Burschenschaften : "Affektierte braune Herren"

Österreichische Burschenschaften stehen stramm an der rechten Flanke – zu weit rechts für deutsche Verbandsbrüder.
Burschenschafter in Wien am 8. Mai 2012 © Heinz-Peter Bader/Reuters

Ein schwarzer Fleck an der gelben Fassade zeugt noch von der letzten Farbbombenattacke. Über der Eingangstür des zweistöckigen Verbindungshauses der Oberösterreicher Germanen in Wien wacht heute eine Kamera. Im ebenerdigen Kneipsaal der Burschenschaft dominieren zwei Fahnen, die an der Stirnseite prangen: eine in Schwarz-Rot-Gold, den Farben der Urburschenschaft aus Jena, und eine in Schwarz-Weiß-Rot, den Verbindungsfarben, zugleich auch der Farbcode des Deutschen Reiches von Kaiser bis Führer. Schwere dunkle Holztische bilden ein langes U. Zwei Burschenschafter trinken Wasser aus Biergläsern und erklären, warum sie sich trotz ihres österreichischen Passes als Deutsche fühlen.

»Deutschland ist mein Vaterland«, sagt einer der beiden, ein 25-jähriger Student der Mathematik und Volkswirtschaft, »und Österreich ist meine Heimat.« Mit Rechtsextremismus habe das nichts zu tun. Und mit Neonazitum schon gar nicht.

Alljährlich, wenn Burschenschafter wie am Freitag in der Wiener Hofburg ihre Bierkrüge im Walzertakt schwingen, wird in der Öffentlichkeit gern ein bedrohliches Phänomen beschworen: Schattenmänner mit Schmissen im Gesicht, die Saufgelage zelebrieren, Fechtduelle austragen und, verschworen zum lebenslangen Treuebund, angeblich in Politik und Wirtschaft die Fäden ziehen.

Dabei wirken sie wie Relikte des 19. Jahrhunderts, die sich auf ein versunkenes Zeitalter berufen, da Deutschland noch nicht geeint und Nationalstaaten erst im Entstehen waren.

Heute gefallen sich viele der Burschenbündler, die sich Korporierte nennen, darin, nonchalant die Grenzen zwischen rechtskonservativ und neonazistisch zu überschreiten. Sei es, dass sie demonstrativ dem Nazimilitär Tribut zollen, sei es, dass sie hart an der Grenze zum Verbotsgesetz provozieren. Gerade österreichische Verbindungen verabsäumen es, klare Trennstriche zu ziehen. Der Korpsgeist steht über allem.

Im Gegensatz zu bundesdeutschen Verbindungen haben sich österreichische Burschenschaften eine politischen Einflusszone geschaffen: im Rahmen der FPÖ. Sie sind die treuesten Diener der Partei, das deutschnationale Fundament.

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der Wert einer Demokratie

In einer Demokratie geht lt. Definition die Macht vom Volk aus und wenn bei einer Wahl ein Drittel des Wahlvolkes das „rechte Lager“ wählt, ist das erstens demokratisch legitim und sollte zweitens ein Grund für die Andersdenkenden sein, über die Ursachen nachzudenken. In einer Demokratie zu leben, ist bestimmt nicht einfach, denn das Grundprinzip jeder Demokratie ist es, dass man die Meinung anders denkender Menschen akzeptieren muss, obwohl man von der eigenen zutiefst überzeugt ist. In einer Demokratie sollte Denk- u. Meinungsfreiheit herrschen und man sollte seine Meinung auch öffentlich sagen (dürfen)! Nur jemand, der andere Meinungen, Weltanschauungen, Regierungen und Glaubensrichtungen (unter der Voraussetzung der Einhaltung der Menschenrechte!) akzeptiert, kann und soll trotzdem oder gerade deshalb selbstbewusst, ohne Zwang und mit friedlichen Mitteln(keine Farbbomben!) seine eigene Meinung und Überzeugung vertreten. Etwas auszugrenzen oder zu verbieten ist einfach, jemanden zu überzeugen ist schwierig und langwierig, macht aber den Wert einer Demokratie aus.