Film "The Last Stand" : Ein Hauch von Ötzi

Arnold Schwarzenegger will es in "The Last Stand" noch mal wissen.

Was macht der Held, wenn sein letzter Film zehn Jahre zurückliegt, der Gouverneursposten verloren ist, die Zeugung von Kindern zu viel Wirbel gemacht hat, die Scheidung unausweichlich scheint, was bleibt einem Arnold Schwarzenegger? Keine Frage. Man muss nur ins Kino gehen: Seine Kinnmuskeln zucken, Augen werden zum schmalen Strich, wenn das Grinsen einsetzt, sieht man Zähne, die ein wenig Aufhellung vertragen könnten. Und doch: Dies ist das Comeback!

Ob es geht? Peinlich wirkt? Komisch?

In The Last Stand gibt es viel zu lachen, das ist die gute Nachricht. Den Plot kennen wir – Actionfilm als Märchenstunde. In einem Kaff an der mexikanischen Grenze muss die Flucht eines Drogenbosses gestoppt werden, der sich mit seiner Privatarmee eine Schneise in die Freiheit ballern will. Das würde klappen, wäre Sommerton Junction nicht ein Ruheposten für Sheriff Owen. Arnold eben. 

Es muss spaßig gewesen sein, das Skript mit den "What the fuck" und "What the hell" zusammenzuschrauben, man stellt sich das Gekicher in der Werkstatt des Regisseurs Kim Jee-Wun vor, der zum ersten Mal für Hollywood filmt, hier die Kernsätze:

Da bahnt sich was Großes an. Ich bin schon fast da. Versuch nicht, den Tod kommen zu sehen, es wird dir nicht gelingen. Who the hell are you? Ich bin der Sheriff. Du hättest das Geld nehmen sollen, alter Mann. Meine Ehre lässt sich nicht kaufen. Let’s go. Du hast mir meinen freien Tag versaut. Du bist verhaftet.

Es gibt, das ist die schlechte Nachricht, im Hintergrund ein böses zweites Skript, vielleicht hat Schwarzenegger es übersehen. Nur darauf geachtet, dass Forest Whitaker die Nebenrolle kriegt, als alter Sack vom FBI. Schwarzenegger darf zwar mit einer baumstammdicken Vickers (7,7 mm) rumballern, die ist aber eine Reliquie aus dem Ersten Weltkrieg. Sein Gegner ist jung. Und so sexy. Elastischer Body, keine Muskeln, die sich nicht mit einem schmalen Designerhemd vertragen würden. Ein Mexikaner, mein Gott, wie viele verdammte Mexikaner hat Gouverneur Schwarzenegger abschieben müssen, was Cortez eine lustige Pointe zuspielt. "Tausende Mexikaner werden jeden Tag zurückgeschickt, ich gehe mal freiwillig", sagt er lächelnd.

Im Fluchtauto, einer Concorde-schnellen Corvette C6CR1, gegen die Schwarzenegger mit einem Schulbus antritt, sitzt ein Girlie vom FBI in Gestalt von Génesis Rodriguez und lässt sich die Lippen wund küssen, bevor Cortez sie aus dem Wagen wirft. Die zweite Frau am Set, Jamie Alexander als Polizeigehilfin, sieht aus wie das Escort-Girl, aber ihr Verhältnis zum Alten ist ein anderes. Sie hat Angst, er tröstet wie Papi: "Ich habe wahrscheinlich mehr Angst als du. Ich habe mehr Blut und Tod gesehen, ich weiß, was kommt."

Man stellt sich vor, wie Schwarzenegger im Studio verblüfft den Schnickschnack sieht, der einem Bond gut stünde, Cortez’ schicke Stahlkonstruktion, die den Canyon überbrücken soll, auf der er dem Mexikaner das Grinsen aus der Fresse haut. Wenn der Sheriff in den Knien federt, sorgt man sich ein wenig um das Kreuzband. Wenn der Schweiß das T-Shirt tränkt, sieht man, dass auch Bodybuildung die Natur nicht abhängt: Unterhautfettgewebe baut sich ab. Da ist ein Hauch von Ötzi. Nie war man mehr auf seiner Seite. Aber er sollte es, wie seine Knochen, nicht überstrapazieren.

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