Plagiatsvorwürfe : Unter Verdacht
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Ein externer Gutachter soll entscheiden

Denkt sie in diesen Tagen manchmal an den Fall Guttenberg, der die Plagiatsdiskussion ausgelöst hat? Ihre Antwort fällt knapp aus. »Das geht mir schon manchmal durch den Kopf.«

»Ich schäme mich nicht nur heimlich« – diesen Satz über Guttenberg hat man ihr in Bayern nie verziehen. Am Tag unseres Gesprächs vergangene Woche wird der bayerische CSU-Abgeordnete Ernst Weidenbusch mit dem Satz zitiert: »Es wäre an der Zeit, dass die Dame sich unheimlich schämt.« Was denkt Karl-Theodor zu Guttenberg über sie? Auf Anfrage antwortet er per Mail, er hoffe, man habe Verständnis dafür, dass er sich zu Frau Schavan nicht äußern wolle.

Wie soll man die Politikerin Annette Schavan in Erinnerung behalten, was wünscht sie sich? »Als eine Politikerin, die ihre Verantwortung wahrgenommen hat und der man vertrauen kann.« Sie weiß, dass durch ihre Affäre das Vertrauen in sie bei vielen erschüttert wurde, auch deshalb kämpft sie. Es geht auch um das Bild, das man von ihr in Erinnerung behalten wird.

Manchmal denkt Annette Schavan in diesen Wochen darüber nach, wie ihr Leben nach der Politik aussehen wird. Wenn es vorbei ist, will sie sich in ihr Auto setzen und nach Hause fahren, zuerst ins Rheinland, zu ihrer Mutter und ihren Brüdern nach Neuss. Und dann? Als sie kürzlich in Rom war, ging ihr durch den Kopf, dass drei Monate in Rom großartig sein könnten. Und danach drei Monate Paris! Dann ruft sie sich selbst zur Räson: »Wenn ich mir mein Leben ansehe, wie es bisher gelaufen ist, kommt alles sowieso ganz anders, als ich es mir vorstelle.«

Merkels Unterstützung ist nicht unbegrenzt, das weiß Schavan

Am 5. Februar tagt der Fakultätsrat der Universität Düsseldorf das nächste Mal und berät weiter über das Verfahren der Aberkennung. Annette Schavan hat jetzt gefordert, dass ein externer Gutachter beauftragt wird. Das könnte sie bis in den Herbst retten, sodass eine Entscheidung erst nach der Bundestagswahl getroffen werden kann. Sollte der Rat ihr aber vorher den Titel aberkennen, steht sie ohne Studienabschluss da. Sie kann gegen diese Entscheidung innerhalb von vier Wochen klagen. Es ist politisch kaum vorstellbar, dass die Wissenschaftsministerin juristisch gegen eine Universität vorgeht. Annette Schavan will sich davon nicht beeindrucken lassen. Sie hat erklären lassen, dass sie auch nach der Bundestagswahl Ministerin bleiben will. Aber sie weiß, dass die Unterstützung ihrer Freundin Angela Merkel nicht unbegrenzt ist, wenn der Fall Schavan im Wahlkampf zur Belastung wird.

Annette Schavan hat zurzeit einen guten Schlaf, sagt sie, aber nur, weil sie abends so müde ist, dass sie schnell einschläft. Bei unserem letzten Gespräch vergangene Woche sah sie, während sie redete, oft in Richtung Himmel. Sie hat in ihrem Büro ein Kreuz so dezent angebracht, dass Besucher es nicht bemerken, sie es aber jederzeit sehen kann, wenn sie will. Und manchmal ist ihr in den vergangenen Monaten ein Psalm durch den Kopf gegangen: »Als es mir eng war, hast du es weit gemacht.« Annette Schavan hofft, dass es nicht noch enger wird.

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