ItalienMussolinis Erbe

Es geht um Macht, nicht um Moral: Mitten im italienischen Wahlkampf wird der Neofaschismus wieder populär. von 

Anhänger von Casa Pound während einer Demonstration in Rom

Anhänger von Casa Pound während einer Demonstration in Rom (Archivbild)  |  © Gabriel Bouys/AFP/Getty Images

Die Rechtsextremen erobern die Piazza. Das haben sie auch schon vor fünf Jahren versucht, aber in diesem Frühjahr sind gleich sechs ultrarechte Parteien nicht zu übersehen. Die Krise hat sie gestärkt, an jeder Straßenecke versprechen die Rechten Sozialwohnungen und Arbeit für Italiener. Tagsüber verteilen sie Flugblätter und zeigen »physische Präsenz«, wie das in ihrem Jargon heißt. Nachts tapezieren sie römische Hauswände mit ihren Plakaten.

Das italienische Wahlrecht verhindert weitgehend die Direktwahl der Kandidaten. Nicht die Wähler, sondern die Parteiführer bestimmen, wer am Ende im Parlament sitzen darf. Deshalb haben die meisten Parteien fast komplett auf den Straßenwahlkampf verzichtet, ihre Führungsriege spricht lieber aus gut geheizten Fernsehstudios zum Volk. Die rechten Schmuddelkinder werden nicht ins Fernsehen eingeladen, ihnen bleibt nur die Piazza.

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Sie sprühen Graffiti wie: »Sechs Millionen Tote sind eine Lüge – Antisemitismus ist kein Verbrechen«. Zu lesen in der Via Tasso in Rom. Früher lagen hier die Folterkammern der Gestapo. Heute residiert um die Ecke die rechtsextreme Partei Casa Pound. In Neapel wurden gerade sieben Mitglieder verhaftet. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen Körperverletzung und illegalen Waffenbesitz vor, außerdem hätten sie geplant, eine jüdische Studentin zu vergewaltigen.

Berlusconi umwirbt den rechten Rand

In Rom sind die Leute von Casa Pound bestens integriert. Ihr Chef betreibt eine beliebte Trattoria im Stadtzentrum. Wenn er mit seinem Einsatz auf der Straße fertig ist, kocht er Rigatoni mit Tomatensauce für Touristen. Vermutlich auch noch nach der Wahl am 25. Februar, denn ins Parlament wird Casa Pound kaum einziehen. Das Problem ist eher, dass das Gedankengut der rechtsextremen Straßenkämpfer längst salonfähig geworden ist.

Mitten im Wahlkampf lobt Silvio Berlusconi den faschistischen Duce Benito Mussolini. »Die Rassengesetze waren Mussolinis schlimmster Fehler«, sagte der Ex-Premier vergangene Woche am Rande einer Veranstaltung zum Holocaust-Gedenktag. »Aber auf anderen Gebieten hat er gut gearbeitet.« Für die Judenverfolgung könne Italien im Übrigen nicht verantwortlich gemacht werden: »Italien war mit Deutschland verbündet und wurde deshalb zum Einsatz gegen Juden gezwungen.« Berlusconi behauptete das ausgerechnet an Gleis 21 des Mailänder Hauptbahnhofs – Schauplatz der Deportation Hunderter jüdischer Italiener. Seine Worte waren zynisch und wohlkalkuliert.

Der in Umfragen abgeschlagene Medienunternehmer jagt auch am rechten Rand verzweifelt nach Stimmen. Es geht um Macht, nicht um Moral. Und schon gar nicht um historische Wahrheiten. Berlusconis Parteifreunde verteidigen ihren Chef mit dem Hinweis, er habe nur ausgesprochen, was die Mehrheit im Volk denke.

Leserkommentare
    • hacht
    • 10. Februar 2013 16:53 Uhr
    1. [...]

    Wir wünschen in diesem Forum keine Unterstützung rechtsextremistischer Ideen oder Organisationen. Danke, die Redaktion/fk.

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    • lxththf
    • 10. Februar 2013 17:03 Uhr

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    • broeber
    • 10. Februar 2013 19:38 Uhr

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    • pekaef
    • 10. Februar 2013 16:57 Uhr

    ... es kommt die Zeit der Idiotien und der Idioten.

    31 Leserempfehlungen
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    Bitte verzichten Sie auf die Verbreitung von Verschwörungstheorien. Danke, die Redaktion/fk.

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  2. Rechtes Gedankengut kommt immer dann Zustande wenn es Bevölkerungen schlecht geht, die Bildung und der Wohlstand sinkt. Hier sieht man doch ganz klar, dass es das produkt geistiger Verarmung und Rückzug auf die Urinstinkte ist. Wer andere für die eigenen Probleme verantwortlich macht hat noch nicht begriffen wie die Welt funktioniert.

    27 Leserempfehlungen
  3. 5. [...]

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    • lxththf
    • 10. Februar 2013 17:03 Uhr
    6. [...]

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    • HeidiS
    • 10. Februar 2013 17:04 Uhr

    dass die Entwicklungen in der Eurozone, ja der EU allgemein, die rechten Parteien stärken werden. Es wird dann von den etablierten - demokratischen (!) - Parteien bedauert, sie werden den Trend aber nicht aufhalten können. Die griechische, demokratisch gewählte, Regierung entscheidet gegen ihr Volk, indem es einen privaten Sicherheitsdienst (Blackwater) vorsieht, sollten die eigenen Sicherheitskräfte irgendwann nicht mehr bereit sein, gegen Demonstranten vorzugehen und sie nicht mehr schützen kann. Was muss eigentlich noch - demokratisch legitimiert - passieren, damit dieser Verfall Europas aufhört? Glaubt noch irgendjemand, dass das Ruder herumgerissen wird? Von wem? Ein Leserbriefschreiber in der FAZ fragte, weshalb nicht das reiche Norwegen, dass immerhin die EU mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet hat, dieser EU beitritt. Das hat mich sehr nachdenklich gestimmt.

    11 Leserempfehlungen
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    • truetom
    • 10. Februar 2013 20:42 Uhr

    der nobel preis wird in stockholm und nicht in oslo verliehen

    • Baradin
    • 10. Februar 2013 17:04 Uhr

    Das ist das Problem, in das uns eine strenge Austeritätspolitik treibt. Im Moment mögen die Märkte und die Zinsen ruhig sein, die Völker sind es nicht und der Zorn gärt still. Doch wenn er sich Bahn bricht, lehrt uns Weimar, dass es zu spät sein kann.

    Die Idee Europas - nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus - würde plötzlich wieder an akuter Bedeutung gewinnen, wenn klar wird, wie dünn der Firness des mühsam errungenen Friedens und der europäischen Völkerverständigung ist.
    Man lasse es nicht so weit kommen! Europa ist mehr als ein Markt und dieser Artikel ist ein guter Grund unsere 'hart erarbeiteten Steuergelder' nicht allzu geizig zu handhaben. Denn ob wir sie in die Länder investieren, denen es heute schlecht geht oder in Armeen, um uns vor ihrem Zorn zu verteidigen, ist nicht nur eine finanzielle, sondern auch eine moralische Frage.

    Es muss doch möglich sein, dass wir nicht nach weniger als einem Jahrhundert schon wieder vergessen haben, was es heißen kann, wenn Völker sich ungerecht behandelt fühlen; dass wir voraus- statt nachdenken und weitsichtig handeln, auch wenn es im Moment heißen würde, die etwas größere Rechnung zu bezahlen.

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    Bitte nutzen Sie die Kommentarfunktion so wie sie vorgesehen ist: Zur konstruktiven Diskussion des konkreten Artikelthemas. Verzichten Sie bitte außerdem auf die Verbreitung von undifferenzierten Äußerungen. Danke, die Redaktion/fk.

    Herzlichen Dank dafür!

    • caro-v
    • 10. Februar 2013 21:58 Uhr

    Ich habe selten einen solchen realistischen, abgeklärten Kommentar gelesen! Bravo! denn auf anderen rumhachen kann jeder

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  • Schlagworte Wahlkampf | Parlament | Benito Mussolini | Italien
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