GerichtsurteilDie falsche Spritze

Ein Medizinstudent im Praktischen Jahr ist wegen der fahrlässigen Tötung eines Babys verurteilt worden. Der Fall löst eine Debatte aus, wofür angehende Mediziner verantwortlich gemacht werden können. von Michael Billig

Am 22. August 2011 macht ein Medizinstudent einen Fehler, der schlimmste Folgen hat. Er quält ihn bis heute und beschäftigt den gesamten Fachbereich. Im Evangelischen Krankenhaus in Bielefeld entnimmt er, 29 Jahre alt, einem Säugling eine Blutprobe, als eine Krankenschwester ins Zimmer tritt. Sie legt eine Spritze mit einem Antibiotikum bereit. Ein paar Worte fallen. Später im Gerichtssaal wird darüber gestritten, wer was zu wem gesagt habe. Es wird sich nicht eindeutig klären lassen. Klar wird aber: Anstatt das Medikament wie vorgesehen oral zu verabreichen, spritzt der Student es in eine laufende intravenöse Infusion. Daraufhin erleidet das zehn Monate alte Kind einen anaphylaktischen Schock, eine allergische Überreaktion des Immunsystems, und stirbt.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt und bringt den Fall vor Gericht. Der junge Mediziner wird, obwohl er sich zur Zeit des Unglücks noch im Praktischen Jahr (PJ) befindet, für den Fehler allein verantwortlich gemacht. Am 22. Oktober 2012 befindet ihn das Amtsgericht Bielefeld der fahrlässigen Tötung für schuldig und verurteilt ihn zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen seines Gehalts, für ihn als Student sind das 1800 Euro. Er habe ohne ärztlichen Auftrag gehandelt, lautet die Begründung. Außerdem hätte er erkennen müssen, dass das Medikament nicht zur intravenösen Gabe bestimmt gewesen sei.

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Während aus dem Krankenhaus niemand belangt wurde, bangt der Student um seine Zukunft als Arzt. Zwar hat er Mitte Januar die Approbation erhalten. Doch mit dem Urteil gilt er als vorbestraft. Ihn plagen nun nicht nur Seelennöte, sondern die Strafe wird auch drei Jahre lang in seinem Führungszeugnis stehen, das bei Bewerbungen angefragt werden kann. »Ich hätte nicht gedacht, dass man mir die alleinige Schuld für das Geschehene anlastet. Ich befürchte negative Folgen für mein weiteres Berufsleben«, lässt er auf Anfrage der ZEIT über seinen Anwalt ausrichten. Er selbst möchte anonym bleiben. Er hat Berufung eingelegt, die Verhandlung steht aus.

Noch nie wurde ein Medizinstudent strafrechtlich belangt

Schon jetzt aber sorgt das Verfahren für Wirbel. Einen Tag nach der Urteilsverkündung schrieb der Studiendekan Bernhard Marschall der Medizinischen Fakultät in Münster, wo der PJler eingeschrieben war, eine lange Mail an seine rund 2500 Medizinstudenten, in der er den Verurteilten verteidigte. Dieser habe während des PJ häufig intravenöse Injektionen durchgeführt und es auch diesmal als seinen Auftrag verstanden. In dieser Situation hätte fast jeder Student so gehandelt, behauptete Marschall. Die Münsteraner Studenten waren alarmiert. Sie gaben eine Stellungnahme heraus, in der sie von der Unsicherheit berichteten, die der Fall bei ihnen ausgelöst hat. Sie wüssten nun nicht mehr, was sie im PJ dürfen und was nicht.

Tatsächlich existiert kein Regelwerk, das die Aufgaben eines PJlers exakt definiert. Die angehenden Mediziner aus Münster schreiben: »Uns bleibt bei Bestehenbleiben dieses Urteils lediglich die Möglichkeit, jede potenziell patientenschädigende Maßnahme zu verweigern.« Das aber beträfe nahezu jede Behandlung. Würden sie ihre Drohung in die Tat umsetzen, hätten die Krankenhäuser ein Problem, denn PJler sind aus Dienstplänen nicht wegzudenken. Der Nachwuchs soll Ärzte und Pflegekräfte entlasten und führt Arbeiten aus, die jeden Tag geleistet werden müssen, wie Zugänge legen und Blut abnehmen. Im hektischen Klinikalltag bleibt keine Zeit, sich jedes Mal zu fragen, ob sie das dürfen.

Leserkommentare
    • EmilyC
    • 10. Februar 2013 16:49 Uhr

    Der Student hat einen Fehler gemacht und als direkte Folge dieses Fehlers ist ein Kind gestorben. Er ist damit dafür verantwortlich, ob als Arzt oder als Mensch. Wo kämen wir hin, wenn PJler einen Freifahrtschein für Fehler hätten? Natürlich muss man innerhalb der Ausbildung sicherlich nachsichtig sein, aber sobald es um faktische Konsequenzen für behandelte Patienten geht, darf meiner Meinung nicht die Tatsache schützen, dass man sich noch in der Ausbildung befindet. Wenn man diese Ausbildung wählt, nimmt man freiwillig das Risiko auf sich, Menschen durch eigene Fehler Schaden zuzufügen. Wenn man dieses Risiko nicht überschauen kann oder nicht in der Lage ist, Fehler zu verhindern, dann sollte man sich fragen, ob der Beruf des Arztes wirklich der richtige ist. Ich halte daher auch jegliches Mitleid dem PJler gegenüber für unnötig, was seine beruflichen Aussichten angeht. Ich würde mich oder mein Kind auch keinem Arzt anvertrauen wollen, der sich der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht hat.
    Außerdem finde ich es durchaus bedenklich, dass den PJler seine berufliche Zukunft mehr zu interessieren scheint als der Vorfall selbst - aber vielleicht kommt das im Artikel ja auch nur so rüber.

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    Wenn man Personen, die sich noch in der Ausbildung befinden, einfach unbeaufsichtigt als billige Ersatzärzte einsetzt, statt sie ordentlich auszubilden, muss man sich über solche Konsequenzen nicht wundern.

    Außerdem spricht es für mangelnde Organisation der Abläufe im Krankenhaus, wenn eine Schwester einem PJ einfach wortlos eine Spitze hinlegt, die zudem nicht ausreichend gekennzeichnet ist.

    Es geht im beschriebenen Fall nicht darum, dass der Student sich aus der Verantwortung ziehen will, sondern dass ihm die ALLEINIGE Verantwortung aufgebürdet wurde. Das ist nicht nur ein großer Unterschied, sondern in meinen Augen - ohne die Details des Falls zu kennen - tatsächlich bedenklich! Von einem Freifahrschein für Fehler von PJlern ist hier nicht die Rede.

    PJler sind faktisch Praktikanten! Dennoch werden sie im Klinikalltag oft genug in einem Maß eingesetzt, das über darüber weit hinaus geht. Wenn man sie aber Dinge tun lässt, zu denen sie eigentlich noch gar nicht in der Lage sind, sind ZWEI verantwortlich: Der PJler, der diese Arbeit verweigern muss, aber auch die Organisation des Krankenhauses in persona mindestens des Dienstvorgesetzten, wenn nicht gleich die Kette hoch bis zum ärztlichen Direktor, wenn das zur Struktur des Hauses gehört.

    Dass hier ein junger Mensch in der Ausbildung einen schweren Fehler gemacht hat und er an sein Berufsleben und dessen Fortführung denkt, daran finde ich überhaupt nicht verwerflich bezogen auf die bekannten Fakten! Natürlich ist das tragisch, es geht um eine Menschenleben und hier gar noch um ein Baby, emotional besonders besetzt. Auf der anderen Seite ist nicht zu erkennen, dass dieser Fehler aus einer Motivation heraus passiert ist, die ihn ungeeignet für den Beruf macht.

    Es gibt leider Jobs, da haben Fehler schwere Auswirkungen. Manchmal haben solche Fehler aber einen großen Lerneffekt, wenn man richtig mit ihnen umgeht.

    Es dreht sich doch wohl eher um die Frage, ob das Krankenhaus (auch zur Kostensparung) zu viel Verantwortung an noch nicht voll ausgebildete angehende Ärzte abschiebt. Mich erinnert dies an die Panzerfahrer der Bundeswehr, die im Manöver völlig übermüdet fahren müssen, aber alleine strafrechtlich verantwortlich sind, wenn etwas schief geht.

    Immer wieder wird diese falsche Volksweisheit verbreitet:

    http://www.lexexakt.de/gl...

    Im Fall des Studenten kam es also durchaus darauf an, welchen Wissensstand er hatte. Außerdem durfte er nicht tätig werden, wenn er Zweifel haben musste, ob er der Situation gewachsen war.

    Ferner durfte die Klinik natürlich nur einen Studenten mit so einer Tätigkeit befassen, wenn sie davon ausgehen konnte, dass der entsprechende Wissensstand vorhanden ist.

    Dass an sich ärztliche Tätigkeiten in Anbetracht des Personalmangels an Kliniken zum Teil unzulässig ohne Aufsicht delegiert werden, ist ebenfalls eine gewisse Grauzone, die auch einmal üble Folgen haben kann.

    Allein aus den geschilderten Tatsachen ist nicht nachprüfbar, ob der Student wirklich im Sinne des Strafrechts verantwortlich ist. Das Amtsgericht könnte es sich hier etwas arg einfach gemacht haben.

    Der Tod des Kindes ist natürlich tragisch. Trotzdem kann der Student nicht einfach nach dem Motto verurteilt werden, dass hierfür irgendeiner büßen muss. Der Student war auch derjenige, der am leichtesten greifbar war. Die strafrechtliche Verantwortung anderer Personen zu untersuchen wäre wesentlich komplizierter gewesen.

    Weder ein Arzt noch ein PJ-ler ist perfekt und kann jede Fehlentscheidung vermeiden, denn beide sind immernoch Menschen. Deswegen auch der Hinweis auf das mögliche Organisationsverschulden. Denn wie soll auch ein perfekt ausgebildeter Mediziner an einer unbeschrifteten Spritze mit einer klaren Flüssigkeit erkennen was genau enthalten ist? Die Krankenschwester hat es wohl gesagt; vielleicht hat sie aber auch nur "Antibiotikum" gesagt. Und psychologisch sehr einfach nachvollziehbar hat der PJler im Moment der Blutabnahme darauf geschlossen, dass es in die Vene gehört - für mich aus menschlicher Sicht ziemlich nachvollziehbar.
    Die zwischenmenschliche Kommunikation wird immer fehleranfällig sein. Vor allem in Anspannungssituationen wie die Blutabnahme bei einem Säugling. Deswegen wird heutzutage auch vor jeder OP 10mal kontrolliert ob der richtige Patient die richtige OP bekommt.
    Und deswegen hat die Klinik auch am nächsten Tag auch die Spritzen umgestellt.

    Ihre Einstellung ist typisch, klingt im ersten Moment nicht falsch, ist es aber grundsätzlich. Und Ihre Einstellung ist die Deutsche Grundeinstellung, von Patienten bis hoch in die Gerichte, die weitere Menschenleben kosten wird.
    Warum? Sehr einfach.

    Die wenigsten Fehler passieren aufgrund individueller Fehler. Die meisten Fehler passieren, weil die Organisation nicht stimmt. Wenn, wie in diesem Fall, für orale und intravenöse Medikamente die gleichen Spritzen verwendet werden, dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie irgendwann verwechselt werden. Von einem Studenten, von einer Krankenschwester, von einem übermüdeteten Arzt im Nachtdienst, von einem Aushilfsarzt, der die Abläufe noch nicht gut kennt, von wem auch immer. Macht man dann _nur_ das Individuum verantwortlich, enthebt man alle für die Organisation Veranwortlichen von ihrer Verantwortung und Schuld. Es ist bestimmt nur ein Zufall, dass das Spritzensystem kurz danach ausgetauscht wurde?
    Wir haben in Deutschland immer noch eine individuelle Fehlerkultur. Gerade im ärztlichen Bereich ist die Organisation in Deutschland häufig höchst mangelhaft. Wenn dann etwas passiert, wird derjenige, der den Fehler gemacht hat, als Sündenbock ausgetauscht, bis der gleiche Fehler wieder gemacht wird, usw.. Wem hilft das? Genau: niemandem.

    Kommen Ihnen diese Worte jetzt nicht auch komisch vor:
    "Ich würde mich oder mein Kind auch keinem Arzt anvertrauen wollen, der sich der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht hat."

    Warum ich diesen bitterbösen Titel Wähle?
    Weil jede Behandlung faktische Konsequenzen für einen Patienten hat. Eine Blutentnahme, die Gabe von Antibiosen, Defibrillation - alles sind ersteinmal Körperverletzung.
    Es gibt keine Therapie, kein Medikament ohne Nebenwirkung. Und davon sind die meisten alles andere als schön. Deswegen steht bei der Gabe eines Medikaments immer der Nutzen auf der einen Waagschale und der Schaden auf der Anderen. Und darüber, dass es deswegen keine Gesundheitsgarantie gibt, darüber sollte sich jeder im Klaren sein, wenn er zum Arzt geht.

    Ohne das Medikament zu kennen, das hier intravenös verabreicht wurde, fällt doch auf, dass die intravenöse Gabe von einem Antibiotikum weiss Gott keine Seltenheit in einer Klinik ist. Ebenso ist, wie im Artikel ersichtlich wurde, für den PJler nicht zu unterscheiden gewesen, ob es sich um eine Spritze für die orale oder die intravenöse Gabe handelt.

    Was ich mich dann Frage: Warum sollte ein PJler, der bei der Blutentnahmetätigkeit eine Spritze in die Hand bekommt, die er verabreichen soll, alleine daran schuld sein, wenn diese Antibiose zu einer zutiefst bedauerlichen anaphylaktischen Reaktion führt?
    Ein allergischer Schock kann bei so gut wie allen intravenösen Gaben auftreten, die nicht nur aus Wasser und Salz bestehen (um das mal salopp zu sagen).
    Das ist weder besonders schön, noch lässt mich das kalt, wenn dabei ein Kind stirbt.
    Aber: die Hexenverbrennung hatten wir dachte ich trotzdem abgeschafft?

    Mitleid ist das eine, Gerechtigkeitsempfinden das andere. Spritze verwechselt – das, bitte, ist ein Fehler-Klassiker und kann und darf bei ordentlicher Organisation nicht passieren. Das wird ja nun in der Literatur auch ausführlich abgehandelt (unterschiedliche Farben verwenden, immer in der gleichen Reihenfolge hinlegen…).

    Ich hätte dann noch ein paar Fragen an die Justiz, denn wie ich aus meinem eigenen Rechtsfall weiß, wird den medizinischen Sachverständigen nicht ordentlich auf den Zahn gefühlt. Leider haben wir nicht die Situation der großen Gerichtsfilme, in denen ein alter weiser Richter den wahren Dingen auf den Grund geht. Aber man muss sich schon fragen, ob der Staatsanwalt nicht mal eben bei seinem Hausarzt hätte nachfragen können, wie das denn für PJler so ist.

    Allgemein wird ja geglaubt, man sei in einem akademischen Lehrkrankenhaus besonders qualifiziert aufgehoben. Das ist ein Irrtum, wie man nicht nur an diesem tragischen und schrecklichen Fall sieht. Vielmehr sind dort besagte PJler als billige Arbeitssklaven im Einsatz, auf die offensichtlich nicht richtig aufgepasst wird.

    Wie jeder Ausbildungsbetrieb weiß, macht das Ausbilden Umstände, deshalb musste man früher auch Lehrgeld bezahlen.

    Für mich ist der Fall klar. Das war Organisationsverschulden der Klinik.

    In meinem Fall kommen arglistig handelnde Ärzte strafrechtlich davon, zivilrechtlich möglicherweise auch. Bizarr irgendwie.

    Da hat die Ärztin auch einen Freifahrtschein bekommen. Es wird immer mit zweierlei Maß gemessen. Es gibt kein faires System. Die Menschen sollen nur glauben es gäbe eins.
    Wer bist du? Woher kommst du? Was machst du? Was hast du gelernt? Bist du berühmt? Sind deine Eltern berühmt? Bist du reich? Sind deine Eltern reich? Hast du einen Migrationshintergrund? An was glaubst du?
    So sieht die Realität aus. Um den Jungen tut es mir trotzdem leid.

    • wulflam
    • 10. Februar 2013 17:03 Uhr

    ... sind also 1.800€. Das ist die Konsequenz solch eines fatalen Fehlers? Welche Konsequenzen hat das für die Klinik? In den USA würde die Klinik zu recht Millionen Schadenersatz zahlen, da sie den angehenden Arzt schließlich unbeaufsichtigt hat behandeln lassen. Und der PJler würde auch nicht so einfach davon kommen. Er hat das Leben eines Säuglings auf dem Gewissen und macht sich vor allem Sorgen, dass er 3 Jahre einen Eintrag im Führungszeugnis, das eh nie jemand anfordert, hat. Strafen und Schadenersatz/Schmerzensgeld können kein Leben zurück bringen, aber das hier ist ja wohl ein Armutszeugnis.

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    Verzichten Sie bitte auf überzogene Polemik und aggressive Äußerungen. Danke, die Redaktion/fk.

    Ja natürlich, er hatte das Leben des Kindes auf dem Gewissen, weshalb er absichtlich das Mittel falsch verabreicht hat. Wenn es zu einer allergischen Reaktion gekommen ist, hätte das auch passieren können, wenn das Mittel oral verabreicht worden wäre, aber so genau ist der Artikel nicht.

    Mein Eindruck: Der Student, der offensichtlich der Leidtragende einer falschen Kommunikation/Organisation im Spital ist, wird als Platzhalter benutzt, weil die Öffentlichkeit immer einen Schuldigen braucht, damit sie dann ruhig weiter schlafen kann. Wer denkt, dass ein Student der Medizin oder ein Arzt die personifizierte Empathie ist, sollte sein Weltbild überdenken. Denn zuviel davon ist als Arzt auch schädlich, wenn man täglich mit Kranken und Toten zu tun hat.

    Das hätte jedem anderen, noch so gut ausgebildeten Studenten genau so passieren können. In der Realität ist es eben so, dass man auf die PJler nicht verzichten könnte, aber man ihnen offensichtlich zuviel Verantwortung aufbürdet. Er ist schließlich nicht mehr als ein Praktikant in dem Fall und sollte nicht wie ein Arzt verurteilt werden. Selbst als Arzt kommt es in den vielen Jahren zu Fehlern, was bei diesem Beruf quasi unvermeidlich ist.

    • msknow
    • 11. Februar 2013 10:23 Uhr

    So einen Kommentar kann nur jemand schreiben, der überhaupt keine interne Einsicht in Abläufe von Krankenhäusern hat. Mein Mitleid gehört den Eltern. Es ist genaus dieser kleingeistig asoziale Gedanke, irgendeine Summe könnte ein Leben wiederbringen oder ersetzen. Solche Gedanken haben nur die Rechtsanwälte arrogant gemacht.

    • Anja66
    • 11. Februar 2013 18:47 Uhr

    sondern die verhängte Strafe, die auch nicht als 1.800 oder sonst einen Betrag Euro definiert ist, sondern als 120 (!) Tagessätze. Das ist keine geringe Strafe.

    Im Übrigen stimme ich zu, dass sich hier das Krankenhaus hätte verantworten müssen

  1. 3. Sorry

    Mir fehlt da auch das Mitgefühl für das Selbstmitleid des Arztes. Regeln nützen wenig, wenn einer einfach macht, was er sich selbst so zurechtgelegt hat. Das Resultat ist nicht irgendeine kleine Panne, sondern ein totes Kind.

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    "Regeln nützen wenig, wenn einer einfach macht, was er sich selbst so zurechtgelegt hat"

    Leihen Sie mir Ihre Kristallkugel? Woraus schließen Sie diesen Vorwurf? Der Artikel gibt das Informationen nicht her, was man zu Ihrem Urteil braucht. Vorverurteilen von der Tastatur aus ist aber unglaublich leicht - oder?

  2. 4. Unsinn

    Wenn man Personen, die sich noch in der Ausbildung befinden, einfach unbeaufsichtigt als billige Ersatzärzte einsetzt, statt sie ordentlich auszubilden, muss man sich über solche Konsequenzen nicht wundern.

    Außerdem spricht es für mangelnde Organisation der Abläufe im Krankenhaus, wenn eine Schwester einem PJ einfach wortlos eine Spitze hinlegt, die zudem nicht ausreichend gekennzeichnet ist.

    72 Leserempfehlungen
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    • EmilyC
    • 10. Februar 2013 19:09 Uhr

    Dass auch die Abläufe im Krankenhaus und das System sicherlich alles andere als fehlerlos sind, habe ich nie angezweifelt. Aber hier geht es um einen jungen angehenden Arzt, der, wenn er mit der Situation überfordert worden ist, dies hätte erkennen müssen und um Hilfe bitten müssen! Der Fehler, den er gemacht hat, ist meines Erachtens zwar mit sicherheit erklärbar und auch durchaus durch äußere Umstände begünstigt worden - aber es war immer noch der PJler, der ihn begangen hat, der im entscheidenden Moment falsch gehandelt hat. Und ich sehe keinen Grund, wieso er dafür nicht verantwortlich sein sollte (ob alleinig, darüber lässt sich sicher streiten).

  3. Es geht im beschriebenen Fall nicht darum, dass der Student sich aus der Verantwortung ziehen will, sondern dass ihm die ALLEINIGE Verantwortung aufgebürdet wurde. Das ist nicht nur ein großer Unterschied, sondern in meinen Augen - ohne die Details des Falls zu kennen - tatsächlich bedenklich! Von einem Freifahrschein für Fehler von PJlern ist hier nicht die Rede.

    PJler sind faktisch Praktikanten! Dennoch werden sie im Klinikalltag oft genug in einem Maß eingesetzt, das über darüber weit hinaus geht. Wenn man sie aber Dinge tun lässt, zu denen sie eigentlich noch gar nicht in der Lage sind, sind ZWEI verantwortlich: Der PJler, der diese Arbeit verweigern muss, aber auch die Organisation des Krankenhauses in persona mindestens des Dienstvorgesetzten, wenn nicht gleich die Kette hoch bis zum ärztlichen Direktor, wenn das zur Struktur des Hauses gehört.

    Dass hier ein junger Mensch in der Ausbildung einen schweren Fehler gemacht hat und er an sein Berufsleben und dessen Fortführung denkt, daran finde ich überhaupt nicht verwerflich bezogen auf die bekannten Fakten! Natürlich ist das tragisch, es geht um eine Menschenleben und hier gar noch um ein Baby, emotional besonders besetzt. Auf der anderen Seite ist nicht zu erkennen, dass dieser Fehler aus einer Motivation heraus passiert ist, die ihn ungeeignet für den Beruf macht.

    Es gibt leider Jobs, da haben Fehler schwere Auswirkungen. Manchmal haben solche Fehler aber einen großen Lerneffekt, wenn man richtig mit ihnen umgeht.

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    • kraka
    • 10. Februar 2013 17:14 Uhr

    Schön, dass sie das so nüchtern bewerten können. Liegt womöglich daran, dass es nicht IHR Kind war, dass da gestorben ist und es sie daher in keinster Weise betrifft. Ich persönlich würde so jemanden nicht einstellen und ihm erst recht nicht mein Kind anvertrauen.

    Kleine Anmerkung:

    Er hat jede Sorgfalt vermissen lassen und dass qualifiziert ihn nicht für den Beruf.

    Weiter erstaunt mich auch hier die gezeigt Gefühlskälte aus ihrem Kommentar, den Empfehlungen und die des Studenten explizit, der einsehen sollte, dass er mit dieser Einstellung keine Verantwortung für ein Menschenleben übernehmen kann und daher für die Medizin nicht geeignet ist.

    • Luise 3
    • 10. Februar 2013 17:08 Uhr

    In vielen Krankenhäusern ziehen die Krankenschwestern die Medikamente in die Spritze auf und dann spritzt eine Ärztin dies dem Patienten un den liegenden Zugang. Warum die Krankenschwestern die von ihnen aufgezogenen MEdikamente nicht selbst iv spritzen dürfen, verstehe ich nicht, denn leider ist es oft so das die Ärztin gar nicht die Zeit hat, zu überprüfen, ob dies das richtige Medikament für den richtigen Patienten ist. Sie kennt oft die Patienten nicht, da sie am Wochenende für viele Stationen die "Spritzenrunde" macht. Da liegt die Patientin im verkehrten Bett und schon hat sie die falsche Spritze bekommen, ect. ICh denke es wäre viel sinnvoller, eine Krankenschwester zieht die verordneten Medikamente auf, eine weitere überprüft dies und dann spritz die Schwester die Medikamente in den liegenden Zugang. Durch ein Medizinstudium lernt man sorgfältiges Arbeiten nicht besser als durch eine gute Ausbildung.
    (alle Formen weiblich - es können auch Männer sein)

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  4. Es dreht sich doch wohl eher um die Frage, ob das Krankenhaus (auch zur Kostensparung) zu viel Verantwortung an noch nicht voll ausgebildete angehende Ärzte abschiebt. Mich erinnert dies an die Panzerfahrer der Bundeswehr, die im Manöver völlig übermüdet fahren müssen, aber alleine strafrechtlich verantwortlich sind, wenn etwas schief geht.

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  5. Der Student, der als vollwertige Arbeitskraft meistens ohne Bezahlung, für sein praktisches Jahr in einem Krankenhaus eingesetzt wird, hat einen Fehler gemacht. Das steht fest. Aber wer hat noch Fehler gemacht?

    Unglaublich sind solche Zitate:
    »Der Student hat eigenmächtig gehandelt. Hätte er Zweifel gehabt, hätte er sich beim behandelnden Arzt erkundigen müssen.«

    Dann würde jeder PJler bei jeder Kleinigkeit den Arzt finden und fragen müssen, die Krankenschwestern informieren, dass er ohne den behandelten Arzt nichts macht und bestenfalls jede unzureichend beschriftete Spritze zurückgehen lassen.

    Wie sähe dann der Kliniksalltag aus?

    Man hat hier einen Sündenbock gefunden, aber sich damit letztendlich keinen Gefallen getan.

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    Aus medizinischer Sicht muss man ganz klar sagen: das Hauptproblem bestand nicht in der Verwechslung von oraler und intravenöser Gabe, sondern darin, dass es sich offenbar um die Erstgabe eines Antibiotikums gehandelt hat - bei diesen muss man immer mit anaphylaktischen Reaktionen rechnen und deshalb besondere Vorsichtsmassnahmen ergreifen. Auch bei der oralen Gabe hätte es eine anaphylaktische Reaktion gegeben, wenn auch nicht so schwer!

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