Ist es ferner, auf internationaler Ebene, ein Mangel der Demokratie, wenn sich Vertreter nationaler Interessen nicht einigen können, weil jeder durch aktiven Klimaschutz Wettbewerbsnachteile fürchtet? Oder ist es ein Mangel an Demokratie im Sinne einer nicht ausreichenden Repräsentanz sozialer Interessen, regionaler Bevölkerungen und politischer Bewegungen? Ist es nicht ein Mangel an Demokratie, wenn in klimapolitisch entscheidenden Ländern wie China und Russland zivilgesellschaftliche Akteure keinen oder nur marginalen Einfluss auf die nationalen Politiken ausüben? Wenn sie in einem Land wie den USA nicht gegen die Interessen des Militärs oder der Ölwirtschaft ankommen?

Es ist bezeichnend, dass die demokratiemüden Klimapolitikberater sich vor allem an Weltmächte, den Staat und transnationale Großorganisationen wenden. Doch in Fragen der Klimapolitik scheint die Bevölkerung weiter zu sein als ihre politischen Vertreter. Die Frage müsste hier sein, wie gerade die besser informierten und engagierten Bürger stärker in den politischen Willensbildungsprozess eingebunden werden können; nicht, wie man sich in dieser oder jener gesellschaftspolitischen Frage demokratischer Hürden entledigen könnte.

Nun ist es durchaus möglich, dass größere Teile der Bevölkerung nicht bereit sind, einen Umbau der Gesellschaft mitzutragen, wie er den Anhängern einer konsequenten Klimapolitik vorschwebt. Selbst das begründet allerdings keinen Zweifel an der Demokratie. Vielmehr müssen die Teilnehmer dieser Debatte sich fragen lassen, ob sie für ihr Anliegen genug geworben haben. Aber die Frage, wie Bürger über Klimaschutz denken und welche Einschränkungen sie womöglich hinzunehmen bereit wären, muss offen bleiben – schon weil es dazu wenig Forschung gibt. Auch das liegt in der Logik der Demokratieskeptiker: Wer Politik primär als Politik der Experten versteht, für den hat Wissen über Bürgerbeteiligung nur begrenzten Wert; auf Befragungen oder gar Volksabstimmungen kann er verzichten.

Offene Fragen und voreilige, unbedachte, gefährliche Antworten: Dass ausgerechnet Forscher, die im Interesse aller das Klima schützen möchten, demokratische Rechte und Freiheiten infrage stellen, ist mehr als paradox. Es ist Unsinn.