Auktionshaus de Pury : "Es ist einfach sehr viel Geld da"

Michaela und Simon de Pury sind aus ihrem Auktionshaus Phillips de Pury ausgestiegen. Ein Gespräch über die Lage auf dem Kunstmarkt.
Simon De Pury und seine Frau Michaela auf der "Fly to Baku"- Ausstellung in ihrer Londoner Galerie im Januar 2012. © Chris Jackson/Getty Images

Michaela und Simon de Pury gehören zu den bekanntesten Figuren auf dem internationalen Kunstmarkt. Michaela de Pury (Jahrgang 1970) hat zunächst in dem Münchner Auktionshaus ihres Vaters Rudolf Neumeister gearbeitet, bevor sie vor zwölf Jahren bei dem Auktionshaus Phillips de Pury anfing. Der Schweizer Simon de Pury (Jahrgang 1951) studierte erst Kunst in Japan, fing dann 1974 bei Sotheby’s an, wo er schließlich für das Europageschäft verantwortlich war. 1997 gehörte er zu den Mitgründern von Phillips de Pury, einem der weltweit größten Auktionshäuser für zeitgenössische Kunst. Das Paar lebt in London.

DIE ZEIT: Vor Kurzem kam die überraschende Nachricht, dass Sie beide aus dem Auktionshaus Phillips de Pury ausscheiden. Wie kam es dazu?

Simon de Pury: Nachdem ich im Oktober meine restlichen Anteile an der Firma an die Mercury Group verkauft hatte, teilte ich den Besitzern im Anschluss an die große November-Auktion unsere Entscheidung mit, uns beruflich zu verändern. 2008 hatte ich bereits einen Mehrheitsanteil an Mercury verkauft. Michaela wollte schon vor zwei Jahren aussteigen, ich konnte sie jedoch überzeugen, zu bleiben. Eigentlich wollte uns Mercury noch im Boot behalten, aber es schien uns ein günstiger Moment, um etwas Neues anzufangen.

ZEIT: Aber wieso haben Sie Ihre Anteile verkauft?

Simon de Pury: In meiner professionellen Laufbahn habe ich mich alle zehn bis zwölf Jahre verändert. Die Firma ist in einer starken Position, was mir den Abgang leichter macht.

ZEIT: Und was werden Sie jetzt machen?

Michaela de Pury : Wir haben verschiedene Bälle in der Luft. Jetzt ist die Frage, ob wir mehrere Initiativen starten oder eine einzige große Unternehmung angehen. Wir wollen uns in Zukunft so aufstellen, dass wir mehr Freiheiten haben. Und wir wollen etwas Neues auf dem Markt bewegen.

Simon de Pury: Der Kunstmarkt ist konservativ. Die Künstler probieren jeden Tag etwas Neues aus, aber der Markt hat Skepsis vor Veränderungen.

ZEIT: Sprechen Sie dabei auch über den Kunsthandel im Internet?

Simon de Pury: Bis jetzt hat das Internet noch zu keiner grundlegenden Veränderung auf dem Kunstmarkt geführt. Abgesehen vom Informationszugang: Einer meiner ersten Aufgaben bei Sotheby’s war es damals, die erzielten Auktionspreise mit Katalogausschnitten in einem gigantischen Zettelkastenarchiv einzusortieren. Dieses Archiv war ein Teil des Herrschaftswissens des Auktionshauses. Heute kann jeder Mensch per Mausklick erfahren, wie viel ein Werk wert ist.

Michaela de Pury : Aber auch heute kaufen schon Sammler Kunstwerke zu hohen Preisen, ohne sie vorher im Original gesehen zu haben. Die schauen in den Auktionskatalog, bieten dann per Telefon oder lassen sogar bieten. Das ist eigentlich eine Vorstufe zum Internethandel.

Simon de Pury: Mit der Zeit wird auch das Geschäft im Internet zunehmen. Das Internet böte den Händlern die Chance, den Geschmack der Kunden besser zu analysieren: Welcher Sammler schaut sich welche Bilder an? Gibt es da Muster?

Michaela de Pury : Aber ob es im Internet dann auch noch dieselbe geschmacksbildende Autorität gibt, wie sie die Auktionshäuser und Galeristen heute besitzen? Es muss Filter geben.

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Kommentare

5 Kommentare Kommentieren

Kunst wahrscheinlich auch nur aus ihren Auktionskatalogen

genau,und jetzt auf sie mit Gebrüll.das Problem ist nur kein Mensch interssiert sich für diese gallery-art mehr.
Wie oft wurde früher z.B. Gerhard Richter nicht empfohlen,er solle mal nicht so viel produzieren.und Blinky Palermo hat sich das Leben genommen.aus versehen.Nur dass ihm kurz vorher klar gemacht worden ist.daß er an der Wertsteigerung seiner Werke nicht beteiligt wird.Dieser Kunsthandel ist noch furchtbarer und gemeiner,wie wir uns das garnicht vorstellen können.und noch dümmer."Gerhard Richter entwickelt sich" oh really!? hab ich was verpasst?Ich dachte er läßt die Farbe nunmehr seit Jahrhunderten wie Dreck über die Leinwand schaben."Guck ma sieht aus wie." ja toll.nä nä nä nä

Wer ist hier denn nun 20 Jahre jünger?

Du lieber Himmel, vor welcher Ritschiratschi-Toykamera posiert das kenntnisreiche Kunsthändlerehepaar denn hier?

Nun kann man eben nicht mehr so ganz sicher sein, ob nicht doch mit den Geburtsdaten im Text etwas durcheinander geraten ist oder ob hier schlicht der Öffentlichkeit ein Beispielfoto präsentiert werden soll, das den männlichen Hang, sich jüngere Frauen zu suchen, in ein -sagen wir mal- milderes Licht rückt.

Kunstmarktpyramidenspiel

Glückwunsch Herr Timm für die gelungne Öffentlichskeitsarbeit für Michaela und Simon de Pury. Gut, dass Sie keine Fragen nach den Geldern aus Russland, Südamerika und den anderen schwarzen Quellen, die den Kunstmarkt speisen, gestellt haben. Michaela und Simon de Pury haben schnell Kasse gemacht und ihr Unternehmen an die russischen Investorengruppe Mercury verkauft, bevor das ganze Kunstmarktpyramidenspiel (s. Bernard L. Madoff) auffliegt !

Was Toy-Art ist?

Im Mai letzten Jahres zeigte der me Collectors Room in Berlin die "ART & TOYS - Collection" von Selim Varol. Hier bekommt man eine ungefähre Vorstellung: http://www.artinfo24.com/...

Zur Diskussion um den Kunstmarkt:
Wir reden hier immer von der Spitze des Eisberges. Die unwahrscheinlichen Millionepreise machen, gemessen an der Anzahl der Werke, nur rund 5 bis 7 Prozent aller Auktionen aus. Der größte Teil wird mit Werken in der Preisklasse von 5.000 bis 100.000 umgesetzt. Mehr Transparenz und Regulierung würde dem Markt allerdings mehr Glaubwürdigkeit verleihen.