Vergangene Woche machte der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hellmut Königshaus, Schlagzeilen. Er forderte die Bundeswehr auf, den Soldaten mehr Zeit zum Schlafen zu geben: Zu spät sei der Zapfenstreich (23 Uhr) und zu früh vor allem der Weckruf (4.30 Uhr). Soldaten müssten bereits in der Grundausbildung wichtige Aufgaben erfüllen, es dürfe nicht sein, dass sie regelmäßig übermüdet sind. Damit befeuert der Wehrbeauftragte auch eine Diskussion auf einem ganz anderen Feld: dem des Schulstarts.

Seit Jahren mahnen Schlafforscher, der Schulbeginn um 8 Uhr sei zu früh. Kinder seien um diese Uhrzeit nur bedingt leistungsbereit.

Und einmal ganz abgesehen vom Leistungsgedanken: Wer an einem nachtdunklen Wintermorgen Erstklässler aus dem Bett rütteln muss, fühlt, dass da der Weg zur Folter kein weiter ist. Auch eine Vorverlegung des Zapfenstreiches im Kinderzimmer auf »heute aber wirklich um halb acht« bringt nichts außer Geschrei.

In der Politik findet sich eine bunte Truppe, die sich gelegentlich für einen Schulstart um 9 Uhr stark macht; sie reicht von dem CDU-Mann Oettinger bis zum Grünen Özdemir. Bisher sind diese Vorstöße aber gescheitert. Die Gegner, oft Bildungspolitiker und Schulrektoren, fuhren schweres Geschütz auf: Ein späterer Schulstart würde Unterricht in den Nachmittag schieben, das Schulsystem müsste sich ändern. Aber ebendas tut es gerade, Ganztagsschulen sind bundesweit auf dem Vormarsch.

Bleiben die Lehrer. Seit dem Hype um die Studien des Bildungsforschers John Hattie wissen wir: Guter Unterricht hängt nicht von der Schulform ab, sondern vom Lehrer. Und sind ausgeschlafene Lehrer nicht die besseren? Schon Tucholsky wusste: »Gebt den Leuten mehr Schlaf, sie werden wacher sein, wenn sie wach sind.«