratmetergröße erreichen wir 2017«, verspricht der Firmensprecher Dietmar Thomas.

Leuchtende Fenster, Wände und Decken werden elektrisches Licht aus punktförmigen Quellen ersetzen oder zumindest ergänzen, davon ist die Fachwelt überzeugt. Und auch die klassische Trennung zwischen Lampe und Leuchte wird verschwinden. So bezeichnen Experten das Leuchtmittel und die Konstruktion, in die es geschraubt oder gesteckt wird. In Zukunft wird beides immer häufiger als untrennbare Einheit verkauft. Die Lebenserwartung einer guten LED-Lampe, die nur abends ein paar Stunden brennt, übertrifft schon heute die eines Menschen. Austauschbarkeit ergibt da keinen Sinn mehr. Dasselbe gilt für Oled-Folien. Sie sollen länger halten als das Fenster, auf dem sie kleben. Die künstliche Beleuchtung steht vor dem größten Umbruch seit dem Siegeszug der Glühbirne am Ende des 19. Jahrhunderts.

Das zeigt sich auch im Laden. Große oder kleine Fassung, 40, 60 oder 100 Watt, Birne oder Kerze, matt oder klar – lange war das Lampenangebot recht übersichtlich. Zwar gab es schon vor Jahrzehnten Neonröhren, Halogenstrahler und allerhand Speziallampen und Sonderformen, doch für den Großteil des häuslichen Lichtbedarfs reichte der schnelle Griff ins Glühbirnenregal. Heute füllen die Lampenvarianten eine ganze Baumarktabteilung, in der ratlose Kunden umher irren.

»Der Verbraucher war verwöhnt«, sagt Manfred Disser, Lichtexperte beim Verband der Elektrotechnik (VDE). »Das ist endgültig vorbei, die Vielfalt wird sogar noch zunehmen.« Nur eine Technik verschwindet: Der glühende Wolframfaden im Glaskolben, der über 100 Jahre lang Häuser und Straßen erhellte, kann die seit September weiter verschärften Energiesparvorschriften der EU nicht mehr erfüllen, nur noch Restbestände dürfen verkauft werden.

Alle Lampen, die nach dem definitiven Aus der Glühbirne verkauft werden dürfen, verbrauchen bei gleicher Lichtleistung mindestens 30 Prozent weniger Strom. Doch das ist ihre einzige Gemeinsamkeit. Ansonsten herrscht eine kaum zu überschauende Vielfalt – von der Lebensdauer über die Eigenschaften des Lichts bis zu Zündzeit und Energieeffizienz. Eine Lampe für alle Zwecke gibt es nicht mehr. Je nach Anwendung, Disser spricht von »Beleuchtungssituation«, empfiehlt sich eine andere Technik.

Ob die hält, was sie verspricht, wird in Offenbach untersucht. Ende 2011 hat der VDE dort das europaweit modernste Testzentrum für Lichttechnik eingeweiht. Kostbarstes Gerät ist ein Drehspiegelgoniophotometer. »Unser Biest«, sagt kurz und zärtlich Sebastian Schaller. Er ist Herr über die Messtechnik in den schwarz verkleideten Laboren. Dreieinhalb Tonnen wiegen Stahlträger und Drehspiegel vom Format einer großen Satellitenschüssel. Ein entkoppelter Betonfuß verhindert, dass sich Vibrationen vom Gebäude auf das empfindliche Gerät übertragen. Der sieben Meter hohe Raum ist auf exakt 25 Grad temperiert, bereits ein Grad Abweichung würde das Messergebnis verfälschen.

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Kommentare

41 Kommentare Seite 1 von 7 Kommentieren

Zukunft - Wir sind gespannt

Es ist schön, dass sich nun mal einiges tut am Beleuchtungsangebot. Vor allem LEDs werden und müssen besser werden, damit sie als Beleuchtung des gemütlichen Wohnzimmers dienen können.

Momentan bietet dies nach meiner Meinung nur Halogen. Energiesparlampen sind mit ihrem Quecksilber leider außen vor, Glühbirnen dürfen nicht mehr verkauft werden und LEDs sind vom Licht noch zu ungewohnt.

Im Winter ist die Energiefrage bei der Innenbeleuchtung sowieso gänzlich egal. Geheizt werden muss die Wohnung sowieso, also muss niemand bei Halogenlampen ein schlechtes Gewissen haben.

Größe ...

Eine LED ist sehr viel kleiner wie eine Glühbirne.

Manche von der Größe eines SMD ( Surface mounted Device ) Buateils sieht man nicht wenn man es nicht weiß.

aber trotzdem werde LEDs mit einem Glaskolben herum verkauft, damit es aussieht wie eine Glühbirne nach Altvätersitte.

Der Mensch ist eben eine Gewohnheitstier und will sich nicht an neues gewöhnen.

Aber LEDs wollen alle haben.

@Konterrevolution

"Eine LED ist sehr viel kleiner wie eine Glühbirne.

Manche von der Größe eines SMD ( Surface mounted Device ) Buateils sieht man nicht wenn man es nicht weiß.

aber trotzdem werde LEDs mit einem Glaskolben herum verkauft, damit es aussieht wie eine Glühbirne nach Altvätersitte.

Der Mensch ist eben eine Gewohnheitstier und will sich nicht an neues gewöhnen.

Aber LEDs wollen alle haben."

Nee, so einfach mache ich es mir nicht. Allerdings gibt es genug Lampen, die eine bestimmte Form des Leuchtmittels erwarten, da kann ich nicht einfach eine LED aus dem Elektronikbastelkasten ranlöten

Amortisation spätestens nach einigen tausend Stunden

degerfeldt schreibt: "Das heisst ich würde 8 € sparen. Für diese 8 € mehr bekomme ich aber mit Sicherheit kein vergleichbares Produkt."

Die High-End-LED für 20 Euro, die Sie hier erwähnen, hält mindestens 14.000 Stunden durch. In der Zeit müssten Sie 7 Halogen-Lampen kaufen, was alleine schon um die 10 € kostet. Und pro Halogenlampe sparen Sie noch 8 € Strom.

Zurück zu dem, was ich ursprünglich geschrieben habe: Ersetzt man eine 20-Watt-Halogenlampe durch eine LED, die 10 Euro kostet, dann hat man bereits am Ende der Lebenszeit der Halogenlampe von 2.000 Stunden den break even. Danach spart man sich das Lampenwechseln UND man spart Strom. Im Fall einer 20-Euro-LED ist der Break Even halt erst nach der Lebensdauer von 2 Halogenlampen erreicht. Aber auch dann schließen sich (mindestens) 10.000 weitere Stunden an, während derer man sich dank der LED das Lämpchenwechseln spart UND der Stromzähler langsamer läuft.

Jag