PromotionDr. Vater

Im Verhältnis zwischen Professor und Doktorand lauern viele Fallen. Schuld daran ist auch eine Bezeichnung, die familiäre Nähe vorgaukelt. von Lilith Volkert

Anfangs ist Anna Mühlbach so begeistert, dass sie die große Leere an ihrer Seite gar nicht bemerkt. Sie hat einen der begehrten Plätze in einem volkswirtschaftlichen Doktorandenprogramm ergattert, bei einem jungen, sympathischen Doktorvater, den sie wegen seiner fachlichen Brillanz »richtig vergöttert«. Sie duzen sich, der Professor ist freundlich, locker – und nie da, wenn sie ihn braucht. Auf E-Mails antwortet er schnell, aber knapp. Ratschläge, wie sie das »große Ganze« in den Griff bekommen kann, gibt er ihr gar nicht – keine Zeit. Ein bis zwei Mal im Jahr trifft Anna Mühlbach ihren Doktorvater zu einer ausführlichen Besprechung. Schon beim zweiten Treffen merkt sie, dass er sich mit ihrem Thema nicht besonders gut auskennt. »Das hat mir sehr zu schaffen gemacht, ich war total ernüchtert«, sagt sie heute. Fachliche Unterstützung holt sie sich bei Kollegen und auf Konferenzen. Nach drei Jahren fällt ihr auf, dass sie ihre Dissertation besser anders angegangen wäre. Anna Mühlbacher, die ihren echten Namen nicht preisgeben möchte, ist verzweifelt.

»Am Anfang dachte ich, dass ich mit meiner Arbeit einen wichtigen Beitrag zur Forschung leisten werde«, sagt sie. »Irgendwann ging’s dann nur noch ums Fertigwerden.« Sie kann an nichts anderes mehr denken, schläft schlecht. Fünf Jahre braucht sie statt der geplanten drei, bis die Promotion in Volkswirtschaft abgeschlossen ist. Dass die 34-Jährige der Forschung vorerst den Rücken gekehrt hat und bei einer Versicherung arbeitet, hat auch mit dieser aufreibenden Zeit tun – und der fehlenden Unterstützung ihres Doktorvaters.

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Etwa 200.000 Menschen arbeiten in Deutschland an einer Dissertation. Ihr wichtigster Ansprechpartner ist: der Erstgutachter, auch Doktorvater – oder Doktormutter – genannt. Im Idealfall hilft dieser Professor dabei, ein Thema zu finden, das sich in drei Jahren bearbeiten lässt, berät bei inhaltlichen wie methodischen Fragen und benotet letztlich die fertige Arbeit. Er ist gleichzeitig Mentor und Prüfer. Von ihm hängt ab, ob und wie die Promotion gelingt.

Den Begriff Doktorvater gibt es allerdings nur im Deutschen, und er macht die Beziehung zwischen Professor und Doktorand nicht einfacher. Er lässt an ein besonderes Vertrauensverhältnis denken und gaukelt familiäre Nähe vor, wo vielleicht nur einseitiges Interesse besteht. Seit wann man vom Doktor-»Vater« spricht, ist selbst Wissenschaftshistorikern nicht bekannt, in einschlägigen Lexika ist der Begriff nicht zu finden. Es ist aber anzunehmen, dass er sich im Laufe des 19. oder frühen 20. Jahrhunderts eingebürgert hat, als Professor und Doktorand noch ein exklusiveres Verhältnis hatten.

Wie viel Zeit sich Betreuer heute für ihre Doktoranden nehmen sollen, regelt die Promotionsordnung selten, es bleibt ihnen also selbst überlassen. Dass es wie bei Anna Mühlbach oft zu wenig ist, fällt besonders auf, wenn die typischen Probleme auftauchen: Zweifel am Thema oder den eigenen Fähigkeiten, schwindende Motivation, Überforderung durch Lehrtätigkeit, Zukunftsangst. Wie gut ein Doktorand damit fertig wird, hängt auch davon ab, ob er am Lehrstuhl, im Rahmen eines Forschungsprojekts oder Doktorandenprogramms oder auf eigene Faust promoviert. »Einzelkämpfer tun sich erfahrungsgemäß schwerer«, sagt die Psychologin Edith Püschel, die seit 30 Jahren Studenten an der Freien Universität Berlin berät. Speziell für Doktoranden bietet sie Treffen an, bei denen sich die Teilnehmer aus verschiedenen Fachbereichen über inhaltliche und persönliche Probleme austauschen können. Bei Letzteren hilft oft schon ein neutraler Blick: Was der oder die Betroffene als harsche Kritik des Doktorvaters versteht, empfinden Außenstehende meist nur als eine etwas knappe Anmerkung.

Leserkommentare
    • goldi53
    • 09. Februar 2013 11:19 Uhr

    So, so, der „Dr. Vater“ ist also kein Verwandter. Sorry liebe Redaktion, aber die Überschrift kann doch nicht Ihr ernst sein.

    8 Leserempfehlungen
  1. 2. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf das Verlinken auf Seiten mit unterstellendem Inhalt. Danke, die Redaktion/jp

    • mirido
    • 09. Februar 2013 11:28 Uhr

    kann man sich nicht aussuchen.

    • Acrux
    • 09. Februar 2013 13:35 Uhr

    mag es nur im Deutschen geben, die Idee der "academic genealogy" ist es nicht:

    http://en.wikipedia.org/wiki/Academic_genealogy

    oder, realistischerweise:

    http://www.phdcomics.com/comics.php?f=1419

    Eine Leserempfehlung
    • mal
    • 09. Februar 2013 14:03 Uhr

    Nicht nur diesem Artikel ist zu entnehmen, dass DoktorandInnen von ihrem Betreuer Expertenwissen auf dem Gebiet der eigenen Promotion, intensive Betreuung, und Ratschläge zum Gesamtkonzept der Doktorarbeit erwarten. Wenn dies nicht vorhanden ist, sind Unzufriedenheit und psychische Probleme die Folge. Offenbar braucht es jetzt sogar schon Psychologen, weil die Doktoranden ihre Probleme nicht selbst in den Griff bekommen.

    Woher kommen diese Probleme? Haben die Leute nicht schon während des Studiums gelernt, dass Professoren nicht allwissend sind und nicht auf alles eine Antwort wissen? Ist nicht aus dem Studium schon bekannt, dass Professoren viele Verpflichtungen haben und daher nicht immer die gewünschte allumfassende Antwort geben können? Haben angehende Doktoranden nicht schon verschiedene Seminar- und Abschlussarbeiten geschrieben, aus denen sie diese Probleme schon kennen?

    Offenbar promovieren zu viele, die den Belastungen nicht gewachsen sind. Professoren müssten strenger auswählen, wer bei ihnen promovieren darf. Diese Jammerei über schlechte Betreuung von Doktoranden kann ich nicht mehr hören - ein Doktorand sollte weitestgehend eigenständig forschen können!

    2 Leserempfehlungen
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    Ein Bacheolor-Student muss viel lernen und auch noch auf die Berufspraxis vorbereitet werden.

    Ein Master-Student darf ein wenig freier forschen, muss sich jedoch auch an den Lehrplan halten.

    Ein Doktorand ist nun so sehr daran gewöhnt ans Händchen genommen zu werden, das er nicht beides bewältigen kann:

    eine neue Arbeitssituation (freies Forschen) und gleichzeitig die inhaltliche Bewältigung seines Themas.
    Denn er ist ja nun schon ziemlich alt geworden und hat Lern und Lehrmuster verinnerlicht.

    Tiefs gibt es bei jeder Arbeit: eine Arbeit zu schreiben, bedeutet immer ein Auf- und Ab- auf der Achterbahn: Angst, Optimismus, Tief (manchmal so tief, das man alles hinschmeissen will), und Zufriedenheit, Unzufriedenheit beim Abschluss der Arbeit.

    Professoren wissen natürlich aus eigener Erfahrung, was es bedeutet eine Arbeit zu schreiben, auf emotionaler Ebene.

    Gute Professoren lassen das auch mal durchblicken und begleiten ihre Doktoranden durch diese Auf-und Abs Das bedeutet nicht das sie die ganze Zeit Händchen halten, manchmal sagen sie auch einfach nur: machen Sie mal einen Spaziergang, die Sonne scheint.

    Das gehört zur informellen Begleitung dazu, man kann das ganze jetzt natürlich auch versuchen zu formalisieren oder aufzuschreiben...

    Das läge dann in der Schnittmenge von Psychologie, Pädagogik, Fachdidaktik und Hochschuldidaktik.

    Die bösen Doktoranden... Es könnte ja sein, dass sie einem Arbeit machen, deswegen werden sie erst einmal pauschal für dumm und unselbständig erklärt, sie haben es alle nicht verdient, dass man ein Wort mit ihnen wechselt... War das wirklich so gemeint?
    Die bösen Doktoranden machen einen Haufen Arbeit, den sonst keiner machen möchte, und bezahlt werden sie im allergünstigsten Fall für die Hälfte ihrer tatsächlichen Leistung. Das Verfassen einer Dissertation ist ja "selbstverschuldet" und wird gern als Vergnügen angesehen. Das Thema bekommen die meisten ohnehin vorgesetzt, mithin werden sie billige Arbeitskraft für die Routinetätigkeiten. Wer selbst denken will, ist das fünfte Rad am Wagen, weil er ja nur "unnützes Zeug" treibt.
    Es soll tatsächlich vorkommen, dass Doktorarbeiten auch angemessen betreut werden... Aber die Wahrscheinlichkeit, in der Lawine von Anträgen und Unibürokratie an letzter Stelle der Prioritätenliste zu landen, ist leider offenbar beeindruckend hoch.

    • DrNI
    • 10. Februar 2013 10:09 Uhr

    OK mal zwei Beispiele: Im Hauptseminar, Master-Studium. Der Prof kommt in die erste Sitzung, erstmal erklärt er, was in diesem Semester gemacht werden soll und was die Qualifikationen und Prüfungen sind, die für den Schein notwendig sind.

    In der Promotion: Doktorandin tritt zum Job an. Ihr Betreuer gibt ihr ein Laptop und nennt ihr die Zimmernummer ihres Büros. Dann sagt er: "Fangen sie schon mal an" und ist für die nächsten zwei Wochen verschwunden.

    Beides habe ich mir nicht ausgedacht. Betreuung findet für Doktoranden nur statt, wenn sie diese vehement einfordern. Aber was will man als Anfänger einfordern, wenn man nicht mal genau weiß, nach was man fragen soll? Also macht man. Oder man macht, was der Betreuer will, und es funktioniert nicht. Der Doktorand ist für die Durchführung Fehlversuche zuständig, der Professor vermarktet die Erfolge.

    Alle Co-Doktoranden glauben solange, man müsse nur fachlich gut genug sein und ganz viel ackern, dann würde man auch Prof. Das ist aber meiner Meinung nach nicht mal so entscheidend: Prof wird, wer so viel eigenes Ego hat, dass er keine Bestätigung von niemand braucht, dass er alle Niederlagen munter wegsteckt. Denn auch als Prof braucht man das, da hat man mehr Feinde als Freunde. Leider erhält sich die Kultur dadurch dann selbst.

    Graduate Schools lösen das Problem nicht: Sie stecken Doktoranden in ein Pflichtprogramm, das ihnen oft nicht gibt, was sie brauchen. Wir brauchen einfach Profs mit mehr Plan und vor allem mehr Zeit.

    • 29C3
    • 10. Februar 2013 11:57 Uhr

    Wenn im Vertrag (damals volle BATIIa-Stelle!) die Arbeitszeit in 60% für die Lehre, 10% für Beteiligung an der Arbeit der Gremien und der Rest, ergo 30% (von 3+2Jahre) für die eigene Forschung aufzubringen sind, dann ist das keine gute Basis. Und wenn dazu noch der Prof. einen mit Lehraufträgen zuschüttet, dabei alles ununterbrochen nach seinem gusto verändert sehen will (selbst die Schriftgröße oder die verwendete Pfeilart), angeblich für Diskussion immer offen sein will, jedoch die Argumente seines Gegenübers stets auf Messer nimmt, weil nicht genau die seinen... und für die kritische Diskussion über die Forschungsergebnisse in den ersten zwei Jahre kaum zu haben ist, dann stimmt etwas nicht. Und dass noch viel mehr faul ist, das merkt der Kandidat dann, wenn er begreift, dass es keine unabhängige Stelle gibt, die ihm effektiv helfen kann, oder gar nur helfen will. Denn die Professoren sind meist untereinander zerstritten, schließen sich aber blitzartig in eine Art Wagenburg zusammen, wenn sie sich mit der Kritik konfrontiert sehen. Je nach Fachgebiet lässt sich das mehr oder weniger gut aushalten, ist aber kräftezehrend; eine ordentliche Promotion ist zumindest in den MINT-Fächern an und für sich schon ein Kraftakt sondergleichen, da sollte der Kandidat m.E. aber vor manchem geschützt werden, was deutsche Hochschullandschaft so traditionell zu bieten hat.
    <a>

    Ich kann leider nur beipflichten. Eigentlich sind mir Aussagen mit dem Tenor "Damals war alles besser" verhasst, aber in diesem Fall, trifft es das anscheinend genau. Ich habe meine Promotion 1998 abgeschlossen. Ich hatte für die Zeit meiner Promotion an meinem Institut eine 'halbe Stelle'. Das bedeutete: 19 Stunden bezahlte Arbeit fürs Institut, Gelegenheit zur Promotion in der Freizeit. Ich weiss natürlich nicht, wie das jetzt vertraglich für Doktoranden geregelt ist. Aber damals -schreckliches Wort!- war es normal, einen grossen Teil der Zeit mit irgendwelchen Schuftereien zu verbringen; das konnte die Administration des Rechnerparks sein oder die Betreuung von Übungsgruppen oder auch die Wartung einer Anlage oder eines Experimentes, das nicht unbedingt etwas mit dem eigenen Thema zu tun haben musste. Und was das eigene Thema nun wirklich war, kristallisierte sich oft erst im Laufe der Zeit heraus und zwar als Ergebnis der recht eigenständigen und manchmal auch ratlosen Arbeit. Nicht genau zu wissen, wohin es ging, gehörte über weite Strecken zur Promotion dazu und ist etwas, das (a) zur Forschung dazu gehört und (b) im Berufsleben sehr hilfreich sein kann. Ich habe dort eine Art von Durchhaltevermögen und Frustrationstoleranz gelernt, die ich bei den Studenten, die ich jetzt so kenne (es sind nur 4 zugegebenermassen) nicht sehen kann. Und die Betreuung meines Doktorvaters? Er war auch nicht oft da.

  2. Ein Bacheolor-Student muss viel lernen und auch noch auf die Berufspraxis vorbereitet werden.

    Ein Master-Student darf ein wenig freier forschen, muss sich jedoch auch an den Lehrplan halten.

    Ein Doktorand ist nun so sehr daran gewöhnt ans Händchen genommen zu werden, das er nicht beides bewältigen kann:

    eine neue Arbeitssituation (freies Forschen) und gleichzeitig die inhaltliche Bewältigung seines Themas.
    Denn er ist ja nun schon ziemlich alt geworden und hat Lern und Lehrmuster verinnerlicht.

    Tiefs gibt es bei jeder Arbeit: eine Arbeit zu schreiben, bedeutet immer ein Auf- und Ab- auf der Achterbahn: Angst, Optimismus, Tief (manchmal so tief, das man alles hinschmeissen will), und Zufriedenheit, Unzufriedenheit beim Abschluss der Arbeit.

    Professoren wissen natürlich aus eigener Erfahrung, was es bedeutet eine Arbeit zu schreiben, auf emotionaler Ebene.

    Gute Professoren lassen das auch mal durchblicken und begleiten ihre Doktoranden durch diese Auf-und Abs Das bedeutet nicht das sie die ganze Zeit Händchen halten, manchmal sagen sie auch einfach nur: machen Sie mal einen Spaziergang, die Sonne scheint.

    Das gehört zur informellen Begleitung dazu, man kann das ganze jetzt natürlich auch versuchen zu formalisieren oder aufzuschreiben...

    Das läge dann in der Schnittmenge von Psychologie, Pädagogik, Fachdidaktik und Hochschuldidaktik.

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  3. Die bösen Doktoranden... Es könnte ja sein, dass sie einem Arbeit machen, deswegen werden sie erst einmal pauschal für dumm und unselbständig erklärt, sie haben es alle nicht verdient, dass man ein Wort mit ihnen wechselt... War das wirklich so gemeint?
    Die bösen Doktoranden machen einen Haufen Arbeit, den sonst keiner machen möchte, und bezahlt werden sie im allergünstigsten Fall für die Hälfte ihrer tatsächlichen Leistung. Das Verfassen einer Dissertation ist ja "selbstverschuldet" und wird gern als Vergnügen angesehen. Das Thema bekommen die meisten ohnehin vorgesetzt, mithin werden sie billige Arbeitskraft für die Routinetätigkeiten. Wer selbst denken will, ist das fünfte Rad am Wagen, weil er ja nur "unnützes Zeug" treibt.
    Es soll tatsächlich vorkommen, dass Doktorarbeiten auch angemessen betreut werden... Aber die Wahrscheinlichkeit, in der Lawine von Anträgen und Unibürokratie an letzter Stelle der Prioritätenliste zu landen, ist leider offenbar beeindruckend hoch.

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  4. Strukturierte Promotionsprogramme sind ein wirksames Mittel gegen die "Vereinsamung" von Doktoranden: Regelmäßige Veranstaltungen, fachliche Betreuung durch mehrere gestandene Wissenschaftler sowie zentrale Ansprechpartner bei allen nicht-fachspezifischen Problemen (z. B. Promotion mit Kind). Und als Nebeneffekt werden durch so eine Programm auch nur die Dünnbrettbohrer auf dem Weg zur "Statuspromotion" abgeschreckt.

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    Regelmäßige Veranstaltungen halte ich auch für wichtig; außerdem fände ich es sinnvoll, die Abhängigkeit vom "Doktorvater" abzuschaffen.
    Doktoranden könnten auch von der Fakultät beschäftigt werden und einen Betreuer bekommen, den sie wirklich wechseln können, wenn sich herausstellt, dass es nicht passt - das kommt oft genug vor, und ist bisher nur durch Aufgeben oder Zähne zusammenbeißen lösbar - so kann man auch in eine sehr unangenehme Zwangslage geraten.
    Zu viel Verschulung finde ich nicht sinnvoll, _eigentlich_ geht es ja immer noch darum, eigenständig zu denken und Fragestellungen zu beantworten.
    Was die "Statuspromotion" betrifft - ich glaube, es wäre sinnvoll, wenn mehr Wert darauf gelegt würde, dass Doktoranden ihr Thema mindestens zu einem gewissen Grad selbst formulieren. Wer das kann und schon eine Weile dabei geblieben ist, den interessiert es auch wirklich.
    Leider ist in vielen Bereichen aber gerade billige Arbeitskraft mehr gefragt als eigenständiges Denken. - Man sollte nur nicht vergessen, dass es unglaublich viel Wichtiges gibt, das man nicht lernen kann, wenn man _nur_ noch Routinearbeit macht (also: mehr als unbedingt nötig, ein gewisser Anteil muss sicher oft sein). Eigentlich geht die Sache dann komplett am Ziel vorbei.

    • Mike M.
    • 10. Februar 2013 23:47 Uhr

    Jedenfalls gute Leute, die das Potential haben etwas Neues zu schaffen, brauchen planwirtschaftliche Strukturen gerade nicht. Durch die ganzen Vorgaben werden sie vielmehr ausgebremst. Ein begleitendes Studienprogramm, das insb. aus promotionsfernen Soft-Skills-Maßnahmen besteht (wenn man ehrlich ist, oft auf Volkshochschulniveau - einer Uni kaum würdig), nimmt unnötig Zeit der Doktoranden in Anspruch, die besser an ihrem Thema arbeiten sollten. Und wer führt diese Veranstaltungen durch? Meistens ist das doch eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für gescheiterte Wissenschaftler, ie keinen Lehrstuhl bekommen haben. Eine oberflächliche und zwangsläufig anonyme Betreuung durch viele ist allemal schlechter als eine intensive Betreuung durch die Person, die fachlich am ehesten in der Lage ist, sich mit den Ideen des Doktoranden auseinanderzusetzen. Besser wir haben zwei Leute, die wirklich für die Promotionsbewertung geradestehen müssen, als "organisierte Unverantwortlichkeit" im Rahmen eines Promotionsprogramms.

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