Dieser Schuh aus Amphibiox-Gewebe hat eine komplett wasserdichte Membran – von Geox, 160 Euro © Peter Langer

Wir Deutschen hatten schon immer eine Vorliebe für funktionale Kleidung. Das liegt sicher auch daran, dass man Funktionskleidung hier immer gut gebrauchen kann. Man hat einfach viel mehr Wetter um die Ohren als in anderen Ländern. In Italien beispielsweise gibt es keinen Winter, in dem es mal plus 15, mal minus 15 Grad ist. Von daher war man hierzulande schon immer sehr offen gegenüber Materialien mit besonderen Eigenschaften. Etwa Kunststoffen, die superleicht sind und dennoch wärmen, oder Membranen, die Wasser abhalten und trotzdem atmungsaktiv sind.

In dieser Hinsicht wird uns Deutschen gerne vorgeworfen, an die Mode nicht die nötigen ästhetischen Kriterien anzulegen. Doch nun könnte sich herausstellen, dass Deutschland seiner Zeit voraus und die Gore-Tex-Jacke in gewisser Weise Avantgarde war – denn Technologie ist die große Zukunftshoffnung der Mode. Der Designer Hussein Chalayan sagt in der Financial Times: »Da in der Mode mittlerweile alles gemacht worden ist, glaube ich, dass Technologie das Einzige ist, was man in dieser Branche noch neu erfinden kann.«

Luxus bedeutet, mit erlesenen Materialien zu arbeiten – mit kostbarer Seide, seltenen Ledern oder exotischen Fellen. Das ändert sich zunehmend. Zum einen sind viele dieser Materialien heute ethisch nicht mehr vertretbar. Andere, etwa Kaschmir, sind inzwischen in so großen Mengen verfügbar, dass sie bei den Konsumenten keine Begehrlichkeit mehr wecken. In der Folge sucht die Luxusindustrie das Heil nicht in der Tradition, sondern im Fortschritt. Der Weihnachtshit von Oakley war eine Skibrille, in deren Gläsern sich Informationen, etwa die iPod-Playlist, darstellen lassen. Es gibt auch einen Yoga-Anzug, der mit Sensoren prüft, ob die Übung richtig ausgeführt wird.

Alle Kolumnen von Tillmann Prüfer im Überblick

Bald wird es Kleidung geben, die den iPod mit Solarenergie auflädt. Und Kleidung, die nicht mehr geschneidert wird, sondern vielleicht wächst wie eine Pflanze. Das weckt Befürchtungen, dass man künftig Ingenieure braucht anstatt Designer. Es wird auch Gewebe geben, das die Farbe wechselt, wenn man mit den Händen darüberstreicht. Für die Auswahl der Farben braucht man dann allerdings immer noch den sicheren Geschmack der Designer.