Nokia-Chef Stephen Elop"Das musste sein"

Zehntausende Arbeitsplätze strich Stephen Elop bei dem finnischen Handykonzern Nokia zusammen. Nach zwei Jahren radikaler Sanierung sieht der Vorstandschef nun erste Zeichen der Hoffnung von 

Nokia-CEO Stephen Elop bei einer Produktpräsentation 2012 in New York

Nokia-CEO Stephen Elop bei einer Produktpräsentation 2012 in New York  |  © REUTERS/Brendan McDermid

DIE ZEIT: Seit Herbst steigt der Aktienkurs von Nokia. Was läuft da falsch?

Stephen Elop: Warum sollte das falsch sein?

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ZEIT: Weil Nokia lange als der große Verlierer unter den Handyherstellern galt.

Elop: Den Börsenkurs werde ich nicht kommentieren. Aber im Februar 2011 haben wir unsere Strategie maßgeblich geändert und uns völlig neu organisiert, um den Konsumenten wieder mehr Wow-Erlebnisse zu verschaffen. Genau das passiert jetzt, jeder kann es sehen. Über die Zeit müssen wir die Begeisterung der Kunden in höhere Verkaufszahlen und diese wiederum in bessere Finanzergebnisse übersetzen. Daran arbeiten wir nachdrücklich und sorgfältig.

ZEIT: Den Strategiewechsel haben Sie vor zwei Jahren in Barcelona öffentlich angekündigt.

Elop: Ja, das war ein vergleichsweise intensiver Moment (lacht).

ZEIT: Damals haben Sie Nokia als eine "brennende Ölplattform" bezeichnet. Ist das Feuer jetzt gelöscht?

Elop: Die Analogie hatte hauptsächlich damit zu tun, dass Nokia in einer sehr schwierigen Lage war und sich grundsätzlich ändern musste. Wir haben mutige Entscheidungen getroffen, aber nun gehören unsere Produkte zu den besten im ganzen Markt. Wir stoßen auf eine starke Nachfrage, auch bei Ihnen in Deutschland. Fachleute und die Öffentlichkeit sind sich einig, dass Nokia sich in einem völlig anderen Zustand befindet als noch vor zwei Jahren. Man sieht das an unseren Lumia-Smartphones, aber auch an den Handys für Schwellenländer, deren Akkus bis zu fünf Tage durchhalten und die nur wenig Datenverkehr produzieren. Oder an unserer Netzwerksparte Nokia Siemens Networks: Die hatten jetzt das profitabelste Ergebnis ihrer Geschichte. Das alles sind ermutigende Signale.

ZEIT: Nokia hat die Wende zum Besseren also geschafft?

Elop: Den genauen Zeitpunkt des Turnaround wird man allenfalls rückblickend erkennend können, jetzt ist das unmöglich. Wir haben noch viel zu tun, aber die Reaktionen und die Nachfrage nach unseren Produkten sind äußerst ermutigend.

ZEIT: Und wenn das nicht so bleibt? Kürzlich hieß es, Sie müssten Anfang 2013 zurücktreten, falls keine dauerhafte Trendwende erkennbar sei.

Nokia: Der Chef

Stephen Elop (49) wurde in Ancaster in Kanada geboren. Er studierte Informatik und Management und machte bei verschiedenen Technologiefirmen Karriere. Bevor er im Herbst 2010 den Chefposten bei Nokia übernahm, gehörte Elop dem Konzernvorstand von Microsoft an.

Das Unternehmen

Der finnische Konzern steckt in einer der tiefsten Krisen seiner 148-jährigen Geschichte. Lange der wichtigste Handyhersteller der Welt, verlor Nokia stetig Marktanteile im lukrativen Geschäft mit Smartphones an Apple und Samsung. Elop setzte ein rigides Sparprogramm durch und richtete den Konzern mit seinen heute knapp 100.000 Beschäftigten stark auf die Zusammenarbeit mit Microsoft aus. Auf den neuen Smartphones der Lumia-Reihe läuft dessen Software Windows 8.

Die Aktie

Unter der Führung von Elop verlor der Aktienkurs von Nokia zunächst etwa 75 Prozent an Wert, stieg aber in den vergangenen Monaten deutlich an. Erstmals seit knapp zwei Jahren hat Nokia in der vergangenen Woche wieder schwarze Zahlen vorgelegt – für das vierte Quartal 2012. Für das ganze Jahr steht aber ein Milliardenverlust in den Büchern. Seinen Aktionären streicht der Konzern erstmals seit 20 Jahren die Dividende, was zuletzt den Aktienkurs wieder etwas drückte.

Elop: Nun, Gerüchte gibt es viele. Ich bin ja immer noch da.

ZEIT: Offensichtlich.

Elop: Lassen Sie mich das mal so illustrieren: Kurz vor Weihnachten bin ich in London-Heathrow gelandet, und mit meinem kanadischen Pass musste ich mich vor dem Schalter der Einwanderungsbehörde anstellen. Da hing ein "Keine Handys"-Schild, aber weil die Schlange so lang war, habe ich natürlich trotzdem einige E-Mails gelesen. Plötzlich war ich dran, und der Mann am Schalter sagte etwas über mein Telefon. Oh, jetzt gibt es Ärger, dachte ich, aber dann fragte er, ob das das neue Lumia von Nokia sei. Dann habe ich ihm erst einmal ein paar Dinge gezeigt – wie gut die Kamera ist und so etwas. Die Leute hinter mir in der Schlange haben mich gehasst, aber ich fand die Situation sehr ermutigend. Es ist genauso wie in der Stadt oder in den Handyläden; überall spüre ich diese Begeisterung bei den Menschen.

ZEIT: Mal was ganz anderes – darf ich Ihnen eine persönliche Frage stellen?

Elop: Ja, natürlich.

ZEIT: Sie haben fünf Kinder, richtig?

Elop: Einen Jungen und vier Mädchen.

ZEIT: Ich frage mich, wie wohl Ihr Familienleben aussieht. Die Dauersanierung eines Weltkonzerns ist vermutlich kein Nine-to-five-Job. Woher nehmen Sie die Energie?

Elop: Tja, woher kommt die Energie? Ob im Privatleben oder beruflich, ich bin sehr motiviert, stehe morgens gerne auf und freue mich auf den Tag. Heute früh habe ich mit meinen Töchtern geskypt, das war sehr schön. Wenn ich auf Reisen bin und mit Mitarbeitern spreche, die nach sehr schweren Zeiten jetzt wieder von unseren Fortschritten begeistert sind, dann gibt mir das viel Kraft. Sie sind viel zuversichtlicher als vor einem Jahr und freuen sich auf das, was Nokia noch alles vorhat. Dafür bin ich äußerst dankbar.

Leserkommentare
  1. Wie häufig darf Mr. Elop in seinem Interview noch penetrantes product placement betreiben?

    Nokia muss auch nicht mehr sein- seit der Schliessung des Bochumer Werkes (trotz Rekordgewinne) ein absolutes no-go.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    Redaktion

    Na, als penetrantes Product Placement würde ich das nicht bezeichnen. Es stimmt ja, dass Nokia seit der Schließung des Bochumer Werks 2008 in Deutschland nicht mehr viele Freunde hat. Fünf Jahre ist das jetzt her, es geschah noch unter Elops Vorgänger. Dennoch finde ich es gerechtfertigt, das neue Smartphone Lumia größer zu thematisieren - Elop hat das Wohl und Wehe des ganzen Konzerns an dieses Gerät gehängt. Eine über mehrere Monate andauernde Aktienkursrallye und die ersten positiven Quartalszahlen seit einer Ewigkeit (klar, auch und vor allem wegen der Sparmaßnahmen) rechtfertigen aber auch die Frage, ob das eine womöglich eine gute Idee gewesen ist. Elop selbst ist da ja interessanterweise recht zurückhaltend, will das Wort Turnaround nicht benutzen. Fest steht aber auch: Floppt dieses Modell, dann ist es mit Nokia wohl endgültig vorbei.

    • ach_ne
    • 12. Februar 2013 7:42 Uhr

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke. Die Redaktion/kvk

  2. Redaktion

    Na, als penetrantes Product Placement würde ich das nicht bezeichnen. Es stimmt ja, dass Nokia seit der Schließung des Bochumer Werks 2008 in Deutschland nicht mehr viele Freunde hat. Fünf Jahre ist das jetzt her, es geschah noch unter Elops Vorgänger. Dennoch finde ich es gerechtfertigt, das neue Smartphone Lumia größer zu thematisieren - Elop hat das Wohl und Wehe des ganzen Konzerns an dieses Gerät gehängt. Eine über mehrere Monate andauernde Aktienkursrallye und die ersten positiven Quartalszahlen seit einer Ewigkeit (klar, auch und vor allem wegen der Sparmaßnahmen) rechtfertigen aber auch die Frage, ob das eine womöglich eine gute Idee gewesen ist. Elop selbst ist da ja interessanterweise recht zurückhaltend, will das Wort Turnaround nicht benutzen. Fest steht aber auch: Floppt dieses Modell, dann ist es mit Nokia wohl endgültig vorbei.

    Antwort auf "Musste das sein?"
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    na und möchte ich den skrupelosen Managern von Nokia dann zurufen...
    so brutal ist halt der MARKT !

    Denn diesem Markt um jeden Preis hat doch Nokia in rücksichtloser Manier durchgezogen, als 2008 das Werk in Bochum dicht gemacht hat, trotz Rekordgewinn...und vorher noch Millionen Subventionen sprich Steuergeld abgegriffen hat...

    und dieses schäbige Spiel dann in Rumänien nochmal wiederholt hat und dann wieder wie eine Heuchschrecke auch dort nur verbrannte Erde hinterlassen hat.

    Diese Gier hat den verantwortlichen Managern wohl den Blick für die wirklich wichtigen, technischen Entwicklungen am Handy Markt vernebelt und das hat den Absturz von Nokia am Ende hervorgerufen ! Ausbaden mussten das bis heute 10. tausende Arbeitnehmer...

    Deshalb habe ich null Mitleid mit Nokia, mein Mitgefühl gilt lediglich den normalen Beschäftigten, die bisher durch gravierende Management Fehler verheizt wurden.

  3. na und möchte ich den skrupelosen Managern von Nokia dann zurufen...
    so brutal ist halt der MARKT !

    Denn diesem Markt um jeden Preis hat doch Nokia in rücksichtloser Manier durchgezogen, als 2008 das Werk in Bochum dicht gemacht hat, trotz Rekordgewinn...und vorher noch Millionen Subventionen sprich Steuergeld abgegriffen hat...

    und dieses schäbige Spiel dann in Rumänien nochmal wiederholt hat und dann wieder wie eine Heuchschrecke auch dort nur verbrannte Erde hinterlassen hat.

    Diese Gier hat den verantwortlichen Managern wohl den Blick für die wirklich wichtigen, technischen Entwicklungen am Handy Markt vernebelt und das hat den Absturz von Nokia am Ende hervorgerufen ! Ausbaden mussten das bis heute 10. tausende Arbeitnehmer...

    Deshalb habe ich null Mitleid mit Nokia, mein Mitgefühl gilt lediglich den normalen Beschäftigten, die bisher durch gravierende Management Fehler verheizt wurden.

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  4. Abgreiferfirma, gäb's die überhaupt noch, wenn sich nicht immer Länder fänden, die ihnen dicke Subventionen spendieren?

    • ach_ne
    • 13. Februar 2013 7:45 Uhr
    6. [...]

    [...]
    Nokia hat wenigstens in Deutschland produziert. Anderen Herstellern war Deutschland schon immer zu teuer. Auch heute produziert Nokia noch teurer als andere Hersteller. Samsung beispielsweise wurde bereits Kinderarbeit nachgewiesen (http://www.aktiv-gegen-ki...). Bei Nokia springen auch keine verzweifelten Arbeiter aus dem Fenster.

    Mein Nokia-Handy ist über 10 Jahre alt und funktioniert noch immer tadellos. Mein neues gerät wird daher wieder ein Nokia sein, auch wenn es etwas teurer ist - dafür aber sauber.

    Gekürzt. Kritik an der Moderation richten Sie gerne an community@zeit.de. Danke, die Redaktion/jk

    Eine Leserempfehlung
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    Bevor Sie aus dem "Fenster springen könnten"....

    Ihr Kampf gegen Kinderarbeit in Ehren, aber das klingt schon ein bißchen nach Birnen mit Äpfeln vergleichen.
    Aber zunächst mal zu Fertigung:

    1. Ist Samsung ein asiatischer Konzern, warum sollte er also in Europa fertigen lassen ?
    Dagegen ist Nokia eben ein europäischer Konzern und auch in Europa groß geworden.

    2. Kindearbeit, da Nokia inzwischen selbst in Asien fertigen lässt wäre ich ein bißchen vorsichtig mit Aussagen Nokia fertigt angeblich "sauber"...gibt es dafür irgendein nachprüfbares Siegel etc.??
    Und andere europäische Konzerne haben das auch schon behauptet bis Ihnen das Gegenteil nachgewiesen wurde...

    3. Ja nokia Handys waren mal sehr robust, gerade die älteren, die ich selbst auch lange benutzt habe...bis zunächst die schäbige Aktion in Bochum kam, dann noch die Bestätigung dieser dreisten Vorgehensweise in Rumänien, als Heuschrecke die ALLES staatliche mitnimmt und dann verbrannte Erde hinterlässt.

    4. Hat das Toopmangement bei Nokia den Wandel am Handy Markt schlicht verpennt und sich auf den verwelkten Lorbeeren ausgeruht und stattdessen NUR NOCH über KOSTENOPTIMIERUNG nachgedacht...das war der Anfang vom Niedergang.

    5. Deshalb nutzen die niedrigen Produktionskosten am Ende wie der Redakteur richtig schrieb rein gar nichts, wenn das neue Produkt wieder floppt, sprich NICHT GEKAUFT wird vom Kunden.
    Und daran ist keineswegs der böse Kunde Schuld sondern Nokia die viel zu lange gepennt haben.

  5. Bevor Sie aus dem "Fenster springen könnten"....

    Ihr Kampf gegen Kinderarbeit in Ehren, aber das klingt schon ein bißchen nach Birnen mit Äpfeln vergleichen.
    Aber zunächst mal zu Fertigung:

    1. Ist Samsung ein asiatischer Konzern, warum sollte er also in Europa fertigen lassen ?
    Dagegen ist Nokia eben ein europäischer Konzern und auch in Europa groß geworden.

    2. Kindearbeit, da Nokia inzwischen selbst in Asien fertigen lässt wäre ich ein bißchen vorsichtig mit Aussagen Nokia fertigt angeblich "sauber"...gibt es dafür irgendein nachprüfbares Siegel etc.??
    Und andere europäische Konzerne haben das auch schon behauptet bis Ihnen das Gegenteil nachgewiesen wurde...

    3. Ja nokia Handys waren mal sehr robust, gerade die älteren, die ich selbst auch lange benutzt habe...bis zunächst die schäbige Aktion in Bochum kam, dann noch die Bestätigung dieser dreisten Vorgehensweise in Rumänien, als Heuschrecke die ALLES staatliche mitnimmt und dann verbrannte Erde hinterlässt.

    4. Hat das Toopmangement bei Nokia den Wandel am Handy Markt schlicht verpennt und sich auf den verwelkten Lorbeeren ausgeruht und stattdessen NUR NOCH über KOSTENOPTIMIERUNG nachgedacht...das war der Anfang vom Niedergang.

    5. Deshalb nutzen die niedrigen Produktionskosten am Ende wie der Redakteur richtig schrieb rein gar nichts, wenn das neue Produkt wieder floppt, sprich NICHT GEKAUFT wird vom Kunden.
    Und daran ist keineswegs der böse Kunde Schuld sondern Nokia die viel zu lange gepennt haben.

    Antwort auf "[...]"
    • ach_ne
    • 13. Februar 2013 11:10 Uhr

    1. Nokia ist kein deutscher Konzern, warum sollte er in deutschland produzieren? Da müssen Sie dann schon den Kontinent bemühen um noch eine "Begründung" zu finden. Darüber hinaus beschäftigt Nokie noch immer Deutsche, sowohl in der Forschung als auch in NSN. Sie dürften erst recht keine Produkte mehr von deutschen Firmen kaufen, die die Produktion ins Ausland verlagerten, z.B. Adidas, Puma, s.Oliver usw...

    2. Unschuldig bis zum Beweis des Gegenteils. Es gibt NGOs die ganz genau hinsehen und bei NOKIA nichts finden konnten. Was glauben Sie wie die sich freuen würden, wenn sie einen weiteren Konzern an den Pranger stellen könnten. hat aber eben nur bei Samsung geklappt.

    3. Ach, und nach Bochum sind sie nicht mehr robust? Wo ist die Korrelation?

    4. und 5.: Zum Teil sicher richtig. Allerdings wären in Deutschland produzierte Smartphones nicht konkurrenzfähig. Kostenoptimierung wäre daher spätestens jetzt nötig gewesen. Mir ist allerdings egal, ob es die letzten Jahre gute Nokia-Smartphones gab oder nicht, denn ich treffe meine Kaufentscheidung in der gegenwart und da hat m.E. Nokia die Nase vorne. Sobald die echte PureView-Kamera in ein WP8-Smartphone gesteckt wird, schlage ich zu.

    Ich will Sie zu nichts überreden. Kaufen Sie doch Smartphones von Herstellern denen Kinderarbeit bereits nachgewiesen wurde und die früher mal bessere Smartphones bauten. ich entscheide mich eben anders.

    Eine Leserempfehlung

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