Erzieher : Mehr als ein bisschen Heididei

Brauchen Erzieher in Kitas einen akademischen Abschluss?

Das Projekt klingt geradezu provokant: Unter dem blumigen Akronym Primel (Professionalisierung von Fachkräften im Elementarbereich) wollen sich pädagogische Hochschulen in Deutschland und der Schweiz erstmals damit befassen, welche Qualifikation für Erzieherinnen und Erzieher in Kindertagesstätten am besten wäre. Während die Politik noch versucht, Arbeitslose in Abendkursen zu Erziehern umzuschulen, soll eine große Studie klären, ob eine fachschulische Ausbildung von mehreren Jahren ausreicht. Oder ob Erzieher sogar studiert haben sollten.

Akademiker in die Krabbelgruppe? Den neuen Ansprüchen des Kita-Alltags wird diese Überlegung durchaus gerecht. Denn die gehen längst weit über die Entwicklung von Beziehungskompetenz hinaus, auch ohne dass chinesische Kinderlieder auf dem Stundenplan stehen. Schon die gemeinsame Förderung von Kindern mit verschiedenen sprachlichen und kulturellen Hintergründen verlangt von Erziehern mehr als ein bisschen Heididei.

Hinzu kommen wachsende organisatorische Aufgaben. Damit Kindertagesstätten nicht zu schlecht geführten Verwahranstalten verkümmern, brauchen diejenigen, die dort arbeiten, mehr als ein paar Nachhilfestunden.

Während in Deutschland 1.500 studierte Erzieher 128.000 Nichtakademikern gegenüberstehen, ist in den meisten europäischen Ländern das Hochschulstudium der Hortpädagogik bereits gang und gäbe. Dort bekommt das Kita-Personal mehr Input aus der aktuellen Forschung, zeigt die Studie Impuls 41. Die Akademisierung könnte den Beruf aufwerten und so dem Fachkräftemangel entgegenwirken.

Fraglich ist allerdings, ob der intellektuelle Anreiz allein genügt. Derzeit verdienen Erzieher mit oder ohne Studium gleich wenig: rund 1.800 Euro brutto im Monat als Gruppenleiter. Das macht weder den Beruf noch die Hochschulausbildung attraktiv.

Auch für Primel werden noch Teilnehmer gesucht. Bislang haben sich 13 Erzieherinnen gemeldet. Einen akademischen Abschluss hat nur eine von ihnen.

Verlagsangebot

Hören Sie DIE ZEIT

Genießen Sie wöchentlich aktuelle ZEIT-Artikel mit ZEIT AUDIO

Hier reinhören

Kommentare

95 Kommentare Seite 1 von 11 Kommentieren

@2 Sowas von oberflächlich, ihr Kommentar

Na, dann lassen Sie doch die Mütter ran. Und Erzieher brauchen dann wohl keine Ausbildung mehr. Mütter ja auch nicht. Daher soviele Fälle für's Jugend- und Sozialamt ... Weil Mütter IMMER? kompetent sind?

Sind die Kinder denn anders als früher?

Also entweder leben Sie auf dem Mars oder aber ihr Kommentar kann einfach nur polemnisch gemeint sein:

- Umgang mit Frühförderstellen
- Fallbesprechungen für entwicklungsverzögerte Kinder
- Vorbereitete Umgebung in der Gruppe
- Angebotsplanung
- Gestaltung von Elternabenden
- Mit 25 Kindern GLEICHZEITIG einen Alltag gestalten

Ja, bitte, lassen Sie Mütter und Ungelernte nur munter drauf los! Uuuuh !

Bachelor-Absolventinnen der - Teil 2

Die Ausbildung für Erzieher zumindest hier im Land ist recht qualifiziert - könnte natürlich verbessert werden. Warum nicht da aufbauen und auch (wieder) mehr selektieren, wer denn da so die Ausbildung machen möchte. Alle diesbeüglichen Kriterien wurden immer mehr aufgeweicht - früher war Vorpraktikum Pflicht und mindestens mittlere Reife. Das ist heute immer mehr aufgeweicht.
Auch noch was: das System in der Schweiz ist, was frühkindliche Förderung anbelangt nicht mit unserem System zu vergleichen da dort parallel Kindergarten (quasi Vorschule) und Kinderkrippe ("unsere" Betreuungseinrichtungen) laufen.
Erzieher im schweizerischen Kindergarten sind, wie Grundschullehrer auch, akademisch qualifiziert, Krippenerzieher nicht zwangsläufig.