In den neun Monaten seit seinem Start als Bundesumweltminister hat Peter Altmaier viel von sich reden gemacht, aber messbaren Erfolg kann er kaum vorweisen. Der CDU-Politiker muss sich also sputen, will er bis zur Bundestagswahl im Herbst noch punkten. Zwei Vorhaben sind im Rennen: Zum einen ist da ein Gesetzentwurf, um die Suche nach einem nuklearen Endlager auch jenseits von Gorleben zu strukturieren. Und zum anderen wirbt Altmaier für eine Idee, die er selbst etwas irreführend »Strompreissicherung« nennt.

Tatsächlich gilt die Sicherung nicht dem Strompreis, sondern der Umlage für erneuerbare Energie. Jener Obolus zugunsten der Stromerzeugung aus Sonne, Wind und Biomasse ist Anfang des Jahres um fast 50 Prozent gestiegen und macht inzwischen nahezu ein Fünftel des Haushaltsstrompreises aus (5,28 Cent pro Kilowattstunde). Seither läuft eine Debatte, die dem Ansehen der Energiewende mehr als alles andere schadet: Sie sei unbezahlbar.

Tatsächlich ist der Strom für einige Verbraucher sogar billiger geworden, weil sie sich nicht oder kaum an den Zusatzkosten für die Erneuerbaren beteiligen müssen: Es geht um die Eigenverbraucher von Ökostrom und die industriellen Großverbraucher von Elektrizität. Sie sollen, geht es nach Altmaier, in Zukunft wenigstens ein bisschen zahlen, um die Normalverbraucher zu schonen, was prompt die erwarteten Reaktionen auslöste: Deindustrialisierung, schreien die einen – Anschlag auf die Energiewende, die anderen. Beides ist Quatsch! Weder würde Altmaiers Idee die Energiewende abwürgen, noch würde es die Industrie aus dem Land vertreiben.

Unvollkommen ist sie trotzdem. Ein Problem bei der Höhe der Umlage ist schließlich der Preis an der Strombörse. Denn es ist ja die Differenz dieses allgemeinen Strompreises zum Preis für grünen Strom, die die Verbraucher extra berappen müssen. Ist der Börsenpreis hoch, schrumpft also die Umlage, ist er niedrig, steigt sie. Ihn behandelt Altmaier aber gar nicht, obwohl er derzeit extrem niedrig ist. Das wiederum liegt unter anderem daran, dass der Handel mit den Emissionsrechten für Klimagase nicht funktioniert. Würde der durch geeignete Gesetze wiederbelebt, würde die Umlage sofort sinken.

Hat Altmaiers Idee überhaupt eine Chance? Eher nicht, der Widerstand ist groß. Trotzdem, der Minister wird im Wahljahr sagen können, er habe gewollt, schuld seien die anderen.