Mosambik : Rohstoff-Bonanza im Rovuma-Becken

In Mosambik wurden riesige Vorkommen an Gas und Gold entdeckt. Doch der Großteil der Bevölkerung dürfte kaum davon profitieren.
Goldmine in Mosambik © REUTERS/Goran Tomasevic

Der Minenbesitzer würde es gar nicht mitkriegen, wenn er da unten einen schönen Klumpen Gold fände. »Ich stecke ihn ein und gehe als gemachter Mann nach Hause, zurück nach Simbabwe«, sagt Mike. Seine mit rötlich golden schimmerndem Schlamm beschmierte Hand deutet in einen acht Meter tiefen Schacht. Der Eingang zu einer Mine im Norden Mosambiks. Mit Hacke und Stirnlampe wühlt sich Mike jeden Tag zehn Stunden lang durch die nur 80 Zentimeter hohen Stollen, die jederzeit einstürzen können.

Mike ist nicht der einzige Ausländer, der in Mosambik reich werden will. Im viertärmsten Land der Welt sind der Gold-, der Kohle- und der Gasrausch ausgebrochen. Internationale Konzerne investieren Milliarden von Dollar. Ihr Ziel sind die Schätze im Boden und vor der Küste des südostafrikanischen Staates. Die Rohstoffe könnten den knapp 24 Millionen Einwohnern aus der Armut helfen – oder nur einigen wenigen die Taschen füllen.

»In einer guten Woche holen wir zu viert 25 Gramm Gold aus dem Boden. Dafür bekommen wir jeder rund 1.000 Metical«, erzählt Mike, umgerechnet knapp sechs Euro pro Tag. Weltweit operierende Bergbaukonzerne wie Vale aus Brasilien, Rio Tinto oder die Beacon Hill Resources aus Großbritannien rechnen in anderen Dimensionen. Experten erwarten, dass sie in den nächsten Jahren 70 Milliarden Dollar in die Ausbeutung der Naturschätze Mosambiks stecken. Mosambiks Regierung geht davon aus, dass die Bergbauproduktion in den nächsten fünf Jahren jährlich um 30 Prozent wächst. In zehn Jahren könnten die Rohstoffeinnahmen den heutigen Staatshaushalt übersteigen.

Bedeutender als die jüngsten Kohlefunde im Norden sind die vor der Küste entdeckten Gasvorräte im Rovuma-Becken. Die Konzerne Anadarko Petroleum aus den USA und ENI aus Italien dürften unter dem Meeresgrund eines der größten Gasfelder der vergangenen Jahre entdeckt haben. Petronas aus Malaysia, Norsk Hydro aus Norwegen, indische und japanische Unternehmen suchen vor Mosambik bereits nach noch mehr Gas.

»Die Mitglieder der Regierung haben sich die Taschen vollgemacht«

»Als die Rohstoffe entdeckt wurden, hatte unsere Regierung keine Ahnung, was sie wert sind, und hat sich von den großen Konzernen über den Tisch ziehen lassen«, sagt Rogério Ossemane vom Institut für Sozial- und Wirtschaftsstudien in der Hauptstadt Maputo. Weil sogar die internationalen Konzerne den Reichtum im Boden und am Meeresgrund zunächst unterschätzt hätten, seien diese nach Angaben des Sozialforschers mittlerweile bereit, die Verträge zugunsten der Regierung nachzuverhandeln, doch die habe kein Interesse. Industrie- und Handelsminister Armando Inroga sagt, dass eine Nachverhandlung bestehender Verträge die Angst vor Rechtsunsicherheit schüren und weitere Investoren abschrecken könnte. Ossemane hat eine andere Erklärung. »Die Mitglieder unserer Regierung sind so korrupt, dass sie sich schon bei den ersten Verträgen die Taschen vollgemacht haben. Sie wollen nicht, dass die Verträge bei Nachverhandlungen offengelegt werden«, sagt der Absolvent der renommierten School of Oriental and African Studies in London. Die Bevölkerung würde dann erfahren, wie viele Milliarden ins Land fließen, und die Bekämpfung der Armut einfordern, aber vielen in der Regierung gehe es vor allem um ihren eigenen Reichtum.

Es ist riskant, die Staatsspitze eines Landes zu kritisieren, das seit der Unabhängigkeit vor 37 Jahren von der Befreiungsfront Frelimo autoritär regiert wird. Ossemane nimmt das in Kauf. Er kämpft dafür, dass die Milliarden, die Kohle und Gas in die Staatskasse spülen werden, den Armen zugutekommen. Er fordert mehr Transparenz und eine stärkere Besteuerung der ausländischen Unternehmen. Er will, dass das Land, in dem rund 80 Prozent der Bevölkerung von der Landwirtschaft leben, seine Wirtschaft diversifiziert.

Kristian Lempa, Rohstoffexperte der staatlichen Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), sieht die Entwicklung weniger pessimistisch. »Mosambik könnte eine positive Überraschung werden. Das Land hat aus den Fehlern anderer rohstoffreicher Länder in Afrika gelernt. Zudem ist der Bevölkerung einfach nicht mehr zu vermitteln, dass sie nicht vom Rohstoffboom profitieren soll«, sagt Lempa. Andererseits hätten die Konzerne, die sich als Erstes ins Land getraut haben, natürlich gute Deals bekommen.

Trotz derzeit etwa acht Prozent Wirtschaftswachstum ist bei der breiten Bevölkerung von der Rohstoff-Bonanza bislang fast nichts angekommen. 55 Prozent der Einwohner leben von weniger als einem Dollar pro Tag. »Die Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich immer weiter«, sagt Oscar Monteiro. Der kämpfte einst mit der Frelimo für die Unabhängigkeit von den Portugiesen und bekleidete mehrere Ministerposten.

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