Die Frage: Mortimer und Gerda waren ein Herz und eine Seele, solange sie zusammen eine kleine Agentur für Internetdienstleistungen aufbauten. Nach dem ersten Kind zogen sie in ein eigenes Haus und sorgten gemeinsam für das Baby. Gerda wollte ein zweites Kind: "Geschwister können miteinander spielen!"

Aber das Baby schrie fast jede Nacht, und der "große" Bruder, schon trocken und oft bereit, still zu spielen, nässte wieder ein und zerrte an Gerdas Nerven. Gerda hörte auf, in der Agentur zu arbeiten. Seither hängt der Haussegen schief. Gerda hält Mortimer vor, wie gut er es habe und zählt alle ihre Opfer und Mühen auf. Mortimer kontert mit einer ebenso langen Liste über beruflichen Stress und finanzielle Verantwortung, die er klaglos für die Familie trage.

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Wenn Arbeitskräfte klagen, dass sie zu viel Stress für zu geringen Lohn ertragen müssen, gilt das heute als Vorbote eines Burn-outs. Solche Erschöpfungszustände gibt es auch in Familien, wenn die Partner unerwartete Kränkungen verarbeiten müssen. Gerda hat es sich einfacher vorgestellt, ein zweites Kind großzuziehen. Sie dachte, die positiven Erfahrungen mit dem Erstgeborenen würden sich steigern – stattdessen haben sie sich nicht einmal wiederholt.

Gerda beneidet Mortimer um die Fähigkeit, die Kinderprobleme an sie zu delegieren. Mortimer rechnet Gerda vor, andere Frauen wären froh, wohlversorgt zwei Kinder großziehen zu können. Die beiden sollten versuchen, die Krise durch gemeinsame Trauer über unerfüllte Erwartungen zu verarbeiten.