MosambikRohstoff-Bonanza im Rovuma-Becken

In Mosambik wurden riesige Vorkommen an Gas und Gold entdeckt. Doch der Großteil der Bevölkerung dürfte kaum davon profitieren. von Philipp Hedemann

Goldmine in Mosambik

Goldmine in Mosambik  |  © REUTERS/Goran Tomasevic

Der Minenbesitzer würde es gar nicht mitkriegen, wenn er da unten einen schönen Klumpen Gold fände. »Ich stecke ihn ein und gehe als gemachter Mann nach Hause, zurück nach Simbabwe«, sagt Mike. Seine mit rötlich golden schimmerndem Schlamm beschmierte Hand deutet in einen acht Meter tiefen Schacht. Der Eingang zu einer Mine im Norden Mosambiks. Mit Hacke und Stirnlampe wühlt sich Mike jeden Tag zehn Stunden lang durch die nur 80 Zentimeter hohen Stollen, die jederzeit einstürzen können.

Mike ist nicht der einzige Ausländer, der in Mosambik reich werden will. Im viertärmsten Land der Welt sind der Gold-, der Kohle- und der Gasrausch ausgebrochen. Internationale Konzerne investieren Milliarden von Dollar. Ihr Ziel sind die Schätze im Boden und vor der Küste des südostafrikanischen Staates. Die Rohstoffe könnten den knapp 24 Millionen Einwohnern aus der Armut helfen – oder nur einigen wenigen die Taschen füllen.

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»In einer guten Woche holen wir zu viert 25 Gramm Gold aus dem Boden. Dafür bekommen wir jeder rund 1.000 Metical«, erzählt Mike, umgerechnet knapp sechs Euro pro Tag. Weltweit operierende Bergbaukonzerne wie Vale aus Brasilien, Rio Tinto oder die Beacon Hill Resources aus Großbritannien rechnen in anderen Dimensionen. Experten erwarten, dass sie in den nächsten Jahren 70 Milliarden Dollar in die Ausbeutung der Naturschätze Mosambiks stecken. Mosambiks Regierung geht davon aus, dass die Bergbauproduktion in den nächsten fünf Jahren jährlich um 30 Prozent wächst. In zehn Jahren könnten die Rohstoffeinnahmen den heutigen Staatshaushalt übersteigen.

Bedeutender als die jüngsten Kohlefunde im Norden sind die vor der Küste entdeckten Gasvorräte im Rovuma-Becken. Die Konzerne Anadarko Petroleum aus den USA und ENI aus Italien dürften unter dem Meeresgrund eines der größten Gasfelder der vergangenen Jahre entdeckt haben. Petronas aus Malaysia, Norsk Hydro aus Norwegen, indische und japanische Unternehmen suchen vor Mosambik bereits nach noch mehr Gas.

»Die Mitglieder der Regierung haben sich die Taschen vollgemacht«

»Als die Rohstoffe entdeckt wurden, hatte unsere Regierung keine Ahnung, was sie wert sind, und hat sich von den großen Konzernen über den Tisch ziehen lassen«, sagt Rogério Ossemane vom Institut für Sozial- und Wirtschaftsstudien in der Hauptstadt Maputo. Weil sogar die internationalen Konzerne den Reichtum im Boden und am Meeresgrund zunächst unterschätzt hätten, seien diese nach Angaben des Sozialforschers mittlerweile bereit, die Verträge zugunsten der Regierung nachzuverhandeln, doch die habe kein Interesse. Industrie- und Handelsminister Armando Inroga sagt, dass eine Nachverhandlung bestehender Verträge die Angst vor Rechtsunsicherheit schüren und weitere Investoren abschrecken könnte. Ossemane hat eine andere Erklärung. »Die Mitglieder unserer Regierung sind so korrupt, dass sie sich schon bei den ersten Verträgen die Taschen vollgemacht haben. Sie wollen nicht, dass die Verträge bei Nachverhandlungen offengelegt werden«, sagt der Absolvent der renommierten School of Oriental and African Studies in London. Die Bevölkerung würde dann erfahren, wie viele Milliarden ins Land fließen, und die Bekämpfung der Armut einfordern, aber vielen in der Regierung gehe es vor allem um ihren eigenen Reichtum.

Es ist riskant, die Staatsspitze eines Landes zu kritisieren, das seit der Unabhängigkeit vor 37 Jahren von der Befreiungsfront Frelimo autoritär regiert wird. Ossemane nimmt das in Kauf. Er kämpft dafür, dass die Milliarden, die Kohle und Gas in die Staatskasse spülen werden, den Armen zugutekommen. Er fordert mehr Transparenz und eine stärkere Besteuerung der ausländischen Unternehmen. Er will, dass das Land, in dem rund 80 Prozent der Bevölkerung von der Landwirtschaft leben, seine Wirtschaft diversifiziert.

Kristian Lempa, Rohstoffexperte der staatlichen Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), sieht die Entwicklung weniger pessimistisch. »Mosambik könnte eine positive Überraschung werden. Das Land hat aus den Fehlern anderer rohstoffreicher Länder in Afrika gelernt. Zudem ist der Bevölkerung einfach nicht mehr zu vermitteln, dass sie nicht vom Rohstoffboom profitieren soll«, sagt Lempa. Andererseits hätten die Konzerne, die sich als Erstes ins Land getraut haben, natürlich gute Deals bekommen.

Trotz derzeit etwa acht Prozent Wirtschaftswachstum ist bei der breiten Bevölkerung von der Rohstoff-Bonanza bislang fast nichts angekommen. 55 Prozent der Einwohner leben von weniger als einem Dollar pro Tag. »Die Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich immer weiter«, sagt Oscar Monteiro. Der kämpfte einst mit der Frelimo für die Unabhängigkeit von den Portugiesen und bekleidete mehrere Ministerposten.

Leserkommentare
  1. " ... Arbeitskräfte seien schlecht ausgebildet ... "

    Das gleiche Gejammer wie in Mitteleuropa.

    Dann maß man die halt ausbilden, das nennt sich dann Investition.

    Das kostet in Afrika nicht viel, bringt aber noch viel mehr Profit.

    Dauert halt ein bisschen.

    Die Menschen in Afrika sind genauso intelligent wie in Europa nur die Bildung fehlt.

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    • hairy
    • 10. Februar 2013 10:41 Uhr

    die haben ja das Geld für Bildung nicht, oder nur kleine Gruppen, welche freilich nur an sich denken habens. Investitionen? Pustekuchen. So werden große Gruppen arm und also dumm gehalten, und der Westen findet das spitze, weil dann die Großfirmen leichtes Spiel haben. Diamanten, Öl, seltene Erden für unsre schönen iphones usw. Ein Prosit mal wieder auf unsere ach so soziale Marktwirtschaft. Das Leid der anderen ist ja weit weg, da schmerzt es nicht.

  2. Die Regierung sei also korrupt - welche eine Erkenntnis. Die Unternehmen die aufgrund dieser Korruption die Bodenschätze ausbeuten und die Armut aufrecht erhalten, sind daran natürlich nur peripher beteiligt, sie untergraben keinesfalls die staatliche Autorität des Landes. Was man auch an diesem Beispiel gut sehen kann ist, dass wir keine starken Staaten in der Dritten Welt brauchen, die ihre Rohstoffreserven autonom verwalten und sich gegen die Raubritter erfolgreich wehren. Chavez hat in Venezuela die ausländische Konzerne herausgedrängt und sich dafür den Unmut der USA herangezogen. Der wirtschaftliche Aufschwung Südamerikas basiert auch auf venezuelanischem Öl.

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  3. ...bürgert sich diese schwachsinnige Übernahme des Wortes 'Bonanza' eigentlich bei deutschen Online-Medien ein?

    "Im viertärmsten Land der Welt sind der Gold-, der Kohle- und der Gasrausch ausgebrochen. Internationale Konzerne investieren Milliarden von Dollar."

    Exakt, 'Rausch' wäre hier völlig richtig und auch das Wort für den Titel. Für Menschen meines Alters ist Bonanza eine verstaubte Fernsehserie. Und bei 'der Bonanza' fällt einem echt der Kitt aus der Brille. Schaut mal ins Lexikon!

    "Trotz derzeit etwa acht Prozent Wirtschaftswachstum ist bei der breiten Bevölkerung von der Rohstoff-Bonanza bislang fast nichts angekommen. 55 Prozent der Einwohner leben von weniger als einem Dollar pro Tag."

    Das wird sich auch nicht ändern, denn genau das ist überall auf der Welt zu sehen und nicht etwa ein Sonderfall, sondern die Normalität. Fragen Sie mal, wer in Nigeria mit dem Öl reich geworden ist. Es ist nicht die breite Masse der Landesbevölkerung. Firmen investieren, irgendwie gestaltete Eliten geben ihnen dafür die Rahmenbedingungen nach Wunsch und dann kassieren eben genau diese Beteiligten und alle anderen kriegen 6 Euro pro Tag.

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  4. Schleswig Holstein und andere hatte auch nichts davon
    es sei denn Sie wurden in NRW Bergmann.
    Wenn Ausländer dort Arbeiten wollen können die Löhne so schlecht zum Lebensverhältnis dort nicht sein
    Und ein Sozialstaat war Mosambik nie und wird es auch nicht werden.
    Es muß nicht immer alles nach EU Muster berechnet werden

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    Wenn NRW damals die ganze Knete aus den Kohlebergbau und der Stahlindustrie behalten hätte, sähe es jetzt in Deutschland aus, wie in einer typischen Region der dritten Welt: Ein reiches Bundesland. So zwei bis drei BL, die noch ganz gut mitkommen würden und im Rest wären noch Pferdewagen und Eselskarren ganz hoch im Kurs. In SH gäbe es dann noch ein paar Hanseln, die sich mit Fischfang und Tourismus auseinandersetzen würden, der Rest wäre schon längst wegezogen oder würde von der Hand in dem Mund leben.

    Damals waren in NRW aber auch noch sehr viele Menschen an der Wertschöpfung beteiligt und haben damit auch für einen Wohlstand der gesamten Region und der BRD gesorgt. Man sollte hierbei auch niemals vergessen, das die guten Löhne und sozialen Errungenschaften hart erkämpft werden mussten. Die Kumpel haben sich in der Geschichte des Ruhrbergbaus erfolgreich gegen die Billiglöhner aus dem Osten zur Wehr gesetzt.

    Heute sind Rohstoffvorkommen, wie auch Billiglohnverlagerungen für Entwicklungsländer eher ein Fluch, als ein Segen. Kaum Arbeitsplätze, massive Eingriffe in die Umwelt und nur geringe Löhne für die einheimische Bevölkerung.

    • scoty
    • 10. Februar 2013 10:30 Uhr

    bei Bekleidung rumgemeckert und offengelegt das wir ein paar Euros mehr bezahlen würden damit es den Arbeitnehmern zugute kommt und heute gieren wir z.B. nach dem Edelmetall auf allen Flohmärkten u.s.w..
    Auf die Frage woher es stamme würden wir heute und aber auch morgen mit " wem interessierts " antworten.

    • hairy
    • 10. Februar 2013 10:41 Uhr

    die haben ja das Geld für Bildung nicht, oder nur kleine Gruppen, welche freilich nur an sich denken habens. Investitionen? Pustekuchen. So werden große Gruppen arm und also dumm gehalten, und der Westen findet das spitze, weil dann die Großfirmen leichtes Spiel haben. Diamanten, Öl, seltene Erden für unsre schönen iphones usw. Ein Prosit mal wieder auf unsere ach so soziale Marktwirtschaft. Das Leid der anderen ist ja weit weg, da schmerzt es nicht.

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    Antwort auf "Jammern"
  5. Zitat: Die moderne Rohstoffindustrie ist zwar kapital-, nicht jedoch personalintensiv.

    Stimmt, kann jede/r beim Braunkohletagebau hier in Deutschland sehen. Ich möchte sogar wetten - hier in Deutschland sind viel weniger Arbeiter beschäftigt als in Mosambik.
    Das sieht sicherlich Unter Tage auch nicht anders aus, nehmen wir den Salzabbau.

    Zitat: ...erzählt die 15-jährige Saquina Geronimo in einer von der KfW errichteten Grundschule...

    Tja, und wer mit 15 noch in der Grundschule sitzt und lernt, der wird wohl dem Arbeitsmarkt noch ein paar Jahre fern bleiben bei dem Lerntempo.

    Nur so am Rande, nebenbei

  6. an die eigene Nase fassen und ihre Werte ernsthaft auf den Prüfstand stellen: Man verneigt sich vor dem Fetisch "Wettbewerb" und "Wachstum" in nahezu religiöser Ergebenheit, brüstet sich im Heimatland stolz mit "Investitionen" im Ausland, schöpft dabei Steuervorteile in den ärmeren Ländern ab, die zwar froh sind, dass ein paar Arbeitsplätze entstehen; die Gewinne aber - eigentliches Ziel der Unternehmen - kommen den Ländern dann allerdings nicht zugute. Das fängt schon in dem zur EU gehörenden Teil Osteuropas an.

    Zudem ist zu befürchten, dass mit einem gewinnorientierten Rohstoffabbau zugunsten der Industrieländer auch die Umwelt im fernen Afrika nachhaltig geschädigt wird, wie wir z.B. im Niger-Delta sehen. In der DRC müssen wir ebenso gerade lernen, dass u.a. westeuropäische Ölkonzerne selbst vor UNESCO-Naturerbe nicht den nötigen Respekt haben.

    Ich hoffe sehr, die Zukunft belehrt mich eines Besseren.

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