Deutsche BankStellen streichen reicht nicht

Die Deutsche Bank zieht Bilanz. Der eigentliche Wandel steht ihr noch bevor – inklusive Stellenabbau. Wann reden die Chefs Tacheles?

Wenn die Deutsche Bank ihre Jahrespressekonferenz abhält, sprechen die Vorstandschefs über das Geschäft 2012, über die zahlreichen Auseinandersetzungen mit der Justiz und ganz sicher über ihren angekündigten Kulturwandel. Aber über das für viele Mitarbeiter spannendste Thema werden sie wohl nichts sagen: die Sparpläne. Im Jahr 2015 sollen die Kosten um 4,5 Milliarden Euro niedriger liegen als heute. Ohne den Abbau Tausender Stellen wird das nicht gehen, das weiß jeder. Trotzdem hüllt sich die Bankspitze seit Monaten in Schweigen, wenn es um Details geht. So etwas müsse vorbereitet und erst mit den Arbeitnehmern besprochen werden, heißt es. Mindestens so wahr ist aber: Die Bank will derzeit neue schlechte Schlagzeilen vermeiden, wenn irgend möglich. Dabei gehört der Stellenabbau zum fälligen Neuanfang.

Andere Institute sind da weiter: Die Commerzbank bereitet ganz offiziell den Abbau von bis zu 6.000 Stellen vor. Bei der HypoVereinsbank stehen offenbar 1.000 Stellen auf der Kippe. Die Allianz Bank, eine kleine Tochter der großen Versicherung, macht gleich ganz dicht. Und in London haben bereits Zehntausende ihren Job verloren.

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Für alle Welt ist seither sichtbar: Die Banken müssen sich wandeln – und sie tun es unter Schmerzen. Ihre Geschäfte laufen schlechter, mit Privatkunden Geld zu verdienen fällt schwer, die Provisionseinnahmen sinken vielfach. Auch die Regulierung drückt auf die Renditen, unter anderem der Zwang zu höheren Kapitalpuffern – und sich fürs Tagesgeschäft Geld zu leihen ist deutlich teurer geworden. Als wäre das nicht genug, schauen auch die Aktionäre genauer hin. Sie nehmen es bei Investmentbanken nicht mehr hin, dass die Hälfte des Gewinns oder mehr an die Mitarbeiter fließt. Goldman Sachs und Morgan Stanley kürzen daher ihre Pools für Boni. Es geht den Aktionären um das Wie und das Wieviel.

Diese Veränderungen sind struktureller Natur und werden die Banken auf Jahre beeinflussen. Das Ergebnis muss daher in vieler Hinsicht ein »Weniger« sein. Einige Häuser dürften noch ganz verschwinden, und jene, die bleiben, werden weiter schrumpfen.

Die neue Bescheidenheit kennt viele Varianten. So ist von vielen ausländischen Banken, die sich in den Jahren bis 2008 in Deutschland breitgemacht hatten, kaum noch etwas zu hören, etwa von der Royal Bank of Scotland. Viele Banken ziehen sich aus fernen Märkten zurück und konzentrieren sich wieder auf die Heimat. Das gilt umgekehrt auch für deutsche Häuser, siehe Commerzbank. In ihrem Fokus richten sich viele Institute ebenfalls neu aus: Die Schweizer UBS streicht ihr Investmentbanking zusammen, andere trennen sich von einzelnen Sparten.

Allen Kunden alles anzubieten, überall – das trauen sich nur noch wenige Institute zu. Die Deutsche Bank ist eines davon, und sie glaubt, deshalb in ein paar Jahren global zu den Gewinnern der Krise zu gehören. Entscheidend dafür wird sein, dass die Deutsche Bank tatsächlich ihre Unternehmenskultur, ihre Maßstäbe, ihr Auftreten ändert. Kaum eine Branche lebt so sehr vom Vertrauen ihrer Kunden und von der Akzeptanz der Gesellschaft. Viele Unternehmen – von den Bürgern ganz zu schweigen – sind verärgert und misstrauen ihren Beratern von der Bank.

Skandale wie die Manipulation des internationalen Zinssatzes Libor sind zwar ein Erbe der Vergangenheit. Wie die Banken damit umgehen, ist aber Teil der Gegenwart und liefert Indizien dafür, wie weit es her ist mit dem viel beschworenen Kulturwandel. Die Deutsche Bank etwa könnte, ja sollte am Ende der Ermittlungen einen Bericht vorlegen, was in diesem Fall genau geschah: wenn nötig anonymisiert, aber detailliert – mit den E-Mails, den Tricks, den Zahlen. Das wäre Kulturwandel konkret.

 
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